Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes

Da für mich schon früh im Studium feststand, dass ich mindestens ein Semester gerne im Ausland verbringen würde, hatte ich das Angebot der International Week genutzt, um Informationen über verschiedene Auslandsprogramme, Optionen, Länder und Bewerbungsabläufe zu erhalten. Schnell stand für mich fest, dass ich über Erasmus+ ins Ausland gehen wollte, da es dort viele Optionen gab und die finanzielle Unterstützung durch das Stipendium die Möglichkeit eröffnet, ein Auslandssemester zu verbringen, ohne dabei in Unkosten zu fallen. Auf der Suche nach einer geeigneten Stelle waren mir vor allem die Sprache der Kurse und das Kursangebot wichtig. Da ich keine weitere Fremdsprache außer Englisch spreche und ich zusätzlich mein Englisch verbessern wollte, hatte ich nach Großbritannien, Irland oder Skandinavien gesucht. Da es für den Studiengang Biowissenschaften keine Partneruniversitäten in Großbritannien oder Irland gab, hat sich für mich schnell Stockholm als Wunschuniversität herauskristallisiert. Von dem Angebot der Kurse war ich auch sehr begeistert, es gab eine große Auswahl an Kursen und auch viele, die zumindest in der Form nicht an der Uni Potsdam angeboten wurden. Nach dem Einreichen aller Bewerbungsunterlagen habe ich sehr schnell eine Rückmeldung bekommen und durfte mich freuen, für das Programm in Stockholm angenommen worden zu sein. Danach ging alles recht schnell und unkompliziert, der Austausch mit dem International Office in Stockholm lief reibungslos. Es empfiehlt sich jedoch, bei der Kurswahl schnell zu sein, da beispielsweise ein Kurs, den ich belegen wollte, bereits voll ausgebucht war.


Studienfach: Biowissenschaften (B.Sc.)

Aufenthaltsdauer: 08/2021 - 01/2022

Gastuniversität: Stockholm University

Gastland:Schweden

Studium an der Gastuniversität

Das Wintersemester in Schweden beginnt deutlich früher als in Deutschland, wodurch es durchaus zu Überschneidungen mit Klausuren und Praktika im Zwischensemester kommen kann. Dies sollte bei der Planung berücksichtig werden. Trotzdem ist es empfehlenswert, nicht erst kurz vor Kursbeginn anzureisen, da viele internationale Studenten schon früher anreisen und man die Zeit gut nutzen kann, um schon mal Kontakte zu knüpfen. Außerdem war zu Beginn vor Ort viel Organisatorisches zu erledigen, bevor es richtig losgehen konnte. Das Semester ist anders als in Deutschland in Blöcke untergliedert. Die einzelnen Kurse gehen 1 oder 2 Monate und laufen nicht parallel. Dafür hat man zu diesem Kurs aber auch jeden Tag Lehrveranstaltungen oder Praktika, es sollte also nicht unterschätzt werden. Was sehr angenehm war, ist, dass die Kursgröße mit 15-25 Leuten deutlich kleiner ist, als ich es bis dahin gewohnt war. Dadurch ist auch der Austausch mit den Professoren deutlich lockerer und die Vorlesungen sind auch deutlich interaktiver. In den 3 Kursen, die ich insgesamt belegt habe, waren immer fast die Hälfte internationale Studenten, man ist also auf jeden Fall nicht der einzige, für den einige Sachen neu und ungewohnt sind, die Dozenten sind sich dessen auch bewusst und sehr hilfsbereit, wenn es um Fragen zu der uniinternen Website (Pendant zu moodle) oder Anmeldungen zu Klausuren geht. Aber auch die schwedischen Studenten haben uns herzlich aufgenommen und beispielsweise gleich am ersten Tag spontan eine Campus-Führung gegeben und uns die besten Plätze fürs Mittagessen gezeigt . Nach Rücksprache mit dem verantwortlichen Professor war es möglich, doch noch in den Kurs zu kommen, den ich anfangs wegen Überfüllung nicht mehr belegen konnte. Es ist also durchaus möglich, auch im Nachhinein die Kursbelegung zu ändern. Die Überarbeitung vom Learning Agreement war absolut kein Problem und ging sehr schnell. Das Bewertungssystem unterscheidet sich nicht nur in den Kategorien (A-F statt Noten), sondern auch das Bewertungskonzept für beispielweise Klausurnoten hat sich mehr nach der Erfüllung von vorher aufgestellten Lernzielen orientiert als an gesammelten Punkten. Dies wirkte teilweise etwas undurchsichtig, aber war im Großen und Ganzen trotzdem fair.

