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Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes

Seit meines ersten Aufenthalts in Kolumbien im Jahr 2016 wusste ich, dass ich unbedingt in dieses Land zurückkehren möchte, und wenn möglich, für längere Zeit. Als ich meinen Master an der Uni Potsdam begonnen habe, ist mir schnell ein Auslandssemester in den Sinn gekommen. Dass die Uni mehrere Partnerhochschulen in Kolumbien hat, und insbesondere in Bogotá, bestärkte mich direkt darin, mich um einen Platz zu bewerben und alle Weichen Richtung eines Auslandssemesters in der Hauptstadt Kolumbiens zu stellen. Im International Office wird einem alles erklärt, was man über das Auslandssemester wissen und welche Voraussetzungen man erfüllen muss. Zunächst hat mich verwirrt, dass der Bewerbungsprozess recht langwierig ist: nach der Bewerbung im International Office wird man zu einem Auswahlgespräch eingeladen, und erst dann bewirbt man sich tatsächlich an der Hochschule im Ausland. So habe ich erst im November erfahren, dass ich den Platz an der Universidad de Los Andes sicher hatte, allerdings begann das Semester dann schon im Januar. Bis dahin waren noch viele organisatorische Dinge (Flugtickets kaufen, Wohnung untervermieten, Auslandsversicherungen abschließen, Bewerbung um ein Stipendium, erste Unterbringung in Bogotá etc.) zu klären.


Studienfach: War and Conflict Studies

Aufenthaltsdauer: 01/2019 - 05/2019

Gastuniversität: Universidad de los Andes

Gastland: Kolumbien

Studium an der Gastuniversität

Ein Studium in Kolumbien läuft viel verschulter ab, als man es aus Deutschland gewohnt ist. Oft beginnt der Tag an der Uni schon um 7 Uhr (manchmal auch 6.30 Uhr) und ist dann sehr durchstrukturiert. Auch die Seminare und Vorlesungen haben mehr den Stil einer Schulstunde, da oftmals in jeder Sitzung kurze Tests über die Lektüre geschrieben werden, oder man kurze Texte abgibt, Vorträge hält – Leistungen, die in die Endnote des Kurses eingehen. Zudem gibt es in jedem Kurs im Laufe des Semester zwei Zwischenprüfungen und am Ende eine Abschlussprüfung, die Art der Prüfung kann sowohl mündlich als auch schriftlich (Klausur oder Hausarbeit) sein. Die Universidad de Los Andes ist die teuerste Privatuniversität Kolumbiens, Studierende zahlen bis zu 5000 Euro pro Semester. Durch die Hochschulpartnerschaft mit der Uni Potsdam sind mir diese Kosten erspart geblieben und man zahlt nur die Semestergebühren in Potsdam. Dass die Uni de Los Andes über gute Finanzen verfügt merkt man sofort, sobald man den abgeschlossenen Campus betritt, der nur mit dem Studienausweis durch Drehkreuze zu erreichen ist. Der Großteil der Gebäude auf dem Campus ist sehr modern und erst seit den 90er-Jahren entstanden, besonders die Ausstattung im ingenieurswissenschaftlichen Bereich sucht seinesgleichen. Die Uni verfügt über ein sechsstöckiges, sehr modernes Sportzentrum (Schwimmhalle, mehrere Gyms, Squashcourts, Sporthalle, Kletterwand, Tischtennis, etc.), das man auch als internationaler Studierender kostenlos nutzen kann und unbedingt zu empfehlen ist. Viele Studierende in Kolumbien starten ihr Studium bereits mit 16 oder 17 Jahren, was bedeutet, dass man als Masterstudent oft mit Abstand zu den ältesten Personen im Raum abgehört. Da die Universidad de Los Andes die teuerste Universität des Landes ist, besucht dementsprechend auch die finanzielle Elite des Landes diese Hochschule und man staunt regelmäßig über zur Schau getragenen Luxus, der so stark in Kontrast steht mit den Vierteln rund um den Uni-Campus. Der Kontakt zu den Lehrkräften ist deutlich persönlicher als in Deutschland und hat trotzdem eine professionelle Distanz. Man duzt sich mit den Professoren und sie stehen meist für Rückfragen in den Sprechstunden oder per E-Mail gern zur Verfügung. Was die Tests, Abgaben und Prüfungen angeht, sind die aber strikt und geben klare Termine vor. Wer sich nicht daran hält, bekommt eine schlechtere Note oder darf den Kurs nicht abschließen. Es sind oft viele und lange Texte für die einzelnen Sitzungen zu lesen, was besonders in den ersten Wochen mit noch nicht ganz gefestigten Sprachkenntnissen eine Herausforderung darstellt – trotzdem bilden sie die Grundlage der jeweiligen Sitzung und sollten deshalb unbedingt gelesen werden. Für mich als Masterstudent war es eine kleine Herausforderung auch Kurse aus den Masterprogrammen zu bekommen. Oftmals waren schon alle Plätze belegt, für die ich am meisten Interesse hatte. Da viele Masterstudierende bereits arbeiten und ihr Studium eher „nebenbei“ erledigen, finden die Kurse meist in den frühen Morgenstunden oder am späten Nachmittag statt, sodass es schwierig sein kann, seinen Stundenplan zu organisieren.

