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Kooperationspraktikum bei ANDHES

Für die Zeit nach meinem Staatsexamen war ich auf der Suche nach einem letzten Praktikum als Studentin und schaute mich auch bei den Kooperationsangeboten des International Office um.
Ich war zwar nicht auf ein bestimmtes Land festgelegt, wollte aber gerne gleichzeitig ins spanischsprachige Ausland - um meine Schulkenntnisse vor dem Vergessen zu retten - und die Vorteile des Studierendenstatus noch nutzen.
Für ein Praktikum bei ANDHES sprach für mich, dass ich über ehemalige KollegInnen aus dem menschenrechtlichen Bereich Gutes über die Arbeit der Organisation gehört hatte und dass es sich um einen starken lokalen Akteur in einer menschenrechtlich sensiblen Region handelt. Während meines Jurastudiums hatte ich mich auf Völkerrecht und insbesondere Menschenrechte spezialisiert und Interesse an dem juristischen Instrument der „Strategischen Prozessführung“ entwickelt. Das Praktikum bei ANDHES war somit perfekt für mich, indem es mein Interesse an der Thematik und an der Arbeitsweise mit der Chance auf eine finanzielle Unterstützung verknüpfte.
Für die Bewerbung reichte ich im Januar 2019 ein Motivationsschreiben und meinen Lebenslauf auf Spanisch ein und eine knappe Woche später hatte ich bereits meine Zusage für ein Praktikum im Mai und Juni aus Tucumán.
Meine persönliche Vorbereitung auf das Praktikum war spärlich. Ein Visum war als Praktikantin wohl nicht erforderlich, empfohlene Impfungen konnte ich rechtzeitig bei meiner Hausärztin vornehmen lassen, der Zeitraum war über meine Auslandskrankenkasse abgedeckt. Zu meiner großen Freude konnte ich über eine Facebook-Gruppe („Expats & Internationals in Tucumán“) bereits Kontakt zu einer deutschen DAAD-Sprachassistentin vor Ort herstellen und so bereits früh einen vertrauenswürdigen Vermieter in Tucumán (das International Office hat seine Kontaktdaten) finden. Die Kommunikation mit ANDHES verlief per Mail und ausschließlich auf Spanisch, die Antworten kamen meistens relativ schnell und waren direkt ziemlich herzlich. Der Praktikumsvertrag wurde im International Office in Potsdam unterschrieben und per Scan nach Argentinien geschickt. Interessanterweise enthielt der Vertrag keine feste Arbeitszeiten, so flexibel war es dann tatsächlich vor Ort auch.


Studienfach: Rechtswissenschaften

Aufenthaltsdauer: 05/2019 - 06/2019

Praktikumsgeber: ANDHES

Gastland: Argentinien

Finanzierung des Auslandspraktikums

Der Aufenthalt in Tucumán selbst war aufgrund des Wechselkurs eher günstig für jemanden, der in Europa lebt. Die Miete hat mich 110€ gekostet, Taxi kostet nie mehr als 1-2€ (derzeit 100 Pesos), Lebensmittel waren aber nicht übermäßig günstig. Ich hatte Glück und wurde vom DAAD mit einem PROMOS-Stipendium für den Lebensunterhalt vor Ort (300€ pro Monat) und von der Universität Potsdam mit einer Mobilitätsbeihilfe für die Transportkosten unterstützt.
Wenn man sparsam lebt (und nicht so viel am Wochenende reist), kann man vielleicht mit den 300€ pro Monat sogar hinkommen und somit den gesamten Aufenthalt kostendeckend gestalten. Die Bewerbungen für die Stipendien liefen jeweils über das International Office ab. Bei ANDHES sind insgesamt nur 5-7 Menschen angestellt, die anderen sind Freiwillige und werden wie die PraktikantInnen (wie ich) nicht bezahlt.

