Geschichte des Jüdischen Friedhofs in Moryń

Zustand des Friedhofs in Moryń 2020
Foto: Anke Geißler-Grünberg
Zustand des Friedhofs in Moryń 2020
gimmel
Foto: OLF1.1. FrankRuhlLibre

Der Friedhof stellt heute das einzige, offiziell zur Jüdischen Gemeinde Mohrins gehörende Grundstück dar. Wie damals üblich, wurde er außerhalb der Stadtmauern angelegt. Er befindet sich nahe dem südlichen Stadttor, durch die Stadtmauer von der Rückseite der Synagoge getrennt. Zu seinem Ursprung lassen sich jedoch nur Vermutungen anstellen. Das Areal wurde seit Beginn des 19. Jahrhunderts durch die kleine Gemeinde in Mohrin und die Jüdinnen und Juden der Umgebung als Begräbnisplatz genutzt. Darauf weisen die noch vorhandenen Grabsteine mit ihren hebräischen Inschriften hin. Die erste gesicherte Jahreszahl ist auf 1840 datiert. Die aufgefundenen Grabsteine sind sowohl in deutscher Sprache als auch in hebräischer Sprache verfasst.

Während der Reichspogromnacht vom 9. zum 10. November 1938 wurde der Friedhof verwüstet. Wahrscheinlich wurden die meisten verbliebenden Grabsteine sowie Großteile der Friedhofsmauer von Menschen des Ortes für eigene Zwecke entwendet. Durch vollständige Auslöschung der Jüdischen Gemeinde von Mohrin während der NS-Herrschaft lebten nach 1945 keine Jüdinnen und Juden mehr in der Stadt. Ab diesem Zeitpunkt finden sich auch keine Anzeichen mehr für eine aktive Nutzung des Friedhofsareals. Das Friedhofsgrundstück wurde bis 2006 zweckentfremdet und als Hühnerstall genutzt.  

Im Jahre 2006 begann der Verein „Przyjaciół Morynia i Jeziora Morzycko“ mit der Pflege des Friedhofs. Dabei wurden Steine wiederentdeckt, aufgestellt und restauriert. Auch die ehemalige Friedhofsmauer ist wieder angedeutet worden. Mit Unterstützung des Bürgermeisters Jan Maranda errichtete derselbe Verein am 31. Mai 2006 einen Gedenkstein mit einer dreisprachigen Inschrift: „Jüdische[r] Friedhof [vom] Anfang [des] XIX. Jahrhundert. Hier ruhen Juden aus Mohrin „Gott verknüpfe ihre Seelen in den Knoten des ewigen Lebens.“ Zunächst besaß der Gedenkstein eine Plexiglasscheibe mit der Inschrift, inzwischen wurde diese aber in den Stein gemeißelt.

2018 wurde der jüdische Friedhof von Moryń im Denkmalamt Szczecin als Bodendenkmal registriert.

Marieke Grenzebach

 

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Foto: OLF1.1. FrankRuhlLibre