Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes

Bereits zu Beginn meines Masterstudiums war mir klar, dass ich ein Auslandssemester absolvieren möchte. Deshalb besuchte ich die Informationsveranstaltung des International Office zu Austauschprogrammen mit außereuropäischen Universitäten. Hier wurden die Partnerhochschulen vorgestellt, Bewerbungsvoraussetzungen erläutert und das Bewerbungsverfahrungen erklärt. Nachdem ich mich für ein Auslandsstudium an der Tel Aviv University entschieden hatte, trug ich folgende Bewerbungsunterlagen zusammen: ein englisches Motivationsschreiben, Lebenslauf, Nachweis der Englischkenntnisse auf C1-Niveau, ein Referenzschreiben, Bachelorzeugnis und aktueller Leistungsnachweis. Ein paar Tage nach Bewerbungsschluss bekam ich eine Einladung zum Auswahlgespräch, in der uns bereits wichtige Tipps zur Vorbereitung auf das Gespräch mitgeteilt wurden. Etwa eine Woche nach dem Gruppengespräch bekam ich die Nachricht, dass ich für das Auslandssemester an der Tel Aviv University nominiert werden würde und Frau Subasic gab uns wichtige Tipps für die Bewerbung an der Gasthochschule und für das PROMOS-Stipendium. Hierfür werden in etwa die gleichen Unterlagen wie für die Bewerbung beim International Office benötigt. Nachdem auch die TAU den Austauschplatz zugesagt hatte, begann ich meine Bewerbung für das PROMOS-Stipendium. Etwa sechs Wochen vor dem Semesterstart in Israel sendete uns das International Office der Tel Aviv University den Kurskatalog zu und wir hatten ca. zehn Tage Zeit, um Kurse mit verschiedenen Präferenzen zu wählen. Für das Auslandssemester in Israel benötigt man ein Visum. Dieses kann man entweder persönlich oder postalisch bei der israelischen Botschaft in Berlin beantragen. Außerdem ist eine Auslandskrankenversicherung für den gesamten Auslandsaufenthalt obligatorisch. Besondere Impfungen benötigt man nicht. Ich habe mich dazu entschlossen, mich während des Auslandssemesters in Deutschland beurlauben zu lassen, um das Semesterticket nicht bezahlen zu müssen.


Studienfach: Politikwissenschaft (M. A.)

Aufenthaltsdauer: 10/2019 - 02/2020

Gastuniversität: Tel Aviv University

Gastland: Israel

Studium an der Gastuniversität

Das International Office der TAU empfiehlt nicht mehr als fünf Kurse zu besuchen und ich denke, dass dies ein guter Richtwert ist. Obwohl anders kommuniziert, ist es meist relativ einfach in der ersten Woche andere Kurse hinzuzufügen und abzuwählen. Es empfiehlt sich, nach der ersten Stunde persönlich mit den Dozenten zu sprechen und selbst zu den Koordinatoren der Programme zu gehen. Allerdings gibt es in den meisten Kursen eine Höchstanzahl an Plätzen für Austauschstudierende, da Studieren in Israel nicht billig ist. Anders als im Masterstudium Politikwissenschaft and der Universität Potsdam ist schon während des Semesters sehr viel zu tun. Neben Präsentationen und Midterm-Papers verlangen manche Dozenten wöchentlich kleinere Abgaben. Das Niveau der Kurse hängt stark vom Studienprogramm ab. Während einige Masterprogramme keinerlei Vorkenntnisse in bestimmten Bereichen voraussetzen, bringen die Studierenden in anderen Programmen fundierte Kenntnisse aus Theorie und Praxis mit. Generell habe ich das Studienklima als sehr angenehm empfunden. Die meisten Kurse haben zwischen 15 und 30 Teilnehmern und die Dozenten gehen gerne auf die Interessen der Kursteilnehmer ein. Es gibt mehrere Bibliotheken auf dem Campus, die an allen Tagen außer Sabbat geöffnet sind – in der Prüfungszeit verlängern sich die Öffnungszeiten noch einmal.             

