Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes

Da ich bereits in der Zeit zwischen Bachelor und Master ein halbes Jahr in Israel einen Sprachkurs absolviert und während meines Bachelorstudiums kein Auslandssemester hatte, stand bereits zu Beginn des Masters fest, dass ich gerne an einer israelischen Universität ein Semester studieren möchte. Da die Tel Aviv University eine Partnerhochschule der UP ist, bewarb ich mich circa ein Jahr im Voraus auf einen Platz. Nach erfolgreicher Nominierung benötigte die Tel Aviv University eine Bewerbung. Die dafür benötigten Bewerbungsunterlagen entsprachen den gleichen Unterlagen, die für die Nominierung gefordert wurden. Durch den von dem International Office der UP vermittelten Kontakt mit dem Exchange Coordinator der Tel Aviv University konnten alle Fragen zu bürokratischen Vorbereitungen erledigt werden, wobei die Corona-Pandemie diesen Prozess etwas erschwerte, da Israel zeitweise keine Studierendenvisa vergab. Während das Semester schon online via Zoom anfing, wartete ich demnach noch in Deutschland auf die Einreiseerlaubnis. Durch die unklare Coronalage blieb ich auf Rat des International Office der UP während des Auslandssemesters auch an der UP eingeschrieben, um bei einem notwendigen coronabedingten Abbruch des Auslandssemesters wieder an der UP studieren zu können, was glücklicherweise jedoch nicht eintrat.


Studienfach: Psychologie (M. Sc.)

Aufenthaltsdauer: 04/2021 - 08/2021

Gastuniversität: Tel Aviv University

Gastland: Israel

Studium an der Gastuniversität

Das Studium und dessen Organisation wurde anfangs stark durch Corona überschattet, weshalb die Online-Formate für einige Dozierende neu war und erst gegen Ende des Semesters und nach Impfung in einigen Fächern die Möglichkeit bestand, auch physisch in Hybridform an den Seminaren und Vorlesungen teilzunehmen. Durch die Umstellung merkte man die unterschiedliche Handhabung der Dozierenden bezüglich inhaltlicher Diskurse zwischen den Studierenden. Ich hätte mir in einigen Fächern etwas mehr inhaltlichen Austausch und Diskussionen gewünscht. Ausländische Studierende können prinzipiell alle Modulangebote nutzen, solange die fachlichen und sprachlichen (manchmal Hebräisch) Anforderungen erfüllt werden. Jedoch gibt es Fächer, die speziell für ausländische Studierende auf Englisch angeboten werden. Dieses Angebot ermöglicht es, auch andere Fachbereiche kennenzulernen, die konkreten Bezug auf die Region, Politik und Gesellschaft in und um Israel haben, da wenig Vorkenntnisse erwartet werden. Diese Kurse waren eine große Bereicherung und halfen mir, mein bisheriges Wissen auch im Alltag zu kontextualisieren. Anders als in meinem bisherigen Studium in Deutschland wurde in allen gewählten Fächern eine deutlich umfangreichere Vorbereitung auf die folgenden Lehrveranstaltungen erwartet, was in der Regel dem Lesen von Texten entsprach. Diese sowie alle anderen Unterlagen und Mitteilungen wurden über das Portal Moodle zur Verfügung gestellt. In allen Fächern gab es zur Mitte des Semesters eine kleine Prüfung, aufgrund von Corona meistens eine kurze Hausarbeit, gegen Ende des Semesters eine umfangreichere Hausarbeit. Die Dozierenden waren auch außerhalb der Veranstaltungen sehr gut erreichbar und boten ihre Hilfe immer an. Da durch Corona das Kennenlernen der Kommiliton*innen erschwert wurde und es innerhalb der Veranstaltungen keinen Raum dafür gab, bemühte sich die Koordination für Auslandsstudierende um eine Vernetzung untereinander. Die Tel Aviv University ist eine Campus-Uni im Norden Tel Avivs, etwas abseits des Zentrums und des Geschehens. Der schöne grüne Campus, auf dem sich neben der Uniräumen und Bibliotheken auch das Museum des Jüdischen Volkes und mehrere Cafés befinden, lädt zu ruhigen Lernpausen ein.

