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Moses Philipson

auch: Moses Alexander Philipson (1. Namensänderung um 1786), Johann Jacob Martin Philippi (2. Namensänderung 9.8.1816)

(20. November 1761 Altona – 29. Juli 1850 Elberfel), Direktor der Meyer‘schen Schulstiftungen, Buchhalter im “Fideicommisscomtoir” des Bankhauses seines Onkels Meyer Michael David, Dr. phil. h.c., kgl. preuß. Hofrat am Steuerdirektorium in Köln

Quelle: Jüdisches Museum Berlin

Biographie

von Reinhard Philippi

Kindheit

1761 in Altona geboren, wächst Moses ohne Mutter auf, die bei seiner Geburt stirbt. Erst um 1769 heiratet sein Vater erneut. Angesichts der bei seiner Geburt gerade acht Jahre zurückliegenden Ereignisse der angestrebten Konversion seines Vaters und dessen Neubeginn in Altona wird er keinen engeren Kontakt zur großen Familie gehabt haben. Als er vier Jahre alt ist, stirbt auch das Familienoberhaupt, sein Großvater Alexander in Braunschweig.

Schulzeit

Moses absolviert als erster jüdischer Schüler mit Erfolg die oberen Klassen und die fortführende Selekta der königlichen Gelehrtenschule in Altona, des Christianeums, das von den Aufklärern Paul Christian Henrici und Johann Jacob Dusch geleitet wird.

Von 1778, als Josephus Michael Israel, der erste jüdische Schüler des Christianeums, in die Sekunda aufgenommen wird, bis 1815, besuchen 110 Juden die Altonaer Gelehrtenschule, 16 von ihnen die Selekta, darunter Napthali Herz Wessely, der Bruder des Lessing-Freundes Moses Wessely, Salomon Maimon und Salomon Ludwig Steinheim.

Diese im alten Reich einzigartige Öffnung einer staatlichen Schule nicht nur für Angehörige anderer christlicher Konfessionen als der lutherischen, sondern auch einer anderswo bedrängten und schikanierten Religion ist nur in Altona möglich, der Freistatt des Glaubens und der Gewerbe, in der den Minderheiten größere Rechte und Entfaltungsmöglichkeiten gewährt werden als in vielen anderen Territorien – und als im nahen Hamburg! Im Zeichen der Aufklärung entsteht hier eine spezifische Atmosphäre christlich-jüdischer Zusammenarbeit, die sich nicht nur in der Schülerschaft des Christianeums spiegelt, sondern auch im von allen Konfessionen mitgetragenen Altonaischen Unterstützungs-Institut von 1799. Moses besucht das Christianeum von 1779 bis 1784. Dieses, gegründet 1738, ist ein altsprachliches staatliches Gymnasium und seit 1744 nach dem dänischen König Christian VI. benannt, der in Personalunion auch Herzog von Holstein und damit Landesherr der Stadt Altona ist. Während seiner Zeit am Christianeum findet er engen Kontakt zu dessen Direktor Paul Christian Henrici und zu dessen Subrektor, dem Sprachforscher Lebrecht Heinrich Samuel Jehne, der Moses ein überaus positives Abgangszeugnis erteilt.

Die Schule besteht aus einer Vorbereitungsschule unter der Aufsicht des Direktors für studierwillige Knaben, in der neben Schreiben, Rechnen und dem Katechismus auch das Lateinische gelehrt wird, einem Paedagogium ab dem 12. Lebensjahr mit Kursunterricht, u.a. auch in Geschichte, Geographie, Mathematik und zur Redekunst, und einem Gymnasium Academicum mit Vorlesungen zur Theologie und Philosophie sowie zur Rechtswissenschaft und Medizin. Nach dem Tod Christians VI. 1746 erhält das akademische Gymnasium eine Neuordnung in seiner Abtrennung vom Paedagogium; ihm werden fünf Professoren zugewiesen, die sich jährlich im Direktorat abwechselten. Die Anstalt sollte auf Wunsch des dänischen Königs zur Universität für die deutschen Untertanen ausgebaut werden.

