Geschichte des Jüdischen Friedhofs in Bledzew

Zeichen des Umgangs mit dem jüdischen Friedhof in Bledzew
Foto: Anke Geißler-Grünberg
Ehren. Zerstören. Gedenken - Zeichen des Umgangs mit dem jüdischen Friedhof in Blesen resp. Bledzew

Nach den Grundsätzen des Judentums war ein Friedhof schon immer das wichtigste Element, ohne den keine unabhängige jüdische Gemeinde entstehen konnte. Es ist also davon auszugehen, dass er noch im 18. Jh. mit dem Zuzug der ersten jüdischen Familien nach Blesen angelegt wurde. Er befand sich im Wald auf einem kleinen Hügel 1,2 km westlich des Marktplatzes, in der Nähe der ehemaligen Mühle (Hintermühle). Nach den Anforderungen des jüdischen Glaubens war er von einer Mauer umgeben. Er hatte auch ein eisengeschmiedetes Tor. Die Grundfläche des Friedhofs beträgt 1.000 m² und nimmt ein Quadrat von 20 x 50 m ein.

Nach 1945 fehlte in Blesen praktisch jede Erinnerung an die Juden. Von ihnen gibt es nur einige wenige Zeugnisse sowie einen Friedhof, der im Wald auf einem kleinen Hügel liegt. Er teilte das Schicksal der umliegenden jüdischen Friedhöfe, die systematisch bestohlen und verwüstet wurden. Nach dem Krieg wurde die Friedhofsmauer abgerissen und ihre Ziegelsteine als Baumaterial [höchstwahrscheinlich zum Bau einer Feuerwache] wiederverwendet. Das mächtige eiserne Friedhofstor wurde demontiert und verschwand. Grabsteine aus Granit und Marmor wurden gestohlen, neu geschliffen und auf zeitgenössischen Friedhöfen wiederverwendet. Andere, die hauptsächlich aus Sandstein bestanden, wurden als Baumaterial und zur Straßenbefestigung verwendet.

Der Friedhof war völlig verwüstet, zugewachsen mit Büschen und jungen Bäumen. In diesem Zustand überlebte er die nächsten dreißig, vierzig Jahre. Im Jahr 2006 kümmerte sich der Geschichtslehrer Tomasz Watros aus Skwierzyna [Schwerin a.W.] um seine Pflege. Zusammen mit Schülern der Oberschule (Lyzeum) aus Skwierzyna reinigte er das Friedhofsgelände. Indem man die Vegetation rodete, wurde es möglich, seine Grenzen wiederherzustellen und in Abschnitte aufzuteilen. Mit professioneller Ausrüstung wurden die liegenden Grabsteine aufgestellt und fotografiert. Dies erlaubte, 25 Grabsteine zu identifizieren und eine Menge anderer Fragmente zu finden.

Leider, wie auch in anderen Fällen, zum Beispiel in Schwerin a.W., Tirschtiegel oder Schermeisel provozierte das Aufräumen des Friedhofs Aggressionen unbekannter Personen, die zu seiner Schändung führten. Viele aufgestellte Grabsteine wurden zerstört und ihre Teile in unmittelbarer Umgebung verstreut. Polizeiaktionen führten nicht zur Ermittlung der Täter. Um den Zustand des Friedhofs sorgte sich aber Hubert Petzelt, Nachkomme einer deutschen Blesener Familie, der per Brief in direktem Kontakt mit dem Bürgermeister von Bledzew, Leszek Zimny, stand. Er versucht, Einfluss auf die Gemeinde zu nehmen, damit sie sich um die Blesener Nekropole kümmert. Bei ihrer Rettung für die Nachwelt geht es nicht nur um Respekt gegenüber der Geschichte seiner Stadt, sondern auch um die Annullierung der Absichten der Nazis, dass Blesen für immer judenfrei sein sollte.

Andrzej Kirmiel