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Ein Semester in Linz

Die Reaktion auf die Aussage, dass ich mein Erasmus-Semester in Österreich verbringen würde, war nicht selten ein ironisches Schmunzeln mit dem Zusatz „Da wagst du dich aber in eine ganz andere Kultur.“

Klar – Österreich ist nicht sonderlich weit weg, es wird Deutsch gesprochen und das Klima in der oberösterreichischen Landeshauptstadt Linz gleicht dem grauen Berlin in den Wintermonaten sehr. Für mich war die Entscheidung nach Linz zu gehen aber ganz logisch. Als ich die Kooperationen meines Instituts an der Uni Potsdam durchging, stach mir Linz aus dem Grund sofort ins Auge, da es sich bei der Partneruni um eine Kunstuniversität handelt. Eine kleine Kunstuni in einer mittelgroßen (für manche kleinen) österreichischen Stadt, das klang für mich nach einem überschaubaren, familiären Kosmos, in welchem das große Feld der Medienwissenschaften in seiner Beziehung zu den Künsten beleuchtet wird. Zumindest die Website der Kunstuni sowie die Präsentation der sich als Freundin der Medienkunst behauptenden Stadt Linz ließen diese Annahmen zu.


Studienfach: Europäische Medienwissenschaft

Aufenthaltsdauer: 10/18-01/19

Gastuniversität: Kunstuniversität für künstlerische und industrielle Gestaltung Linz

Gastland: Österreich

Wohnungssuche in Linz

Gleich zu Beginn stellt sich wie immer die Frage nach der Unterkunft. Dabei hatten mein Kommilitone und ich großes Glück, da wir über fünf Ecken einen Linzer kennengelernt haben, der genau für die vier Monate unseres Aufenthaltes seine schöne Wohnung in Innenstadtnähe vermieten wollte. Ohne Probleme konnten wir da einziehen, was natürlich eher ein Ausnahmefall ist. Aber auch die anderen Erasmusstudierenden sind meist ohne Probleme untergekommen. Manche haben in Kunstuni-Linz Facebook-Gruppen rumgefragt, andere sind bei einem der Studierenden-Wohnheime untergekommen. Dabei sollten man aber beachten, dass das Tolle an Linz die überschaubare Größe der Stadt ist. Im Studierendenausweis ist kein Bahnticket für die Öffentlichen enthalten, was man wirklich nicht braucht, wenn man einigermaßen im Stadtkern wohnt. Zwei Freundinnen hatten ein Zimmer in einem Wohnheim, welches nur mit der Straßenbahn zu erreichen war. Während wir anderen eigentlich alles zu Fuß machen konnten, waren sie auf Bus und Bahn angewiesen. Insofern sollte man vorher mal die Entfernungen abchecken und sich überlegen, was für ein Fortbewegungstyp man so ist.
Eine Dozentin aus Potsdam, die Linz und die Uni sehr gut kennt, gab mir zudem den Tipp, ein kleines Wohnungsgesuch-Schreiben zu verfassen und es mit der Bitte, es am schwarzen Brett auszuhängen an die Verantwortlichen in Linz zu schicken (also an die Kontaktpersonen aus dem eigenen Studiengang oder dem International Office). Das habe ich auch gemacht, bevor wir die Wohnung in Aussicht hatten. Grundsätzlich hatte ich den Eindruck, dass die Leute mir da sehr entgegenkommen sind und die Aushänge auch von Studierenden wahrgenommen werden.