Aufenthalt im Gastland

Vor Ort habe ich in einem „Internationals House“ gewohnt, d.h. in einer tollen WG mit 4 anderen AusländerInnen, unsere einzige gemeinsame Sprache war Spanisch. Vor Ort gibt es einige Wohnungen/ Häuser, die größtenteils an die ausländischen Austausch-Studierenden der Ingenieur- und Sprachwissenschaften vermietet werden. Es scheint relativ üblich zu sein, sich ein Zimmer mit einem fremden Menschen zu teilen. Für mein Einzelzimmer habe ich 110 € gezahlt, die Doppelzimmer haben 60 € pro Person gekostet. Das sind scheinbar für die Leute vor Ort schon hohe Preise, aber ich kannte viele AusländerInnen, die 400€ für ein Airbnb-Zimmer gezahlt haben.
Die öffentlichen Verkehrsmittel in Tucumán sind schlecht, es gibt nur Busse und bei denen weiß man nie so ganz sicher, wo sie wirklich halten. In Anbetracht der kurzen Laufstrecken von meiner Wohnung aus (20min zur Arbeit, 10min zur Innenstadt) und den billigen Taxipreisen habe ich mich dagegen entschieden, mich für die kurze Zeit in die Welt der Busrouten einzuarbeiten.
Bankgeschäfte sind ein großes Thema unter den Internationals in Argentinien. Abhebungen sind sehr teuer (derzeit ca 10€ pro Abhebung) und auf ein sehr niedriges Maximum begrenzt (70€, glaube ich). Deshalb habe ich mit „worldremit“ Geld von meinem deutschen Konto an einen Geldabhebe-Ort, eine Art komisches Internet-Café in der Laprida-Straße Nr. 273, in Tucumán gesendet. Das Prinzip funktioniert ähnlich wie beim bekannteren Anbieter westernunion, hat aber bessere Umrechnungskurse und weniger Gebühren. Ich war am Anfang sehr skeptisch, aber es hat sehr gut funktioniert.
Im Vorfeld hatte ich gedacht, dass ich mich in Tucuman vielleicht langweilen würde, zumal ich vor Ort ja niemanden kannte. Aber ich habe über die Organisation und über meine Mitbewohner so viele Leute kennengelernt, dass ich extrem viel unterwegs war und gar keine regelmäßigen Freizeitangebote wahrgenommen habe. Ich habe aber gehört, dass man über die Uni vor Ort Sport- und Sprachkurse (z.B. auch Spanisch für AusländerInnen) besuchen kann. Für so eine kleine Stadt gab es erstaunlich viele Kulturangebote, die ich gerne wahrgenommen habe: ein Jazz-Festival mit Live- Konzerten, zahlreiche Theater, kostenlose Freiluft-Tangokurse (organisiert durch private Tanzschulen), kostenlose Foto-Ausstellungen und Buchvorstellungen (organisiert durch die Municipalidad). Die meisten Veranstaltungen werden auch auf facebook beworben. An den Wochenenden habe ich ziemlich viel unternommen: mit den Fernbussen kann man in den wunderschönen Norden Argentiniens fahren (schaut euch nur mal Google-Fotos von Cafayate mit der Valle de las Conchas, Tafí del Valle, Humahuaca oder Amaicha an!); es gibt sonntags einen tollen Kleidungsflohmarkt im Vorort Yerba Buena; Tucumán hat einen riesigen Stadtpark, der am Wochenende brummt vor lauter Familien.