Kontakt zu einheimischen und internationalen Studierenden

Die meisten englischsprachigen Kurse werden kaum von israelischen Studierenden besucht, da die meisten Programme auch auf Hebräisch angeboten werden und auf Englisch deutlich teurer sind. Daher kommt man in den Kursen kaum mit israelischen Studierenden in Kontakt. An Programmen der International School nehmen vor allem englische Muttersprachler teil. Möchte man Kontakt mit israelischen Studierenden knüpfen, nimmt man am besten an einem Tandem-Programm oder dem Buddy-Programm teil, die von der Student Union organisiert werden. Außerdem gibt es die Möglichkeit, sich in lokalen Hochschulgruppen zu engagieren. Über diese wird am Orientation Day aufgeklärt. Leider kommunizieren viele davon ausschließlich auf Hebräisch – mit etwas Glück sind die Gruppenmitglieder bereit, auf Englisch umzustellen.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Vor meinem Auslandsaufenthalt habe ich einen Hebräisch-Kurs an der Volkshochschule in Berlin besucht. In dem zwölfwöchigen Anfängerkurs habe ich das hebräische Alef-Beth und Grundlagen der alltäglichen Kommunikation gelernt. Da Hebräisch-Kurse (Ulpan) an der TAU sehr teuer sind (ca. 500 Dollar) und die privaten Institutionen in Tel Aviv ähnliche Preise verlangen, haben sich meine Hebräisch-Kenntnisse leider kaum verbessert. Fast alle Menschen in Tel Aviv sprechen sehr gutes Englisch und auch an der Uni kommt man ohne Probleme durch, ohne ein Wort Hebräisch zu sprechen.

Wohn- und Lebenssituation

Der Mietmarkt in Tel Aviv ist äußerts schnelllebig und umkämpft. Daher macht es keinen Sinn, weit im Voraus nach einer Unterkunft zu suchen. Die zentrale Plattform zur Wohnungssuche ist weiterhin Facebook. In mehr oder weniger speziellen Gruppen werden Apartments und WG-Zimmer zur Miete angeboten. Dabei muss man etwas aufpassen, da auch Immobilienmakler in diesen Gruppen unterwegs sind und teilweise irrwitzige Provisionen verlangen, ohne das vorher zu kennzeichnen. Nachdem ich mir einige Zimmer in Tel Aviv angesehen habe, hat sich glücklicherweise über einen Freund etwas ergeben und ich habe ein Zimmer in einer 4er-WG in Neve Tzedek gefunden. Generell gilt, dass der Süden Tel Avivs etwas günstiger ist als der Norden der Stadt. Allerdings befindet sich die Universität in einem Vorort nördlich von Tel Aviv. Soweit ich weiß, stehen die Studentenwohnheime auf dem Campus Austauschstudierenden nicht zur Verfügung, wobei diese sowieso ziemlich teuer sind und der Campus wie erwähnt etwas außerhalb der Stadt liegt. In Tel Aviv gibt es bisher nur Busse, 2022 sollen mehrere Metro-Linien eröffnen. Mit einem Dokument, das man am Orientation Day an der TAU bekommt, kann man eine vergünstigte Bus-Fahrkarte bekommen. Eine Fahrt von 90 Minuten im Stadtgebiet kostet dann etwas mehr als einen Euro. Außerdem gibt es seit Ende 2019 in Tel Aviv kostenlose Busse am Sabbat in Tel Aviv. In anderen Städten oder zwischen den Städten fahren dann weder Busse noch Züge. Weiterhin lohnt es sich ein Fahrrad zu kaufen, da die Busse staubedingt lange Fahrzeiten haben können und teilweise unzuverlässig kommen. Gebrauchte Fahrräder ab 400 NIS (ca. 110 Euro) kann man beispielswese in der Levinsky Street im Süden Tel Avivs kaufen. Sportangebote sind sowohl an der Uni als auch in Studios in der Stadt relativ teuer. Einige Hostels bieten Yoga-Stunden auf Spendenbasis an. Die wohl populärste Sportart Tel Avivs, Matkot, kann man kostenlos an Tel Avivs wahnsinnig schönem Stadtstrand spielen, sobald man zwei Schläger und einen Ball auftreiben kann.

Studienfach: Politikwissenschaft (M. A.)

Aufenthaltsdauer: 10/2019 - 02/2020

Gastuniversität: Tel Aviv University

Gastland: Israel


Rückblick

Israel, und Tel Aviv im Besonderem, ist eine sehr teure Destination. Man sollte sich bewusst sein, dass die Preise für Wohnen und Leben etwa auf dem Niveau der Schweiz sind. Das PROMOS-Stipendium kann nur einen kleinen Teil der Kosten kompensieren. Allerdings ist Israel ein wahnsinnig interessantes Land und trotz der vielbeschworenen Chuzpe sind die Menschen sehr aufgeschlossen und wissen viel über ihr außergewöhnliches Land zu erzählen. Einige Kurse an der Tel Aviv University beinhalten eine Service-Learning-Komponente (einige Stunden Freiwilligenarbeit während des Semesters). Die Teilnahme an diesen Kursen vermitteln einen ganz besonderen Einblick in die spezifischen sozialen und politischen Konflikte des Staates.

                                              

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