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Erasmus+ Erfahrungsbericht - Bahçeşehir Üniversitesi

Auf der Suche nach meinen eigenen Wurzeln entschied ich mich, mein Auslandssemster in Istanbul zu verbringen.    


Studienfach: Psychologie

Aufenthaltsdauer: 08/2016 – 02/2017

Gastuniversität: Bahçeşehir Üniversitesi

Gastland: Türkei

Vorbereitung des Auslandsaufenthalts

Um zu erfahren wo und wann genau die Informationsveranstaltungen zum Erasmus+ Programm stattfinden, habe ich mich bei Moodle in den Kurs „Studium und Lehre - Studium und Praktikum im Ausland“ angemeldet.Nachdem ich die gewünschten Unterlagen an den Erasmuskoordinator meines Instituts eingereicht habe, unter anderem ein zweiseitiges Motivationsschreiben, erreichte mich relativ schnell die Zusage für mein Auslandssemster an der Bahcesehir University in Istanbul. Ab dem Zeitpunkt hat sich die Bahcesehir University mit mir in Kontakt gesetzt und ich musste erneut Unterlagen verschicken. Ich rate allen so früh wie möglich die gewünschten Formulare abzuschicken, da nicht gerade wenig verlangt wird. Kurz bevor es dann soweit war, hat mir die Bahcesehir University ein ausführliches Programm von der Orientierungswoche geschickt, die der ESN in Istanbul für die Erasmus Studenten organisiert hat, sodass man mit einem ruhigen Gefühl in die Türkei fliegen kann. 

