Anlage des Jüdischen Friedhofs in Skwierzyna

Blick über den Friedhof in Skwierzyna
Foto: Anke Geißler-Grünberg
Blick über den Jüdischen Friedhof in Skwierzyna
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Foto: OLF1.1. FrankRuhlLibre

Der jüdische Friedhof in Skwierzyna liegt im südlichen Teil der Stadt, etwa zwei Kilometer vom Zentrum entfernt, auf einem Hügel nahe der Straße nach Międzyrzecz [GPS: 52.592369, 15.509040]. Er beansprucht eine Fläche von 2,35 ha und grenzt an seiner Nordseite an den ehemaligen evangelischen und heutigen Kommunalfriedhof.

Neben der traditionellen Form einer Mazewa findet man auf dem jüdischen Friedhof auch Obelisk-förmige Grabsteine und Steinplatten, wie sie für christliche Friedhöfe charakteristisch sind. Dies sind zweifellos Einflüsse der Haskala, die sehr früh von der Schweriner Gemeinde übernommen wurden. Bis in unsere Zeiten haben sich nur Grabsteine aus Sandstein erhalten. Die ältesten Grabsteine befinden sich auf dem westlichen Teil des Hügels an der Seite der Straße nach Międzyrzecz. Sie sind meist 30 bis 60 cm hoch und bestehen aus erratischen Steinen, hauptsächlich aus rosa Granit. Im zentralen Teil des Hügels konnten ein paar Kindergrabsteine ausfindig gemacht werden.

Auf den übrigen Teilen des Friedhofs sind die oben genannten Typen von Grabsteinen zu finden, wobei Mazewot überwiegen. Die erhaltenen Grabsteine haben größtenteils eine rechteckige Form und variieren in der Höhe meist von 50 bis 150 cm, wobei einige höher sind. Sie sind direkt in den Boden eingelassen oder auf Sockeln, und bei einigen von ihnen haben sich teilweise sie umfassende Metallzäune erhalten.

Auf einigen Platten oder Plattenfragmenten sind Spuren von Polychromie (mehrfarbige Gestaltung) erhalten geblieben. Abgesehen von vergoldeten Buchstaben sind die häufigsten Farben blau und weiß. Die Grabsteine sind mit ein- oder zweiseitigen Inschriften versehen. Mit Ausnahme einiger weniger Grabsteine mit nur deutschen Inschriften haben die übrigen hebräische oder hebräische und deutsche Inschriften. Etwa 20% der Mazewot mit doppelseitiger Beschriftung sind erhalten geblieben.

Nur ein Drittel der erhaltenen Mazewot in Skwierzyna tragen Symbole. Auf den anderen dominieren Inschriften, selten mit einem schematischen Pflanzenmotiv verziert. Nur auf wenigen Grabsteinen findet man aufwändigere ornamentale Motive, die meist aus der Pflanzenwelt stammen. Unter den wenigen Symbolen ist das Auge der Vorsehung dominierend (21 Mazewot), das im Kopf einer Mazewa platziert ist. Das ist ein originelles und seltenes Symbol, spezifisch für die Grabmalkunst des deutschen Judentums. Sie entstammt der protestantischen Kunst, die die reformierten deutschen Juden beeinflusste. Darüber hinaus findet man Grabsteine mit der Symbolik von Priestern (Kohen) und Leviten, sowie die folgenden Symbole: Zerbrochener Baum, Zerbrochene Blume, Olivenzweig, Löwe, Krone, Leier und Buch. Das originellste Beispiel der Grabstein-Symbolik auf dem Friedhof von Skwierzyna ist ein von einem Pfeil durchbohrtes Herz (eine Mazewa). Ein solches Symbol auf einem Grabstein zu platzieren, selbst auf einem Friedhof, der Reformjuden gehört, ist eine Art Kuriosität, die man auf anderen jüdischen Friedhöfen nicht findet. Es beweist, dass sich die Schweriner Juden so weit von der religiösen Orthodoxie entfernt haben, dass die Verwendung von weltlichen Symbolen, oft mit eindeutigen Konnotationen, keine Einwände mehr hervorrief.

Im Jahr 2014 wurden auf Initiative der lokalen Behörden erneut Arbeiten auf dem Friedhof durchgeführt, wobei eine Informationstafel angebracht und beschädigte Treppen repariert wurden. Der Friedhof in Skwierzyna steht im Register der historischen Denkmäler und ist heute eine Touristenattraktion, die vom multikulturellen Charakter der Gegend zeugt.

Andrzej Kirmiel

 

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Foto: OLF1.1. FrankRuhlLibre