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Praktikum am Institut für Biomedizin der Universität de Talca

Der Aufenthalt in Chile war wahrscheinlich das aufregenste bisher in meinem Leben. Ich habe eine neue Sprache gelernt, eine überaus liebenswürdige Kultur kennengelernt und Freunde fürs Leben gefunden. Außerdem habe ich zu vielen Wissenschaftlern Kontakte geknüpft und es stehen mir die Möglichkeiten offen, erneut nach Chile zu gehen.


Studienfach: Biochemie und Molekularbiologie

Aufenthaltsdauer: 03/2018 – 09/2018

Praktikumsgeber: Universität de Talca

Gastland: Chile

Vorbereitung & Finanzierung

Im Wintersemester 2018 habe ich nach meinem Bachelorabschluss in Biowissenschaften ein Auslandspraktikum an der Universidad de Talca in Chile absolviert. Ich hatte schon lange vorher den Wunsch gehabt ins Ausland zu gehen, so habe ich mich während eines Spanisch-Kurses für Südamerika entschieden. Es ist eher zu empfehlen, ein Auslandsaufenthalt ins Studium zu integrieren. Bei mir war es etwas schwierig zu organisieren, dass ich meinen Studentenstatus behalte, da ich mich zwischen Bachelor und Master befand. Trotzdem war ich froh es zu dem Zeitpunkt gemacht zu haben und kann mir das Praktikum nun sogar nachträglich anrechnen lassen.

Über einen Professor bekam ich einen Kontakt eines deutschen Professors, der in Chile im Bereich der Bioinformatik und Elektrophysiologie arbeitet. Ich hatte Glück, nach erstem E-Mail Kontakt hieß es, ich sei willkommen. Generell ist es also immer zu empfehlen Professoren zu fragen, da diese meist Kooperationspartner im Ausland haben und dich empfehlen können.

Weiter ging die Suche nach einem Stipendium. Fündig bin ich bei PROMOS geworden, die mich zu diesem Zeitpunkt allerdings nicht gefördert haben. Erst vor kurzem, einen Monat nach meiner Rückkehr aus Chile, habe ich die überraschende Nachricht bekommen, dass ich doch noch nachträglich gefördert werde. Dies hat mich natürlich enorm gefreut. Ich habe auch ohne Stipendium, mit der Unterstützung meiner Eltern und Eigenersparrnissen den Auslandaufenthalt finanzieren können. Anderen hätte diese nachträgliche Förderung wahrscheinlich nicht mehr so viel gebracht. Es gilt also, sich rechtzeitig über mehrere Fördermöglichkeiten zu informieren, wie auch z.B. Auslands-BAföG.

 

Aufenthalt im Gastland

Eine große Schwierigkeit bestand darin, einen Praktikumsvertrag zu erstellen. Die Vorlage vom International Office der Uni Potsdam wurde von mir und meinem Professor ausgefüllt, soweit kein Problem. Die Universität Talca schien die englische Version jedoch nicht genug, sie ließ eine spanische Übersetzung anfertigen, die sehr viel Zeit beanspruchte. Zum Schluss wollte sie zudem mehrere Versionen des unterschrieben Originalvertrages. Das war ein ziemliches Hin und Her. Ich denke man hätte sich die Mühen ersparen können, indem man den Vertrag nur mit dem Institut für Bioinformatik der Universität gemacht hätte und nicht mit dem International Office bzw. in meinem Fall sogar dem Rektor (da das International Office der Uni Talca sich quer gestellt hatte). Es sollte zukünftig noch zu einigen mehr Problemen kommen, dazu später mehr.

Ein Visum habe ich vorab bei der chilenischen Botschaft beantragt, die Beantragung war relativ aufwendig. Man musste z.B. beweisen, dass man den Aufenthalt finanzieren kann. Hatte man also kein Stipendium, mussten die Eltern vor einem Notar bezeugen, dass sie für Reise- und Lebensunterhaltskosten aufkommen. Eine weitere wichtige Vorbereitung ist der Impfschutz. Für Chile allein, ist keine Impfung verpflichtend, hat man aber vor auch in Nachbarländer zu reisen, sollte man sich gut informieren. Wichtig ist dabei vorher zu klären, ob die Krankenkasse die Impfungen übernimmt und wenn nicht ggf. zu wechseln. Eine Krankenversicherung muss natürlich auch abgeschlossen werden. Ich habe mich für die Hanse Merkur entschieden, die jedoch keinmal (glücklicherweise) zum Einsatz kam. Auch muss man in jedem Fall eine Kreditkarte besitzen. Die DKB ist wärmstens zu empfehlen. Mit ihr kann man kostenfrei an der Skotia Bank Geld abheben und bekommt bei anderen Banken die Gebühren nachträglich erstattet.