Kontakt zu einheimischen und internationalen Studierenden

An der Universidad de Los Andes gibt es eine Gruppe von kolumbianische Studierenden, die sich freiwillig um die internationalen Ankömmlinge kümmert – die „Hermanos Sin Fronteras“. Sie organisieren die Einführungstage und stehen im gesamten Semester zur Verfügung, wenn man Hilfe braucht, auch für Aktivitäten außerhalb der Universität. Sie geben Tipps für den Unialltag, organisieren Events und kürzere Reisen für die internationalen Studierenden und wollen einfach dafür Sorgen, dass man möglichst stressfrei durch das Semester kommt. Jeder einzelne „Hermano“ ist sehr engagiert und betreut auch je nach seinen eigenen Interessen die Studierenden, sodass man viele verschiedene Personen kennenlernt und mit ihnen unterschiedlichste Aktivitäten unternehmen kann. Schon in den Einführungstagen werden die internationalen
Studierenden in verschiedenen Aktivitäten in Kontakt gebracht, wodurch man am Anfang des Semesters nicht allein dasteht. Da, wie bereits erwähnt, viele Kommilitonen sehr jung sind, treten sie einem anfangs etwas schüchtern gegenüber. Sobald man die Studierenden allerdings besser kennengelernt hat, sind sie sehr interessiert und offen. Viele möchten auch unbedingt im Ausland studieren. Deutschland ist dabei ein beliebtes Ziel, weshalb auch erstaunlich viele Kolumbianer Deutsch lernen. Da ich bereits bei meinem ersten Aufenthalt im Jahr 2016 viele Leute vor Ort kennengelernt und Freunde gewonnen hatte, gestaltete sich der Kontakt für mich überhaupt nicht schwer, auch wenn alle meine Freunde an anderen Unis in Bogotá studieren.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Voraussetzung für ein Semester in Kolumbien ist das Sprachniveau B2, was auch unbedingt notwendig ist, um ohne Probleme in das Studium starten zu können. Ich habe während des Semesters zusätzlich einen Spanischkurs C1 gemacht, der viermal wöchentlich stattfand, und mir sehr dabei geholfen hat, sprachliche Probleme direkt zu lösen und das Sprachniveau schnell deutlich anzuheben. Auch das akademische Spanisch ist so kein Problem. Der Kontakt zu Kolumbianern hilft natürlich ebenfalls und ist sehr zu empfehlen, da man nur so wirklich in die Sprache und Kultur des Landes eintauchen kann. Besonders in Bogotá sprechen die Menschen vom Tempo ein sehr angenehmes, deutliches und daher leicht verständliches Spanisch. Manche sagen, dass dort das klarste und „beste“ Spanisch weltweit gesprochen wird. In anderen Landesteilen, besonders an der Karibikküste, stellt der unterschiedliche Dialekt manchmal eine Herausforderung dar, die aber auch zu bewältigen ist. Englisch wird nur in wenigen Fällen gesprochen. Nach dem Auslandsaufenthalt spreche ich fließend Spanisch und kann mich problemlos verständigen.

