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Praktikum bei der Konrad-Adenauer-Stiftung

Aufmerksam auf die Auslandsvertretungen der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) wurde ich durch einen Messestand der Stiftung auf dem ersten Deutschen Entwicklungstag 2013 in Berlin. Da ich in den vergangenen beiden Studienjahren sowie in meiner Masterarbeit zu verschiedenen Themen auf dem afrikanischen Kontinent gearbeitet habe, interessierte mich die Möglichkeit, ein Auslandspraktikum in einem ost- oder südafrikanischen Land aufzunehmen. Zudem hatte ich mir das Ziel gesetzt, nach der Abgabe meiner Masterarbeit weitere praktische Erfahrung in den verschiedensten Arbeitsbereichen eines angehenden Militärhistorikers und Analysten zu erlangen. Eine Bewerbung bei der KAS schien daher eine gute Gelegenheit. Bereits im vergangenen Mai nahm ich per E-Mail Kontakt zu den verschiedenen Auslandsbüros der KAS auf und bewarb mich für einen Praktikumsplatz mit einer Laufzeit von mindestens sechs Wochen zum frühesten Beginn ab dem 07. Oktober 2013. Nachdem ich von einigen Büros aufgrund kapazitiärer Engpässe eine Absage erhielt, wurde meine Bewerbung vom Auslandsbüro in Harare, Simbabwe, angenommen. Simbabwe galt dabei aus Sicht eines Militärhistorikers als gutes Praxisbeispiele, da die derzeitige simbabwische Armee in den 1980er Jahren durch die Integration von drei verschiedenen Streitkräften entstand und das heutige Peacekeeping Trainingscenter für die SADC-Region in Harare etabliert ist. Beide Punkte gehörten in der Vergangenheit zu den Schwerpunkten meiner Studienarbeit. Aufgrund der bestehenden Sicherheitsbedenken nach den Wahlen vom 31. Juli 2013 und den derzeit bestehenden vierwöchigen Beschränkungen hinsichtlich der Ausstellung von Business-VISA, konnte mit die KAS in Harare zunächst nur ein Praktikum von vier Wochen mit der Option auf Verlängerung anbieten. Durch das Praktikum erwartete ich Einblicke in die Arbeitswelt einer im Ausland arbeitenden politischen Organisation zu bekommen, die auf den Gebieten Politik, Wirtschaft und Kultur tätig ist. Ich erhoffte mir, mein eventuell stark europäisch geprägtes Afrikabild korrigieren und „Vorurteile“ revidieren zu können. Zudem rechnete ich damit, meine erworbenen Kenntnisse über afrikanische Sicherheitspolitik in der Praxis anwenden zu können und meinen Horizont durch weitere interessante afrikaspezifische Themen zu erweitern. Ausschlaggebend war für mich zudem, dass Simbabwe die Chance bot, meine vorhandenen englischen Sprachkenntnisse zu perfektionieren. Mit diesen Erwartungen begann ich am Montag, den 7. Oktober 2013, mein letztendlich elfwöchiges Studienpraktikum bei der Konrad-Adenauer-Stiftung in Harare. Die KAS besitzt die Aufgabe, ein generelles Demokratieverständnis und die dazugehörigen Parameter wie Meinungsfreiheit, Gleichberechtigung, Eigenverantwortlichkeit, Dezentralisierung und Berücksichtigung gesellschaftlicher Organisationen in anderen Ländern anzusprechen und vor Ort mit lokalen Ansprechpartnern zu fördern. Gleichzeitig ist es das Anliegen der Stiftung, die Lebensgrundlage und die politischen und wirtschaftlichen Perspektiven der örtlichen Bevölkerung durch die Bereitstellung des nötigen „know hows“ zu verbessern. Hierfür werden Workshops und Seminare angeboten sowie diverse Publikationen veröffentlicht, die Politikern, Investoren und Interessierten in Deutschland ein anderes Afrikabild vermitteln sollen, als jenes, das in den europäischen Medien gezeigt wird. Die Stiftung möchte somit als Kommunikationsvermittler zwischen deutschen und afrikanischen Akteuren fungieren. Behandelte Themen sind neben der generellen Demokratieförderung in Simbabwe vor allem auch eine Sensibilisierung für eine nachhaltige Landwi


