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Erasmus+ Erfahrungsbericht - Universidad de Granada

“Dale limosna, mujer, que no hay en la vida nada, como la pena de ser ciego en Granada” (Francisco A. de Icaza). Diesem berühmten Gedicht von dem Dichter Francisco A. de Icaza, welches er der andalusischen Stadt widmete, ist nichts hinzuzufügen. Bereits ab den ersten Tagen in Granada fesseln einen verschiedenste Anblicke: auf die Alhambra von den verschiedenen miradores (Aussichtspunkten) aus, auf die weiß getünchten Häuser des Albaizíns, auf die vielen orientalischen Kunsthandwerke, auf die Sierra Nevada und noch viele mehr. Diese Umgebung trug dazu bei, dass mein Auslandssemester in der knapp 233.000 Einwohner Stadt eine schöne Zeit mit vielen neuen Erfahrungen wurde, sei es in der Uni, beim Reisen, beim Kennenlernen vieler neuer Leute und natürlich der Stadt, die das Touristenziel Spaniens schlechthin ist.

 


Studienfach: B.A. Kulturwissenschaft

Aufenthaltsdauer: 09/2017 - 01/2018

Gastuniversität: Universidad de Granada

Gastland: Spanien

Vorbereitungen

Dass es überhaupt möglich ist, ein Semester im Ausland zu verbringen, habe ich durch andere Studierende und Freunde sowie die Uni Potsdam erfahren. Da in meiner Kombi Kulturwissenschaft/Spanische Philologie Spanien aufgrund der Sprache als Ziel auf der Hand liegt, beschloss ich, mich über Romanistik für das fünfte Semester über das Erasmus-Programm zu bewerben und zu versuchen, auch etwas für mein Erstfach zu tun. Nach einer aufschlussreichen Infoveranstaltung des International Office (IO), auf die noch weitere folgen sollten, war einiges geklärt und hilfreiche Unterlagen haben mir den Papierkram erleichtert. Es werden u.a. ein Sprachzertifikat (B2/C1 ist für ein Studium in Spanien sehr empfehlenswert), das Transcript of Records und weitere Formalia benötigt, die jedoch leicht zu finden und auszufüllen sind; außerdem können drei Städte, nach Präferenz geordnet, als Wunsch angegeben werden. Im Nachhinein muss ich sagen: der (Zeit-)Aufwand der Bürokratie lohnt sich allemal! Nach dem Unterschrifteneinholen und dem Abschicken aller Unterlagen musste ich geduldig warten und bekam schlussendlich eine Zusage für Granada, meinen Drittwunsch. Die Universidad de Granada (UGR) ist die in Europa führende Universität was die Anzahl der Erasmus- und internationalen Studierenden angeht und was man auch spürt. Im Juni bekam ich dann einen Bescheid der UGR mit Infos über die dort einzureichenden Unterlagen sowie einen Zugang zu einer Online-Bewerbungsplattform, die mehr oder weniger überschaubar war. Außerdem konnte man schon die Lehrveranstaltungen wählen. Hier ein wichtiger Hinweis: man sollte unbedingt nach den guías de docente auf den Internetseiten der Gastuniversität suchen: dort befinden sich alle detaillierten Informationen zu den einzelnen asignaturas (Lehrveranstaltungen), die bei der Kurswahl hilfreich sein können. Denn bei der Ankunft an der UGR wurde uns Erasmus-Studenten schnell klargemacht, dass entweder die im Vorhinein gewählten Kurse belegt oder sonst gestrichen werden, denn die Plätze sind begrenzt und ein Wechsel (zumindest in der Abteilung Spanische Philologie) unmöglich ist. Hier kann es schonmal zu Ungereimtheiten zwischen dem zuvor veröffentlichten und dem aktuellen Stundenplan kommen!

