Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes

Da ich während meines Masters unbedingt einen Auslandsaufenthalt machen wollte, schaute ich öfters auf die Seite des International Office, um mich über die verschiedenen Möglichkeiten zu informieren. Obwohl ich im Kopf eher auf ein Erasmus fokussiert hatte, besuchte ich beim International Day an der Universität auch die Informationsveranstaltung über Hochschulpartnerschaften und interessierte mich sehr für das Angebot der verschiedensten Länder. Ein bisschen schade fand ich, dass ich mich nur für ein Land (bzw. bestimmte Regionen) bewerben konnte und folglich, wenn es in dem Land nur eine Universität gab, dann auch nur auf eine Universität. Das war bei mir der Fall, da ich mich für Universitäten in Kanada und Russland interessierte, aber für Kanada, da ich ein Masterstudent bin, sowieso nur die Universität in St. John‘s in Frage gekommen wäre. Da die Bewerbungsfristen aber unterschiedlich waren, entschied ich mich dazu, zunächst mein Glück mit Kanada zu versuchen, was dann auch tatsächlich klappte. Meiner Meinung nach waren auch die gegebenen Informationen mehr als ausreichend, um sich im Klaren zu sein, was so eine Hochschulpartnerschaft bedeutet und wohin denn überall die Reise gehen würde. Nur wäre es schön, wenn wir schon vorher (also vor der Bewerbung) gewusst hätten, dass wir in Kanada (aufgrund der hohen Anfrage) nur ein Trimester bleiben konnten. Das wurde uns leider nur dann gesagt, als wir schon angenommen wurden.


Studienfach: Physik

Aufenthaltsdauer: 09/2019 - 12/2019

Gastuniversität:Memorial University of Newfoundland

Gastland:Kanada

Die Kontaktaufnahme mit der Gasthochschule gestaltete sich etwas schwierig, da der immer sehr beschäftigte und unheimlich liebe Chris Hibbs des IO der Gastuni geradezu eine Flut an Emails zu beantworten hat. Obwohl wir schon irgendwann in St. John’s waren und die erste Vorlesungswoche anfing, hatten viele von uns sich noch nicht für die Vorlesungen registrieren können, bei mir lief es allerdings einwandfrei ab, als ich dann da war und Chris persönlich gesprochen hatte. Vielleicht könnten die nächsten Austauschstudierenden vorher „gewarnt“ oder „beruhigt“ werden, indem denen gesagt wird, dass die Registrierung der Kurse über E-Mail-Kontakt mit Chris vermutlich nicht klappt, er aber persönlich sie mit einem breiten Lächeln und einer herzlichen Begrüßung zu den richtigen Personen vor Ort schicken kann. Bei den Bewerbungsunterlagen für die Gasthochschule lief bei mir allerdings alles recht reibungslos ab, die benötigten Informationen waren auch leicht zu finden, meiner Meinung nach.

Studium an der Gastuniversität

Die Leistungsbewertung läuft in Kanada grundsätzlich anders und wie die Noten ins deutsche System später übertragen werden, ist mir bislang noch nicht bekannt, weswegen ich auch nicht allzu viel darüber sagen kann. An sich wird aber alles Mögliche (Präsentationen, Essays, Klausuren) von 0%-100% bewertet und zum Schluss mit den verschiedenen Wichtungen zu einer Endprozentzahl zusammengerechnet. Diese werden soweit ich weiß (ist bei mir noch nicht geschehen) zu den vom amerikanischen System bekannten Buchstaben A-F umgewandelt. Die genauen Grenzen lassen sich leicht auf der Seite der Universität finden. Da verschiedene Studienfächer an sich verschiedene Anforderungen haben, ist es schwierig, ein allgemeines Bild zu formulieren, aber in dem Fachbereich Physik sprach ich mit anderen Deutschen Mitstudierenden über den Schwierigkeitsgrad der Kurse und wir alle empfanden das Material grundsätzlich leichter als in Deutschland, wobei es natürlich ab und zu Ausnahmen gab. Dies schien wiederum ausgeglichen zu werden an der schieren Menge von Aufgaben. In Deutschland ist es üblich, eine Klausur am Ende des Semesters zu schreiben, manchmal müssen auch noch Übungsblätter wöchentlich oder 14-tagig eingereicht werden. In Kanada hingegen gab es eine Endklausur sowie Übungsblätter, dazu aber noch einiges mehr, je nach Fach. Um ein Beispiel zu nennen: im Kurs Advanced Physical Oceanography gab es vier Übungsblätter, eine Präsentation, ein Term Paper, eine zweiminütige Vorstellung des Term Papers und eine Endklausur. Dies resultierte trotz leichteren Materials dann doch in einem stark erhöhten Arbeitsaufwand. Ich besuchte vier Vorlesungen, was durchaus möglich war, drei fände ich aber empfehlenswerter.
Das Studienklima empfand ich durch die kleineren Klassengrößen (5-15 Personen in meinem Fall) als sehr angenehm, Professor*innen waren stets anspruchs- und hilfsbereit und antworteten meistens zuverlässig auf Emails. Die technische Ausstattung entspricht in etwa der von Potsdam in den Vorlesungsräumen (Beamer, Tafel), die Öffnungszeiten der Bibliotheken sind allerdings dort etwas großzügiger, wobei sie in und kurz bevor der Klausurenphase rund um die Uhr geöffnet wird, was ich als sehr praktisch empfand, obwohl ich sie nie bis spät in die Nacht benutzte (aber manche Leute kenne, die es taten). In der Regel gibt es auch genug Computer dort, die alle mit den üblichen Programmen ausgestattet sind, was das Arbeiten dort relativ einfach macht, vor allem, da die Daten lokal auf dem Netzwerk gespeichert sind (im Gegensatz zu den Computern in den Bibliotheken der Uni Potsdam).

