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Hochschulpartnerschaft Erfahrungsbericht - Memorial University of Newfoundland


Studienfach: M.A. Verwaltungswissenschaften

Aufenthaltsdauer: 09/2017 - 12/2017

Gastuniversität: Memorial University of Newfoundland

Gastland: Kanada

Vorbereitung des Auslandsaufenthalts

Von Anfang an war für mich klar, dass ich in ein englischsprachiges Land auf der anderen Seite der Welt wollte. England ist zwar schön, aber zu europäisch, um wirklich neue Erfahrungen machen zu können. So habe ich mich zuerst im Internet auf den Seiten des International Office über die diversen Möglichkeiten informiert, bis ich dann im persönlichen Gespräch mit Frau Subasic die Details und Bewerbungsdeadlines besprochen habe. Die Hochschulpartnerschaft mit der Memorial University in Neufundland ist noch relativ neu, so dass es noch nicht viele Informationen gab, außer die Erfahrungsberichte aus dem vergangenen Jahr, die allerdings so positiv waren, dass ich mich von Anfang an sehr auf die Zeit gefreut habe.
Nach der erfolgreichen Bewerbung hat es noch eine ganze Weile gedauert, bis die offiziellen Studienunterlagen der Memorial University gesendet wurden – Verwaltung bleibt eben auch in Kanada Verwaltung. Für das kommende Jahr wurde aber eine schnellere Rückmeldung versprochen, da bei meiner Bewerbung das System umgestellt wurde, so dass alles noch etwas ungeordnet verlief. Trotz dieser kleinen Hürde war der Kontakt zu jeder Zeit freundlich und vor allem unglaublich hilfsbereit, was sich durch die gesamte Zeit vor Ort zieht. Sowohl die Mitarbeiter des International Office vor Ort, als auch meine Dozenten waren jederzeit hilfsbereit und ansprechbar für alle Anliegen. Das ist etwas, was nur schwer erklärt werden kann, besonders wenn man aus dem Berliner Umfeld kommt – die Kanadische Mentalität ist eine etwas andere, die Leute, die ich getroffen habe waren offen, freundlich und hilfsbereit. Daran habe ich mich schnell und gerne gewöhnt, die Umstellung andersherum nach der Rückkehr dürfte allerdings schwieriger werden.
Für einen Studienaufenthalt in Kanada benötigen deutsche Staatsbürger kein Visum, sondern lediglich die normale Reisegenehmigung, die online auf den Seiten der Kanadischen Botschaft beantragt werden kann. Diese kostet 7 kanadische Dollar und ist dann für sechs Monate gültig. Normalweise sollte innerhalb von Sekunden nach der Beantragung die Bestätigung zugesendet werden.

Studium an der Gastuniversität

Das Studiensystem im Bereich der Politik- und Verwaltungswissenschaft ist sehr ähnlich zu dem in Deutschland. Im Masterstudium sind hier ebenfalls Seminare zu verschiedenen Schwerpunkten vorgesehen, die inhaltlich allerdings den Fokus stärker auf Theorievermittlung legen, als auf Praxis. Die Anforderungen zur Leistungsbewertung sind einerseits fragmentierter, als in Potsdam, andererseits der Qualitätsanspruch höher.  Beispielsweise macht das Final Paper nur 40% der Gesamtnote aus, ist aber je nach Kurs zwischen 6.000 und 9.000 Wörtern lang und in Form eines Journalartikels zu schreiben. Hinzu kommen wöchentliche Abgaben, Referate und Diskussionsbeiträge. Zudem ist der Final Paper zum letzten Seminartermin einzureichen, was eine gründliche Planung über das Semester erforderlich macht, wenn man es gewohnt ist die Semesterferien dafür Zeit zu haben. Das Studienklima ist positiv freundschaftlich, es gab kein Konkurrenzdenken, sondern durchweg Arbeiten an gemeinsamen Lösungen, das habe ich als sehr angenehm empfunden. Auch das Verhältnis zwischen den Dozenten und Studierenden war durchweg positiv und niederschwellig. Da die meisten Masterstudierenden für einen der Dozenten als Hilfskräfte arbeiten ist die Studienatmosphäre im Kurs immer kollegial, freundschaftlich und auf Augenhöhe gewesen. Insgesamt ist die Studienausrichtung sehr wissenschaftlich geprägt, Hausarbeiten werden in Form von Journal Artikeln geschrieben und viele Studierende arbeiten zusammen mit den Dozenten an Veröffentlichungen, so dass der Einstieg in die Wissenschaftskarriere vorbereitet wird.
Die Masterstudierenden haben ein Büro, in dem jeder seinen eigenen Schreibtisch besitzt, an dem er jederzeit arbeiten kann. Hinzu kommt eine sehr große und gut ausgestattete Bibliothek, wo man zu jeder Zeit, selbst am Ende des Semesters noch einen Platz findet. In der Bibliothek befindet sich ein großer Medienbereich im Foyer mit zahllosen Computern, wo normalerweise ebenfalls jederzeit in Platz frei ist – in Stoßzeiten muss man eventuell mal 3 Minuten warten, das ist mir jedoch nie passiert. Von dort aus können alle möglichen Dokumente gedruckt werden, die Preise entsprechen denen in Potsdam. Darüber hinaus besitzt die Uni ein Multimedialabor mit 3D-Drucker und weiteren technischen Spielereien, die ich nicht genutzt habe, die aber allen zur Verfügung stehen. Die Öffnungszeiten sind studierendenfreundlich von 7.30 bis 24 Uhr, in der Examenszeit am Ende des Semesters bleibt ein Bereich 24h geöffnet. Zudem verfügt die Bibliothek über ein Café im Foyer und sämtliche Getränke dürfen mit hineingenommen werden, was das Lernen in der Bibliothek sehr komfortabel macht. (In den Cafés hat man hier immer die Auswahl zwischen vier bis fünf verschiedenen Kaffeeröstungen, so dass jeder den richtigen für sich findet. – Ganz besonders kann ich den Kaffee mit Screechers Rum Flavour empfehlen, eine lokale Spezialität.)    