Aufenthaltsdauer: 10/2013-12/2013

Praktikumsgeber: Konrad-Adenauer-Stiftung Simbabwe

Gastland: Simbabwe

Praktikumstätigkeiten

Mein erster Tag begann mit einem Vorstellungsgespräch bei meiner zukünftigen Ansprechperson, dem Leiter des Büros in Harare, Herrn Langen. Dieser erklärte mir im Anschluss die Aufgaben der Stiftung sowie einige grundlegende Verhaltensregeln im südlichen Afrika und in speziellen in Simbabwe. Dabei wurde schnell klar, dass meine Herangehensweise im Bezug auf sicherheitspolitische und militärische Fragen von einer europäischen Vorstellung geprägt und somit beinahe naiv waren. Zwar bestanden durchaus Möglichkeiten, Praxiserfahrung in meinem Arbeitsfeld zu erlangen, jedoch war dies durch die bestehenden Sicherheitsauflagen im Land und der restriktiven Politik gegenüber investigativ arbeitenden europäischen Organisationen sehr begrenzt. Während zum Beispiel allein die Kritik am Präsidenten strafbar ist, fällt eine neutrale Beobachtung des simbabwischen Sicherheitsapparates der Zensur zum Opfer, die so weit geht, dass selbst die staatlichen Zeitungen nur Schätzungen von der Größe der Armee und ihren Einsätzen geben. Herr Langen wies mich somit in die bisherigen Projekte der Stiftung ein und betraute mich mit einen zunächst scheinbar nicht sicherheitspolitischen Zugang zur simbabwischen Gesellschaft, der Nahrungsmittelproduktion, die zu einem meiner Hauptarbeitsgebiete in den kommenden Wochen werden sollte. Zu meinen ersten Tätigkeiten gehörte es, verschiedene in Harare ansässige NGOs zu kontaktieren und mehrseitige Artikel über ihre neuen, nachhaltigen Anbaumethoden zu schreiben, mit denen sie die Nahrungsmittelsituation im Land verbessern wollen. Obwohl Simbabwe in den 1970er und 1980er Jahren zur „Kornkammer“ des Kontinents zählte, sollen derzeit rund 2,2 Millionen Simbabwer unter Nahrungsmittelknappheit leiden. Weit verbreitet ist zudem eine Mangelernährung durch zu einseitige Kost ohne die lebenswichtigen Mineralstoffe. Obwohl die Nahrungsmittelproduktion somit augenscheinlich nichts mit der von mir angestrebten sicherheitsrelevanten Thematik zu tun hat und vielmehr ein sozioökonomischer Zugang zur Gesellschaft ist, stellte ich in meiner Recherche schnell das Gegenteil fest. Zum ersten ist der Zugang zur lokalen Bevölkerung über „unverdächtige“ Themen wie die Landwirtschaft erheblich einfacher, als über sicherheitsrelevante, da nur wenige Simbabwer bereit sind, in Gegenwart von Fremden offen über ihre politischen Ansichten zu sprechen. Zum zweiten wurde mir aufgezeigt, welche Bedeutung allein die Vergabe von Land als auch die Verteilung von Lebensmitteln und Saatgut für die Mobilisierung breiter Bevölkerungsschichten besitzt. De facto gehören der Zugang zu landwirtschaftlicher Nutzfläche und somit eine einigermaßen gesicherte Nahrungsquelle zu einem der stärksten politischen Druckmittel in Simbabwe, die regelmäßig von der regierenden Partei genutzt werden, um die ländliche Bevölkerung für ihre Politik zu mobilisieren. Dies geht soweit, dass der Besitz von landwirtschaftlichem Boden sowie die Verteilung von Lebensmitteln als „Waffe“ eingesetzt werden kann um politische Loyalität zu erzwingen. Eine Perspektive, die in der Arbeit aus Deutschland meist unterschätzt wird.  