Studium an der Gastuniversität

In der Orientierungswoche wurde uns schließlich mit lustigen Wettspielen die Universität und auch Istanbul gezeigt. Außerdem hat jeder Erasmus Student schon vor der Ankunft ein Buddy zugewiesen bekommen, der einem sogar vom Flughafen abgeholt hat und sich sonst auch für alle anderen Angelegenheiten, wie z.B. Krankenversicherung oder Aufenthaltsgenehmigung gekümmert hat. Ich muss sagen, dass die Buddys wirklich sehr geholfen haben, da man sich sonst sehr schnell im zunächst sehr chaotisch scheinenden Istanbul verlieren kann. Auch bei der Kurswahl haben die Buddys uns geholfen, wobei ich finde, dass das sogenannte „OIS-System“ sehr übersichtlich ist. Leider konnte ich einen Kurs nicht belegen, da dieser in diesem Semester doch nicht angeboten wurde. Man darf sich also nicht 100% auf das Vorlesungsverzeichnis verlassen. Ich habe jedoch das Glück gehabt, an einem anderen Institut denselben Kurs auf Türkisch zu belegen, was mir gleichzeitig half meine türkische Sprache zu verbessern. Das Lehrsystem an der Bahcesehir University ist meiner Meinung nach sehr verschult. Es besteht Anwesenheitspflicht und falls man zu spät kommt, kann es sein, dass der Dozent einen nicht mehr reinlässt (das ist natürlich Dozent abhängig). Anders als in Potsdam, wird das Modul nicht durch die Klausur am Ende des Semesters benotet, sondern die Note besteht aus vielen Komponenten, die unterschiedlich gewichtet werden, wie der Anwesenheit, einem Referat, einer Mid-Term Klausur nach 6 Wochen, einer Final Klausur am Ende des Semester und dazu noch eine kurze Hausarbeit. Dementsprechend sind aber die Erwartungen, ausgenommen der Final Klausuren nicht so hoch wie in Deutschland. Die Papers kann man z.B. auch in großen Gruppen schreiben, so dass man nicht das Gefühl hat in Arbeit zu versinken. In Istanbul herrscht ein sehr lockeres Studienklima. Die Bibliothek war sehr klein und hatte nur eine sehr begrenzte Auswahl an psychologischen Büchern. Daher verbringen die Studenten ihre meiste Zeit in Cafés, wie z.B. dem Starbucks Café, das quasi neben dem Eingang der Universität situiert ist oder auf der Terrasse der Universität, von der man einen wunderschönen Blick auf der Bosporus hat. Sonst hat mir die Einrichtung und die technische Ausstattung der Universität sehr gefallen. Überall waren Beamer angebracht und noch wichtiger : funktionierende Klimaanlagen - ohne die wäre es nämlich kaum ertragbar bei heißen Temperaturen zu lernen. Die Leistungsbewertung fand ich bei manchen Dozenten objektiv bei anderen eher subjektiver und für mich vor allem ungewohnt, da bei einigen Dozenten Kriterien wie zu spät kommen oder Beteiligung am Unterricht bei der Benotung berücksichtigt worden sind. Das ESN hat jede Menge Veranstaltungen organisiert, so dass man viele Erasmus Studenten aus den verschiedensten Ländern kennen lernen konnte. Da meine Eltern türkische Wurzeln haben und dadurch bei mir zu Hause häufig auf türkisch gesprochen wurde, hatte ich es natürlich einfacher mit den einheimischen in Kontakt zu treten, was aber nicht hieß, dass ich perfekt türkisch sprechen konnte. Meine Sprachkompetenz hat sich im Laufe des Semester stark verbessert, sowohl in türkisch als auch in englisch. Aber auch ohne Türkischkenntnisse, sind die meisten einheimischen Studenten sehr offen und hilfsbereit. Neben dem ESN bietet die Bahcesehir University außerdem noch „geziyoruz.com“ an, eine Gruppe von Studenten, die wiederrum für andere Studenten (vor allem Erasmus Studenten) Reisen in der Türkei organisieren. Eines meiner schönsten Erlebnisse war die Kappadokien-Tour an der ich teilgenommen habe. Kappadokien gehört zum UNESCO-Weltkultur- und Naturerbe, dass durch die Märchenlandschaften der atemberaubenden Täler mit den sogenannten Feenkaminen eine faszinierende Sehenswürdigkeit ist. Die merkwürdigen kegelförmigen Felsgebilde, sind Tuffgesteine vulkanischem Ursprungs, die auf älterem Gestein liegen und durch die stetige Erosion zu einer einmalig beeindruckenden Landschaft geformt wurde. Charakteristisch für Kappadokien sind die Ballonfahrten am Morgengrauen, die einem eine wunderschöne Aussicht bei Sonnenaufgang über Kappadokien ermöglichen. Dieses Erlebnis war für mich einmalig und lege ich jeden ans Herz, der in die Türkei fliegt.

