Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes

Mir war zu Beginn meines Masters klar, dass ich ein ERASMUS-Semester machen möchte, da ich leider in meinem Bachelor nicht die Möglichkeit dazu hatte. Ich habe mich zu allererst erkundigt, an welche Universität ich als Master-Student der Geowissenschaften gehen kann und wo die Schwerpunkte der einzelnen Universitäten liegen. Ich habe mich für die Universität in Grenoble (Frankreich) entschieden. Da ich nicht die einzige Person aus meinem Studiengang war, die dort hingehen wollte und es von unserer Fachschafft nur einen Platz gab, bin ich über die Umweltwissenschaften ins Auslandssemester gegangen. Ich habe die meisten Informationen zur Bewerbung und zum Ablauf der Bewerbung über das International Office an der Universität Potsdam erhalten und auch über deren Online-Seminare. Der Kontakt mit der Hochschule in Grenoble und die Bewerbung dort fanden auf Englisch statt, jedoch ist zu erwähnen, dass es definitiv ein Vorteil ist, etwas Französisch zu sprechen, da die meisten Mails auf Französisch beantwortet werden und auch nicht alle Modulbeschreibungen auf Englisch vorhanden sind. Es ist jedoch für den Master kein Sprachzertifikat von Nöten, für den Bachelor meines Wissens nach schon.


Studienfach: Geowissenschaften

Aufenthaltsdauer: 09/20 - 02/21

Gastuniversität: Université Grenoble Alpes

Gastland: Frankreich

Studium an der Gastuniversität

Der Masterstudiengang Geowissenschaften an der Universität Grenoble ist in bestimmte Vertiefungsrichtungen eingeteilt, die als ERASMUS-Student jedoch nicht eingehalten werden müssen. Ich habe dementsprechend Kurse aus verschiedenen Master-Richtungen gewählt und mir haben alle wirklich gut gefallen. Es ist jedoch zu erwähnen, dass bevor man sein Learning Agreement einreicht, man sich mit den Lehrenden in Kontakt setzen sollte, da manche Kurse, welche auf Englisch online angeboten werden, im Endeffekt auf Französisch sind, da entweder der Lehrende kein Englisch spricht oder die Studierenden. Die Lehrveranstaltungen selber sind in Vorlesungen und Übungen unterteilt, wobei bei den Übungen Anwesenheitspflicht herrscht. Es gibt Vorlesungen mit 3 oder 6 ECTS, jedoch ist der Arbeitsaufwand für diese deutlich höher als in Deutschland. Für 6 ECTS musste ich zum Beispiel eine Ausarbeitung schreiben, einen Vortrag halten, welcher auf einem eigenen Projekt basierte und eine Klausur schreiben. Die erbrachten Leistungen werden daraufhin mit Notenpunkten zwischen 20, welches das beste Ergebnis und quasi unerreichbar ist, und 0 Punkten bewertet. Hierbei zählt alles unter 10 Punkten als quasi unter 4,0 und damit als durchgefallen. Die Bewertung fällt leider für deutsche Verhältnisse schlechter aus, da im französischen System die Noten selber nicht viel zählen. Am Ende des Semesters setzen sich die Professoren zusammen und bewerten jeden einzelnen Studierenden und ordnen diese nach Leistungen. Demnach bekommt jeder Student eine Nummer auf welchem Platz innerhalb seines Studiengangs er sich befindet, was für weitere Bewerbungen in Frankreich ausschlaggebend ist. In Grenoble wird die mündliche Mitarbeit nicht berücksichtigt, jedoch ist dies an anderen Universitäten in Frankreich der Fall. Das Studienklima selber hat mir unglaublich gut an der UGA gefallen. Alle waren sehr freundlich und hilfsbereit. Wie oben schon erwähnt ist es jedoch wirklich von Vorteil, zumindest Grundkenntnisse in der französischen Sprache zu besitzen, weil sehr wenig ins Englische übersetzt wird, vor allem was Mails oder Erklärungen von z.B. dem Drucker in der Bibliothek oder der Essensausgabe in der Mensa angeht. Als Studierender des PHITEM, welches die Fakultät der Geowissenschaften und der Physik ist, bekommt man 20€ Guthaben zum Drucken. Die Drucker befinden sich in den Bibliotheken auf dem Campus und sind einfach zu bedienen. Ich würde es jedem raten, die Einführungsveranstaltung der Fakultät des jeweiligen Studiengangs zu besuchen, da dort erklärt wird, wie man den eigenen Stundenplant erstellen kann, wie der Studierendenausweis bzw. die Mensakarte und auch das Internet an der UGA funktioniert. Die Online-Seiten wie LEO, was unserem Puls entspricht und dem E-Mail-Postfach sind auf Französisch und soweit ich weiß auch nicht auf Englisch umzustellen. Des Weiteren würde ich empfehlen, am Budy Programm teilzunehmen und sich vorher schon auf einen Budy zu bewerben.