Bewerbung und Studium an der Gastuniversität

Die Bewerbungsphase war sehr unkompliziert. In Potsdam gab es eins zwei mal kleine Unsicherheiten, welche Person für welche Unterschrift wann wie verantwortlich ist. Bei der Beantwortung dieser Unsicherheiten habe ich mich eigentlich immer an das International Office der Uni Potsdam gehalten, da ich den Eindruck habe, dass die Leute da am schnellsten von neuen Regulierungen etc. erfahren und die Abläufe generell in- und auswendig kennen.
Da nur ein weiterer Kommilitone aus dem Master sich in Linz beworben hatte, wurden wir beide genommen. Die Bewerbung an der Gastuniversität erschien mir dann mehr als ein bürokratisches Muss als ein Auswahlverfahren. Jedoch sei hier angemerkt: Man muss sich mit der Bewerbung an der Gastuni für einen Studiengang an der Kunstuni entscheiden. Da gibt es die Bereiche der Bildenden Kunst (Malerei, Bildhauerei, Keramik), der Medialen Künste (Zeitbasierte Medien, Interface Cultures), die ArchitektInnen und DesignerInnen und noch einiges mehr. Die Kunstuni hat zudem einen theoretischen Masterstudiengang, der sich Medienkultur- und Kunsttheorien (MKKT) nennt. Ich denke, dass Studierende der Europäischen Medienwissenschaften in Potsdam gut in die Studiengänge der Medialen Künste sowie in MKKT reinpassen. Ob man in die Studiengänge der Bildenden Kunst reinkommt weiß ich nicht (immer mal vor Ort telefonisch und bei den Verantwortlichen in Potsdam persönlich nachfragen. Generell immer: Lieber nachfragen, als auf Websiten zu vertrauen!). Bei fast allen Studiengängen außer MKKT ist ein Portfolio, das Herzeigen/Hinschicken bisheriger eigener Arbeiten bei der Bewerbung gefragt. Bei MKKT hingegen nicht. Die Wahl des Studienganges nimmt einen großen Einfluss auf die eigene Studienzeit, kann aber erweitert werden. Ich habe mich für den Studiengang MKKT beworben, aus Interesse aber auch aus einer (ungerechtfertigten) Unsicherheit heraus, ob meine praktischen Arbeiten für eine Bewerbung innerhalb der Medialen Künste reichen würden. An der Kunstuni ist es aber möglich und oft auch gewollt, dass man außerhalb seines Studienganges Kurse besucht. So habe ich die Hälfte meiner Kurse innerhalb des Kurskataloges von MKKT absolviert und die andere Hälfte bei dem Masterstudiengang Zeitbasierte Medien verbracht. Das war eine sehr glückliche Entscheidung. Zum einen habe ich somit sowohl auf theoretisch wissenschaftlicher Ebene studiert, als auch die Möglichkeit zur praktischen Arbeiten innerhalb der Medien Film/Video und Sound gehabt. Dieses angewandte Denken wird ja in Potsdam in meinem Studiengang immer wieder angeregt und verlangt, somit war die Mischung perfekt.
Zum anderen sei angemerkt, dass die kleineren praktischeren Studiengänge wie die Zeitbasierten Medien oder die Interface Cultures eine ganz andere soziale und organisatorische Infrastruktur aufweisen. Bei den Zeitbasierten Medien habe ich eigentlich mein komplettes soziales Unileben erlebt, da es Arbeitsräume für die Studierenden gab sowie ein riesiges sogenanntes Wohnzimmer, wo wir sowohl jede Woche einmal gemeinsam gefrühstückt haben als auch Vorlesungen gehört haben. In der letzten Woche gab es dort zudem die Semesterabschiedsparty von und mit Dozierenden und Studierenden. Bei MKKT war es eher so, dass die Studierenden zu den Kursen kamen und danach auch wieder in alle Himmelsrichtungen ausgeschwärmt sind. Das war aber natürlich auch eine ganz subjektive Erfahrung, da mein Potsdamer Kommilitone bei den Zeitbasieren Medien studierte und ich dort hauptsächlich meine Freundschaften geschlossen habe.

Der Beginn des Studiums wurde unglaublich einfach und schön gestaltet. Schon in Potsdam bekam ich zwei bestimmte Ansprechpartnerinnen (eine aus dem International Office der Kunstuni Linz sowie eine Koordinatorin von MKKT), die immer gut telefonisch und per Mail zu erreichen waren. Die ersten zwei Tage waren für uns International Students (insgesamt um die dreißig Menschen) schön durchgeplant. Wir trafen uns alle am ersten Tag mit der Verantwortlichen für alle Internationalen, bekamen (Ein-) Führungen und wurden am ersten Abend in ein typisch österreichisches Gasthaus zum Essen eingeladen. Dadurch konnten wir schon zu Beginn Kontakt knüpfen und in diesen zwei Tagen wurden teilweise Freundschaften begonnen, die das ganze Semester beflügelten.
Jeder Studiengang hat zudem in der ersten Semesterwoche eine Art Präsentationstag. Alle Dozierenden kommen zusammen und erzählen den Studierenden, welche Kurse sie anbieten. Es empfiehlt sich sehr zu diesen Veranstaltungen der verschiedenen Studiengänge zu gehen, da das Online-Vorlesungsverzeichnis die Kursbeschreibungen oft nur sehr kurz und unübersichtlich darstellt. Man bekommt dann sofort eine Stimmung und künstlerische und wissenschaftliche Haltungen mit, die eine kurze Kursbeschreibung im Verzeichnis niemals leisten kann. Die Infos zu diesen Veranstaltungen kamen meist durch den Mailverteiler, in den man mit der Aufnahme an der Uni integriert wurde.

