Forschung
Die Forschungsschwerpunkte im Arbeitsbereich Politische Theorie und Ideengeschichte umfassen eine große Bandbreite. Prinzipiell beschäftigt sich der Lehrstuhl mit den zentralen Grundbegriffen der Politik, mit verschiedenen theoretischen Erklärungsansätzen und normativen Begründungsstrategien, sowie mit Fragen der Gerechtigkeit, der Ungleichheit und der Gesellschaftstheorie.
Als Arbeits- und Forschungsschwerpunkte lassen sich die folgenden acht Bereiche identifizieren:
Demokratietheorie und Bürger*innen-Beteiligung
Im Bereich der Demokratietheorie setzt sich der Lehrstuhl mit Fragen der Begründung politischer Ordnungen, der Wirksamkeit demokratischer Institutionen, sowie den multiplen Krisen der liberalen repräsentativen Demokratie auseinander. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf den Gelingensbedingungen kommunaler, regionaler und nationaler demokratischer Entscheidungsfindung. Ein weiterer Schwerpunkt liegt im Bereich der Bürger*innen-Beteiligung, insbesondere dem Instrument von Bürger*innen-Räten und Deliberative Mini Publics (DMPs).
Klimapolitik und Klimaethik
Als Gründungsmitglied des Just Climate Transition Netzwerks setzt sich der Lehrstuhl für politische Theorie, insbesondere mit Fragen der gerechten Anpassung an den Klimawandel und den Fairness- und Gerechtigkeitasspekten internationaler Klimapolitik auseinander. Dies beinhaltet die rigorose normative Betrachtung von negative emission technologies, von globalen und regionalen Klimaabkommen, von energy transition pathways, sowie Net Zero Strategien. Darüber hinaus setzt sich der Arbeitsbereich politische Theorie auch mit Fragen der Klimamigration, der nachhaltigen Ressourcenverwaltung und der intergenerationellen Gerechtigkeit auseinander.
Autoritarismus und Gegenstrategien
Als einer der wissenschaftlichen Gastgeber der „International Research Group on Authoritarianism and Counter-Strategies“ (IRGAC), setzt sich der Arbeitsbereich Politische Theorie mit unterschiedlichen Erscheinungsformen des zeitgenössischen Autoritarismus auseinander. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei sowohl auf der Verbindung neoiberaler Ideologie und autoritärer Strategien in so-genannten westlichen Demokratien, als auch auf globalen Netzwerken rechts-autoritärer Politik. Darüber hinaus untersucht der Arbeitsbereich Politische Theorie die Frage, welche Pflichten Bürger*innen in Zeiten zunehmender Faschisierung haben. Anstatt den Autoritarismus lediglich verstehen zu wollen, geht es in der Forschung des Arbeitsbereichs auch um konkrete Gegenstrategien und die Formulierung freiheitlicher und demokratischer Alternativen.
Politische Ideengeschichte jenseits des Kanons
Im Bereich der Ideengeschichte setz ich die Forschung des Arbeitsbereichs Politische Theorie primär mit häufig vernachlässigten Denker*innen jenseits des so genannten Kanons auseinander. Dabei geht es sowohl um die Rekonstruktion des wissenschaftlichen und intellektuellen Beitrags marginalisierter weiblicher Denkerinnen, als auch die Überwindung eurozentristischer Sichtweisen auf die politische Ideengeschichte.
Republikanismus und sozialer Egalitarismus
Der kritische Republikismus ist ein weiterer Forschungsschwerpunkt des Arbeitsbereichs Politische Theorie, ebenso wie der relationale und soziale Egalitarismus. Bestehende Projekte setzen sich insbesondere mit dem Ideal der Nicht-Beherrschung und seinen Auswirkungen auf die basalen ökonomischen und politischen Institutionen eines Gemeinwesens auseinander. Im Bereich des Egalitarismus geht der Lehrstuhl der Frage nach, welche Arten von sozialen und ökonomischen Beziehungen überhaupt mit dem Ideal der relationalen Gleichheit vereinbar sind.
Epistemische Ungerechtigkeit und Anerkennungstheorien
Jede Gesellschaft ist durchsetzt mit bestimmten Anerkennungsregimen wie beispielsweise der unterschiedlichen Wertschätzung bestehender Wissensordnungen und Normen. Unsere Forschung untersucht sowohl die Rechtfertigung von Anerkennungsregimen als auch die konkreten Effekte epistemischer und anderer Anerkennungsordnungen. Darüber hinaus wird untersucht, welche Arten, epistemischer Ungleichheit und unterschiedlicher Wertschätzung/Anerkennung mit dem Ideal sozialer Gerechtigkeit vereinbar sind.
Kritische politische Ökonomie
Im Bereich der kritischen politischen Ökonomie setzt der Arbeitsbereich Politische Theorie sich mit der moralischen Rechtfertigung von ökonomischen Ordnungen auseinander. Dabei geht es sowohl um die Grenzen von Märkten, die Vor- und Nachteile staatlicher Planung, sowie den Möglichkeiten alternativer ökonomischer Ordnungen, jenseits des Finanz- und Konsumkapitalismus. Neben der Frage, was das richtige Verhältnis von Märkten und staatlichen Planungsinstrumenten ist, setzt der Arbeitsbereich sich insbesondere auch mit der Frage unterschiedlicher Eigentumsverhältnisse auseinander.
Strukturelle Ungerechtigkeiten und Antirassismus
Ein weiterer Forschungsschwerpunkt liegt im Bereich struktureller Ungerechtigkeit, dem Fortbestand kolonialer Strukturen sowie der Überwindung rassistischer und sexistischer Gesellschaftsordnungen. Die Analyse struktureller Ungerechtigkeiten ergänzt dabei andere der oben genannten Forschungsschwerpunkte, da beispielsweise koloniale Machtverhältnisse weiterhin die international Klimapolitik prägen, oder rassistische und sexistische Vorurteile leider nach wie vor integraler Bestandteil vieler gesellschaftlicher Anerkennungsordnungen sind.
Der Arbeitsbereich politische Theorie und Ideengeschichte betreibt sowohl theoretische Grundlagenforschung als auch empirisch-qualitative Forschung sowie Kooperationen mit zivilgesellschaftlichen Akteur*innen und sozialen Bewegungen.