Zufriedenheit mit dem Auslandspraktikum

Ich war unglaublich zufrieden mit dem Praktikum. ANDHES ist eine Organisation, die aus ca. 90 jungen Ehrenamtlichen aus verschiedenen Fachgebieten (insb. Psychologie, Soziale Arbeit, Jura, Politikwissenschaft) und ca. 5 festangestellten RechtsanwältInnen besteht. Thematisch arbeiten sie in vielen Bereichen (sogenannte „areas“: indigene Völker, Frauen*rechte, Homosexuellenrechte, Kinderrechte, Sicherheit, Diktaturaufarbeitung) und versuchen entweder durch politische Aufklärung (línea educación) oder durch strategische Prozessführung (línea defensa), einen sozialen Wandel auf lokaler oder nationaler Ebene zu erreichen. Da ich bereits weit in meinem Jura-Studium fortgeschritten war und gute Vorkenntnisse im Völkerrecht hatte, war ich dem Team für Prozessführung zugewiesen und habe thematisch im Bereich der Kinderrechte und der Rechte der indigenen Bevölkerung gearbeitet und an den jeweiligen wöchentlichen Arbeitsgruppen-Meetings teilgenommen (aber auch andere, weniger juristische Arbeitsfelder wären sicher interessant gewesen!). Zu meinem großen Glück hatten wir in der Zeit, in der ich bei ANDHES war, gerade einen großen spannenden Fall im Bereich des sexuellen Missbrauchs von Kindern, bei dem über eine mögliche Vorgehensweise auf internationaler Ebene nachgedacht wurde. Meine Hauptaufgabe in diesem Fall bestand beispielsweise in der Analyse der Rechtsprechung der internationalen Spruchkörper auf dem Gebiet, um danach im Prozessführung-Team eine Verteidigungsstrategie zu erarbeiten. Ansonsten habe ich Aufklärungsseminare zum Thema Rechte der indigenen Bevölkerung begleitet, die AnwältInnen in kleineren innerstaatlichen Mandaten im Bereich des sexuellen Missbrauchs unterstützt oder die Umsetzung bestimmter Kinderrechtsstandards in der Provinz Tucumán untersucht.
Die Arbeitssituation war unglaublich angenehm. Ganz im Klischee der lateinamerikanischen NGO ist die Stimmung vor Ort zwischen den KollegInnen sehr familiär, alle kennen sich gut, man reicht sich beim Arbeiten den obligatorischen Mate rum und geht freitags mal zusammen aus. Geduldig wurde ich in die Arbeitsweise eingeführt und bald zu „asado“-Grillparties eingeladen.
Die Betreuung durch das Team war toll und auch wenn nicht jedeR der ehrenamtlich arbeitenden AnwältInnen jeden Tag im Büro war, war immer jemand da. Anders als meine Praktikumsvorgängerin habe ich immer vor Ort gearbeitet, weil ich die Arbeitsatmosphäre so angenehm fand und gerne so viel wie möglich von der Arbeitsweise kennenlernen wollte. Die Arbeitszeiten waren sehr flexibel, ich konnte mir auch ohne Probleme mal einen Tag frei nehmen. Die Aufgaben habe ich selbstständig erledigt, hätte aber jederzeit eineN AnsprechparterIn gehabt. Häufig gab es auch keinen richtigen Auftrag, sondern es ergab sich aus der Vor- und Nachbereitung der Meetings, dass eine tiefergehende Recherche interessant sein könnte, um die Vorgehensweise zu klären.

Persönlicher Mehrgewinn

In der kurzen Zeit, die ich bei ANDHES gearbeitet habe, habe ich sehr viel gelernt. Zwar habe ich im materiellen Völkerrecht an sich nicht so viel neues gelernt, allerdings waren die Strategiebesprechungen und konkreten Herangehensweisen in der Fallbearbeitung extrem lehrreich und ich bin auch in der Anwendung der internationalen Menschenrechtsabkommen viel sicherer geworden. Es war in fachlicher und kultureller Hinsicht sehr spannend, gerade im Themenbereich der Rechte der Indigenen zu arbeiten, weil für mich neue Rechtsprobleme waren und ich völlig unbekannte Lebensweisen kennen lernen konnte. Beispielsweise bin ich zusammen mit zwei ANDHES- Anwältinnen für vier Tage in das indigene Dorf von ehemaligen MandantInnen gefahren, um zusammen das indigene Neujahr Inti Raymi als großes Volksfest mit traditionellem Tanz, Gesang und Kult-Zeremonie zu feiern.
Mein Schul-Spanisch reichte vor Ort zwar gut aus (vielleicht auch, weil ich die einschlägigen Menschenrechtsabkommen schon gut auf Englisch kannte), aber es wäre sicher einfacher, wenn man bereits ein sehr gutes Spanisch-Niveau hat. Ich konnte meine Kenntnisse in der juristischen Fachsprache und argentinischen (!) Alltagssprache auf jeden Fall noch deutlich verbessern.

Studienfach: Rechtswissenschaften

Aufenthaltsdauer: 05/2019 - 06/2019

Praktikumsgeber: ANDHES

Gastland: Argentinien


Rückblick

Zusammenfassend würde ich sagen, dass ein Praktikum bei ANDHES für jeden Studierenden mit Interesse am Bereich der Menschenrechte eine große Bereicherung wäre! Allerdings müssen sich Jura- Studierende ohne Völkerrechtskenntnisse bewusst sein, dass sie wohl eher politisch als juristisch arbeiten werden. Auch wäre es wohl inhaltlich gewinnbringend, bereits sehr gute Spanisch-Kenntnisse zu haben, vor Ort spricht wirklich niemand Englisch.
Für mich war es eine sehr intensive Zeit in Tucumán, in der ich sowohl auf Arbeit als auch außerhalb im Austausch mit den KollegInnen viel gelernt habe.

Aktuell haben wir Kooperationspraktika in England, Polen, Spanien, Frankreich, der Türkei, Israel, Indien, Argentinien, Brasilien und Uruguay akquiriert. Von studienbezogenen Praktika bis hin zu fachübergreifenden Angeboten bieten wir Studierenden einen bunt gedeckten Tisch mit Praktika auf dem Silbertablett.

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