Zudem erhält sie einige Rechte, vor allem die „jurisdictio civilis et ecclesiastica“ (eine Vorform bürgerlichen Rechts) über die Studierenden, die Lehrer, Bediensteten und deren Familien sowie die Kriminalgerichtsbarkeit, die allerdings Sachen auf „Haut und Hals“ ausschließt. Dem Kollegium steht auch das Recht der Zensur von in Altona erscheinenden Büchern und Schriften zu. Eine besondere Auszeichnung des dänischen Königs besteht zudem in der Verleihung eines eigenen Siegels. Im Zuge der von Johann Friedrich Struensee ab 1770 in Dänemark eingeführten Reformen fielen die Zensurbefugnis und einige Privilegien der Professoren weg, z.B. die Befreiung von Steuern. Mit dem Gottorpschen Erbvertrag 1773 und der damit verbundenen Angliederung der Universität Kiel verliert das Gymnasium seine herausragende Stellung als bedeutendste dänische Bildungsanstalt auf deutschem Territorium. Ab 1773 werden Paedagogium und Gymnasium Academicum daraufhin erneut vereint zu einem Gymnasium mit den Klassen Tertia, Secunda, Prima und einer universitären Selecta; die Vorbereitungsschule besteht weiter.

Quelle: Jüdisches Museum Berlin
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Berufliche Laufbahn

Noch 1784, in seinem Abschlussjahr auf dem Christianeum, geht Moses als Buchhalter und Geschäftsführer in das “Fideicommisscomtoir” des Bankhauses seines Onkels Meyer Michael David nach Hannover; dort wird er für 28 Jahre bleiben. In diese Zeit fällt (ca. 1786) auch die 1. Namensänderung: Moses Alexander David nennt sich fortan Moses Alexander Philipson (Philippsohn) – Sohn des Philipp.

Wo Moses ein Studium – außer der Selecta am Christianeum – absolviert, wissen wir nicht; ebenso wenig, wo um 1802 er seinen Ehrendoktortitel Dr. phil. h.c. erworben hat.

Durch familiären Kontakt lernt er seine Frau Marianne Wertheimer, eine Tochter des Samuel Wertheimer aus Hamburg und dessen Ehefrau Bella/Bejle Michael David kennen. Diese ist die Enkelin von Michael David, seinem „Chef“ als Leiter der Meyer‘schen Schulstiftungen und gleichzeitig Onkel. Mit ihm gemeinsam lässt sich Moses Alexander 1801 taufen.

In der Schule, die sein Großonkel und Schwiegergroßvater Meyer Michael David gegründet hat und die nun vom seinem Vetter und direkten Vetter seiner Frau geführt wird, hat er eine tragende Rolle.

Von Anfang an ist Moses Alexander in die Verwaltung der Meyer‘schen Schulstiftungen eingebunden und gehalten, selbst dort zu unterrichten. Er beherrscht mehrere Sprachen: Französisch, Englisch, Italienisch und Latein und ist der pädagogische und der Personal-Direktor. Laut Meyers Testament und den Statuten von 1794 des Erziehungsinstituts armer Kinder ist er zuständig „für die Verfertigung der Vorschriften und dass er die Kinder einige Male in der Woche im Schreiben und Französischem examiniert, auch mit dem Willen meiner Erben die Lehrer annimmt und abschafft und mit ihnen den Gehalt accordiert, sollte er jährlich 100 fl. erhalten“.