Dies weist schon auf eine Struktur hin, die die Kunstuni für mich zu einem so tollen Ort gemacht hat: Es wird sich Zeit genommen! Studierende und Dozierende bringen Zeit und Energie mit, es wird sich stetig ausgetauscht und Zeit miteinander verbracht. Bei einem Kurs in den Zeitbasierten Medien waren wir jeden Mittwoch 6 Stunden zusammen – dreizehn Studierende und fünf (!) Dozierende. Nicht selten hat man danach noch zusammengesessen und Gespräche über Gott und die Welt geführt. Zudem habe ich den Eindruck vermittelt bekommen, dass finanzielle Mittel gut und gerne für das studentische Leben eingesetzt werden. So gab es Filmscreenings mit Gästen, viele Ausstellungen (gerne mal eine oder zwei pro Woche) oder sonstigen Veranstaltungen. Dabei waren die Getränke immer umsonst ;) Diese vermeidliche Kleinigkeit führte einfach dazu, dass man gut und gerne länger blieb, sich Dinge angeschaut hat und bei einem Bier mit Menschen in Kontakt kam. Als sich die Erasmusgruppe zu einer gemeinsamen Ausstellung am Ende des Semester entschied, wurde ihnen ohne Probleme ein toller Raum sowie finanzielle Mittel zur Verpflegung und Werbung zugesichert. Die Uni positioniert sich hier also klar und deutlich als sozialer Raum, dem Kommunikation am Herzen liegt. Alle Dozierenden verschiedenster Studienrichtungen, die ich mitbekommen habe, legen sich dafür ins Zeug, denken über Möglichkeiten der Präsentation und Arbeit außerhalb des universitären Rahmen nach und unterstützen die Studierenden mit Aufmerksamkeit, Input oder der einfachen Möglichkeit, sich in Räumlichkeiten mit eigener Kaffeemaschine aufzuhalten ;) Die Lage ist dafür natürlich auch sehr zuträglich. Die Kunstuni ist mitten in der Innenstadt am Linzer Hauptplatz angesiedelt. Fast alle meine KommilitonInnen sowie ich selbst waren zu Fuß oder mit dem Rad in weniger als fünfzehn Minuten vor Ort (für in Berlin Lebende ein Paradies).

Kontakt zu einheimischen und internationalen Studierenden

Wie man diesem Bericht wahrscheinlich schon entnehmen kann, hat sich für mich mein soziales Umfeld aus diesem schönen Unikosmos erschlossen. Ich habe Leute kennengelernt, die schon lange in Linz studieren und aus verschiedenen Regionen Österreichs kommen. Auch mit den anderen Erasmus-Studierenden haben sich schöne Freundschaften entwickelt. Besonders bezeichnend fand ich, dass ich ein paar liebe Menschen kennengelernt habe, die aus Rumänien, Spanien oder Frankreich kamen, vor einigen Semestern ein Erasmus-Semester in Linz absolviert hatten und sich danach für einen festen Masterplatz vor Ort beworben haben.

Studienfach: Europäische Medienwissenschaft

Aufenthaltsdauer: 10/18-01/19

Gastuniversität: Kunstuniversität für künstlerische und industrielle Gestaltung Linz

Gastland: Österreich


Rückblick

Ich kann die Teilnahme am Erasmus+ nur wärmstens empfehlen. Die Bewerbung ist einfach, die finanzielle Unterstützung ist sehr hilfreich und es ist nie so einfach, mal für ein paar Monate woanders hinzugehen, ohne wirklich etwas in der Heimat aufgeben zu müssen. Man sollte sich einfach überlegen, was man will. Erasmus hat viele Gesichter. Manche lernen eine neue Sprache oder tauchen in eine vollkommen andere Kultur ein. Andere tauschen mal Kleinstadtleben gegen Großstadtleben oder umgekehrt. Mir war ein anderes (künstlerischeres) Unisystem wichtig. Und auch hier sei angemerkt, dass ich trotz einiger Urlaubsaufenthalte nie so viel über dieses schöne, interessante Nachbarland gelernt hätte. Über die schlimmen politischen Entwicklungen und die tollen Charaktere, die sich gegen diese behaupten. Über unterschiedliche Regionen und Dialekte, über Gemeinsamkeiten und beflügelnde Unterschiede. Ich habe Linz als sehr freundliche Stadt wahrgenommen, in der auf kultureller Ebene viel geboten wird.

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