Kontakt zu einheimischen und internationalen Studierenden

Wie so oft kommt es hier vermutlich auch auf den Studiengang und die eigene Person an. Ich besuchte zwei Physik-Vorlesungen und zwei aus dem Bereich Environmental Science. In der einen Physik-Vorlesung waren wir 6 Studierende, wobei 5 aus Deutschland kamen und nur eine aus Kanada, womit es natürlich schwierig wurde, den Kontakt zu Einheimischen aufzunehmen. Andererseits war ich in einer anderen Vorlesung der einzige Student aus Europa und die Studierenden an sich kamen von überall aus der Welt, was eine sehr schöne Abwechslung war und sich natürlich positiv auf Sprachkenntnisse und Kontakte auswirkte. Den Alltag aber verbrachte ich (vielleicht leider) größtenteils mit anderen europäischen Studierenden, da wir uns alle durch die Veranstaltungen des Internationalization Office kannten und uns in einer ähnlichen Situation befanden – Leute so schnell wie möglich kennenzulernen und, wenn es irgendwie geht, das Land auch ein bisschen zu erkunden. Da ich auf dem Campus wohnte, habe ich mich natürlich auch mit vielen einheimischen Studierenden angefreundet, der Fokus lag aber (for better or for worse) auf Europa.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Obwohl mein Freundeskreis dort stark europäisch geprägt war, kamen wir aus den verschiedensten Ländern und sprachen dadurch bevorzugt Englisch, was sich folglich positiv auf unsere Sprachkenntnisse auswirkte. Auch unter den (nicht wenigen) deutschen Mitstudierenden bürgerte es sich glücklicherweise schnell ein, sich auf Englisch zu unterhalten, da wir ja auch alle sprachlich etwas von dem Austausch mitnehmen wollten. Auch schon vor dem Auslandsaufenthalt war ich recht zuversichtlich, was meine Sprachkompetenz anging. Die verschiedensten Präsentationen, Berichte und Übungsblätter gaben dem Ganzen aber noch einen ordentlichen Schwung, da es selbst bei akzeptablen Sprachkenntnissen mehr als vorteilhaft ist, sich an einen akademischen Kontext zu versuchen. Wobei ich dann auch ab und zu auf Hindernisse stieß, die dann aber auch mit der stetigen Übung immer leichter zu überwinden waren. Persönlich bin ich sehr froh, die Chance gehabt zu haben, Englisch wirklich als Alltagssprache UND im akademischen Kontext zu verwenden und obwohl ich versuche, sie auch jetzt in meinen Alltag zu inkorporieren, vermisse ich die englische Sprache bereits jetzt schon ein wenig.