Moses‘ Augenmerk liegt besonders auch auf der deutsch-sprachlichen Ausbildung. Nur durch diese, das ist seine Überzeugung, wird die jüdische Emanzipation gelingen. Er ist nicht nur der Buchhalter und Geschäftsführer des Bank- und Handelshauses Meyer Michael David in Hannover, sondern auch ein jüdischer Gelehrter und Forscher: Am politischen und philosophischen Diskurs der Maskilim beteiligt er sich ebenso wie an der allgemeinen Aufklärung. Das zeigt seine publizistische Tätigkeit seit 1786 mit einer Biographie Spinozas und einem Gutachten Über die Verbesserung des Judeneids. Den Auftrag hierzu bekommt er 1792. Moses schreibt im Vorwort:

„Auch an mich erging (im Jahre 1792) die Aufforderung, meine Meinung dem allgemein verehrten Kollegium vorzulegen. Ich mußte diesem ehrenvollen Vertrauen meiner hohen Obrigkeit zu meinem Charakter und meinen geringen Kräften, durch Fleiß und Redlichkeit in der Ausarbeitung meines Gutachtens zu entsprechen suchen. So entstand der Haupttheil dieser kleinen Schrift. Später schien es mir, es würde nicht ohne Nutzen seyn, wenn ich dem, der Königlichen Justizkanzley übergebenen Aufsatze, durch den Druck ein größeres Publikum versschaffte“. (S. 8-9) Das Buch erscheint 1797 beim Hofbuchhändler Salomo Michaelis in Neustrelitz. Anders als die Hauptvertreter der Judenemanzipation aus Berlin, Moses Mendelssohn (1729–1786) und David Friedländer (1750–1834; dessen Enkelin Marie Erika Amalia Friedländer wird Moses‘ Schwiegertochter), die für eine Säkularisierung, also Trennung von religiösem und weltlichem Leben, und Öffnung in die christliche Mehrheitsgesellschaft durch Herstellung persönlicher wie institutioneller Kontakte und Heranführung der Christen an jüdische Glaubenslehren einsetzen, geht er den Weg der Emanzipation über die Konversion zum christlichen Glauben. Das ist nicht nur ein Wechsel der Religion, sondern auch ein sozialer Abschied und Neubeginn. Denn nicht nur durch seine Abstammung gehört er der jüdischen Führungselite Nordwestdeutschlands an, er hat auch engen Kontakt durch Bekannt- und Freundschaften zu diesen Kreisen – dies beweisen seine im Stammbuch dokumentierten Personen, u. a. Isaac Abraham Euchel, Moses Wessely, Israel Stieglitz (Dr. Johann Stieglitz, 1767–1840, geboren als Sohn eines Schutzjuden in Arolsen besucht Israel Stieglitz das Gymnasium in Gotha, studiert zuerst Philosophie in Berlin und ab 1786 Medizin in Göttingen und lebt ab 1789 als Arzt in Hannover. Seit seiner Studienzeit in Göttingen ist er mit Wilhelm von Humboldt befreundet. Im Jahre 1800 läßt er sich – wie viele andere Juden zu dieser Zeit – lutherisch taufen und heißt seitdem Johann (auch Johannes) Stieglitz. Er wird 1802 Hofmedikus, 1806 erster Leibmedikus, 1820 Hofrat und schließlich 1832 Obermedizinalrat und Direktor des Obermedizinalkollegiums in Hannover, eine bürgerliche Karriere, die ihm ohne christliche Taufe nicht möglich gewesen wäre. Er ist verheiratet mit Jeanette Sophie Ephraim (1764–1843)), etc.

Konversion

Moses hat sich schon länger mit den Lehren des Christentums auseinander gesetzt. Auslösendes Moment zur Konversion sind wohl weniger obrigkeitliche Repressionen. Vielmehr wird er schon durch die Erlebnisse in seinem Elternhaus von den Gedanken der Aufklärung sehr beeinflusst und vollzog die Konversion, die sein Vater 1751 schon beantragt, aufgrund familiärer Auseinandersetzungen aber wieder zurückgezogen hatte. So lässt sich Moses am 23.4.1801 in Stolzenau auf den Namen Johann Jacob Martin Philippson taufen.