Alles rund ums Studium an der UGR

Ist dann erst einmal alles Organisatorische geregelt, kann es losgehen in der Uni, für mich an der Facultad de Filosofía y Letras. Die Uni ist etwas anders als in Deutschland aufgebaut: Jeder Studiengang chronologisch aufgebaut (primer, segundo, tercer y cuarto cuatrimestre), sodass die Studierenden quasi wie Schulklassen das Studium zusammen durchlaufen. Dementsprechend ist auch der Lehrinhalt aufbauend gegliedert und die Anforderungen bzw. erforderlichen Vorkenntnisse variieren je nach Semester. Ich hatte Kurse aus verschiedenen Semestern gewählt, wobei die Kurse aus dem primer cuatrimestre deutlich einfacher waren als optative Kurse aus dem vierten Semester. Jeder Kurs gibt 6 Creditpoints, sodass man maximal fünf Kurse belegen kann, um die vorgeschriebenen 30 LP zu erreichen. Nach ca. einem Monat merkte ich jedoch, dass dies quasi unmöglich zu erreichen war, sodass ich einen Kurs aufgrund des hohen Niveaus und Speziel-Vokabulars sein ließ und mich auf die anderen konzentrierte, was genug Arbeit war. Einen dieser Kurse belegte ich für Kulturwissenschaft aus Historia del Arte, wo ich dann die einzige Erasmus-Studentin war, eine ganz neue Erfahrung im Gegensatz zu den Kursen aus Spanischer Philologie, in denen sich schätzungsweise 20-40% Austauschstudenten befanden. Die Lehrveranstaltungen an sich waren sehr unterschiedlich organisiert, insgesamt jedoch sehr frontal ausgerichtet und meist aus einem Monolog der lehrenden Person bestand. Gruppenarbeit oder aktive Mitarbeit war eine relative Seltenheit, dagegen sind schriftliche Arbeiten (vgl. Hausarbeiten) üblich, die sehr umfangreich sein können. Doch die Studierenden vor Ort waren diese Unterrichtsweise gewohnt, für mich dagegen war es manchmal etwas anstrengend, da die Kurse jeweils 2-mal die Woche auf 2 Zeitstunden angelegt waren und dazu in einem andalusischen Redetempo und Akzent, was die Sache nicht unbedingt erleichtert; da lässt die Konzentration schonmal nach. Bezüglich des Andaluz (andalusischer Akzent) ein kleiner Hinweis: Nicht verzweifeln nach den ersten Tagen bzw. Wochen, mit der Zeit versteht man beinahe alles (außer gelegentliche Witze oder Anekdoten der Lehrenden)! Nach der Vorlesungszeit, die vor Weihnachten endete, kam im Januar die Prüfungszeit. Hierzu sei vielleicht zu bemerken, dass sich die Anwesenheit in den Kursen auszahlt, da der Inhalt der Klausuren (zumindest meistens) oft Besprochenes beinhaltet, dies ist jedoch nicht auf alle Studiengänge und Veranstaltungen zu übertragen. Die Atmosphäre in den Kursen du in der Uni allgemein ist sehr angenehm und die Mitstudierenden sehr hilfsbereit bei Fragen. Das Studienklima insgesamt würde ich als entspannt (und etwas lauter als in Deutschland) ansehen. Außerdem ist die Uni Erasmus-Studenten gewöhnt und je nach Professor(in) wird einem mal mehr, mal weniger geholfen, aber insgesamt hat man viele Ansprechpartner bei eventuellen Problemen, auch wenn alles etwas chaotisch erscheinen mag. Was sonst noch rund ums Studieren in Granada wichtig ist: die verschiedenen Fakultäten sind in der ganzen Stadt verteilt, sodass man sich die Bibliotheken (normalerweise von 8:30-21 Uhr geöffnet) aussuchen kann. Mein Tipp: die Bibliothek im Hospital Real, ist wunderschön jedoch sehr kalt im Januar. Ein eigener Laptop ist quasi unverzichtbar, da es nicht viele frei zugängliche Computer gibt. Zum Drucken/Kopieren empfehle ich die zahlreichen und sehr preiswerten copisterías in der Stadt (überall anzutreffen), die meist leerer sind als in der Uni.

