Jüdischer Friedhof in Storkow

Storkow ist eine der ältesten Städte in Brandenburg. Denn sie besaß aufgrund ihrer Lage an einer mittelalterlichen Handelsstraße vom Barnim nach Leipzig und an der nördlichen Grenze der Lausitz eine hohe strategische Bedeutung. Eine 1209 erstmals urkundlich erwähnte Burg diente den Wettinern und dem von ihnen belehnten Adelsgeschlecht derer von Strehle sowohl der Expansion als auch der Verteidigung und des Landesausbaus.
Allerdings fiel die Herrschaft Beeskow-Storkow im Zuge der Reformation Mitte des 16. Jahrhundert mit Markgraf Johann von Küstrin an die Hohenzollern. Und nach dem Dreißigjährigen Krieg war sie ebenso wie andere Regionen in Brandenburg völlig verheert.
Doch erst unter Friedrich II. begann ihr wirtschaftlicher Wiederaufbau, der mit der Ansiedlung von Fachkräften einher hing. In Storkow entstand ab 1748 ein Textilgewerbe; der kurz zuvor fertiggestellte Storkower Kanal mit seiner Anbindung an die nordwestlich gelegene Dahme und damit an die Wasserstraßen der wachsende Residenzstadt Berlin ermöglichte den schnellen Transport der produzierten Textilien, aber auch von Holz und Zielsteinen – und ab Ende des 19. Jahrhunderts auch den Transport von Touristen. Es entstand eine Schuh- und Möbelindustrie. Die zeitgleich erfolgte Anbindung ans Netz der Eisenbahn beförderte die positive Entwicklung der Stadt noch weiter.
Juden hatten daran nur einen kleinen Anteil. Gleichwohl waren sie seit Beginn des 18. Jahrhunderts im Textil- und Viehhandel der Region Storkow-Beeskow aktiv. Die wachsende Attraktivität Berlins führte aber zu vermehrter Abwanderung – und traf die kleine Minderheit besonders empfindlich. Dennoch sind mit dem jüdischen Friedhof, dem Gebäude, das einst die Synagoge beherbergte und drei Stolpersteinen im Stadtzentrum die Spuren einstigen jüdischen Lebens in Storkow bis heute sichtbar.
Anke Geißler-Grünberg