Ernsthafte religiöse Überzeugungen sind wohl der Auslöser: August Ludwig Hoppenstedt, der Superintendent in Stolzenau, bezeichnet ihn in seinem Bericht an das Konsistorium als einen “würdigen Mann”, den er als “einsichtsvollen (und) gewissenhaften Forscher verehre“.

Im April 1801 beschließt Hoppenstedt seinen Bericht über die Taufe zweier jüdischer Familien aus Hannover mit den Worten: “Für mich aber wird in solcher Hinsicht die ganze Angelegenheit, die auf vielfache Weise und eine [...] geraume Zeit mich beschäftiget hat, eben so unvergeßlich seyn als die Personen selbst mir im Andenken bleiben werden, die ich zum Theil von höchst schätzbarer Art in dem ganzen Geschäft der Vorbereitung wie des abgelegten Bekenntnisses selbst habe kennengelernt”.

Herzensergüsse pietistischer Prägung sind dem Stolzenauer Superintendenten auch in diesem Zusammenhang fremd. Er ist ein Kind der Aufklärung und sieht die Konversion von Moses folgerichtig als das Resultat intensiver Forschung im Sinne einer theologischen Wahrheitssuche.

Seine beiden zu der Zeit lebenden, in Hannover geborenen Kinder werden gleichfalls 1801 in Stolzenau getauft.

Franzosenzeit und Militärdienst

Kurz nach der Konversion beginnt eine schwere Zeit. Das eng an England gebundene Kurhannover ist in den napoleonischen Kriegen einmal mehr als englisches Festlandspfand isoliert.

Sicherlich hat die Familie mit nun drei kleinen Kindern unter den Umständen, besonders den Einquartierungen, sehr zu leiden. Andererseits scheinen die Kontributionszahlungen für die Bank auch ein umfangreiches Geschäft zu bedeuten, da der Stadt die Zahlungen finanziert werden. An den Schulden hat die Stadt bis weit in die 50er Jahre zu tragen.

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Moses lässt sich 1811 in einem Ölgemälde portraitieren, was sicherlich nicht bei darbenden Haushaltsumständen möglich gewesen wäre. Aber noch im selben Jahr bricht das Bankhaus zusammen, die Gläubiger können wegen der Kriegslasten nicht zahlen und Cousin Elias wird von seinen Schuldnern in die Enge getrieben. Lediglich die Schulstiftung ist nicht davon betroffen, sie hat ein eigenes Stiftungsvermögen. Martin wohnt in der Freischule auf der Langen Straße in der Neustadt. Im Dezember 1813 nimmt er die Familie seines jüngeren Bruders Ludwig Alexander auf, die während der Besetzung Hamburgs nach Hannover flieht.

Während dieser Zeit des Umbruchs geht er selbst zu Militär, wahrscheinlich zur königlich Deutschen Legion (Königlich Großbrittanisch-Deutsche Legion).

Die Franzosen verlassen erst 1813 nach der Niederlage in der Völkerschlacht bei Leipzig die Stadt und am 4. November kann Ernst-August, Herzog von Cumberland, für seinen Vater, König Georg III., Stadt und Fürstentum wieder in Besitz nehmen. Jetzt werden Truppen zum Schutz der Stadt vor versprengten französischen Soldaten, die auch noch bei Mölln stand, herangezogen. Hier könnte Martin dabei gewesen sein – leider gibt es keinerlei Aufzeichnungen hierüber.

Berufliche Laufbahn nach der Konversion

Nach der Konversion gelingt Martin mit seinem Eintritt in den preußischen Staatsdienst eine grundlegende Neuorientierung. Im Frühjahr 1814 zieht die Familie zunächst nach Berlin.

Sicher aufgrund seiner langjährigen Erfahrung als Geschäftsführer und Finanzexperte, unterstützt durch seine Veröffentlichungen und Zusammenarbeit mit Behörden – wie mit der Hanoverschen Justitzkanzlei während seines Gutachtens über den Judeneid 1794 – wird er preußischer Beamter bei der Finanz- und Rechnungskammer.