Wohn-  und Lebenssituation

Eine Unterkunft kann man super bequem über die Facebook-Seite „Bau Housing“ finden. Nachdem ich eine Woche vor meinem Flug gepostet habe, dass ich eine Wohnung suche, habe ich eine Menge Angebote und Bilder von Wohnungen bekommen. Ich hatte das Glück, die ersten Tage bei meinem Cousin bleiben zu können und besichtigte gleich am ersten Tag meiner Anreise drei Wohnung. Bei der dritten Besichtigung habe ich dann meine perfekte WG gefunden. Rückblickend finde ich die Facebook-Seite nicht nur sehr bequem, sondern auch sicherer, weil die meisten Anbieter Studenten der Bahcesehir University sind, und außerdem  auch in der Nähe der Universität wohnen. Die Mieten in Istanbul sind relativ teuer. Mein Zimmer hat im Monat 1.400 TL gekostet, was umgerechnet um die 400€ waren. Man kann sich darauf einstellen, dass man in der Nähe der Universität mindestens mit 1000 TL für ein Zimmer rechnen muss. Dafür ist die Umgebung der Uni im Bezirk Besiktas sehr belebt und zentral. Mit der Fähre kommt man in nur 10 Minuten auf die asiatische Seite und Büsse fahren auch mehr als genug. Jedoch ist der Verkehr in Istanbul meist so voll, dass es ziemlich lange dauern kann von A nach B zu kommen, vor allem in den Verkehrszeiten morgens und abends. Dank der Cash Group konnte ich an jeder TEB Filiale umsonst Geld abheben und hatte somit keinerlei Probleme in der Türkei mit meiner deutschen Girokarte an Geld zu kommen. Da der Eurokurs während ich in der Türkei war ständig anstieg bis er schließlich bei 4 lag, wurde es für mich in der Türkei immer günstiger. Zunächst. Weil aber viele Waren aus dem Ausland importiert werden, wurde gleichzeitig auch vieles teurer. Ich empfehle allen, lieber auf dem Markt einkaufen zu gehen, da das Gemüse und Obst sowohl frischer als auch günstiger war, als im Supermarkt. Sonst hat man in der Türkei die Möglichkeit super gesund und lecker in sogenannten „Hausgemachte-Essen-Läden“ essen zu gehen. Die Auswahl ist sehr groß und das Essen kostet im Durchschnitt 2-3€. Freizeitangebote hat man eine Menge. Alleine die touristischen Angeboten sind mehr als man in einem Semester schaffen kann. Der Bezirkt Sultanahmet mit der Hagia Sophia Moschee und der Blauen Moschee gehören zu den wichtigsten Wahrzeichen Istanbuls. Auch der Taksim-Platz gehörte einst zu den beliebtesten Orten Istanbuls. Jedoch liegt das mehr und mehr in der Vergangenheit. Die Istiklal Caddesi am Taksim-Platz, die einst so berühmt für ihre Einkaufsmöglichkeiten und ihr Nachtleben war, wird sowohl tagsüber als auch nachts immer leerer. Nach dem Putsch und den zahlreichen Anschlägen, die Istanbul in den letzten zwei Jahren erleiden musste, ziehen sich die Jugendlichen immer weiter zurück. In Hinter Straßen in dem Bezirk Galata entstehen neue Ecken mit Cafés und Bars oder die Jugendlichen verzichten ganz aufs Ausgehen und versammeln sich lieber bei Freunden zu Hause. Zwei der Anschläge in Istanbul habe ich während meines Aufenthalts miterlebt. Beide fanden in meinem Bezirk statt und waren durch Ihre Nähe leicht verstörend für uns alle. Bei dem ersten Anschlag am 10. Dezember war die Bombe so laut, dass wir sie fast in unserer Wohnung gespürt haben. Es war sehr beunruhigend die ganze Nacht Sirenen und Helikopter zu hören, vor allem die ersten Minuten sind erschreckend, da man nicht genau weiß, was passiert ist und ob noch was passieren wird. Der Anschlag an der Silvesternacht war genauso beunruhigend. Aus Vorsichtsmaßnahmen haben Freunde und ich entschlossen an dem Abend zu Hause zu bleiben, dass tatsächlich was passiert hat uns trotzdem erschüttert. Ein schöner Start ins neue Jahr war das leider nicht. Mein letzter Monat in der Türkei fühlte sich also etwas seltsam an. Die Menschen waren unzufrieden, der Euro-Kurs als auch der Dollar-Kurs stieg immer weiter an, was der Wirtschaft enorm schadete, die Anzahl der Touristen verringert sich stark, und man fühlte sich immer unsicherer. In der Luft lag eine bedrückende Stimmung.

Studienfach: Psychologie

Aufenthaltsdauer: 08/2016 – 02/2017

Gastuniversität: Bahçeşehir Üniversitesi

Gastland: Türkei


Rückblick

Trotz der bedrückenden Erlebnissee in den letzten Monaten denke ich, dass meine positive Zeit in Istanbul strak überwiegt. Es war für mich persönlich die beste Entscheidung nach Istanbul zu gehen, da es eine große Bereicherung für mich war in einem muslimischen und kulturell so vielfältigen Land zu leben. Die Menschen sind sehr offen und hilfsbereit, in der Universität habe ich viel lernen können und vor allem habe ich die Türkei und das Leben in der Türkei kennen lernen können, was für mich die größte Bereicherung war. 

Türkei

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