Kontakte zu  einheimischen und ausländischen Studierenden

Die Universität hat zu Beginn des Semesters einige Veranstaltungen für Internationale Studierende veranstaltet, bei dem man die anderen treffen und kennen lernen konnte. Zudem hat jedes Department (für mich Department of Political Science) am Anfang des Semesters eine Begrüßungsveranstaltung, bei der man seine Kommilitonen kennen lernt. Hinzu kommen zahlreiche Veranstaltungen den Student Unions (so ähnlich wie unser Asta), die im ganzen September Veranstaltungen angeboten haben. Diese haben meisten einen kleinen Selbstkostenbeitrag, kann ich aber unbedingt empfehlen, hier habe ich die Leute kennen gelernt, mit denen ich das ganze Semester über am meisten Kontakt hatte, neben meinen Kommilitonen in den Seminaren. Wer nach St. John’s möchte sollte unbedingt gerne wandern gehen, das ist hier eines der beliebtesten Hobbys. Entweder direkt von der Stadt aus, oder ein paar Kilometer mit dem Auto weiter draußen, die Region bietet unzählige Wanderwege, viele davon an der atemberaubenden Küste des Atlantik entlang.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Meine Sprachkompetenz können andere wahrscheinlich besser beurteilen, als ich selbst. Was ich aber sagen kann ist, dass ich mich nach nur vier Monaten hier wesentlich sicherer fühle einfach drauf los zu reden. Am Anfang fiel mir das noch etwas schwerer, jedoch haben alle die gleichen Probleme und vor allem in den Gesprächen mit Kanadiern habe ich viel dazu gelernt. Ab etwa der Hälfte der Zeit ist es mir fast schwerer gefallen Deutsch, als Englisch zu sprechen. Die wöchentlichen Abgaben für die Seminare sind zwar zeitaufwändig, jedoch habe ich das Gefühl, dass sich mein schriftlicher Ausdruck in der Zeit hier merklich verbessert hat. Auch längere Argumentationsstränge gehen jetzt am Ende relativ leicht von der Hand, was ich tatsächlich so nicht erwartet hatte.