Wohn- und Lebenssituation

Die meisten der internationalen Studierenden leben in den Bezirken Teusaquillo und Zentrum mit seiner Altstadt La Candelaria. Dort gibt es oft WGs internationaler Studierender, aber auch von Kolumbianern, oder Studentenhäuser, die ebenfalls sehr beliebt und günstig sind. Man kann sich auch zunächst in einem Hostel oder Airbnb anmieten und dann vor Ort auf die Suche nach einer Unterkunft gehen. Oftmals ergeben sich spontan gute Unterbringungsmöglichkeiten, die man sich aber unbedingt vorher anschauen sollte. Es gibt auch verschiedene Gruppen auf Facebook (bspw. „Bogotá Short Term Rentals“), über die man gut eine Unterbringung finden kann. Ich habe mir über Airbnb eine kleine Einzimmerwohnung in der Nähe des Stadtteils Chapinero gesucht, wo ich dann auch über meinen gesamten Aufenthalt bleiben konnte. Der Stadtteil ist sehr hip, mit vielen Bars und Restaurants, und hat auch kulturell viel zu bieten. Mir hat es sehr gefallen, etwas abseits der Touristen in einem ganz normalen Viertel zu leben, wo sich vor allem Kolumbianer aufhalten. Von dort braucht man auch nur etwa 20 bis 30 Minuten ins Zentrum und zur Universität. Allerdings kann man besonders im Zentrum der Stadt günstigere Unterbringungen finden. Die meisten der wohlhabenden Studierenden an der Universität leben weit im Norden der Stadt und müssen dann eine lange Fahrtzeit in den öffentlichen Nahverkehrsmitteln einplanen oder mit dem Auto zur Uni fahren. Es ist in Kolumbien auch ganz normal bis 30 Jahre im Haus seiner Eltern zu leben, was besonders an den Kosten liegt. So leben im Prinzip nur Menschen in WGs, die nicht aus Bogotá kommen und dort keine Familie haben, bei der sie leben können. Bogotá ist eine Stadt, die mich in ihren Bann gezogen hat, da sie sehr vielfältig und jedes Viertel anders ist. Die Kontraste in der Stadt sind sehr stark: sehr arme Menschen leben neben sehr reichen Menschen, es gibt viel Streetart in den Straßen und die kulturellen Möglichkeiten sind sehr vielfältig. Gleichzeitig gibt es natürlich ein Sicherheitsproblem, das durch die Ungleichheit entsteht und durch viele private und staatliche Sicherheitskräfte auf den Straßen offenkundig wird. Auch wenn man das als Deutscher nicht gewohnt ist, sollte man sich davon nicht einschüchtern lassen. Wenn man sich an die Tipps der Kolumbianer hält und mit etwas Common Sense durch die Straßen geht, sollte einem nichts passieren. Ich habe mich in den acht Monaten, von denen ich den Großteil in Bogotá verbrachte, niemals in einer gefährlichen Situation befunden. Allerdings hat Bogotá ein großes Problem mit seiner Infrastruktur. Besonders in der morgendlichen und nachmittäglichen Rush Hour sind die Straßen voll und oft geht nicht mehr viel voran. Der öffentliche Nahverkehr besteht aus dem TransMilenio (ein System von Bussen, die auf eigenen Spuren durch die Stadt fahren), normalen Bussen (SiTP) und kleineren Bussen (Colectivos). Viele Menschen nehmen auch Taxis oder Uber, mit denen man sich verhältnismäßig günstig fortbewegen kann. Sich mit dem Fahrrad durch die Stadt zu bewegen, ist durch den chaotischen Verkehr nur bedingt zu empfehlen. Jeden Sonntag werden allerdings einige Hauptstraßen für den Autoverkehr gesperrt, sodass man in dieser Zeit sehr gut die Stadt auf dem Fahrrad erkunden kann.