Wohn- und Lebenssituation

Neben der Uni spielt sich das Leben in Granada hauptsächlich draußen ab: in den zahlreichen Bars, Geschäften, Straßen und Plätzen. Außerdem ist eigentlich alles fußläufig erreichbar und die Supermarktdichte sehr hoch. So verbrachte ich nicht viel Zeit in meiner Wohnung, die ich bereits im Vorhinein gefunden hatte, indem ich in einer der zahlreichen Facebook-Gruppen (etwa: „Pisos Granada Erasmus“) ein Gesuch geschrieben hatte, woraufhin sich mehrere Leute gemeldet haben. Es lohnt sich, mehrere Angebote abzuwarten und nach Lage (Entfernung zur Uni/Zentrum), Aufenthaltsdauer und Ausstattung zu entscheiden. Alternativ sind Webseiten wie milanunciosooder pisocompartido sehr hilfreich. Man kann natürlich auch erst nach der Ankunft suchen, doch ich entschied mich für die sichere Variante, da es vor Ort häufig mehr Nachfrage als Angebot gibt aufgrund der vielen Wohnungssuchenden aus aller Welt. In Spanien ist es meistens üblich, die Kaltmiete zu zahlen, die in Granada (je nach Lage/Ausstattung) schätzungsweise zwischen 150 und 250 Euro liegt. Dazu kommen Strom, Internet, Wasser und oft Gas (in den Vierteln, die nicht an das zentrale Gasleitungssystem angeschlossen sind; für Warmwasser/Herd). Diese Nebenkosten können (besonders im Winter) ziemlich hoch sein, sodass sich ein Warmmietvertrag meist lohnt, jedoch nicht oft angeboten wird. Auf jeden Fall sollte man sich im Winter auf eine Zentralheizung (calefacción central) achten, da es mit einem kleinen Heizlüfter im Winter sehr ungemütlich kalt werden kann, wie ich spüren durfte – selbst in Andalusien! Ich importierte letztendlich meinen Schlafsack – eine auf keinen Fall zu bereuende Entscheidung. Zudem sind die meisten Häuser nicht so gut isoliert und die Fenster luftdurchlässig. Ich wohnte Nahe der Plaza de Toros, eine gute Lage für den Unicampus Cartuja. Weitere Studentenviertel sind z.B. rund um Camino de Ronda, C/ Pedro Antonio, C/ Gonzalo Gallas oder im Zentrum. Wohnt man außerhalb, ist auch alles mit dem Bus gut zu erreichen, der dank einer aufladbaren Karte weniger als einen Euro pro Fahrt kostet, allerdings Zeit in Anspruch nimmt. Ansonsten wurde 2017 die Metro eingeweiht, die schneller ist und viele Orte verbindet. Weitere Tipps sind die Anschaffung einer Visakarte (keine Abhebegebühren an Banken) sowie die o.g. aufladbare Bus-Karte (erhältlich im Bus und an Automaten), die gegen Pfand wieder zurückgegeben werden kann. Eine Reiserankenversicherung ist obligatorisch und für EU-Bürger auch nicht teuer. Ich war einmal krank und bin auf Empfehlung in die Notaufnahme (urgencias) gegangen, da es dort einfacher ist, sich anzumelden und kein Termin gebraucht wird. Nach diesen ganzen praktischen Hinweisen bleibt noch zu erwähnen, dass die Lebenshaltungskosten in Spanien deutlich niedriger als in Deutschland sind und die sagenumwobenden gratis Tapas wesentlich zur Lebensqualität beitragen! Ein Café con leche kostet beispielsweise 1,20€ und ein Getränk (mit Tapas) um die 2,30€. Granada ohne tinto de verano, caña und tapas ist undenkbar! Hier ein paar wenige kulinarische Tipps: “Siete Gatos”, “Bar Mariano”, “El Peruano“ (Tapas), das Jazz-Café “Bohemia”, das Café“Baraka”, Restaurant “El Higo” im Albaizín, sowie für günstige Tapas die gesamte C/ Gonzalo Gallas. Aber bis in den letzten Tagen habe ich immer wieder neue schöne Bars oder Cafés gefunden. Was die Freizeitgestaltung angeht, wird einem in Granada nie langweilig: Das Meer (z.B. Almuñecar) ist 1-2 Stunden entfernt, die Sierra Nevada, in Sichtweite, ist herrlich zum Wandern (oder winters zum Skifahren) und die zahlreichen Sehenswürdigkeiten (nicht nur die Alhambra, deren Besuch früh geplant sein will) und miradores (vor allem San Nicolás und San Miguel Alto) in der Stadt sind alle mindestens einen Besuch wert. Außerdem hat Andalusien touristisch viel zu bieten, sodass ich fast jedes Wochenende und die zahlreichen festivos und puentes (Brückentage) zum Reisen genutzt habe (z.B. nach Valencia, Málaga, Nerja oder Murcia) oder Wanderungen auf eigene Faust mit Freunden unternommen habe. Schöne Wander- und Tourenziele gibt es genug. Für internationale Studierende gibt es außerdem zahlreiche Angebote wie Freizeitaktivitäten, Social Events, Reisen usw. von verschiedenen Anbietern, die einem das Kontakteknüpfen und Ankommen erleichtern und sehr preisgünstig sind. Zu den Anbietern in Granada  gehören ESN (Erasmus Student Network), „Emycet“ (Reisebüro vor Ort, supernettes Team) und „Best Life Experience“, die alle ähnliche Angebote haben und z.B. täglich Party und/oder Tapas-Abende anbieten (Facebook-Seiten)! So habe ich auch schnell Kontakte zu vielen ausländischen Studenten gefunden und rasch Freunde gefunden. Bezüglich des Kontakts zu einheimischen Studierenden bleibt zu erwähnen, dass es in der Uni zwar möglich ist, Kontakte zu knüpfen, man aber oft automatisch als „Erasmus“ abgestempelt wird, wovon es in Granada eben nicht wenige gibt und man deshalb, meiner Erfahrung nach, nur relativ oberflächliche Freundschaften zu einheimischen Studierenden schließt, dies sei jedoch nicht zu verallgemeinern! Ich habe außerdem im Uni-Orchester mitgespielt, wo mich alle sehr herzlich aufgenommen haben und ich so neben einer neuen musikalischen Erfahrung auch Kontakt zu spanischen Studierenden hatte. Hierzu musste ich mich bewerben und vorspielen, was sich allemal lohnte! Ansonsten brauchte ich auch ab und zu Bewegung, sodass ich mich in einem Fitnessstudio angemeldet und dort verschiedene Sportkurse gemacht habe. Es gibt auch von der UGR aus ein Angebot an Sportkursen und z.B. organisierten Wanderungen und Touren. 