Das Hauptverkehrsmittel in Chile ist der Bus, das Netz ist sehr gut ausgebaut, reicht vom Norden bis in den Süden und man kann sehr günstig und komfortabel damit reisen. Ich musste den Bus immer nutzen, für die 3 stündige Fahrt von Talca zur Hauptstadt Santiago und war vollkommen zufrieden. In den Kleinstädten fahren sogenannte Micros, also kleine Busse, die teilweise doch sehr alt und kaputt waren, keine Ansagen hatten (Google Maps und Ortungsdienste halfen dabei sehr, um noch rechtzeitig Stopp zu rufen, damit die Tür bei rasender Fahrt geöffnet wurde und man schnell rausspringen durfte). Dafür zahlte man umgerechnet nur etwa 60 Cent pro Fahrt. Meine Wohnung, die ich mir mit zwei Chileninnen geteilt habe, hat mir der Chef der Bioinformatik-Schule vermittelt. Die anderen internationalen Studenten haben ihre Wohnung über Buddys erhalten, die sich seit Jahren um den Austausch kümmern.

 

Zufriedenheit mit dem Auslandspraktikum

Zurück zu meiner Ankunft. Leider hatte ich das Pech, dass das Labor des Professors anfangs noch nicht fertig gestellt war und noch auf Equipment gewartet wurde. Mir wurde deswegen angeboten, an Kursen des Studienganges Bioinformatik teilzunehmen. Außerdem wollte ich gerne an einem Spanisch-Kurs teilnehmen. Das International Office sagte mir jedoch, dass ich kein offizieller Student hier bin und daher auch nicht am interkulturellen Programm teilnehmen kann. Ich verstand es, da ich schließlich auch keine Studiengebühren gezahlt habe und sie nicht für jeden eine Ausnahme machen können. Trotzdem war ich dann sehr froh, dass nach mehrmaliger Bitte meiner Betreuerin und dem Gespräch  mit dem Spanisch Professor, mir die Gelegenheit gegeben wurde, teilzunehmen. Die Einführungswoche, für die internationalen Studenten war wirklich toll und auch im Spanisch-Kurs habe ich neben Spanisch so viel über Kulturen aus der ganzen Welt gelernt. Bei einem selbstorganisierten Auslandsaufenthalt muss man sich also seinen Alltag selbst strukturieren, das beinhaltet leider auch viele Probleme, die meiner Meinung jedoch mit nettem Fragen auch zu lösen sind. In meinem Fall war ich wirklich froh, so Kontakt zu den internationalen Studenten bekommen zu haben und damit auch über alle Veranstaltungen informiert wurde.

Im Praktikum, habe ich mit meiner Betreuerin und einer weiteren Studentin, die dort ihre Abschlussarbeit verfasst hat, zusammengearbeitet. Wir haben uns von Anfang an sehr gut verstanden und uns zum Ende hin sehr zu schätzen gelernt. Im ersten Monat hat uns unsere Betreuerin alle labortechnischen Arbeiten gezeigt, damit wir sie lernen anzuwenden. Ich bin jedoch der Meinung, dass man nicht durch zusehen, sondern durch handeln lernt. Nach Nachfrage, durfte ich die Arbeiten nun auch alleine erledigen, sodass ich zum Ende dann weitgehend selbstständig arbeiten konnte und genügend Vertrauen vorhanden war. Wenn einem also etwas nicht passt, sollte man das lieber sofort auf nette Weise ansprechen, bevor man sich im Nachhinein darüber ärgert.

Ich kann im Vorhinein sagen, man soll sich nicht zu viel vom Praktikum erwarten. Wenn man ein gut organisiertes, gut strukturiertes Praktikum in Deutschland gewohnt ist, wird man in Südamerika wahrscheinlich enttäuscht werden. Hier macht im Labor jeder alles. Vom Spitzen stecken, Putzen über Materialbestellungen, Antragsstellungen bis hinzu zu den alltäglichen Laborarbeiten. Dadurch ist jeder Wissenschaftler vorwiegend auf sich allein gestellt und braucht natürlich für alles länger. Außerdem ist es hier leider (oder doch besser gesagt zum Glück) nicht selten, dass es zu monatlichen Streiks der Universität kommt. Ich hatte leider das Pech, die Uni wurde für eine längere Zeit von den Studenten eingenommen, die es nicht zugelassen haben, dass Unterricht stattfand, auch durften keine Professoren in die Uni. Hintergrund waren sexuelle Übergriffe auf Studentinnen durch Professoren oder anderen Studenten. Ich fand es aber beeindruckend zu sehen, wie begonnen mit einer Studentin, die sexuell belästigt wurde, Stück für Stück sehr viele Studenten mitmachten und sich für mehr Gerechtigkeit und Frauenrechte einsetzten. Man muss deswegen aber immer mit so etwas rechnen und sich Lösungen überlegen. Ich habe die Zeit genutzt, um mir das Nachbarland Peru anzuschauen und war damit im Nachhinein sehr zufrieden.

