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Geschichte der Jüdischen Gemeinde in Biesenthal

Foto: Anke Geißler-Grünberg
Die einzigen Erinnerungen an einstiges jüdisches Leben in Biesenthal

Als der Große Kurfürst 50 jüdischen Familien die Ansiedlung in seinem Herrschaftsgebiet genehmigt, wuchs die jüdische Gemeinschaft in Biesenthal bis 1692 auf eine stattliche Anzahl von 64 Personen, also ungefähr acht Familien. Mit einem Bevölkerungsanteil von immerhin fast 10% war das ungewöhnlich hoch, zumal innerhalb solch kurzer Zeit. Ursache dürfte die Bedeutung der Stadt als Sitz des kurfürstlichen bzw. königlichen Domänenamtes sein.

Die Biesenthaler Juden lebten vom Handel mit landwirtschaftlichen Produkten, die sie in den nahegelegenen Städten Eberswalde, Bernau und sogar Strausberg verkauften. Für ihre Gottesdienste nutzten sie eine Betstube, die sie sich in einem jüdischen Privathaus eingerichtet hatten. Darüber hinaus legten sie in der Nähe des städtischen Friedhofes an der Berliner Chaussee ihren eigenen Friedhof an.

In der Mitte des 18. Jahrhunderts lebten in Biesenthal 17 jüdische Familien. Der große Stadtbrand vom 14. September 1756 war für die Mehrheitsgesellschaft jedoch Anlass, sämtliche Juden aus dem Ort zu vertreiben. Erst nach der Emanzipationsgesetzgebung kehrten vereinzelt Juden wieder zurück, 1819 zählte man zehn, also zwei oder drei Familien. Noch vor der Auflösung des Amtes Biesenthal 1845 verringerte sich die Zahl der Juden jedoch auf acht. Die Anziehungskraft der großen Städte mit ihrer verkehrsmäßigen Anbindung erfasste auch das Berliner Umland. Ende des 19. Jahrhunderts schlossen sich daher die wenigen Juden der Stadt Bernau den Biesenthaler Juden für gemeinsame Gottesdienste an. 1925 lebten im Ort schließlich nur noch 18 Juden. Gleichzeitig setzte der Magistrat der Stadt Biesenthal mit der Schließung des jüdischen Friedhofs ein politisches Signal, das die folgende Entwicklung vorwegnahm.

Für die NS-Zeit gibt es keine genauen Zahlen der in Biesenthal lebenden Juden. Sie hatten wahrscheinlich einige Unterstützer wie aus den Aushängen deutlich wird, die in der Stadt plakatiert wurden. Bekannt ist, dass Leo Abraham am Markt ein Textilwarengeschäft besaß, das 1938 arisiert wurde. Auch wurde der jüdische Friedhof Ziel von Zerstörungen. Mit den Deportationen 1941/42 endete jüdisches Leben in Biesenthal.

Anke Geißler-Grünberg

 

Literatur :

Klaus-Dieter Alicke: Geschichte der jüdischen Gemeinden im deutschen Sprachraum, in: www.jüdische-gemeinden.de/index.php/gemeinden/a-b/397-biesenthal-brandenburg [letzter Aufruf: 31.12.2018]

Stadtgemeinde Biesenthal: Ortschronik, in:  https://www.biesenthal.de/index.php?vg=ge&vd=zz.htm&keys=ot [letzter Aufruf: 31.12.2018]

Olav Schröder: Erinnerungskultur. Ein Ort für historische Grabsteine, in: Märkische Oderzeitung, vom 15.11.2018, in: https://www.moz.de/landkreise/barnim/bernau/artikel3/dg/0/1/1692124/ [letzter Aufruf: 31.12.2018]

Wolfgang Weißleder: Der Gute Ort - Jüdische Friedhöfe im Land Brandenburg, hrsg. vom Verein zur Förderung antimilitaristischer Traditionen in der Stadt Potsdam e.V., Potsdam 2002, S. 55