Im am 7. September 1812 geschriebenen Vorbericht in seinen Briefen über das kaufmännische Rechnungswesen teilt er mit, »daß ich acht und zwanzig Jahre lang die Handlungs-Bücher eines sehr bedeutenden Hauses geführt und daher auch manche Erfahrung eingesammelt haben könne«.

Preußen braucht besonders im Westen, in den Rheinprovinzen neue Staatsdiener. So wird Martin 1816 zum neugeschaffenen Provinzial-Steuerdirektorium nach Köln gerufen. In diesem Zusammenhang nimmt er eine weitere Namensänderung (9.8.1816) vor und nennt sich fortan „Philippi“.

Die Provinz Jülich-Kleve-Berg ist eine der zehn Provinzen des Staates Preußen, die nach dem Wiener Kongress 1815 mit der „Verordnung wegen verbesserter Einrichtung der Provinzialbehörden“ vom 30. April 1815 gebildet wird. Die Provinz umfasst nicht nur die schon vorher in preußischem Besitz befindlichen Gebiete, das Herzogtum Kleve, Teile des ehemaligen Herzogtums Geldern und das Fürstentum Moers, sondern auch die nach 1803 an Preußen gelangten rheinischen Gebiete, die Herzogtümer Jülich und Berg, das Kurfürstentum Köln und die Stadt Köln sowie kleinere Herrschaften.

Das Oberpräsidium der Provinz Jülich-Kleve-Berg (Provinzialregierung) hat seinen Sitz in Köln. Sie wird in die drei Regierungsbezirke Düsseldorf, Kleve und Köln gegliedert, deren Verwaltungen zum April 1816 ihre Tätigkeit aufnehmen.

1821 wird Martin 60jährig in dieser Stellung pensioniert und zieht nach Poppelsdorf, wo er von seiner Tochter Maria versorgt wird. Auf der Grundlage seiner Arbeit wird schließlich 1824 die “Provinzialsteuerdirektion Köln“ für die Rheinprovinz errichtet mit einem Provinzialsteuerdirektor an der Spitze. Sie ist für Indirekte Steuern, Zoll und Verbrauchssteuer zuständig.

In seinen späten Jahren veröffentlicht er noch eine fachbezogene Gesetzessammlung: Sammlung sämmtlicher neuer preußischer Gesetze über die indirekten Steuern.

1833 werden in Posen (dort wohnen 2/5 der jüdischen Bevölkerung Preußens) in der Vorläufigen Verordnung die Juden in die Klasse der naturalisierten Einwohner und in solche eingeteilt, „welche sich zur Erlangung der der gedachten naturalisierten Klasse verliehenen Rechte noch nicht eignen“. Obgleich dieses Martin als Konvertierten nicht mehr betrifft, so ist es für ihn doch die Bestätigung seines Schrittes von 1801, ohne den er, ob von ihm vorhergesehen oder nicht, keine gesellschaftliche Anerkennung gefunden hätte.

Mit 89 Jahren stirbt Martin in Elberfeld am 29.7.1850 und ist dort auf dem lutherischen Friedhof begraben.

Philipsohns Lessing-Kantate

Auf Anregung des Theaterintendanten Großmann verfasst Moses den Text einer Kantate auf Lessings Tod. Nachdem sich Großmann wegen einer Kantate zu Ehren Lessings vergeblich nicht nur an Eschenburg und Heusinger, sondern auch an Christian Adolf Overbeck in Lübeck und Johann Jacob Engel in Berlin gewandt hat, gewann er einen „hiesigen“«, also hannoveraner Freund als Verfasser. Sein Musikdirektor Weber schuf zwar die entsprechende Komposition, jedoch nicht den Text. Diesen verdankte Großmann vielmehr nach Berend Kordes' „Lexikon der jetzt lebenden schleswig-holsteinischen und eutinischen Schriftsteller“ aus dem Jahre 1797 dem als Buchhalter am Fideicommißcomtoir in Hannover tätigen Moses Alexander Philipson, der für Großmanns Bühne schon Übersetzungen aus dem Englischen und Italienischen geliefert hat .

