Praktikum im Kinderheim Fundación Sierra Dorada

Auf der Praktikumsbörse der Uni Potsdam stieß ich auf ein Praktikum in einem Kinderheim in Argentinien. Da ich Spanisch auf Lehramt studiere, und mein Praktikum in pädagogisch-psychologischen Handlungsfeldern noch durchführen musste, schien dies die perfekte Gelegenheit. Die Leistung wollte ich mir anerkennen lassen, aber da kam schon der erste Rückschlag: die Praktikumsbeauftragten vom ZeLB, sowie meine Seminarleiterin waren damit nicht einverstanden. Warum? Weil ich zu einem Blockseminar nicht dagewesen wäre. Sehr schade! Auch auf anderen Instanzen wurde ich immer wieder zurückgewiesen. Letztendlich gab ich die Leistungsanerkennung auf, nicht jedoch mein Praktikum. Allein der persönliche Mehrgewinn, den ich mir erhoffte, war es mir wert. Mit Hilfe des sehr gut organisierten International Offices plante ich also im SoSe 19 ein Urlaubssemester zu nehmen, um von Anfang Juni bis Ende August mein Praktikum in der Fundación Sierra Dorada zu absolvieren.
Eine kurze schriftliche Bewerbung mit Lebenslauf (beides auf Spanisch) reichte aus, denn es gab keine MitbewerberInnen. Zusätzlich schickte ich der Auslandsbeauftragen der Uni Potsdam in Buenos Aires eine Zusammenfassung meiner Vorstellungen des Praktikums.  Nachdem der Chef des Kinderheims meine Unterlagen gelesen und zugestimmt hatte, unterschrieb ich den von der Uni gestellten Praktikumsvertrag. Darin waren festgehalten: meine Arbeitszeiten pro Woche, meine Urlaubstage, meine Tätigkeiten, meine monatlichen Miet- und Versorgungskosten und weitere Rechte und Pflichten.
Der persönliche E-Mailverkehr auf Spanisch verlief reibungslos und schnell. Bei fehlenden Spanischkenntnissen ist aber auch immer die Ansprechpartnerin der Universität  zur Hilfe. Ohne Visum sind in Argentinien 90 Tage Aufenthalt erlaubt. Diese kann man aber umgehen, indem man einmal während dieses Zeitraums aus dem Land ausreist und wieder einreist.



Studienfach: Spanisch Lehramt

Aufenthaltsdauer: 06/2019 - 09/2019

Praktikumsgeber:  Fundación Sierra Dorada 

Gastland:Argentinien

Finanzierung des Auslandspraktikums

Das Praktikum in der Fundación Sierra Dorada wird NICHT vergütet. Pro Monat sind für Unterkunft und Verpflegung im Kinderheim 250 € zu zahlen. Ob man tatsächlich im Heim wohnt und isst, ist einem selbst überlassen. Man hat auch die Möglichkeit im Dorf zu wohnen. Ich habe allerdings direkt im Heim gewohnt und mir den Aufenthalt dort durch ein PROMOS-Stipendium komplett finanzieren können. Dazu musste ich ein zweiseitiges Motivationsschreiben einreichen, in dem ich mein Studienvorhaben und meinen Werdegang vorstellte. Außerdem reicht man die Empfehlung einer Hochschullehrkraft, die Leistungsübersicht und den Lebenslauf ein. Die Reisekosten für Hin-und Rückflug bekomme ich durch den Mobilitätszuschuss der Uni im Nachhinein erstattet.

