Jüdischer Friedhof in Międzyrzecz-Obrzyce (Meseritz-Obrawalde)

Gedenkstein für die jüdischen Opfer
Foto: Anke Geißler-Grünberg
Gedenkstein in Międzyrzecz-Obrzyce für die jüdischen Opfer des Euthanasie-Programms in Obrawalde

Ungefähr zwei Kilometer östlich von Międzyrzecz befand sich seit 1904 die „Provinzial-Irrenanstalt Obrawalde bei Meseritz“ der preußischen Provinz Posen. Auch wenn sich die administrative Zugehörigkeit der Stadt nach dem Ersten Weltkrieg mehrfach änderte, stand im Zentrum dieser Einrichtung die umfassende Fürsorge für geisteskranke Menschen. Das betraf Protestanten, Katholiken und Juden gleichermaßen.

In der Weimarer Republik gab es hier schließlich acht Abteilungen, die sich weiteren Patientengruppen widmeten. Verstorbene wurden entsprechend ihrer Religionszugehörigkeit auf dem anstaltseigenen Friedhof beerdigt.

1939 wurde die Heil- und Pflegeanstalt Obrawalde (Miedzyrzecz-Obrzyce) in eine Anstalt zurück verwandelt, die ausschließlich für geistig Behinderte und psychisch Kranke zuständig war. Im Rahmen des nationalsozialistischen Euthanasie-Programms begannen hier noch im gleichen Jahr Verlegungen dieser Hilfebedürftigen, die deren gezielte Ermordung zum Ziel hatten. Ab 1942 ging die Anstalt in Obrawalde selbst zur systematischen Ermordung ihrer Insassen über. Die Leichen wurden anschließend auf dem Friedhof in Massengräbern verscharrt.

Am 29. Januar 1945 erreichte die Rote Armee Obrawalde und befreite die Kranken von ihren Peinigern. Heute ist auf dem Gelände ein psychiatrisches Krankenhaus untergebracht. Im November 2004 entstand auf dem Friedhof eine Gedenkanlage, die an die verschiedenen Opfergruppen erinnert.

Im Dezember 2021 erscheint von Andrzej Kirmiel das Buch "Żydzi w Międzyrzeczu", in dem sich ein Kapitel der Nervenheilanstalt widmet. Nun erscheint es hier in deutscher Übersetzung. Sie erfolgte durch Magdalena Abraham-Diefenbach.

Anke Geißler-Grünberg