Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes

Da ich in meinem Studiengang ein verpflichtendes 30LP Modul habe, in dem man entweder ein Auslandssemester oder ein fünfmonatiges Praktikum absolviert, fiel mir die Entscheidung zu Beginn nicht leicht. Zunächst tendierte ich zu einem Praktikum im Ausland, jedoch gab es auch einige Punkte, die mich daran zweifeln ließen. Am International Day konnte ich mich dann jedoch völlig für ein Auslandssemester in Norwegen mit Erasmus+ begeistern lassen. Da ich neben Englisch nur Latein in der Schule gehabt habe, war für mich klar, dass es in ein Land gehen muss, in dem an der Uni und auch drumherum gutes Englisch gesprochen wird. Zudem wollte ich schon lange unbedingt nach Norwegen, da ich gerne Rad- und Trekkingtouren mache und sich Norwegen dafür landschaftlich wunderbar eignet, solange man mit etwas kälteren Temperaturen kein Problem hat. Aber auch das Kursangebot an der Universität, welches eine Abwechslung zu dem in Potsdam darstellte, sprach mich an. Ich bewarb mich daher auf Plätze in Bergen und Oslo, was ziemlich einfach ging und wurde schließlich in Oslo angenommen. Dort musste ich dann nur noch online ein paar Dokumente hochladen und im Mai meine Wohnheimwünsche angeben. In Norwegen hat nämlich jeder internationale Student ein garantierten Wohnheimplatz, außer man verpasst die Anmeldefrist. Auch ansonsten verlief die Kommunikation mit der Universität reibungslos und auf etwaige Fragen wurde schnell geantwortet. Das Abholen der Schlüssel sowie das Registrieren bei der Polizei vor Ort ging alles sehr unkompliziert.


Studienfach: Politik, Verwaltung und Organisation

Aufenthaltsdauer: 08/2019-12/2019

Gastuniversität: Universitetet i Oslo

Gastland: Norwegen

Studium an der Gastuniversität

Meine Kurse für die Universität Oslo konnte ich bereits in Potsdam wählen und wurde auch für alle zugelassen. Generell gibt es an der Uni ein ausreichendes Angebot an Kursen, die auch Bereiche abdecken, die in Deutschland eher wenig angeboten werden. Da man für die Kurse meistens zwischen 7,5-15 ECTS bekommt musste ich nur 3-4 Kurse in Oslo wählen, um auf die 30LP zu kommen. Die Qualität der Vorlesungen waren durchgehend gut. Positiv fand ich, dass es einen größeren Praxisbezug durch verschiedene Gastdozenten gab sowie die Durchführung eines Planspieles in einem meiner Kurse unter möglichst realistischen Umständen, welches ich so in noch keinem Kurs erlebt habe und als Bereicherung empfinde. Wichtig für die Dozenten war es, die wöchentliche Kursliteratur zu lesen. Da diese gerne auch mal pro Kurs bis zu 120 Seiten betragen konnte, kann ich es nur empfehlen, sich zu Lerngruppen zusammenzuschließen und die Texte untereinander aufzuteilen und kurz zu besprechen. Ansonsten waren die Anforderungen ähnlich zu denen in Potsdam. In all meinen Kursen musste ich neben einem Essay von bis zu 10 Seiten am Ende des Semesters eine mehrstündige Klausur schreiben. Anders als in Potsdam schreibt man diese jedoch in speziellen Klausurräumen am PC und erhält innerhalb von drei Wochen nach der Klausur seine Benotung. Das Studienklima auf dem Campus war sehr angenehm, da es überall kleine Cafés (die Zimtschnecken sind nur zu empfehlen) gab, in denen man nach den Vorlesungen oder in Lernpausen entspannen kann. Ein guter Ort zum Lernen ist die Hauptbibliothek, da diese sehr offen gestaltet ist und viele Leseecken, Gruppenräume, Sessel bietet und auch generell wesentlich lockerere Regeln herrschen als ich es aus Bibliotheken in Deutschland kenne. Generell gab es in der Uni immer jemanden der einem bei jeglichen Fragen rund ums Studium und Leben in Norwegen schnell helfen konnte.

 

Kontakt zu einheimischen und internationalen Studierenden

Zu Semesterstart wurden von der Universität sowie der SoWi-Fakultät einige Veranstaltungen angeboten, die den Einstieg in die Uni erleichterten. So wurden wir in der Woche vor Semesterstart in Buddy-Groups mit ungefähr 20-25 weiteren internationalen Studenten desselben Faches eingeteilt. Mit dieser haben wir dann Oslo erkundet und gegen andere Buddy-Groups kleine Competitions absolviert. Abends waren wir dann meist in einer der Studentenbars/clubs oder bei einem unserer Buddies zuhause. Mit am coolsten war allerdings eine typisch norwegische Russparty in einem Russbus mitzuerleben. In der Buddy-Group habe ich viele Leute kennengelernt, mit denen ich auch übers Semester etliches unternommen habe. Auch die Buddies waren super cool, sodass wir als ganze Buddy-Group noch ein paar Mal im Semester gemeinsam etwas unternommen haben. Ansonsten habe ich noch viel mit meinen Mitbewohnern und Leuten im Haus gemacht, sodass besonders am Anfang eigentlich jeden Abend was los war. Der Kontakt zu Norwegern selbst war schwieriger herzustellen, da eigentlich nur internationale Studenten in meinem Wohnheim und Unikursen waren. In einem Begleitseminar kam man dann jedoch leichter in Kontakt und generell sind die Norweger, die ich kennengelernt habe, sehr freundlich und offen.  