Wohn-  und Lebenssituation

Leben in St. John’s ist nicht ganz billig, aber schön. Im Grunde gibt es zwei wichtige Bereiche, zum einen Downtown mit dem Hafen, Bars, Clubs und vielen Restaurants und Geschäften – zum andern den Bereich rund um die Universität. Luftlinie trennen beide etwa 1,5 Kilometer, der Weg verläuft allerdings über zwei kleine Hügel, so dass es etwa 30 Minuten zu Fuß sind. Mein Zimmer lag, wie das von den meisten irgendwo zwischen beidem, was ich auch so weiterempfehlen würde. Ein Zimmer finden ist relativ leicht, es gibt eine Suche/Finde Zimmer Facebook-Gruppe, in der regelmäßig Zimmer angeboten werden. Außerdem werden auch immer Zimmer über Kijiji inseriert, für alle die nicht im Studentenwohnheim wohnen wollen. Normalerweise werden relativ viele Zimmer angeboten, also keine Eile, man findet immer etwas, auch wenn ein Umzug im Semester mal nötig sein sollte werden auch da noch viele Zimmer inseriert. Die Mieten sind vergleichbar zu Potsdam/Berlin, für jeden ist zwischen 350 und 700 Dollar etwas dabei. Dabei muss noch der jeweilige Umrechnungskurs berücksichtigt werden, es ist nicht so teuer, wie es scheint. Wichtig ist aber explizit nachzufragen, was bei dem möblierten Zimmer alles dabei ist, dabei gibt es hier einigen Interpretationsspielraum.
Auch der öffentliche Nahverkehr wird hier anders interpretiert, als in Deutschland. St. John’s besitzt keine Zuganbindung oder Tram. Im Stadtgebiet fahren Busse, auf den Hauptstrecken im 20 Minuten Takt, auf weniger nachgefragten weniger oft. Für mich hat das kein Problem dargestellt, das meiste, also Supermarkt, Uni und Downtown waren gut fußläufig zu erreichen. Einzelfahrkarten kosten 2,50 Dollar und gelten für einen Bus auf einer Strecke. Es muss bar, in Münzen und passend bezahlt werden. Alternativ kann man sich im Büro der Verkehrsbetriebe verschiedene Kartenvarianten kaufen, die dann nur an einen im Bus installierten Scanner gehalten werden müssen. Kanadische Besonderheit, die Busfahrer begrüßen und verabschieden jeden Fahrgast – es sind eben auch nicht so viele, weil alle, die hier länger leben ein Auto besitzen und dies nutzen, allerdings eher der Bequemlichkeit wegen und nicht, weil es tatsächlich notwendig wäre. Für kürzere Aufenthalte lohnt es sich auf jeden Fall nicht. (Es lohnt aber Freunde mit Autos zu haben, um auch Mal einen Ausflug ins Umland machen zu können, dort fahren die Busse nämlich nicht hin.)
Über die Banken kann ich wenig sagen, mit einer deutschen Visakarte hatte ich nie Probleme. Hier ist es üblich auch den Kaffee mit Karte zu bezahlen, aber jeder wie er mag. Für Aufenthalte unter einem Jahr ist es verpflichtend eine Krankenversicherung über die Memorial University zu beziehen. Es gibt KEINE Möglichkeit dies nicht zu tun, auch wenn man eine eigene Auslandskrankenversicherung vorweisen kann – die Kosten betragen etwa 250 Dollar. Über die genauen Konditionen kann man sich im Internet informieren.
Ansonsten sind die Lebenshaltungskosten etwas höher, als in Deutschland. Vor allem frisches Obst und Gemüse kostet gerne mal doppelt so viel. Das liegt weniger an Kanada, als an der Insellage, wo alles mit dem Schiff und Flugzeug hergebracht werden muss. Die Preise im Supermarkt sind immer in Pfund (1llb~0,45kg) angegeben, was ab und an zu kleinen Verwirrungen führen kann. Zudem sind vor allem alkoholische Getränke etwas teurer, als in Deutschland.
Wie schon erwähnt ist eine generelle Lust zum Wandern nicht verkehrt, um sich in der Stadt wohl zu fühlen, ganz besonders auf den Hausberg ‚Carters Hill‘, von dem man einen wunderschönen Blick über die Küstenlandschaft bis hin zum ‚Cape Spear‘, dem östlichsten Punkt Nordamerikas hat. Jeder Studierende hat kostenlosen Zugang zu einem Fitnesscenter mit Geräten, Badminton-und Squash Courts, einer Indoorlaufbahn, sowie einem Schwimmbad. Ansonsten bietet die Stadt ein Bowlingcenter, diverse Parks, in denen im Winter Schlittschuhbahnen aufgebaut werden, zwei Museen und selbstverständlich zahlreiche sehenswerte Bars im irischen Stil. Die ganze Stadt besteht aus bunten Holzhäusern und genau so bunt geht es nachts in der George Street zu, der Amüsiermeile.

Studienfach: M.A. Verwaltungswissenschaften

Aufenthaltsdauer: 09/2017 - 12/2017

Gastuniversität: Memorial University of Newfoundland

Gastland: Kanada


Rückblick

Den einzigen Tipp, den ich noch zusätzlich geben kann ist, bewerbt euch für St. John’s und die Memorial University. Ich bin sehr begeistert und werde auf jeden Fall wiederkommen – im Sommer, um auch noch den Rest von Neufundland zu entdecken.

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