Mit seiner Kantate schafft Moses gewiß kein Werk von hohem literarischem Rang. Guhrauer, der freilich über den Autor nichts wußte, urteilt sogar, daß die „Arbeit unter der Mittelmäßigkeit blieb“: „Es ist eine kahle Nachahmung der Klopstockschen Manier mit Einmischung (sogenannter) deutscher Mythologie“. Doch darf das Werk nicht allein mit solchen Kriterien gemessen werden, ist es doch in erster Linie Ausdruck der großen Zuneigung Moses zu Lessing und seinem Werk. So lässt er den „Schutzgeist Deutschlands“ sagen:

 „Der Barden Chor erlosch nicht ganz mit ihm; // Noch leben würd'ge Sänger, Lehrer, Weise // Im Volke Tuiskos. // Germaniens Beherrscher // Verehren Weisheit, // Dem Verdienste lohnt ihr Beyfall. // Die Wahrheit darf sich ohne Hülle, // Und dreisten Schrittes ihnen nah'n. Germanien wirds nie an guten Fürsten // An Weisen nie gebrechen. // Doch bleibe euch // Stets sein Gedächtnis heilig. // Bedauert ewig den Verlust des Weisen, Verbreitet seine Lehren.“

Bibliographie

zusammengestellt von Reinhard Philippi

  • 1786 verfaßt er eine kleine Schrift zur Auseinandersetzung zwischen Mendelssohn und Jacobi (Quelle: Wolfenbütteler Studien zur Aufklärung, Lessing-Akademie 1976 S. 279)
  • 1788 - 89 folgen namentlich gekennzeichnete Beiträge in Friedrich Burchard Benekens „Jahrbuch für die Menschheit oder Beyträge zur Beförderung häuslicher Erziehung, häuslicher Glückseligkeit und praktischer Menschenkenntnis“, Hannover 1788-91 4 Jge.
  • Philipson, Moses: Leben Benedikt's von Spinosa. Braunschweig: Verlag der Schulbuchhandlung, 1790.
  • Philipson, Moses: einer Kantate auf Lessings Tod, in: Lessings Denkmal: Eine vaterländische Geschichte dem deutschen Publikum zur Urkunde vorgelegt von Gustav Friedrich Wilhelm Grossmann, Hannover: W. Pockwitz, 1791; Reprint: Georg Olms Verlag, 1997
  • Philipson, Moses: Über die Verbesserung des Judeneids. Neustrelitz: Michaelis, 1797.
  • Philipson, Johann Jacob Martin: Briefe über das kaufmännische Rechnungswesen. Hannover: Hahn, 1813.
  • Philippi, Johann Jakob Martin: Sammlung sämmtlicher neuer preußischer Gesetze über die indirekten Steuern. Köln: Bachem, 1830.
  • Philippi, Johann Jakob Martin: Nachtrag zur Sammlung sämtlicher neuerer preußischen Gesetze über die indirecten Steuern umfassend alle Abänderungen, welche solche, nach dem Erscheinen des ersten, von demselben Verfasser im Jahr 1830 herausgegebenen Werkes bis zum 30. April 1836, besonders durch Verträge mit Nachbar-Staaten, erlitten haben, nebst erläuternden Anmerkungen, Erklärungen, Rückweisungen und Beilagen. Köln: Bachem, 1836.

Zitierhinweis:

Reinhard Philippi: Moses Philipsohn. Biographie und Bibliographie (Version II, 2017), in: haskala.net. Das online-Lexikon zur jüdischen Aufklärung / hg. von Christoph Schulte, URL<>, letzter Zugriff [Datum, Uhrzeit].