Aufenthalt im Gastland

Die Fundación Sierra Dorada liegt in dem kleinen Hippie-Dorf San Marcos Sierras, das ca. drei Busstunden von der nächsten Großstadt Córdoba entfernt ist. Im Sommer (Achtung der argentinische Sommer geht etwa von Oktober bis Mai) gibt es viele Touristen. Generell ist es sehr belebt im Vergleich zu einem deutschen Dorf. Im Casa de Culturas kann man diverse Freizeit- oder Sportkurse wahrnehmen. Am Wochenende finden mehrere Märkte mit selbsthergestelltem Schmuck und Handwerkskunst statt. Es gibt Restaurants, Bars und sogar eine kleine Disco. Außerdem kann man in kleinen „Kioskos“ Lebensmittel kaufen. Für ein etwas breiteres Sortiment oder zum Geld abheben sollte man aber doch lieber ca. 30 min in die nächste Kleinstadt Cruz del Eje fahren.
Geld abzuheben ist, durch die hohe Inflationsrate in Argentinien, sehr teuer und nicht empfehlenswert. Ich hatte im Voraus in Deutschland Euros in Dollar umgetauscht und der Leiter der Fundación hat diese dann für mich auf dem Schwarzmarkt in Pesos eingetauscht.
Das Bargeld habe ich dann zum Reisen verwendet. Insgesamt konnte ich drei kleine Reisen unternehmen. Das Fernbusnetz ist sehr gut ausgestattet. In fast jeder Kleinstadt gibt es einen Busbahnhof und auch von San Marcos Sierras aus fahren regelmäßig Busse nach Cruz del Eje. Von dort aus kann man dann prima nach Córdoba oder direkt nach Buenos Aires fahren. Da die Entfernungen in Argentinien aber unglaublich riesig sind, empfiehlt es sich auch einen billigen Inlandsflug über Flybondi zu kaufen.
Die ärztliche Versorgung im Land ist zwar gut, jedoch mangelt es den Ärzten und öffentlichen Krankenhäusern an Material. Ein positiver Faktor ist allerdings, dass man beim Arzt nichts bezahlen muss. Ich war insgesamt viermal beim Arzt im Dorf und habe weder für die Behandlung noch für die Medikamente etwas bezahlt. Trotzdem ist eine Auslandskrankenversicherung unabdingbar!

Zufriedenheit mit dem Praktikum

Vieles lief nicht optimal, jedoch haben mich sowohl die guten als auch die schlechten Erfahrungen sehr bereichert. Obwohl ich die Zeit in der Fundación Sierra Dorada größtenteils als schwierig empfand, überwog letztendlich für mich der persönlicher Mehrwert und die schönen Erlebnisse, die ich mit den Kindern erleben konnte.
Im Kinderheim wohnen zurzeit ca. 45 Kinder und Jugendliche von 2-19 Jahren. Alle 15 MitarbeiterInnen, zu denen auch 2 deutsche Freiwillige zählen, wohnen auf dem gleichen Gelände. Ich persönlich fand es schwer von der Arbeit Abstand zu nehmen, wenn man sich rund um die Uhr im Heim befindet. Da kann die Privatsphäre schon mal auf der Strecke bleiben. Da ich zur Winterzeit dort war, war es zweitweise auch sehr kalt und es gab keine Heizungen. Auf guten WLAN-Empfang kann man sich nicht verlassen und Stromausfall kam des Öfteren stundenlang vor. Vom gewohnten Komfort muss man als PraktikantIn auf jeden Fall absehen!
Leider war mein Praktikum von Seiten der Fundación Sierra Dorada aus weniger gut organisiert. Bei meiner Ankunft wurde ich zunächst für eine weitere Freiwillige gehalten und wurde nach 10 Tagen Doppelschicht in den normalen Arbeitsrhythmus eingeteilt. Das bedeutete, die Kinder zu wecken, zu duschen, Essen vorzubereiten, Wäsche waschen (größter Teil der Arbeitszeit) und zusammenlegen, im Heim putzen und Ordnung schaffen, Kinder von der Schule abholen und mit ihnen Hausaufgaben machen. Nach einigen Wochen ergriff ich dann die Initiative und sprach bei meinem Betreuer an, dass ich als Praktikantin gekommen bin um etwas zu lernen (mal abgesehen davon, dass ich die Einzige war, die bezahlte, dafür, dass sie da sein durfte). Meiner Anmerkung folgten prompt Taten, alle MitarbeiterInnen wurden informiert und von nun an war ich praktisch außen vor, durfte machen was ich wollte - so hatte ich es mir auch nicht vorgestellt. Das war dann auch das einzige Mal, dass mein „Praktikumsbetreuer“ mit mir Rücksprache gehalten hat.
Stück für Stück gestaltete ich dann aber meinen Tagesablauf selbst, half bei den Hausaufgaben, spielte oder bastelte mit den Kindern. Sogar ein kleines Theaterstück schrieben wir und brachten es auf die Bühne. Leider gab es im Heim kein ausgebildetes Personal. Die einzigen Fachkundigen, die ein oder zweimal die Woche kamen, waren eine Sozialarbeiterin und eine Psychologin. Leider stellte ich das auch erst nach einem Monat fest. Auch diese wussten nichts von meiner Anwesenheit und waren sichtlich überrascht, als ich sie fragte, ob ich mit ihnen zusammen arbeiten dürfe. Einige Stunden konnte ich dann tatsächlich mit der Sozialarbeiterin und den Kindern arbeiten, was sehr lehrreich war. 

