uni-potsdam.de

Sie verwenden einen veralteten Browser mit Sicherheitsschwachstellen und können die Funktionen dieser Webseite nicht nutzen.

Hier erfahren Sie, wie einfach Sie Ihren Browser aktualisieren können.

Jüdischer Friedhof in Friesack

Foto: Michael Schmitz
Nahblick auf den Jüdischen Friedhof in Friesack

Seit dem 17. Jahrhundert ist jüdisches Leben in der Stadt Friesack dokumentiert. Betraum, Hebräisch-Schule, Friedhof, Leihbibliothek, die Beschäftigung eines eigenen Kantors und verschiedene Ladengeschäfte stehen für das Friesacker Judentum des 19. Jahrhunderts. Eng verbunden ist diese Zeit ebenfalls mit den Mitgliedern der Kaufmannsfamilie Salomon, die mit ihrem sozialen und gesellschaftlichen Engagement zahlreiche Spuren im Gemeindeleben hinterließen, und das nicht nur im jüdischen.

Die Gründung der westhavelländischen Synagogengemeinde Friesack-Rathenow im Jahre 1854 basierte rechtlich auf dem „Gesetz über die Verhältnisse der Juden“ von 1853. Im Jahre 1892 wurde der Sitz der Synagogengemeinde von Friesack in die Stadt Rathenow verlegt, die über eine größere jüdische Gemeinde mit eigener Synagoge und Friedhof verfügte. Säkularisierung und Abwanderung hatten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zahlreiche jüdische Gemeinden in Brandenburg verkleinert. Dieses Schicksal traf auch Friesack, wo im Jahre 1915 nur noch sechs jüdische Bewohner lebten.

Ist in Friesack von einer Synagoge die Rede, handelt es sich um den Betraum in einem zweistöckigen Gebäude, das die Gemeinde im Jahr 1838 in der Nähe des Marktes errichten ließ. Nachdem der Friesacker Betraum in den 1920er Jahren aufgelassen und der Fachwerkbau lange Zeit von der Stadt als neuem Eigentümer als Wohnhaus genutzt wurde, musste das baufällige Gebäude letztlich im Jahre 1975 abgerissen werden.

Unweit der siebenstämmigen, regional bekannten „Siebenbrüdereiche“ befindet sich an der Klessener Straße (Nr. 26) der jüdische Friedhof, dessen Pflege seit einigen Jahren der Friesacker Heimatverein übernimmt. Friesacker Bürger sorgten bereits in der Zeit nach 1945 für den Schutz des Geländes und für dessen gut gemeinte aber unsachgemäße Restaurierung in den 1980er Jahren. Bei diesen Arbeiten wurden mithilfe der Sowjetarmee alle Grabhügel eingeebnet, Bäume gefällt und zahlreiche Grabsteinfragmente entfernt. Zudem erfuhren bei der Wiedererrichtung der noch erhaltenen Grabsteine weder Originalstandort noch Orientierung größere Beachtung.

Nicole Schmitz