Kontakt zu einheimischen und internationalen Studierenden

Wie bereits erwähnt hatte ich durch die belegten Kurse schnell guten Kontakt zu einheimischen Studenten. Zwar gab es auch einige, die lieber unter sich geblieben sind, aber die meisten waren sehr einladend, nach kurzer Zeit haben wir uns zu internationalen Dinnern, Zimtschnecken backen und sogar Segelausflügen getroffen. Außerdem habe ich mit einigen aus dem Kurs einmal die Woche Badminton gespielt. Es war sehr hilfreich, Kontakte zu den einheimischen Studierenden zu haben, da diese viel über die Abläufe an der Uni, die unterschiedlichen Professoren, Freizeitmöglichkeiten und Ausflugsideen erzählen konnten. Den meisten Kontakt hatte ich aber trotzdem mit internationalen Studierenden, was schlichtweg auf die Unterbringung in dem Studentendorf Lappis zurückzuführen ist. Dort wohnen über 2000 zumeist internationale Studenten in Korridoren mit 8-12 Zimmern zusammen. Ich hatte großes Glück mit meinem Korridor, da alle Leute sehr interessiert am Austausch waren und vor allem in der Küche immer jemanden war, mit dem man quatschen konnte. Auch wenn eine mit 12 Leuten geteilte Küche anfangs etwas chaotisch klingt und vielleicht auch ist, ist es das auf jeden Fall wert, wenn sich dabei eine nette Gemeinschaft bildet. Zusammen mit anderen internationalen Studierenden, die ebenfalls in Lappis untergebracht waren, haben wir fast jeden Abend zusammen gekocht, Ausflüge unternommen und die eine oder andere Party gefeiert. Dadurch, dass in Lappis so viele internationale Studenten untergebracht sind, ist es sehr einfach, Leute kennenzulernen, gerade am Anfang, wenn viele Leute neu ankommen und man sich vor den ganzen WhatsApp-Gruppen mit unterschiedlichen Aktivitäten kaum noch retten kann. Die Empfehlung einer Unterkunft in Lappis hatte ich zuvor einem anderen Erfahrungsbericht entnommen und kann ich nur bestätigen!

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Bezüglich der Sprache lässt sich vor allem sagen, dass es wirklich gar kein Problem ist, wenn man kein Schwedisch spricht. Im Studentendorf, an der Uni, in der Stadt, sogar außerhalb - wirklich jeder in Schweden spricht gut verständliches Englisch. Aus reinem Interesse wollte ich mir trotzdem etwas Schwedisch beibringen, allerdings war der angebotene Sprachkurs der Uni aufgrund von Corona über Zoom, was mit über 300 Teilnehmern nicht sonderlich effektiv war. Durch Duolingo habe ich zwar weiterhin etwas Schwedisch geübt, aber konnte dies nie richtig verwenden, da einfach keine Notwendigkeit herrschte und es für längere Konversationen auch nicht wirklich reichte. Englisch wiederum habe ich viel üben und verbessern können, einerseits im Alltag, aber natürlich auch an der Uni durch die Vorlesungen und Paper, die wir lesen sollten sowie Berichte und Präsentationen, die wir erstellen sollten. Ich fühle mich jetzt deutlich sicherer, Englisch auch im Fachkontext zu verwenden.