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Da alle meine Kurse auf Englisch waren und ich in Potsdam bisher wenig Kurse auf English gehabt habe, musste ich mich erst einmal in die Fachsprache einlesen, was allerdings zügig ging. Generell erweiterte ich durch das viele Lesen von Texten mein Fachvokabular enorm und auch mein Alltagsenglisch verbesserte sich. Neben meinen normalen Kursen habe ich noch ein Einsteiger Norwegisch Kurs belegt, da es mir wichtig war, etwas mehr von der Kultur mitzunehmen und auch mal kleine Gespräche (Beim Einkaufen, im Café etc.) führen zu können. Generell fällt einem Norwegisch als Deutscher recht leicht, da es viele Ähnlichkeiten zum Deutschen und Englisch hat. Ich überlege sogar, einen weiterführenden Kurs in Deutschland zu machen.

Wohn- und Lebenssituation

Da ein Platz im Wohnheim von der Universität garantiert wird, ergaben sich keine Schwierigkeiten eine Unterkunft zu finden. Ich habe mit drei weiteren Personen in einer Wohnung im Studentenwohnheim Sogn gewohnt, welches neben Kringsjå, eines der beiden großen Wohnheime für internationale Studenten, ist. Mein Zimmer (Schrank, Regal, 1,2m Bett, Schreibtisch, Stuhl, Spiegel und Schuhregal sowie eine Schreibtischlampe und Bettwäsche) sowie die gemeinsam genutzte Wohnküche und Bad waren in einem super Zustand und schienen ziemlich neu. Die meisten Küchenutensilien waren sogar noch verpackt, sodass wir nur einen Wäscheständer und ein paar Dosen bei IKEA kaufen mussten. Die Lage des Wohnheims ist echt super. So befindet sich ein Supermarkt direkt auf dem Gelände und weitere Einkaufsmöglichkeiten sind sonst nur 5-10 min zu Fuß entfernt. Mit dem Bus, Tram und T-Bane (Mischung aus S- und U-Bahn) ist man in 20 min im Zentrum von Oslo. Auch die anderen Stadtteile wie Grünerløkka (gut zum Einkaufen von Obst und Gemüse oder für den Besuch von Bars/Cafés) sind gut zu erreichen. Besonders schön ist es jedoch, dass man innerhalb von wenigen Minuten am See Songsvann ist, der zu allen Jahreszeiten zum Joggen, spazieren etc. einlädt. Da ich bei Glätte einmal ausgerutscht bin (gutes Profil der Schuhe ist im Winter wichtig) und mir dabei die Hand leicht verstaucht habe, durfte ich das norwegische Krankensystem testen. Im Krankenhaus verlief alles zügig und einfach und es gab keine Probleme bezüglich meiner Krankenversicherung. Norwegen gilt nicht ganz zu Unrecht als recht teuer. So deckte die Erasmus+ Förderung gerade so die Miete und auch jegliche „Genussmittel“ wie Alkohol, Tabak und alles was viel Zucker enthält war recht teuer. So bezahlt man für ein Bier in einer Bar schonmal 10€ und in einer Studentenbar 6€. Allerdings unterscheiden sich die Preise von Grundnahrungsmitteln nicht viel von denen in Deutschland, sodass wenn man viel selbst kocht, die Kosten nicht zu hoch sind. Das Sport- und Freizeitangebot der Uni ist mit deren vielen Organisationen und Sportkursen aber auch Fitnessstudios gut ausgebaut, sodass jeder etwas für sich findet. Ansonsten kann man auch viel in Oslo selbst erkunden, Ausflüge in die wunderschöne Natur Norwegens (empfehle die App Outtt herunterzuladen) machen oder andere Städte bereisen, was ich nur dringend empfehlen kann und auch selbst gemacht habe. Es werden auch immer wieder Fahrten für Ziele innerhalb und außerhalb Norwegens vom ESN angeboten, an denen man einfach teilnehmen kann.  

                           

Studienfach: Politik, Verwaltung und Organisation

Aufenthaltsdauer: 08/2019-12/2019

Gastuniversität: Universitetet i Oslo

Gastland: Norwegen


Rückblick

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ich eine wunderbare Zeit in Norwegen hatte und das Land, Leute sowie die anderen internationalen Studenten jetzt schon vermisse. Daher werde ich auch definitiv nochmal wiederkommen. So möchte ich unbedingt einmal den norwegischen Nationalfeiertag miterleben und mit dem Auto (Ohne Auto ist es manchmal nicht ganz so einfach zu reisen) noch einige schöne Orte besuchen. Kleiner Tipp: Fangt mit euren Trips so früh wie möglich an, da ist die Uni noch nicht so stressig und die Tage noch etwas länger, aber auch im Winter lohnt es sich definitiv zu reisen. Schlechte Erfahrungen habe ich in meiner ganzen Zeit zum Glück keine machen müssen und so kann ich jedem ein Auslandsemester in Oslo nur empfehlen. Norge jeg elsker deg.

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