Ebenfalls wurde ich durch die Arbeit im landwirtschaftlichen Bereich damit konfrontiert, dass Religion einen viel größeren Schwerpunkt im Leben vieler Simbabwer und Afrikaner einnimmt, als dies in Europa oder Deutschland der Fall ist. Religiöse Gemeinschaften sind jedoch in höchstem Maße politisch aktiv und dienen als Plattform, um die untersten Gesellschaftsschichten mit Teils propagandistischen Ideen zu erreichen. Auch dies ist ein Themenfeld, das bei der politischen Analyse meist unterschätzt wird.  Neben den hieraus entstandenen Artikeln, durfte ich auch zu „echten“ sicherheitspolitischen Themen arbeiten. Beispielsweise fertigte ich ein kurzes Dossier über die Piraterie vor der Küste Somalias und dem Golf von Guinea an oder analysierte die Stellung der Afrikanischen Union zur Reform des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen. Aufgrund meiner studentischen Recherche und meiner seit Jahren privat angelegten Notizen, knüpfte diese Aufgabe nahtlos an die während meines Studiums erlernten Inhalte an.  Aufgrund der sich verschlechternden Sicherheitslage im Nachbarland Mosambik, dessen Instabilität sich auch massiv auf Simbabwes Wirtschaft auswirken kann, wurde ich beauftragt, eine Analyse über den derzeitigen Konflikt in Mosambik zwischen der Regierungs- und der größten Oppositionspartei zu schreiben und mögliche Auswirkungen auf die lokale und regionale Wirtschaft aufzuzeigen. Da Simbabwe von den Treibstofflieferungen vom mosambikanischen Hafen Beira abhängig ist, gab mir dieses Thema auch einen Einblick, wie interessiert die lokale Bevölkerung an internationalen sicherheitspolitischen Ereignissen ist. Die Aussichten, dass ein zunehmender Konflikt im Nachbarland die Preise in Simbabwe ansteigen lassen könnte, gehörte zu einem der grundlegenden Diskussionsthemen in der lokalen Gesellschaft. Am umfassendsten war dagegen meine hausarbeitsähnliche Übersicht über den Aufstieg und Fall afrikanischer Könige. Hierbei nahm ich nicht nur historische Fälle, wie die verschiedenen Militärputsche Nordafrikas in den Fokus, die zum Ende der dortigen Monarchien führten, sondern auch aktuelle tagespolitische Ereignisse, die meinen Horizont von afrikanischer Machtverteilung deutlich erweiterten. Zwar ist bekannt, dass in vielen afrikanischen Nationen der Machtbereich der Zentralregierung meist auf die Hauptstadt und die größten Wirtschaftszentren beschränkt ist, wie groß der Einfluss lokaler Machthaber im Bezug auf die Verteilung von Ländereien oder bei der Schlichtung regionaler Konflikte ist, wird in europäischem Kontext kaum wahrgenommen. Da traditionelle Herrscher zudem von Politikern zur Mobilisierung der Massen genutzt werden und demnach große Bevölkerungsteile manipulieren können, ist dies eine Thematik gewesen, die aus sicherheitspolitischer Sicht sehr interessant war. Daneben verfasste und übersetzte ich diverse Artikel über lokale und regionale Begebenheiten. Hierunter fiel beispielsweise ein Text über die in Windhoek, Namibia, vor dem Parlamentsgebäude aufgestellten Statuen der nationalen Gründungsväter oder verschiedene afrikanische Innovationen im Bereich Telekommunikation und Internet, zu denen ich eine tiefergehende Recherche anstellte.  