Geschichte des Jüdischen Friedhofs in Cedynia

Friedhofsmauer mit Resten eines Gebäudes
Foto: Anke Geißler-Grünberg
Friedhofsmauer in Cedynia mit Resten eines einstigen Gebäudes

Angelegt wurde der Friedhof der Jüdischen Gemeinde Zehden spätestens im Zuge der Gemeindegründung zu Beginn des 19. Jh. im Süden der Stadt. Aufgrund der erhalten gebliebenen Grabsteine kann jedoch nicht belegt werden, dass er bereits im 18. Jh. seine Funktion ausübte.

Der Überlieferung zufolge besaß der Friedhof aber eine Größe von 1.000 m² und war an drei Seiten von einer Feldsteinmauer umgeben. An der Nord- sowie an der Westseite befand sich demnach je ein Tor. Ein aus Ziegelstein gemauerter und nur noch fragmentarisch erhaltener Pfeiler dient hierfür als Beleg. Offenbar hatte der Friedhof außerdem ein kleines Gebäude an der nordwestlichen Seite, wie Fundamentreste vermuten lassen. Allerdings muss offen bleiben, ob es sich hier um eine Trauerhalle oder den Verschlag für einen Leichenwagen handelt.

Bekannt ist, dass die Belegung des Friedhofs vom westlichen Zugang aus begann und sich dann Richtung Osten fortsetzte. Allein aufgrund der Geschichte der Jüdischen Gemeinde ist es erwiesen, dass die meisten Beerdigungen im 19. Jh. stattfanden. Im hinteren neuen Bereich erhielten die Gräber entsprechend des damaligen Zeitgeistes zunehmend auch Grabeinfassungen. Die Grabmale wurden wahrscheinlich ebenfalls größer und waren nicht mehr nur aus weichem Sandstein, sondern aus Hartgestein, Granit.

Durch anthropologische Untersuchungen in den 1970er Jahren konnte zudem festgestellt werden, dass auf dem Friedhof 24 zumeist junge Erwachsene beerdigt wurden, die aus höheren sozialen Schichten stammten. Dazu gehörten auch Ehefrau und Tochter des Rabbiners Goldberg, die 1920 gestorben waren. Es bleibt aber unklar, um wen es sich bei diesem Würdenträger genau handelt.

Ob der Begräbnisplatz schon in der NS-Zeit zerstört wurde, müssen weitere Forschungen ermitteln. Heute ist er jedenfalls eine Grünfläche, die an der östlichen und südlichen Seite durch Bäume und im Nordwesten durch eine Feldsteinmauer abgegrenzt ist. Die sieben in einer Reihe platzierten Grabmale an der östlichen Grundstücksgrenze hatten Einwohner von Cedynia aufgestellt, die sie zuvor an nicht näher genannten Stellen geborgen hatten. Diese Grabsteine stehen demzufolge nicht mehr in situ.

Im Oktober 2002 wurde der Jüdische Friedhof von Cedynia unter Denkmalschutz gestellt. Unterhalb seiner nordwestlichen Begrenzungsmauer informiert inzwischen ein großes Informationsschild über die Geschichte dieses Ortes. Aufgestellt hatte es die Stadtgemeinde Cedynia im Rahmen eines mit europäischen Fördergeldern realisierten Projektes, das der Kennzeichnung und Erklärung von Plätzen dient, die für die Stadtgeschichte wesentlich sind.

Anke Geißler-Grünberg