Was ich im Praktikum vor allem gelernt habe, war die Routine der Laborarbeit. Außerdem kam es häufig zu Problemen bei der Methodendurchführung, die ich durch kleine Veränderungen oft lösen konnte. Leider habe ich vom Methodenspektrum kaum etwas Neues gelernt. Die molekularbiologischen Tätigkeiten, die ich vorwiegend gemacht habe, dienten als Vorbereitung auf die danach an Froscheiern zu praktizierenden Elektrophysiologie. Aufgrund des Streikes, hat sich jedoch alles verschoben, wodurch ich trauriger Weise überhaupt nicht mit diesem für mich neuem Thema in Berührung kam.

Persönlicher Mehrgewinn

Im Nachhinein betrachtet bestand der Mehrgewinn dieses Auslandsaufenthaltes vorwiegend im Erlernen des Spanischen. Da die Chilenen meiner Altersstruktur und darüber hinaus kaum Englisch-Kenntnisse aufweisen bzw. einfach nicht häufig die Möglichkeit haben es zu üben, waren für mich die besten Voraussetzungen gegeben, Spanisch zu lernen. Ich habe viele Angebote der Universität, wie das Sprachtandemprogramm und diverse Deutsch-Spanisch Stammtische wahrgenommen. Ich empfehle es auf jeden Fall möglichst Kontakt mit den Einheimischen aufzunehmen. In Chile und wahrscheinlich ganz Südamerika ist das einfach, die Chilenen sind total offen und herzlich und kommen schon ganz alleine auf dich zu. Es liegt dann an dir, eine Freundschaft mit ihnen aufzubauen. Dazu muss man allerdings sagen, dass die Chilenen einen sehr eigenen Akzent aufweisen und viele Wörter benutzen, von die ein anderer Südamerikaner noch nie etwas gehört hat. Das brachte mir aber auch eine Menge Spaß. Anfangs war ich mit meinen A1 Spanisch Kenntnissen doch teilweise etwas verzweifelt, dies legte sich mit der Zeit, da ich gar keine andere Möglichkeit hatte als Spanisch zu sprechen und auch in meiner Freizeit neben den internationalen Studenten immer Kontakt mit anderen Chilenen gesucht habe. Nun kann ich das meiste verstehen und alltägliche Gespräche führen. Ich finde es sehr beeindruckend, wie schnell man doch eine Sprache lernen kann und wie viel Spaß es bringt.

Der Aufenthalt in Chile war wahrscheinlich das aufregenste bisher in meinem Leben. Ich habe eine neue Sprache gelernt, eine überaus liebenswürdige Kultur kennengelernt und Freunde fürs Leben gefunden. Außerdem habe ich zu vielen Wissenschaftlern Kontakte geknüpft und es stehen mir die Möglichkeiten offen, erneut nach Chile zu gehen. Die Lebenserhaltungskosten in Chile sind denen in Deutschland relativ ähnlich, trotzdem ist der durchschnittliche Verdienst dort viel geringer.  Weitere Umstände, wie die fehlende Mülltrennung, zu Schulden führenden Studiengebühren, und fehlenden Heizungen, sowie Isolierungen der Häuser, haben mir gezeigt wie gut ich es habe in Deutschland leben zu dürfen. Auch der Nationalstolz der Chilenen und die ständige Dankbarkeit gegenüber Deutschland (es gibt sehr viele Kooperationen zwischen Chile und Deutschland) haben mir gezeigt, wie wichtig es ist, stolz auf seine Nation zu sein und sich für dieses Gefühl nicht schämen sollte, nur weil vor 80 Jahren gravierende Fehler begangen wurden.

Ich kann jedem empfehlen dieses wunderschöne Land mit seinen interessanten und liebenswürdigen Einwohnern, den kilometerlangen atemberaubenden Landschaften anzuschauen und zu erleben. Chile ist im ständigen Wandel, was zum Beispiel den Einsatz erneuerbarer Energien angeht. Ich selbst habe es erlebt, wie ein Gesetz den Einsatz von kostenfreien Plastiktüten verboten hat. Ich bin gespannt was sich verändert hat, wenn ich meinen Weg dorthin zurück finde.

Studienfach: Biochemie und Molekularbiologie

Aufenthaltsdauer: 03/2018 – 09/2018

Praktikumsgeber: Universität de Talca

Gastland: Chile


 

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