Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes

In meinem Studiengang ist es zwar nicht vorgesehen, aber mir war bereits am Anfang meines Studiums klar, dass ich ein Auslandssemester machen möchte. Als ich dann von der Partnerschaft zwischen der Universität Potsdam und der Université de La Réunion erfuhr, hatte ich mein Traumziel gefunden. Das Bewerbungsverfahren war unkompliziert und sehr strukturiert. Wenn man sich an den Guide "Erasmus+ Studium Schritt für Schritt", der online zu finden ist, hält, kann man nichts falsch machen. Die ehemalige Austauschkoordinatorin der Wirtschaftsfakultät war sehr hilfsbereit und konnte all meine Fragen beantworten. Sie hat sich um eine schnelle Antwort bemüht und so bekam ich zwei Wochen nach meiner Bewerbung schon die Zusage. Mein großer Wunsch wurde wahr und ich durfte mein fünftes Semester im Ausland verbringen. Die Université de La Réunion kontaktierte mich dann relativ zeitnah und bat mich um die Zusendung verschiedener Dokumente.Die Kommunikation war nicht immer klar. So wussten wir zum Beispiel nicht, bis wann wir anreisen sollten oder bis zu unserer Ankunft nicht genau, wann das Semester und die Vorlesungen beginnen. Ich habe meine Flüge relativ spät gebucht, da ich keinen wirklichen Preisunterschied feststellen konnte. Ich bin mit AirFrance geflogen, aber habe mitbekommen, dass frenchbee häufig günstigere und auch gute Flüge anbietet. Ich bin letztendlich etwas zu früh angereist und musste mich selbst um den Transport vom Flughafen zu meiner Unterkunft kümmern. Die meisten Studenten kamen circa eine Woche nach mir an und wurden vom Flughafen abgeholt. Wir haben relativ schnell die Nachricht bekommen, dass für uns keine Plätze im Studentenwohnheim frei sein werden und mussten uns eigenständig etwas suchen. Die Wohnheimzimmer sind direkt am Campus und sollen relativ günstig sein, aber leider nicht in einem guten Zustand. Man teilt sich außerdem mit einer Vielzahl von Leuten die Küche. Die meisten von uns wurden dann aber in Facebookgruppen oder leboncoin.fr fündig. Ich habe eine WG in Sainte-Marie über leboncoin.fr gefunden. Den Vertrag habe ich einen Tag vor meinem Abflug unterschrieben. Man sollte also an die ganze Sache gelassen herangehen, es regelt sich häufig kurzfristig. Ich würde trotzdem eher empfehlen, vorher ein airbnb oder eine temporäre Unterkunft zu suchen und vor Ort Räumlichkeiten zu besichtigen, um Enttäuschungen zu entgehen. Man wird auf jeden Fall fündig. Ich war letztendlich mit meiner Wahl und meinen Mitbewohnern zufrieden, aber musste auch einige Kompromisse eingehen. Die Uni war leider von mir aus nicht fußläufig erreichbar. Es kann sich außerdem auch lohnen, das französische Wohngeld bei der CAF zu beantragen und das am besten direkt bei der Ankunft. Dafür sollte man eine internationale Geburtsurkunde aus Deutschland mitnehmen.