Kontakt zu einheimischen und internationalen Studierenden

Zunächst ist zusagen, dass ich mich während der Coronakrise in Frankreich befunden habe, also im WiSe 20/21. Auf Grund dessen fielen natürlich viele Kontaktmöglichkeiten weg. Dennoch habe ich eine wundervolle Zeit in Grenoble verbracht, sehr viele wundervolle Menschen kennengelernt und bin sehr glücklich, trotz Corona ins Auslandssemester gegangen zu sein. Am Anfang des Semesters fanden viele Veranstaltungen für ausländische Studierende statt. Diese wurden von der studentischen Organisation „InteGre“ organisiert. Die Veranstaltungen dienten dazu, dass sich die ERASMUS-Studierenden untereinander kennenlernten und auch mit einheimischen Studierenden, welche schon ein ERASMUS-Semester gemacht haben, verknüpfen konnten. Es gab Städtetouren, Wanderungen, Picknicks im Park, Rallies und auch Campus-führungen. Die Veranstaltungen veröffentlichten sie auf ihrer Facebookseite oder auch in den WhatsApp- und Discord-Gruppen. Leider hatte ich wenig Kontakt zu einheimischen Studierenden, was glaube ich auch an meinen Sprachkenntnissen gelegen hat.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Ich habe Französisch damals in der Schule gelernt und auch in dem Sommersemester vor meinem Auslandssaufenthalt nochmal durch einen Sprachkurs an der Universität Potsdam aufgefrischt. Ich für meinen Teil würde ich sagen, dass ich sehr viel der Sprache verstehe, jedoch nicht sonderlich fließend antworten kann. Jedoch kam ich gut im Alltag zu Recht. Leider habe ich nicht unbedingt Sprachkompetenz in der französischen Sprache hinzugewonnen, sondern eher mehr Selbstvertrauen im Umgang mit dieser. Meine Kurse selber waren alle auf Englisch, genauso wie die Klausuren, Abgaben und Präsentationen. Untereinander haben wir zumeist auch Englisch gesprochen, da dies am einfachsten war. Jedoch kann man auch viele Vorlesungen auf Französisch besuchen und dementsprechend auch seine Sprachkompetenzen steigern. Ich habe mit meinen Mitbewohnern jedoch Französisch gesprochen.

