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Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes

Ich wollte die Möglichkeit, mal wo anders zu studieren und das auch noch von der EU gefördert zu bekommen, auf keinen Fall verpassen. Für mein relativ kleines Studienfach gab es die Auswahl zwischen Lund, Oslo, Zürich und Trento. Und als südlichstes Ziel fiel meine Entscheidung somit sehr schnell auf Italien. In das ganze Thema „Im Ausland studieren“ und „Italien“ bin ich also eher so hereingestolpert und hatte mich auch nie wirklich länger damit auseinandergesetzt. Trotzdem wurde ich von Frau Kettmann und dem gesamten International Office sehr gut auf den Aufenthalt vorbereitet und kann nun abschließend sagen, dass ich jedem ein Auslandssemester aus sehr vielen verschiedenen Gründen nur wärmstens ans Herz legen kann.

Ebenso wie das ganze Semester hindurch, war auch schon die Bewerbung unkompliziert. Zwar mussten alle, die, wie ich nach Trento gingen, ein wenig länger warten, da die Platzfrage noch unsicher war. Am Ende wurden dann aber doch alle angenommen und die Vorbereitungen konnten beginnen.


Studienfach: Computerlinguistik

Aufenthaltsdauer: 09/18-02/19

Gastuniversität: Università degli Studi di Trento

Gastland: Italien

Studium an der Gastuniversität

In Trento habe ich in den Kursen vom Master „Human-Computer-Interaction“ studiert, auch wenn ich 1. eigentlich woanders eingeschrieben war und 2. in Potsdam eigentlich im Bachelor war. Die ganze Organisation drum herum kam fand ich überhaupt nicht problematisch und die Kurswahl hier ist eher dem Motto „Mach, was du für richtig hältst“ gefolgt. So in etwa habe ich auch die Kursinhalte empfunden. Manche Kurse waren dabei im Hinblick auf die Anwesenheitspflicht freier als andere, durchgehend habe ich aber alle vom Anspruch her als sehr machbar empfunden.
Auch im Austausch mit anderen Austauschstudenten lässt sich sagen, dass die Kurse hier mehr einen Überblick über Themen eines Gebietes geben und es mehr darum geht, das große Ganze zu verstehen, als (wie ich es aus Deutschland kennen), exakte Abläufe, Algorithmen und Theorien bis ins Detail zu verstehen. Man geht also weniger in die Tiefe, kriegt aber einen viel größeren Überblick. Zudem waren alle Kurse sehr praktisch auslegt: die Hälfte des Big Data-Kurses wurde programmiert, in den Italienisch-Sprachkursen mindestens 2/3 der Zeit geredet und selbst der Dozent des Rechtskurses hat sich um Anschaulichkeit und Praxisbeispiele bemüht.
Rückblickend habe ich wenig Theorie aber sehr viele Konzepte, Ansätze, studienspezifischen Allgemeinwissen und praktische Techniken gelernt, die mir in meinem weiteren Studium sehr viel nützen werden.

Wohn- und Lebenssituation

Die Uni Trento hat sich sehr um die Wohnsituation ihrer Austauschstudenten bemüht: Jede und jeder hat erst einmal einen Wohnheimsplatz, es sei denn, man sucht sich selbst etwas. Und auch da empfiehlt die Uni das Wohnsuchportal housinganywhere.com, das ich dann auch genutzt habe und innerhalb von 2 Stunden ein Zimmer in der Innenstadt ergattern konnte.
Die allererste Woche habe ich, weil das Zimmer noch nicht frei war, übrigens einen Platz über Couchsurfing gefunden. Das war auch perfekt, um in einer neuen Stadt anzukommen.
Das Zimmer war ein Doppelzimmer, wie es in Italien üblich ist. Das ist auch überhaupt kein Problem, weil die ItalienerInnen sowieso über das Wochenende zu ihren Familien fahren. Ansonsten waren wir zu sechst in der WG (außer mir nur ItalienerInnen), was für meine Sprachpraxis natürlich nicht hätte besser sein können. Mit housinganywhere.com bin ich auch mehr als zufrieden, da sie sich wirklich darum kümmern, dass auch alles wie angegeben funktioniert und man auch ja nicht hintergangen werden kann. Ich würde eine private Unterkunft auch immer empfehlen, da das Studentenwohnheim in Trento sehr weit außerhalb war, teurer als jedes WG-Zimmer und es Wohnheim-typische Restriktionen gab, namentlich monatliche Zimmerkontrolle, Küchenbenutzung und so weiter.
Trento ist ansonsten eine sehr lebenswerte Stadt, in der meistens die Sonne scheint. Alles zentriert sich im alten Zentrum mit großem Domplatz und ringsherum ragen die Dolomiten auf. Man kann von dort aus innerhalb einer halben Stunde in die Berge fahren oder auch von der Stadt aus loswandern. Das Nachtleben gestaltet sich als etwas ruhiger und konzentriert sich eher auf private Partys.