Studienfach: Betriebswirtschaftslehre

Aufenthaltsdauer: 08/2019- 01/2020

Gastuniversität:Université de La Réunion

Gastland: Frankreich

Studium an der Gastuniversität

Zu Beginn des Semesters findet ein Französisch-Einstufungstest statt, der das jeweilige Sprachniveau ermitteln soll. Man wird dann je nach Ergebnis einer Gruppe zugeordnet. In den ersten zwei Wochen fand dann in diesen Gruppen ein Kurs für die internationalen Studenten statt, der als Vorbereitung auf die französische Sprache und das Unileben dienen sollte. Wir wurden von den Organisatoren der ISRUN (International Students of Reunion Island) empfangen und haben eine Campustour bekommen. Je nachdem wann man ankam, haben sie sogar einen Transport vom Flughafen zur Unterkunft organisiert. Die ISRUN ist eine Gruppierung von Studenten, die sich um internationale Studenten kümmern und Veranstaltungen organisieren. Während des Semesters haben sie eine Hand voll Veranstaltungen, wie Partys auf dem Campus, Kennenlernabende in einer Pizzeria oder Ausflüge geplant und standen als Ansprechpartner zur Verfügung. Mir ist jedoch leider besonders am Anfang bewusst geworden, dass man oft mit seinen administrativen Fragen auf sich allein gestellt war und nur von einer Person zu anderen weitergeschickt wurde und nie an eine Antwort kam. Meistens konnten wir Erasmus-Studenten uns dann gegenseitig helfen oder gemeinsam das Problem lösen. Ein großes Problem stellte der Stundenplan dar. Online waren die angebotenen Module nicht immer klar ersichtlich und so wurde uns gesagt, dass wir das Learning Agreement Before Mobility erstmal pro forma ausfüllen sollten. Vor Ort hatten wir dann Probleme Kurse zu finden, die zu unserem Studiengang passen, uns anerkannt werden und sich zeitlich nicht überschneiden. Mein Stundenplan der Wirtschaftskurse der Licence änderte sich wöchentlich. Die Erasmus- und Sportkurse hatten jedoch feste Zeiten und haben sich dann fast wöchentlich mit den zeitlich wechselnden Wirtschaftskursen überschnitten. An der Université de La Réunion gibt es häufig wenig ECTS für zeitintensive Kurse. Das sollte man in seiner Kurswahl beachten. Ich habe ausschließlich Kurse aus dem dritten Semester der Licence AES (Administation économique et sociale) gewählt und war mit den angebotenen Kursen zufrieden und konnte die gut in mein Studium an der Universität Potsdam integrieren. Ich kam mit dem Niveau des Lehrstoffs gut klar. Der Studienaufbau erinnert an den in Deutschland. Die Studienzeit einer Licence beträgt drei Jahre und die meisten Module bestehen aus einer Vorlesung, die in großen Hörsälen stattfindet, und einer Übung, die in kleineren Gruppen in Übungsräumen stattfindet. Zu Beginn eines jeden Kurses sollten wir uns als Erasmus-Studenten den Professoren vorstellen und die Klausurbedingungen besprechen. Es gab Professoren, die zuvorkommend waren und uns vereinfachte Klausurbedingungen anboten und wiederum andere, die sich nicht für uns interessiert haben. Für Klausuren ist keine explizite Prüfungsanmeldung nötig gewesen. Mein Semester war in zwei Klausurenphasen eingeteilt, eine während der Hälfte und eine am Ende des Semesters. Am Ende kam ich auf gut zwölf Klausuren und Tests. Das war im Vergleich zu anderen Studenten aus anderen Fachrichtungen eine hohe Anzahl. Der Lehrstil, egal ob in der Vorlesung oder in der Übung, ist sehr frontal ausgerichtet. In vielen Modulen diktiert der Professor einfach nur und alle Studenten schreiben mit. Am Ende des Semesters soll dann genau das auswendig gelernt und wiedergegeben werden. Manche Professoren arbeiten auch mit Moodle und stellen ihr Lehrmaterial online. Das war von Kurs zu Kurs unterschiedlich. Während des Semesters empfand ich die Leistungsbewertung als gerecht. Über meine Abschlussnoten kann ich das leider nicht sagen, da sie auch nicht das widerspiegeln, was mir während des Semesters von den Professoren zugetragen wurde. Ich habe die Noten leider erst erhalten, als ich wieder in Deutschland war und auf meine Nachfragen per Mail wurde nicht wirklich eingegangen. Das Studienklima war im Allgemeinen sehr angenehm und ich habe einige nette einheimische Studenten kennengelernt, aber daraus sind keine wirklichen Freundschaften entstanden. Es ist meistens nur bei Smalltalk geblieben, was die Integration in gewisser Weise schwierig gemacht hat. Wir sind oft unter uns Erasmus-Studenten geblieben. Der Campus war relativ weitläufig. Ein Teil meiner Vorlesungen fand in der Wirtschaftsfakultät statt. Einige meiner Vorlesungen fanden aber auf einem anderen Campus statt, der auch im Norden liegt. Das war am Anfang ein großes Durcheinander, aber, sobald man sich etwas auskennt, findet man sich zurecht. Die beiden Orte waren circa 20 Minuten Fußweg voneinander entfernt. Auf dem Hauptcampus befinden sich auch eine Mensa und eine Cafeteria, die unter der Woche geöffnet sind. Das Angebot wechselt zwischendurch und die Preise sind relativ günstig. Um dort zu bezahlen, muss man sich vorher ein Konto online bei izly erstellen und kann dann mit seinem Studentenausweis oder per App bezahlen. Außerdem befinden sich auf dem Campus zwei Bibliotheken, die meiner Meinung nach gut ausgestattet sind. Sie sind unter der Woche bis abends und am Wochenende teilweise geöffnet. Man kann sich jedes verfügbare Buch schnell und einfach mit dem Studentenausweis ausleihen. Außerdem gab es überall auf dem Campus Internet und in den Bibliotheken standen den Studenten Computer zur Verfügung. Ich habe während meiner zwei Klausurphasen viel Zeit in der Bibliothek verbracht und kann sagen, dass die Aussicht mit Blick auf den Indischen Ozean einfach unbezahlbar war.