Tipps und sonstige Erfahrungen

Was die Sprache angeht muss ich sagen, das Granada vielleicht nicht die beste Region zum Erlernen der Sprache ist, bei fortgeschrittenem Niveau jedoch die Varietät des Spanischen fördert. Man muss sich in jedem Fall auf einen starken andalusischen Akzent einstellen, in dem sämtliche Wortendungen gekürzt und ein ordentliches Redetempo an den Tag gelegt werden. Jedoch schwankt dies je nach Umgebung und Situation. Im Nachhinein kann ich sagen, dass ich auf jeden Fall sprachlich einiges profitiert habe, sowohl was das flüssige und spontane Reden als auch den Wortschatz und das Hörverstehen angeht. Mit der Uni war ich zwar rundum zufrieden, jedoch war das rein frontale Unterrichten nicht meine Favoriten-Methode. So hatte ich am Ende des Semesters unglaublich viele Aufschriebe und Schwierigkeiten, das alles zu lernen und mir einzuprägen. Oft wurde auch gar kein Material z.B. online hochgeladen oder ausgeteilt. Das variiert aber, meiner Meinung nach, von Fach zu Fach. Was mich in den Wintermonaten gestört und beeinflusst hat, ist die Kälte in den Häusern. Da ich nur einen kleinen Heizlüfter hatte und wir zu dritt Stromrechnungen von knapp 100 Euro hatten, würde ich auf jeden Fall zu einer Wohnung mit Zentralheizung raten und einen Schlafsack mitnehmen. Denn das warme Andalusien täuscht: immerhin liegt Granada auf 738 Metern, da können die Temperaturen nachts auch mal in den Minusbereich sinken. Umgekehrt sollte man sich auch auf einen sehr heißen Sommer vorbereiten und am besten Sonnencreme mitbringen, da diese vor Ort relativ teuer ist. Was man unbedingt machen sollte, ist das Programm von ESN in den ersten Wochen ausnutzen und z.B. die Stadtrallye (Ghymkana) oder das Tandem-Event mitmachen. Dort lernt man gut Leute kennen. Ein weiterer Tipp ist die ESN-Karte, die man für 9€ erwerben kann und die einem zahlreiche Rabatte (z.B. bei Ryanair, ALSA (Busunternehmen) oder einem Fitnessstudio) bringt.

Studienfach: B.A. Kulturwissenschaft

Aufenthaltsdauer: 09/2017 - 01/2018

Gastuniversität: Universidad de Granada

Gastland: Spanien


Rückblick

Abschließend empfehle ich jedem, ein Auslandssemester in Granada zu absolvieren. Man lernt so viele neue Leute aus aller Welt kennen, ein neues Uni-System, jede Menge wunderschöne Orte, sodass es, so kitschig es auch klingen mag, eine nicht ersetzbare Erfahrung fürs Leben ist. Man lernt, wo die eigenen Grenzen sind und kann selbst steuern und entscheiden, was man neben dem Studieren mit der Zeit in einer so tollen Umgebung am besten anfängt!

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