Kontakt zu einheimischen und internationalen Studierenden

Aufgrund der überwiegend online stattfindenden Lehrveranstaltungen gab es wenige Möglichkeiten, die Kommiliton*innen im Rahmen der Uni kennenzulernen. Doch durch eine Gruppe einer Messenger-App waren alle Exchange-Students des Semesters untereinander gut vernetzt. Durch vorherige Aufenthalte in Israel hatte ich bereits Kontakte zu anderen Menschen, so auch zu israelischen Studierenden, was mir den Einstieg in das Leben dort sehr erleichterte. Jedoch ist die Gastfreundschaft in Israel und Palästina sehr ausgeprägt, weshalb man auch ohne diesen Vorsprung einfach Anschluss finden kann.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Vor dem Auslandsaufenthalt hatte ich bereits Hebräisch gelernt und konnte grundlegende Unterhaltungen führen. Da die Lehrveranstaltungen alle auf Englisch waren und vor allem die jüngeren Generationen der Israelis, besonders in Tel Aviv, gutes Englisch sprechen, kommt man auch ohne Hebräisch sehr weit. Da meine (lehrfreudigen) Mitbewohner*innen alle Israelis waren und ich mich gegen das teure Sprachkursangebot der Uni entschied, hatte ich trotzdem die Möglichkeit, außerhalb der Uni meine Hebräischkenntnisse zu erweitern.

Wohn- und Lebenssituation

Wie die desaströse Lage auf dem Wohnungsmarkt in vielen Großstädten ist die Lage in Tel Aviv sehr ähnlich und es bedarf etwas Geduld, ein bezahlbares Zimmer in guter Lage zu finden. Auch wenn die Gastuni Zimmer in Studierendenwohnheimen anbietet, ist zu beachten, dass der Campus und auch die Studierendenwohnheime im Norden Tel Avivs etwas abseits des Geschehens sind. Da der Kontakt zu Kommiliton*innen durch Corona eingeschränkt wurde, war es mir deshalb wichtig, Kontakt mit Israelis zu haben, weshalb nur ein WG-Zimmer in Frage kam. So wohnte ich in während meines Aufenthaltes in den Stadtteilen Shapira und Jaffa. Anders als in Potsdam/Berlin sind die Mieten für in Zimmer in Tel Aviv ein gutes Stück teurer (ca. 500-850 Euro) und werden deutlich kurzfristiger, in der Regel über Facebookgruppen, untervermietet (einfach nach Sublet Tel Aviv suchen). Da ich nach meiner Ankunft zwei Wochen in ein Zimmer eines von der Uni dafür vorgesehenen Studierendenwohnheims in Quarantäne musste, habe ich erst in der Überbrückungszeit über Facebook meine Untermiete gefunden. Der öffentliche Verkehr funktioniert einwandfrei und alle Verbindungen lassen sich minutengenau mit der App Moovit anzeigen. Immatrikulierte einer israelischen Uni bekommen Rabatt auf die Tickets, weshalb es sich lohnt, sich als Student*in zu registrieren und sich eine Karte (Raf Kav) zu besorgen, mit der jede Fahrt günstiger ist. Obwohl ich eine deutsche Auslandskrankenversicherung für die Zeit abgeschlossen hatte, habe ich, um dort gegen Corona geimpft zu werden, zusätzlich eine israelische Krankenversicherung abgeschlossen. Was die Lebenshaltungskosten angeht, muss man mit einem deutlich höheren Budget als in Deutschland rechnen. Obwohl der Mindestlohn in Israel deutlich niedriger ist als der in Deutschland, sind fast alle Kosten in Israel deutlich höher (insbesondere Miete und Cafés und Restaurants). Gefühlt sind nur Telefonverträge, der ÖPNV und Gemüse im Verhältnis günstiger. Deshalb war ich sehr dankbar, dass ich ein PROMOS-Stipendium erhielt, auch wenn dies nur einen Bruchteil der Kosten deckt.

Studienfach: Psychologie (M. Sc.)

Aufenthaltsdauer: 04/2021 - 08/2021

Gastuniversität: Tel Aviv University

Gastland: Israel


Rückblick

Die äußeren Umstände meines Aufenthaltes in Tel Aviv entsprachen nicht denen eines „durchschnittlichen“ Auslandssemesters in Tel Aviv! Meine Zeit war durch die Corona-Pandemie, Raketenangriffe und Ministerpräsidentenwechsel eine sehr intensive Zeit und ermöglichte mir, allerdings ungewollt in der Intensität, die politische Lage vor Ort zu erleben. Der alleinige Besuch des Landes, aber auch die politischen Ereignisse erforderten eine persönliche Reflektion der eigenen Privilegien, da ich mich trotz dieser bedrohlichen Vorkommnisse permanent sicher fühlte, während ich mich in einem Land befand, das Menschenrechte, wie die Reisefreiheit, verwehrt. Doch auch insbesondere wegen meiner Privilegien hatte ich eine wunderbare Zeit in Tel Aviv und konnte neben des Studiums viele kulturelle Veranstaltungen besuchen, die unterschiedlichen Stadtteile erkunden und wunderbare Menschen kennenlernen. Das Auslandssemester ermöglichte mir Themen meines Fachbereiches kennenzulernen, die nicht an der UP angeboten werden (wie Dangerous Group Dynamics), aber auch über meinen Fachbereich hinweg neue Inhalte zu lernen (wie History of the Middle East), die halfen, der Komplexität der dortigen Geschichte näher zu kommen.

Israel

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