Kontakt zu einheimischen und internationalen Studierenden

Durch meine WG konnte ich schnell ein paar Kontakte zu Einheimischen schließen, die sich durch meine anfangs unzulänglichen Italienischkenntnisse aber doch schwieriger als gedacht herausstellte. Für diesen Zweck empfehle ich auf jeden Fall eine Tandempartnerschaft anzufangen. Außerdem hat jeder von uns einen einheimischen Tutor bekommen, der uns jeweils „an die Hand“ genommen hat und uns besonders in der ersten Zeit stark geholfen hat. In den Kursen war es schon etwas schwieriger, Einheimische kennen zu lernen.
Andere Austauschstudierende lernt man ganz schnell über den ESN (Erasmus Student Network), eine der gefühlt 20 Einführungsveranstaltungen, Sprachkurse oder ggf. im Wohnheim kennen. Hierbei solltet ihr euch auf keinen Fall Sorgen machen: dadurch, dass alle neu sind und soziale Kontakte brauchen, ist es überhaupt kein Problem, Freunde zu finden. Und im besten Fall halten die internationalen Freundschaften auch noch länger, als über das Erasmusjahr hinweg.
Die internationale Erfahrung hat mein Weltbild auf jeden Fall nachhaltig verändert. So viele Menschen aus unterschiedlichen Ländern kennen zu lernen und zu erfahren, dass sich eben alle nicht nach Nationalität, sondern viel mehr nach ihrem persönlichen Charakter unterscheiden, ist eine tolle und augenöffnende Erfahrung.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Vor dem Aufenthalt habe ich einen A1-Italienisch-Kurs absolviert und hatte somit Grundkenntnisse, ein Gespräch war aber noch nicht drin. Die Italienisch-Kurse an der Uni Trento sind für Austauschstudierende kostenlos und zahlreich: insgesamt drei weitere Kurse konnte ich anschließen und bin nun bei einem B1 Niveau angekommen, womit ein Gespräch schon sehr wohl möglich ist. Allerdings habe ich hier bemerkt, dass, entgegen meiner Erwartungen, Sprache lernen eben doch nicht von allein passiert: Grammatik, Vokabeln, aber allen voran der Mut zu sprechen und Fehler zu machen und es auszuhalten, nichts zu verstehen und auch nicht verstanden zu werden, gehören immer dazu. Circa 3 Monate tägliche Praxis kann man sich als Augenmaß nehmen, um in der Sprache anzukommen. Jedenfalls für Italienisch, das ich als nicht so schwer bezeichnen würde.
Aber auch mein Englisch hat sich drastisch verbessert. Sowohl in den Kursen als auch mit den anderen Internationals spricht man eben nur auf Englisch.

Ratschläge

Keine Pizza mit Ananas bestellen – nie! Ganz viel Reisen und besonders in Trentino: wandern gehen! Außerdem haben ein paar meiner Freunde auch einen hier angebotenen Kurs über die Kultur Italiens gemacht, was ich im Nachhinein ein wenig bereue, nicht gemacht zu haben. Ansonsten gar nicht erst das Gefühl aufkommen lassen, dass ihr im Urlaub seid (was sehr schnell passiert). So gibt man nur unnötig viel Geld aus und lebt sich auch nicht so richtig ein. Ich habe mir ganz schnell einen Sportverein gesucht und Unisportkurse besucht. Leute, die ich in Kursen hatte, auch auf der Straße angequatscht – Kontakte sind das Wichtigste. Und bloß nicht beirren lassen: dass man mal nicht verstanden wird oder es auch mal unangenehme Small-Talk-Situationen gibt, ist ganz normal.

Studienfach: Computerlinguistik

Aufenthaltsdauer: 09/18-02/19

Gastuniversität: Università degli Studi di Trento

Gastland: Italien


Rückblick und Sonstiges

Das halbe Jahr war, so würde ich sagen, das beste halbe Jahr in meinem Leben. Nicht nur, dass ich mich persönlich extrem weiter entwickelt habe, viel offener geworden bin, selbstbewusster im Umgang mit ungemütlichen Situationen, eine neue Sprache gelernt habe, ganz viele neue Freunde aus der ganzen Welt gefunden habe und nun weiß, wie es wirklich ist, als Fremde irgendwo hinzukommen. Auch was ich in der Uni gelernt habe, was ich über mich gelernt habe und über Italien, ist ein großer persönlicher Gewinn.

Ein Wermutstropfen war, dass das Geld hinten und vorne nicht gereicht hat. Obwohl mich meine Eltern in dieser Zeit mit 800 Euro im Monat unterstützt haben, musste ich im Januar für einen Monat zum Arbeiten nach Berlin zurückkehren. Und das, obwohl ich nicht ausschweifend gelebt hab, kaum „aus“ war und fast nur selbst gekocht habe.
Ausdrücklich möchte ich nochmal erwähnen, dass Frau Kettmann stellvertretend für das gesamte International Office und mein Koordinator Daniel Williams einem die Organisation wirklich sehr einfach machen. Es gibt zahlreiche Informationsveranstaltungen, Treffen, Erinnerungsmails und und und, sodass ich rückblickend das Gefühl hatte, eigentlich nichts selber gemacht zu haben. Und auch in Trento wurde sich einwandfrei um alle Internationals gekümmert und so viel Arbeit wie nur irgendwie möglich abgenommen.

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