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Geschichte des Jüdischen Friedhofs in Mittenwalde

Foto: Tabea Reinders
Informationstafeln zum Gedenkort Jüdischer Friedhof Mittenwalde

Der jüdische Friedhof in Mittenwalde wurde nach den Angaben der Stadt Mittenwalde im Jahre 1830 angelegt. Jedoch datieren diverse Veröffentlichungen die Gründung des Friedhofs weit früher ins Ende des 18. Jahrhunderts. 

Das Gelände entstand auf dem ehemaligen Gebiet der Wallgräben vor der Stadtmauer, die dort zwischen 1785 und 1790 zugeschüttet worden waren. Auf dem dadurch gewonnenen Land wurde das Friedhofsareal eingerichtet und mit einer Trauerhalle ausgestattet. Als Eigentümer waren ab 1831 sowohl die Jüdische Gemeinde Köpenick als auch diverse Einzelpersonen gelistet. Der Friedhof wurde bis Anfang des 20. Jahrhunderts genutzt, sodass 1933 noch etwa 40 bis 50 Gräber auf dem Friedhofsgelände existierten. In der Reichspogromnacht im Jahre 1938 wurde das Gelände geschändet und zerstört.

Es gibt Hinweise darauf, dass nach 1945 noch 6 Gräber und 20 bis 46 Grabsteine erhalten gewesen sein sollen. In den darauffolgenden Jahren wurde das Land als Garten genutzt und verfiel zusehends. 

Im Jahr 2000 wandte sich der Landesverband der Jüdischer Gemeinden Land Brandenburg an die Stadt Mittenwalde mit der Bitte zur Restauration und Pflege des einstigen Friedhofs. 2001 wurde ein Gedenkstein auf dem Gelände installiert. Ab 2005 kamen dann erste konkrete Diskussionen über die Gestaltung des Ortes auf, nachdem die Stadt Mittenwalde in Zusammenarbeit mit dem Land Brandenburg, dem Jüdischem Landesverband und diverser Ortsvereine eine Würdigung des Ortes anstrebte. Im Zuge der Aufbereitungsarbeiten wurden dabei 22 Grabsteinfragmente gefunden, die heute in der Stadtverwaltung Mittenwalde aufbewahrt werden.

Seit 2011 befindet sich das Friedhofsgelände im Besitz des Landesverbandes der Jüdischer Gemeinden Land Brandenburg. Nach jahrelangen Verhandlungen und Diskussionen über den Umgang mit dem Friedhof wurde dieser am 09. September 2014 feierlich mit rund 80 Gästen und in Anwesenheit des Stadtvorstandes in Form einer Gedenkstätte eröffnet. Hier erinnern nun zwölf graue Natursteinplatten an die einstigen Standorte der Gräber und Grabsteine. Es finden daher auch keine weiteren Bestattungen auf dem Gebiet statt. Finanziert und Instand gehalten wird das Gelände durch Landes- und Bundesmittel.

Der Friedhof funktioniert heute als Begegnungsstätte und dient der Gedenkstättenpädagogik für Schulklassen und Interessierte. Aus einer Recherchearbeit des Kulturlandschaft Dahme-Spreewald e.V. und jüdischer Gemeinden der Region wurde unter der Leitung von Irmtraud Carl eine Rekonstruktion der Belegungsliste des ursprünglichen Friedhofs aus Archiven des Landes Brandenburgs ermittelt. 

Tabea Reinders