Lebenshaltungskosten

Ingesamt sind die Lebenshaltungskosten in Bogotá deutlich niedriger als in Deutschland. Ein Zimmer oder eine kleine Wohnung findet man für zwischen 200 und 300 Euro monatlich, je nachdem in welchem Viertel man sich umschaut. Besonders Nahrungsmittel sind deutlich günstiger als in Deutschland, wenn man auf Märkten einkaufen geht. In den vielen kleinen Restaurants rund um den Uni-Campus findet man ohne Probleme Mittagsmenüs mit Suppe und Hauptgericht für 2,50 bis 3 Euro. Internationale Küche ist etwas teurer, aber immer noch günstiger als in Deutschland. Supermärkte gibt es wie in Deutschland in unterschiedlichsten Preisklassen vom Discounter (D1 oder Justo y Bueno) bis zum Edel-Supermarkt (Carrulla). Eine Fahrt im TransMilenio kostet 2400 COP (etwa 65 Cent) unabhängig davon, wieviele Stationen man fahren möchte. Mit dem Taxi oder Uber kommt man für 4 Euro durch die halbe Stadt. Das günstigste Verkehrsmittel für Reisen durch das Land ist oftmals der Fernbus, aber auch Flugtickets bekommt man je nach Reiseziel für wenig Geld. Dennoch: man wird als Deutscher oft damit konfrontiert, dass man privilegierter lebt. Viele Kolumbianer müssen viel mehr auf jeden Peso achten als man selbst, besonders wenn es darum geht, auszugehen oder kulturelle Angebote wahrzunehmen.

Studienfach: War and Conflict Studies

Aufenthaltsdauer: 01/2019 - 05/2019

Gastuniversität: Universidad de los Andes

Gastland: Kolumbien


Rückblick

Mein Aufenthalt in Kolumbien wird mir mein Leben lang in Erinnerung bleiben. Ich habe dort eine sehr schöne Zeit verbracht und viele unheimlich nette Menschen kennengelernt, mit denen ich noch lange in Kontakt bleiben werde. Die Gastfreundschaft der Kolumbianer und ihr Interesse für dich ist unvergleichlich und erleichtert es einem ungemein, weit weg von zu Hause zu sein. Überall wird man mit offenen Armen empfangen und die Wertschätzung dafür, dass man sich für Land und Leute interessiert, ist sehr groß. Die Universidad de los Andes ist eine sehr gute Uni, das Lehrsystem ist jedoch gewöhnungsbedürftig und stark verschult. Die Möglichkeiten, die man durch die ausgezeichnete Ausstattung der Uni hat, sind sehr vielfältig. Und als internationaler Studierender bekommt man viel Hilfestellung der Universität, allerdings wird man auch dazu aufgefordert, seinen Unialltag aktiv selbst zu gestalten. Dennoch war ich sehr froh darüber, viele Leute außerhalb der Uni kennengelernt zu haben, da ich so die „Blase“, in der die reicheren Kolumbianer leben, vermeiden konnte und vielleicht ein umfassenderes Bild des Landes und der Menschen, die dort leben, gewonnen habe. Ich würde mein Auslandssemester in Bogotá sofort wiederholen und kann es nur jedem Studierenden ans Herz legen, der sich für Lateinamerika interessiert und Spanisch lernen möchte. Bogotá ist eine sehr interessante Stadt, die viel Charakter hat.

Kolumbien

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