Anlage des Jüdischen Friedhofs in Witnica

Restauriertes Gräberfeld des Jüdischen Friedhofs in Witnica
Foto: Anke Geißler-Grünberg
Blick über das restaurierte Gräberfeld des Jüdischen Friedhofs in Witnica
Dalet
Foto: OLF1.1. FrankRuhlLibre

Der jüdische Friedhof von Witnica befindet sich im Südosten der Stadt an der ul. Wojska Polskiego [GPS: 52.671119, 14.908840]. Das rechteckige Grundstück mit einer ungefähren Größe von 2.000 m² erstreckt sich auf einem leicht ansteigenden Hügel. Das hintere Drittel ist durch Strauch- und Baumbewuchs gekennzeichnet und wurde offenbar nicht als Begräbnisfläche genutzt.

Der nach 1946 weitestgehend zerstörte jüdischen Friedhof wurde durch die Bemühungen der Behörden von Stadt und Gemeinde Witnica sowie des Vereins der Freunde Witnicas e.V. mit finanzieller Unterstützung durch Wolfgang Stammwitz umsichtig und liebevoll restauriert. Im Jahr 2009 fand diese Restaurierung ihren Abschluss. Eine Gedenktafel rechts des Eingangs verweist auf dieses Engagement.

Der Friedhof präsentiert sich heute als Gedenkanlage, die die ursprüngliche Gestaltung und Struktur mit erhalten gebliebenen, aber beschädigten Grabsteinen, Fragmenten und Grabeinfassungen in Einklang zu bringen versucht. Der Friedhof ist im vorderen Bereich durch eine neuzeitliche Mauer eingefriedet; allerdings endet sie ungefähr auf halber Höhe. Dahinter befindliche und in regelmäßigen Abständen stehende Betonpfeiler lassen auf einen nicht mehr vorhandenen Zaun schließen.

Die prägende Hanglage des Friedhofs spiegelt sich in einer Terrassierung der Grabfelder wider. Ein am Eingang beginnender und mit alten Laubbäumen gesäumter Mittelweg teilt den Friedhof darüber hinaus in einen nordwestlichen und einen südöstlichen Bereich. Kleine Stufen bilden den Übergang zur nächsthöher gelegenen Ebene.

In der untersten Ebene befindet sich rechterhand mittig ein Gedenkfeld aus 20 geborgenen Grabmal-Sockeln, die in vier Reihen angeordnet wurden. An der südöstlichen Friedhofsmauer hangaufwärts legten die Restauratoren drei Gedenkwände mit Fragmenten von ca. 20 zerstörten Grabsteinen an. Die links des Hauptweges liegende Fläche ist leer.

Deshalb fällt die hier kunstvoll gestaltete Ehrenreihe der zweiten Ebene mit sechs Grabsteinen besonders ins Auge. Diese befinden sich in kleinen bemerkenswerten Gerüsten, die es ermöglichen, dass sie trotz ihrer zum Teil starken Beschädigung aufrecht stehen und die beidseitig eingravierten hebräischen und deutschen Inschriften lesbar machen. Dahinter liegende Grabeinfassungen erzeugen jeweils den Eindruck einer Einheit, als Grabanlage.

Die Rekonstruktion dieser und der beiden nächsthöheren Terrassen verdeutlicht die für das 19. Jh. übliche Praxis bei der Belegung der Friedhofsflächen: liegende Grabsteine, Grabeinfassungen, Sockel und zwei stehende, aber schwer beschädigte Grabsteine befinden sich in geraden Reihen. Eine ebenfalls übliche Chronologie in der Belegung konnte jedoch nicht mehr rekonstruiert werden.

Anke Geißler-Grünberg

Dalet
Foto: OLF1.1. FrankRuhlLibre