Wohn- und Lebenssituation

Weiter oben hatte ich bereits erwähnt, dass ich auf dem Campus wohnte. Mein Zimmer lag im Burton’s Pond Komplex, was ich auch jedem empfehlen kann. Jede Wohnung besitzt eine gemeinsame Küche, ein gemeinsames Bad und ein kleines Wohnzimmer, was sich dann vier Personen teilen, die jeder ein eigenes Zimmer besitzen. Im Vergleich zu sogenannten Off-Campus-Wohnmöglichkeiten war dies eine etwas teurere Option, die Organisation eines Zimmers ist allerdings um einiges einfacher, es gibt regelmäßig Events, veranstaltet von deinem Wohnkomplex. Das machte es leichter, neue Leute (vor allem Einheimische) kennenzulernen und die Nähe zum Campus ist unheimlich praktisch, sodass ich es im Großen und Ganzen doch anderen empfehlen würde.
Einer der wenigen Minuspunkte in St. John’s ist das spärlich ausgebaute Bussystem. Ja, es ist möglich, überall in der Stadt hinzukommen, die Frage ist nur, wie lang es dauert und wie lange auf den nächsten Bus gewartet werden muss. In die Innenstadt (bzw. „Downtown“) gingen wir üblicherweise zu Fuß, auch zu anderen Events oder zu Freunden nahmen wir selten den Bus. Wenn ja, ist er aber auch glücklicherweise nicht allzu teuer. Ich kam mit zwei 10er-Karten für das ganze Semester gut über die Runden (ich glaube es sind sogar noch zwei Fahrten übrig). Was das Einkaufen betrifft, so gibt es vom Campus einen Supermarkt, der sich zu Fuß in etwa 20 Minuten erreichen lässt, sonst gibt es jeden Dienstag einen Shuttle, der zu einem Einkaufskomplex fährt, wo die Einkäufe für die Woche erledigt werden können. Die Lebensmittelpreise sind im Durchschnitt definitiv höher als in Potsdam, vor allem Fleisch- und Käseprodukte, genauso wie alkoholhaltige Getränke im Allgemeinen (d.h. sowohl im Supermarkt als auch in der Bar). Für ein Pint in der Bar ist es üblich, um die 6$-9$ zu bezahlen. Was andere Freizeitangebote betrifft, so ist St. John’s mit vielen Wanderwegen ausgestattet (auch durch die Stadt), die meiner Meinung nach auch kräftig benutzt werden sollten, da die Landschaft wirklich sehr schön ist. Ein vergleichsweise günstiges Vergnügen ist auch ein Kinobesuch in der Avalon Mall, was sich gut und einfach an einem Abend einbauen lassen kann. Auch fangen im Fall Semester die Basketball-, Fußball- und Volleyballspiele der Uni an, für die leicht und günstig Karten erworben werden können. In der Innenstadt gibt es auch viele Angebote, wobei die George St. für die zahlreichen Bars, häufig mit Livemusik, bekannt ist. Auch Museen wie The Rooms und das Geocentre (an bestimmten Tagen sogar kostenlos für Studierende) sind definitiv einen Besuch wert. Kurzum, St. John’s hat einiges zu bieten und es ist ein Leichtes, sich mit Freunden einen schönen Abend oder Tag zu machen und in unterschiedlichsten Weisen zu gestalten.
Schlussendlich, da ich kein Konto eröffnet habe und auch die Krankenversicherung (glücklicherweise) nicht benutzt habe, kann ich nur wenig dazu sagen. Die Krankenversicherung der Universität gilt vom Semesteranfang bis zum 31.12. Für alles darüber ist eine extra Auslandskrankenversicherung nötig.

Studienfach: Physik

Aufenthaltsdauer: 09/2019 - 12/2019

Gastuniversität:Memorial University of Newfoundland

Gastland:Kanada


Rückblick

Tipps:

- Sucht euch eine gute Truppe, mit der ihr Neufundland erkunden könnt, die Gegend kann einfach atemberaubend sein!

- Der Einkaufsshuttle am Dienstag ist Gold wert, vor allem für die, die am Campus leben.

- Macht euch keinen Stress, was die Registrierung eurer Kurse angeht, Chris Hibbs regelt es sehr schnell, wenn ihr ihn persönlich seht.

- Schreibt mich an, falls ihr irgendwelche bestimmten Fragen hab. Meine Email bekommt ihr vom International Office.

- Es gibt unheimlich viele Events an der Uni! Haltet die Ohren und Augen offen und fragt eure On-Campus Leute, falls ihr nicht auf dem Unigelände lebt, die haben oft interne Events, die aber auch offen für Außenstehende sind.

- Gros Morne ist ein wunderschöner Ort. Auch wenn er auf der anderen Seite der Insel ist, es lohnt sich!

- Als Austauschstudierende könnt ihr das (schon ziemlich gute) Fitnesscenter der Uni und die Schwimmhalle kostenlos benutzen! Es gibt auch kostenlose Fitnesskurse.

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