Persönlicher Mehrgewinn

Insgesamt muss ich sagen, dass meine Zeit im Kinderheim trotz schlechter Organisation seitens der Praktikumsstelle und wenig fachkundigem Personal, unheimlich bereichernd war! Es war für mich die erste längere Erfahrung in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Dementsprechend unerfahren war ich im Umgang mit ihnen. Zuerst muss ich sagen, dass ich niemals gedacht hätte eine so schnelle und enge Verbindung zu den Kindern aufzubauen. Für meinen Beruf als Lehrerin haben sie mir viel Selbstvertrauen gegeben. Außerdem war ich von mir selbst überrascht, wie leicht mir der Umgang mit den Jugendlichen viel. Man braucht viel Einfühlungsvermögen, Sensibilität und Geduld und sollte die Kleinen und Großen auf keinen Fall unterschätzen! Im Alltag musste ich mit Konfliktsituationen unter den Jugendlichen umgehen, sowie mit ungewöhnlichen Verhaltensweisen wie Selbstverletzung. Eines sollte an dieser Stelle gesagt werden: alle Kinder und Jugendliche im Kinderheim haben schlimme Leidensgeschichten erlebt, die einen als ErzieherIn durchaus belasten können. Letztendlich habe ich aber auch damit umzugehen gelernt, meine Lehrer waren wieder einmal die Kinder.
Abgesehen vom persönlichen Zugewinn habe ich auch für meinen Unterricht als Spanischlehrerin in Deutschland Foto- und Videomaterial sammeln können, was mir in Zukunft ermöglichen wird, authentischen Unterricht zu gestalten. Außerdem habe ich auch interkulturelle Erfahrungen in meiner Freizeit außerhalb des Heims gesammelt. Die Argentinier und Argentinierinnen sind ein sehr höfliches, hilfsbereites und gastfreundliches Volk. Leider leiden vielen Menschen auf Grund der hohen Inflation und schlechten Wirtschaftslage unter hoher Armut. Die Hauptleidtragenden sind wie immer die Jüngsten. Auch der Adoptionsprozess wird vom Staat unnötig verkompliziert und in die Länge gezogen. Dem Jugendamt fehlen MitarbeiterInnen und finanzielle Mittel auch für die staatlichen Kinderheime des Landes (die Fundación Sierra Dorada ist eine NGO). Trotz allem verlieren die Menschen nicht die Hoffnung, was tägliche Demonstrationen in Buenos Aires zur Folge hat. 

Resümee, abschließende Tipps und hilfreiche Links

Der Vorteil des Kooperationspraktikums über die Uni Potsdam war, dass ich immer eine Praktikumsbetreuerin zur Seite hatte und es mir komplett von der Uni durch das PROMOS- Stipendium finanziert wurde.
Zum Praktikum kann ich sagen, dass es sich für mich trotz guter und schlechter Erlebnisse in der Fundación Sierra Dorada gelohnt hat. Ich möchte den nachfolgenden Studierenden ans Herz legen, mit Herz und Seele dabei zu sein, um den Kindern und Jugendlichen zu helfen. Man sollte in der Lage sein, das Praktikum und den Tagesablauf selbst zu gestalten. Besonders Studierende mit Kenntnissen der Psychologie können den Kindern und Jugendlichen weiterhelfen. Von meiner Seite aus kann ich nur Mut machen, auch mal zu widersprechen und nicht alles hinzunehmen. Vieles in der Fundación läuft nicht so, wie wir es von deutschen Standards gewohnt sind aber ich denke neue Perspektiven von außen tuen der Einrichtung gut.

Hier noch ein paar Tipps:

Es ist kein Problem in Argentinien Vegetarier zu sein, auch im Heim wird teilweise darauf Rücksicht genommen. In Córdoba wird es zwischen Juni-August teilweise bis zu null Grad kalt und sehr stürmisch. Es gibt keine Heizungen und die Wände und Fenster sind nicht isoliert, deswegen rate ich davon ab, das Praktikum in diesem Zeitraum zu machen. Ich persönlich würde auch nicht noch mal im Heim wohnen. Das hat den Vorteil nach Feierabend auch mal abzuschalten, nicht zwischen die Fronten der anderen Kollegen zu geraten und mehr Privatsphäre (eigenes Bad und nicht die große Küche im Heim) zu haben.
Man sollte darauf gefasst sein, auf ArgentinierInnen zu treffen, die es mit Verabredungen und Uhrzeiten nicht so genau nehmen. ABER: Wenn es hart auf hart kommt, kannst Du auf die Argentinier und Argentinierinnen immer zählen!

Hier noch ein paar hilfreiche Links:

Studienfach: Spanisch Lehramt

Aufenthaltsdauer: 06/2019 - 09/2019

Praktikumsgeber:  Fundación Sierra Dorada 

Gastland:Argentinien


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