Wohn- und Lebenssituation

Nach der Bewerbung an der Universität bekam ich eine Mail, mit der ich mich auf einen Studentenwohnheimsplatz bewerben konnte, was ich auch getan habe. Auf dem Campus gibt es drei große Studentenwohnheime, welche vom Studierendenwerk Crous geleitet werden, in denen ERASMUS-Studierende untergebracht sind, das Wohnheim Berlioz, Ouest und Condillac. Im Berlioz haben die meisten ERASMUS-Studierenden gewohnt, dort hatte man ein Zimmer mit Bad und teilte sich eine Küche mit etwa 30 anderen, genauso war das Wohnheim Ouest aufgebaut. Ich habe in der Crous Unterkunft Condillac gewohnt. In diesem Studentenwohnheim hat man ein eigenes Zimmer mit etwa 9 m2 und ein eigenes Bad, teilt sich jedoch die Küche mit 6 weiteren. Die Miete meines Zimmers betrug 266€, die Mieten in den Wohnheimen Berlioz und Ouest waren etwas höher, etwa um 280€. Ich würde empfehlen, bei der Bewerbung als Wunschunterkunft Berlioz anzugeben, weil dort am meisten los war, man leichter mit anderen in Kontakt kam und weil die Zimmer sowie Bäder größer waren als in Ouest oder Condillac. Um ein Zimmer über Crous mieten zu können, braucht man eine französische Kontonummer sowie eine französische Hausratversicherung für das Zimmer. Die Kontonummer ist nicht immer notwendig, aber die Hausratsversicherung. Diese ist sehr einfach und kostengünstig im Internet abschließbar und kostet etwa für ein Jahr um die 20€. Natürlich gibt es auch die Möglichkeit, außerhalb vom Campus in WGs zu wohnen. Angebote gibt es dazu auf der Internetseite www.leboncoins.fr. Jedoch fangen die Preise für ein WG-Zimmer meistens dort ab 350€ an. Das einfachste Verkehrsmittel, um in Grenoble von A nach B zu kommen, ist das Fahrrad. Entweder man kauft sich zu Beginn des Auslandssemesters eins über www.leboncoins.fr oder man leiht sich eins über www.metrovelo.fr. Métro Vélo ist eine Art städtischer Fahrradverleih, wo man sich ein Fahrrad für verschiedene Zeiträume ausleihen kann. Ein Trimester kostet für Studierende 36€ insgesamt und man bekommt ein funktionierendes Fahrrad und kann es für jegliche Reparaturen zurückbringen. Es befindet sich ein Verleih auf dem Campus und am Bahnhof. Neben dem Fahrrad ist auch der Nahverkehr in Grenoble sehr günstig. Eine Fahrt kostet 1,60€ und das Ticket reicht bis in die Berge sowie das nächste Skigebiet. Eine 10er Karte kostet 14,90€ und wenn man unter 25 Jahre ist, lohnt sich schnell sogar das Monatsticket für nur 15,90€. Auf dem Campus selber befindet sich eine Arztpraxis nur für Studenten, wo auch kein Termin benötigt wird. Ich selber habe dieses Angebot jedoch zum Glück nie wahrnehmen müssen und habe auf Grund dessen auch keine weiteren Informationen dazu. Da ich zu Coronazeiten in Grenoble war, hat mich vor allem die Einfachheit der Corona-Testmöglichkeiten beeindruckt. Es stand allen Studierenden und Mitarbeitern der Universität alle 30 Tage ein kostenloser PCR-Test zur Verfügung. Trotz geringerer Miete als in Potsdam muss ich sagen, dass die Lebenshaltungskosten in Grenoble deutlich höher waren. Vor allem für Lebensmittel muss man etwa das 1,5 bis 2-fache rechnen. Auch die Mahlzeiten in der Mensa sind teurer als in Potsdam, so bezahlt man für das Menü etwa 3,30€. Leider waren viele Restaurants und Bars während meiner Zeit in Grenoble geschlossen und ich kann keine Auskunft über diese Preise geben. Zu erwähnen ist ebenfalls, dass man überall mit Karte zahlen kann, egal ob man Schneeschuhe ausleiht oder einen Kaffee beim Bäcker kauft. Wenn es um die Freizeitgestaltung geht, muss zunächst erwähnt werden, dass der Campus riesig ist und sehr viel des studentischen Lebens dort stattfindet. Da ich leider zu Zeiten von Corona dort war, konnten nicht alle Möglichkeiten ausgenutzt werden. Jedoch gibt es ein Schwimmbad auf dem Campus sowie Beachvolleyballfelder, Basketballfelder, Tennisplätze und Bars. Die Universität bietet Sportkurse an über SUAPS. Auf die Sportkurse kann man sich zum Anfang des Semesters bewerben. Hierbei gibt es zwei Möglichkeiten: entweder man macht es aus Spaß und in seiner Freizeit oder man macht es als eine Art Vorlesung und bekommt die sportlichen Leistungen benotet. Es ist jedoch nicht sicher, ob man einen Sportkurs bekommt und wenn ja welchen, da diese ausgelost werden. Leider haben meine unbenoteten Kurse auf Grund von Covid-19 nicht stattgefunden. Das Freizeitangebot ist aber auch so in Grenoble riesig. Die ganze Umgebung ist zu jeder Jahreszeit ein Highlight für jeden Wander-, Radfahr- oder Mountainbikefan. Man kommt sehr einfach und schnell mit den Regionalbussen in die Berge und kann von dort aus Wandertouren starten. Die Busse nehmen auch Fahrräder oder die Skiausrüstung mit. Für kleinere Wanderungen kann man auch in der Stadt beginnen oder die Bastille hochlaufen. Im Winter hat man noch zusätzlich die Möglichkeit, Schneeschuhwandern zu gehen oder Langlaufen oder Skaten oder Alpin Ski zu fahren. Es ist für jeden Outdoorfan wirklich ein Traum.