Wohn- und Lebenssituation

Mit der erwähnten Unterbringung in Lappis war ich sehr zufrieden und kann sie nur empfehlen. Die Bewerbung auf die Wohnheimsplätze lief direkt über die Universität und war recht einfach. Wir haben schon im Juni eine Rückmeldung bekommen. Allerdings habe ich auch überraschend viele Studenten getroffen, die keinen Platz über das Studentenwohnheim bekommen haben und sich daher selbst was suchen mussten, was teuer und umständlich wird, da diese meist weiter außerhalb eine Wohnung gefunden haben. Wenn man die Möglichkeit hat, etwas über die Universität zu bekommen, sollte man das auf jeden Fall in Anspruch nehmen. Meine Unterkunft war nicht einmal 10 Minuten Fußweg vom Campus entfernt, wo auch direkt eine Metro-Station in Richtung Stadt genutzt werden konnte. Dadurch war die Anbindung in die Stadt (ca. 15 Minuten ab der Station an der Universität) sehr gut. Generell kann ich es empfehlen, zumindest im Winter eine Monatskarte für den öffentlichen Nahverkehr zu kaufen. Es ist zwar erstmal teuer, aber man kann es für das sehr gut ausgebaute und häufig frequentierte Metro-Netzwerk, Busse, Fähren und einige Züge nutzen. Sogar  Fahrten außerhalb von Stockholm, bspw. einige Fähren zu den Schären-Inseln, sind dabei enthalten. Im Sommer kann man vielleicht auch vieles mit dem Fahrrad machen, das habe ich im Winter aber nicht genutzt. Bezüglich der Lebenshaltungskosten lässt sich sagen, dass Lebensmittel wie bekannt natürlich etwas teurer waren als in Deutschland, wobei der Preisunterschied in günstigen Discountern (z.B. Lidl) nicht mehr ganz so groß war. Das Stipendium hat ziemlich genau die Wohnungskosten gedeckt, was eine große Unterstützung war. Essen gehen ist sehr teuer, ebenso einige Freizeitaktivitäten wie Kinobesuche. In Stockholm gibt es viele staatliche Museen, die keinen Eintritt kosten und wirklich sehr zu empfehlen sind, wie das Naturkundemuseum direkt in der Nähe des Campus oder das Stadt- und Nationalmuseum.

Studienfach: Biowissenschaften (B.Sc.)

Aufenthaltsdauer: 08/2021 - 01/2022

Gastuniversität: Stockholm University

Gastland:Schweden


Rückblick

Das Auslandssemester in Stockholm war noch besser, als ich es mir sowieso schon vorgestellt hatte. Ich hatte relativ schnell mehrere enge Freundeskreise, in dem ich mich super wohl gefühlt habe und ich dadurch so gut wie nie irgendwo alleine unterwegs war. Gerade die Wohnsituation hat es ermöglicht, jederzeit mal schnell jemanden zu besuchen und sich häufig zu gemeinsamen Abendessen oder Ausflügen zu treffen. Auch die Kurse an der Universität und das erwähnte Blocksystem haben mir das Gefühl gegeben, in diesem Semester interessante Themen intensiv zu durchleuchten und das obwohl ich gleichzeitig vergleichsweise viel Freizeit hatte. Dadurch, dass ich Kurse belegen konnte, die es in der Form nicht an der Universität Potsdam gegeben hätte, hat mir vor allem einer dieser drei Kurse sehr bezüglich meiner Studienplanung helfen können, da ich mir nun relativ sicher bin, dass ich mich weiter in dieser Richtung spezialisieren möchte. Ich kann nur jeden ermutigen, den Schritt ins Ausland zu wagen, gerade mit dem Programm Erasmus+ hat man das Gefühl, bei jeglichen Problemen eine Ansprechperson zu haben, die einem weiterhelfen kann und auch wenn es am Anfang vielleicht viel zu organisieren gibt, ist es insgesamt dann doch überraschend einfach, im Ausland zu studieren. Jedenfalls könnte ich mir jetzt gut vorstellen, vielleicht sogar den gesamten Master in einem anderen Land zu absolvieren. Da ich zwischendurch mit dem Gedanken gespielt habe, mein Auslandssemester zu verlängern, kann ich diesbezüglich nur raten, sich in dem Fall rechtzeitig darum zu kümmern. Dies kann eigentlich in wenigen Klicks erledigt werden und ist auch kein großes Problem. Bei mir war letztendendes der Mietvertrag, der nicht verlängert werden konnte, der Grund, doch planmäßig zurückzukehren, aber auch dies wäre kein großes Problem gewesen, wenn ich die Verlängerung rechtzeitig beantragt hätte. Also wenn es einem gut gefällt, sollte man eine Verlängerung auf jeden Fall in Betracht ziehen.

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