Ein weiterer Arbeitsbereich war die Transkription von Interviews. Beispielsweise durfte ich ein ca. einstündiges Interview mit einer simbabwischen Radiomoderatorin analysieren und anschließend zusammenfassen. Die simbabwische Moderatorin, die eine angeborene Behinderung besitzt, kämpft in Simbabwe für Gleichberechtigung und Anerkennung für Behinderte und Frauen. Zusätzlich wurde ich in die Gestaltung verschiedener Workshops eingespannt. Am ehesten in Erinnerung bleiben wird mir eine zweitätige Veranstaltung mit jugendlichen Simbabwern, auf dem generelle Prinzipien wie Selbstsicherheit, Selbstdisziplinierung, Organisation und kreatives Denken vermittelt wurden. Auf diesem Workshop hielt ich nicht nur einige einleitende Worte über das Leben Konrad Adenauers und die Ziele der Stiftung, sondern wurde aktiv in die Diskussion einbezogen, die politische und wirtschaftliche Situation in Europa und Deutschland näher zu beschreiben. Durch die Zusammenarbeit mit den Jugendlichen Simbabwern wurde mir klar, dass diese ein ähnlich verzehrtes Bild von Europa besitzen, wie wir Europäer von Afrika. Dass in den Mittelmeerländern Griechenland, Spanien oder Portugal eine Jugendarbeitslosigkeit von über 40 Prozent vorliegt und in Berlin Obdachlose und Bettler leben, ist hier nur schwer vorstellbar. Ich fungierte dementsprechend in einer aufklärerischen Rolle, um das Bild des reichen, weißen Europäers und seinem Mercedes Benz zu korrigieren. Neben diesen offiziellen Praktikumsaufgaben, konnte ich durch meine Kurzreisen durch Simbabwe und die angrenzenden Staaten wertvolle Einblicke in die simbabwische und „afrikanische“ Kultur und Mentalität gewinnen. Trotz der dauerhaft negativen Presse durch die europäischen und vor allem britischen Medien, werden Ausländer in Simbabwe überwiegend mit einer Herzlichkeit begrüßt, die in Europa Ihresgleichen sucht. Während Harare aufgrund seiner vielen europäischen Einkaufläden und der unzähligen Mercedes Automobile der verschiedensten Varianten wenig mit der klassischen Tourismusvorstellung von Afrika zu tun hat, sind die Fahrten in die Peripherie jedes Mal ein Erlebnis für sich gewesen. Neben der Freundlichkeit der lokalen Bevölkerung fallen zudem ihre Organisation, ihr Arbeitseifer sowie ihre stetig vorhandenen Lösungsansätze für alle möglichen auftretenden Probleme auf. Im Gegensatz zu der in der Presse vorherrschenden Meinung, ist Simbabwe zudem derzeit sicherer, als das Nachbarland Südafrika, da man sich als weißer Tourist selbst in der hektischen Großstadt Harare tagsüber Problemlos zu Fuß bewegen und auch „High-Density Areas“ [Townships] zugänglicher sind, als in den Nachbarstaaten.

 

Aufenthaltsdauer: 10/2013-12/2013

Praktikumsgeber: Konrad-Adenauer-Stiftung Simbabwe

Gastland: Simbabwe


Resumée

Schließlich half ich bei der Dokumentation von Workshops und Weiterführung der Interviewreihe „KAS Election bridge“. In der Serie „Election bridge“, geben Wahlkampfexperten aus der Bundesrepublik und Afrika in internetgerechten und kurzen Interviews Auskunft über den Stand der Dinge. Sie berichten z.B. über verschiedenen Wahlkampfstrategien oder neue Techniken, die angewendet werden. Für die Interviewserie fertigte ich einen Beitrag mit einem SA-SA-Teilnehmer aus der Demokratischen-Republik-Kongo an, der über die Herausforderungen und Schwierigkeiten Auskunft gibt, mit denen ein Wahlkämpfer im Kongo zu kämpfen hat.

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