Geschichte des Jüdischen Friedhofs in Drezdenko

Jüdischer Friedhof von Drezdenko als Teil eines Wohngebietes
Foto: Anke Geißler-Grünberg
Der jüdische Friedhof von Drezdenko als Teil eines heutigen Wohngebietes
gimmel
Foto: OLF1.1. FrankRuhlLibre

Die Anlegung des jüdischen Friedhofs in Driesen südlich der Alten Netze wird für den Beginn des 18. Jh. angenommen. Diese Annahme beruht möglicherweise auf dem Bericht des Stadtchronisten Adolf Reckling, wonach der jüdische Krämer Abraham Moses im Jahr 1687 an den Folgen einer Vergiftung starb. Auch wenn der Chronist in seiner Beschreibung der folgenden Ereignisse den Verstorbenen wieder zum Leben erweckt, was auf die Namensgleichheit mit einem Verwandten zurückzuführen ist, berichtete er jedoch nichts über den Ort der Beerdigung.

Angesichts der Tatsache, dass Driesen im Jahr 1750 lediglich 785 Einwohner zählte und unbedeutend war, muss bezweifelt werden, dass sich hier zuvor eine Jüdische Gemeinde gegründet hatte, die auch einen eigenen Friedhof unterhalten konnte. Außerdem wuchs die Zahl der in Brandenburg siedelnden Juden seit dem 1671 erlassenen Edikt des Großen Kurfürsten mit Ausnahme der Hauptstadt Berlin und des großen Handelszentrums Frankfurt (Oder) nur sehr langsam. Es ist deshalb davon auszugehen, dass die wenigen Driesener Juden ihre Toten auf einem Friedhof der umliegenden Jüdischen Gemeinden (Woldenberg, Schwerin a.W. oder Landsberg a.W.) beerdigten und ihren eigenen Begräbnisort frühestens im Zuge des Synagogenbaus 1767 eröffneten.

Adolf Reckling schrieb 1898, dass der Mühlenbesitzer Leopold Stoltz im Jahr 1869 „auf dem Judenberge hinter dem jüdischen Kirchhofe eine neue Dampfschneidemühle“ errichtete und diese Erhebung per Entscheid der Königlichen Regierung mit Sitz in Frankfurt /Oder die Bezeichnung „Carlshöhe“ erhielt. Noch 1923 war die „Carlsmühle“ im Stadtplan eingetragen, und zwar westlich des jüdischen Begräbnisplatzes. Im gegenüber befand sich der Neue Friedhof.

In welchem Umfang der Friedhof während der NS-Zeit verwüstet wurde, bedarf noch einer genauen Untersuchung. Aufgrund der Kenntnis über andere jüdische Friedhöfe der Region ist zu vermuten, dass der Begräbnisort der Driesener Juden nach 1945 beräumt und zu einem Park umgestaltet wurde. Das gleiche Schicksal erfuhr auch der Alte (deutsche) Friedhof östlich der heutigen ul. Ogrodowa, auf dem sich nun ein städtischer Vergnügungspark befindet.

1976 erbaute die Stadt Drezdenko an der Ecke ul. Ogrodowa / Kopernika im Zuge der Errichtung eines Wohngebietes einen Kindergarten, dessen Spielplatz und Gebäude direkt an den inzwischen aufgelassenen jüdischen Friedhof angrenzen. Abgetrennt durch einen Betonweg und eine niedrige Hecke, befindet er sich seitdem auf dem eingezäunten Grundstück der Bildungsstätte und ist somit in gewisser Hinsicht geschützt. Am 27. Juni 2008 erfolgte hier die Einweihung eines vom damaligen Bürgermeister der Stadt beauftragten Gedenksteins. Die auf ihm befestigte Tafel macht in ihrer Inschrift deutlich, wie grundsätzlich unklar die Überlieferungslage zur Geschichte des Ortes noch ist. Demnach sei der Friedhof von 1867 bis 1933 Eigentum der örtlichen jüdischen Kultusgemeinde gewesen.

Anke Geißler-Grünberg

gimmel
Foto: OLF1.1. FrankRuhlLibre