Freizeit und Leben außerhalb des Studium

Die Université bietet ein großes Sportprogramm an Indoor- und Outdoorsportarten, von Hallensportarten, Tauchen, Rafting bis zu Laufgruppen oder Radtouren, an. Die einheimischen Studenten nutzen das Angebot nicht wirklich und so hat eigentlich jeder Erasmus-Student einen Platz in seinem gewünschten Sportkurs bekommen. Auch außerhalb des Sportangebots haben wir viel Zeit in der unglaublichen Natur verbracht und sind an vielen Wochenenden durch die Berglandschaften gewandert oder haben am Meer entspannt. Die Insel bietet die perfekte Kombination aus eindrucksvollen Bergen, schönen Stränden, felsigen Küsten und netten Ortschaften. Die einzigen Verkehrsmittel auf der Insel sind Busse. Die Car Jaune verbinden die größeren Ortschaften auf der Insel und ermöglichen es, einmal die Insel zu umrunden. Im Norden der Insel fahren außerdem Busse der Citalis. Die Busse kommen gerne mal zu spät oder fallen auch mal aus, aber das sollte man nicht zu eng sehen. Zu gewissen Tageszeiten kamen sie auch pünktlich. Die meisten Busse fahren täglich bis 19/20 Uhr. Man sollte bei jeder Busfahrt immer etwas mehr Zeit einplanen, da man häufig im Stau feststeckt. Als Student hat man die Möglichkeit, ein Abonnement für eine Busfahrkarte für drei Monate abzuschließen. Sobald man den Studentenausweis hat, sollte man die Fahrkarte online beantragen. Das lohnt sich wirklich. Wir haben uns häufig zu Gruppen zusammengeschlossen und ein Auto gemietet, um Ausflüge oder Wanderungen zu machen. Das ging relativ problemlos. In Saint-Denis hat man eine große Auswahl an Autovermietungen. Wir haben gute Erfahrungen mit Happy Loc gemacht und können die Vermietung absolut weiterempfehlen. Falls sich eine Möglichkeit ergibt, kann es sich auch lohnen, ein Auto zu kaufen. Die Lebenshaltungskosten auf La Réunion sind allgemein teurer als in Deutschland. Ich habe jede Woche auf dem Markt in Le Chaudron eingekauft, der sehr günstig ist. Andere Lebensmittel im Supermarkt sind dagegen teurer und auch Restaurantbesuche fallen etwas teuer aus als gewohnt. Darauf muss man sich leider einstellen. Ich kann wirklich empfehlen Kosmetik, insbesondere Dinge wie Mückenspray und Sonnencreme aus Deutschland mitzunehmen, da es vor Ort einiges kosten kann. In Saint-Denis gibt es nicht viele Möglichkeiten auszugehen. Um die Kathedrale befinden sich ein paar nette Bars, in denen man häufig auch andere Erasmus Studenten trifft. Die Clubs und Bars schließen eher früh. Wer auf der Suche nach Ausgehmöglichkeiten ist, sollte lieber in den Westen nach Saint-Gilles fahren. Dort sind die Clubs und Bars länger geöffnet. Das Wetter kann auf der Insel komplett unterschiedlich sein. Im Westen ist es oft sonnig, wobei es im Osten gerne sehr regnerisch sein kann. Ich war von August bis Januar auf der Insel. Von August bis November war es noch angenehm, aber wurde zunehmend heißer. Im Dezember war es sehr heiß und es herrschte hohe Luftfeuchtigkeit. Ab Januar begann dann die Regenzeit. Im Allgemeinen war es immer warm, doch für Wanderungen auf Gipfel oder falls man mal draußen übernachtet, sollte man sich auch etwas wärmere Kleidung einpacken, da es sehr abkühlen kann.

Studienfach: Betriebswirtschaftslehre

Aufenthaltsdauer: 08/2019- 01/2020

Gastuniversität:Université de La Réunion

Gastland: Frankreich


Rückblick

La Réunion ist eine besondere Insel, die durch ihre große Vielfalt in Sachen Natur, Geschichte und Kultur besticht. Ich kann wirklich jedem empfehlen, diesen einzigartigen Ort zu besuchen. Ich bin froh, die Chance bekommen zu haben, mein Auslandssemester auf La Réunion verbringen zu dürfen. Die Zeit hat mir viel gebracht und hat mich persönlich viel gelehrt. Das Studium empfand ich besonders am Anfang als unorganisiert und chaotisch und war während des Semesters in meinem Fall sehr lern- und zeitintensiv. Als kleinen Tipp am Ende rate ich dazu, die angebotenen Erasmus-Kurse zu belegen, um den Kontakt zu anderen Erasmus-Studenten aufbauen zu können. Ich konnte leider keine Erasmus-Kurse belegen aufgrund meines Stundenplans und fand es persönlich schwierig, in Kontakt mit den anderen internationalen Studenten zu kommen, weil man auf dem Campus so verteilt war und unterschiedliche Kurse besucht hat. Da ich auch häufig auf einem anderen Campus war, habe ich die anderen Erasmus-Studenten selten gesehen.

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