Studienfach: Geowissenschaften

Aufenthaltsdauer: 09/20 - 02/21

Gastuniversität: Université Grenoble Alpes

Gastland: Frankreich


Rückblick

Es war für mich persönlich die beste Entscheidung, trotz Covid-19 nach Grenoble ins Auslandssemester zu gehen. Grenoble liegt eingebettet zwischen drei verschiedenen Gebirgszügen und bietet wie oben schon erwähnt unendlich viele Möglichkeiten für Outdooraktivitäten.
Es gibt mehrere Tipps, die ich nachfolgenden Studierenden mit auf den Weg geben möchte:
1. Seid ein Fan vom Draußensein, denn viele Studierende suchen sich gerade diesen Standort aus, aufgrund der Freizeitmöglichkeiten und ihr werdet um Wanderungen am Wochenende nicht wirklich drum herum kommen.
2. Sprecht zumindest in den Grundzügen Französisch. Franzosen sind sehr freundlich, jedoch sprechen die meisten wirklich nur Französisch und auch in den Vorlesungen werdet ihr auf viele Mitstudierende treffen, die wirklich nur minimal Englisch sprechen. Es vereinfacht euch den Aufenthalt wirklich sehr, wenn ihr zumindest euer Croissant beim Bäcker bestellen könnt.
3. Ihr solltet nicht versuchen, mit euren Noten aus Frankreich euren Bachelor-/ Master-Schnitt verbessern zu wollen, die Noten werden eher schlechter ausfallen.
4. Falls ihr ein Auto in Deutschland habt, dann nehmt es mit. Man kommt auch mit Bus und Bahn überall hin, jedoch gestaltet sich alles einfacher mit einem Auto und eure Freunde vor Ort werden euch danken.

Sonstige Hinweise:

Zur Anreise ist zusagen, dass man nicht unbedingt fliegen muss. Man kommt einfach und auch relativ schnell mit dem Zug von Berlin aus nach Lyon, mit einem Umstieg in Frankfurt am Main. Diese Fahrt dauert etwa 10 Stunden, ist wirklich angenehm und ich habe keine 60€ für das Ticket bezahlt. Von Lyon aus fährt jede halbe Stunde ein Zug nach Grenoble, was noch einmal 1,5 Stunden dauert. Dieses Ticket kostet 17€ bzw. 11€ mit der Card des Jeunes. Die Card des Jeunes könnt ihr im Internet oder auch am Schalter in Lyon oder Grenoble für 25€ kaufen und ist quasi die französische BahnCard25 und lohnt sich wirklich sehr, falls ihr in Frankreich noch herumreisen möchtet.

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