Geschichte des Jüdischen Friedhofs in Trzciel

Reihengräber des Jüdischen Friedhofs in Trzciel
Foto: Anke Geißler-Grünberg
Reihengräber des Jüdischen Friedhofs in Trzciel
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Foto: OLF1.1. FrankRuhlLibre

Der jüdische Friedhof von Trzciel liegt etwa 1,5 km von der Stadt entfernt an der Straße Richtung Jabłonka auf einem Hügel neben dem jüdischen See (Judensee bzw. Urasee). Es gibt derzeitig 159 Grabsteine oder Grabstein-Fragmente, die ältesten sind unregelmäßige Felsbrocken mit hebräischen Inschriften.

Der älteste Grabstein stammt aus dem Jahr 1745 und gehört Selman, Sohn von Meir (Nr. 73). Dieser Grabstein bestätigt den Kauf des Platzes für den Friedhof im Jahre 1745, der jedoch erst 1775 eröffnet werden sollte. Diese Information wird durch gefundene Steine widerlegt. Auf dem Friedhof befinden sich 7 Grabsteine, deren Todesdatum vor 1775 liegt (Nr. 80, 83,91, 92, 93,149, 151).

Als Grabsteine wurden bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts hauptsächlich Findlinge aufgestellt, obwohl es solche Grabsteine auch aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gibt, z. B. den für Zwi Hirsch, Sohn von Jehuda Leib aus dem Jahr 1859 (Nr. 133). Unter diesen Grabsteinen befinden sich die Grabsteine der ersten Rabbiner von Tirschtiegel: Rabbi Schlomo, Sohn von Seew (gest. am 12. März 1789) und Rabbi Seew Wolf, Sohn von Zwi (gest. am 4. April 1800). Eine interessante Tatsache ist, dass die Inschrift für Rabbiner Seew Wolf, Sohn von Wolf in aramäischer Sprache verfasst wurde. Einige der Findlinge befinden sich im nördlichen Teil des Friedhofs, etwas abseits in einer Gruppe auf dem westlichen Teil des Hügels (Nr. 155-159).

Eine zweite Grabsteinform bilden freistehende Tafeln, von denen einige eine Grabeinfassung besitzen. Sie bestehen normalerweise aus Sandstein. Die meisten Stelen haben Inschriften in Hebräisch und auf der anderen Seite in Deutsch. Es gibt Grabsteine, bei denen der hebräische Haupttext durch einen darunter stehenden kurzen deutschen Text ergänzt wird. Es gibt nur wenige ausschließlich deutsche Texte. Sie befinden sich auf mehreren Grabsteinen aus dem 20. Jahrhundert aus Marmor, Granit und Beton.

Auf den freistehenden Tafeln befinden sich symbolische Bilder. Findlinge haben nur die hebräischen Buchstaben als einziges dekoratives Element. Manchmal sind sie stilisiert, aber meistens passen sie zur „vorhandenen” Oberfläche eines harten Steines. Die meisten Ornamente können als dekorative Elemente interpretiert werden. Manchmal befinden sich Lilien und einzelnes Ästchen. Eine andere Art von Symbolen sind Vanitas-Symbole in Form von zerbrochenen Bäumen, Blumen und einem Schmetterling. Es gibt auch traditionelle Symbole der Abstammung: Hände in einer Geste des Segens der Kohanim (Priester) und Krüge der Leviten.

Die hohe Anzahl der erhaltenen Sockel und Grabeinfassungen lässt darauf schließen, dass viele Grabsteine aus Marmor und Granit aus dem 20. Jahrhundert gestohlen wurden. Nach dem Zweiten Weltkrieg (im Jahre 1961) wurde der Friedhof offiziell geschlossen. Im Jahre 1972 wurde die Entscheidung getroffen, ihn zu liqudieren. Trotz dieser Entscheidung existiert er aber bis heute. Basierend auf dem einzigen Vorkriegsfoto des Friedhofes kann man nicht sagen, wie er ursprünglich aussah.

Leszek Hońdo

 

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Foto: OLF1.1. FrankRuhlLibre