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[Anmerkungen] [Bibliographie] [Zitierhinweis]

Moses Hirschel – משה הירשל

ab 1803 Christian Moritz Herschel

(1754 Breslau – ?), Kaufmann, Schachlehrer, Schriftsteller

Biographie

von Gerda Heinrich

Die biographische Überlieferung zu Hirschel ist spärlich; und nicht einmal die wenigen gesicherten Details sind in den einschlägigen Lexika verzeichnet.

Moses Hirschel wurde 1754 als Sohn eines Gewehrlieferanten in Breslau geboren. Zum Rabbiner bestimmt, erhielt er eine talmudische Ausbildung, wandte sich aber früh dem Ideengut der europäischen Aufklärung zu, deren philosophische Anschauungen er sich, wie die Mehrzahl der Maskilim, als Autodidakt aneignete. Nach kurzer Tätigkeit als Handlungsgehilfe unternahm er mehrere Reisen, die ihn u.a. nach Berlin und Holland führten. Einige Jahre schlug er sich als Hofmeister durch. Ab 1773 war Hirschel wieder als Privatgelehrter und Publizist in seiner Heimatstadt ansässig. Er lebte vom Unterricht im Schachspiel, als Antiquar und von seiner literarischen Produktion in dürftigen finanziellen Verhältnissen.[i] Anfang 1791 bewarb er sich um ein Lehramt an der von aufklärerisch-reformerischen Gemeindemitgliedern mit Unterstützung der preußischen Obrigkeit gerade gegründeten Wilhelmsschule für jüdische Kinder. Sein selbstbewußtes Einstellungsgesuch an den schlesischen Provinzialminister Karl Georg Heinrich von Hoym verweist in zutreffender Charakteristik auf seine vielseitige Bildung und seine "scientivischen" Neigungen, die ihn für eine merkantile Laufbahn verdürben, sowie auf seine spezifische Eignung für eine Anstellung an dieser reformpädagogischen Institution, "deren Lehrer nichts weniger als Orthodoxe sein können, sein müssen."[ii] Das Gesuch wurde vom zuständigen Direktionskolleg abgewiesen[iii], u.a. mit Rücksicht auf das Gros der traditionsgebundenen Juden und um bestehende innergemeindliche Spannungen nicht noch zu schüren. Schwer vereinbar mit einer Anstellung im öffentlichen Erziehungswesen dürfte freilich schon Hirschels ausgeprägter Unabhängigkeitsdrang, der Mangel an "Subordination" gewesen sein. 1796 gründete er gemeinsam mit dem Breslauer Kaufmann Sessa eine als "Commißions-Expedition" fungierende Handelsfirma, der er nach der Trennung von seinem Kompagnon ab Anfang 1801 allein vorstand.[iv]

Zeitgeschichtlich signifikant für den seit Ende der 1780er Jahre verschärften Konflikt zwischen jüdisch-aufklärerischem Emanzipationsstreben und staatlicher Assimilationspolitik ist die Vorgeschichte von Hirschels Konversion. Im Kontext der durch David Friedländers Sendschreiben[v] ausgelösten Konversionsdebatte ersuchte Hirschel in einer Supplik vom 1. Juli 1799 an die Königliche Kammer in Breslau darum, sich öffentlich vom Judentum lossagen zu dürfen, ohne zum Christentum übertreten zu müssen.[vi] Die Gründe dafür lagen nicht nur im weltanschaulichen Dissens mit der mehrheitlich traditionsorientierten jüdischen Gemeinde, sondern betrafen auch anhaltende Querelen zwischen Hirschel und den Gemeindeältesten um die Repartition der Abgaben, wobei Hirschel sogar die christliche Obrigkeit einschaltete, um sich der jüdischen Jurisdiktion zu entziehen.[vii] Sein Bemühen galt einerseits einer seiner geistigen Unabhängigkeit entsprechenden selbstbestimmten, von der Bevormundung durch jegliche religiöse Instanzen freien Existenz; verstand er sich doch als Verfechter einer universalen Vernunftreligion, die keiner konfessionellen Zuordnung bedurfte.[viii] Andererseits hoffte er dem gedrückten sozialen Status als Jude zu entrinnen. Hirschel berief sich in konsequenter Anwendung des aufklärerischen Postulats der Trennung von Kirche und Staat auf das Allgemeine Landrecht für die Preußischen Staaten, das ihm freie Entscheidung in Glaubensfragen verbürge und somit auch Schutz gegen fernere Beeinträchtigung staatsbürgerlicher Rechte als Jude gewährleiste.[ix] In einer vom christlichen Staatskirchenprinzip dominierten Gesellschaft indes war ihm solch autonome individuelle Position nicht vergönnt. Unmißverständlich wies ihn die staatliche Obrigkeit darauf hin, daß das Landrecht nur die Gewissensfreiheit garantiere, der preußische Staat hingegen allein jenen Mitbürgern völlige Gleichberechtigung zugestehen könne, die sich offiziell zu einer der drei herrschenden christlichen Religionsgemeinschaften bekennen.[x] Solange der Supplikant diesen Schritt nicht vollziehe, bleibe er Mitglied der jüdischen Gemeinde und allen deren Lasten und Einschränkungen unterworfen. Deshalb trat Hirschel 1803[xi](nicht 1804, wie einige Quellen irrtümlich angeben[xii]) als Christian Moritz Herschel zum Katholizismus über, obwohl er dessen klerikalen Herrschaftspraktiken nicht minder kritisch gegenüberstand als vermeintlichen oder tatsächlichen Auswüchsen in der eigenen Glaubensgemeinschaft.[xiii] Nach der Konversion verliert sich seine Lebensspur.

Hirschels intellektuelles Profil ist nicht denkbar ohne das widerspruchsvolle geistig kulturelle Milieu der Breslauer Gemeinde, in der sich, wie andernorts auch, schon seit der Mitte des 18. Jahrhunderts eine soziale und weltanschauliche Differenzierung vollzogen hatte, die zur Polarisierung in ein Zentrum der Haskala einerseits und einen Hort der Orthodoxie andererseits führte. Die damit verbundenen Spannungen eskalierten in den 1790er Jahren in erbitterten Auseinandersetzungen zwischen der traditionsbewußten Majorität der Gemeinde und einigen jüdischen Reformern sowie der preußischen Administration um profane Lehrinhalte, freisinnige Lehrer und liberale Erziehungsmethoden an der Breslauer Wilhelmsschule und um die Frühbeerdigung.[xiv]

Ende der 1780er bis Mitte der 1790er Jahren arbeitete Hirschel eng mit dem schlesischen Arzt und Zeitschriftenherausgeber Johann Joseph Kausch (1751-1825) zusammen. Das zentrale Thema seiner frühen Schriften bildet die aus aufklärerischen Grundsätzen gespeiste und mit voltairianischer Schärfe[xv] betriebene radikale Kritik an den Anmaßungen der institutionalisierten Religion und der Reglementierung der Individuen, die sich alternativ als Forderung nach Toleranz, Denk- und Meinungsfreiheit und uneingeschränkter Entscheidungsmöglichkeit des Einzelnen in konfessionellen Belangen artikuliert. Problematische Züge birgt die Vehemenz, mit der er sich vor allem von der eigenen Überlieferung distanziert. Eine euphemistische Sicht auf die christliche Umwelt[xvi] ist in oft fataler Weise mit hyperkritischem Blick auf die jüdische Glaubensgemeinschaft verknüpft. Diese Kritik nimmt mitunter sogar pasquillantische[xvii] und denunziatorische Züge an. Derbe Schmähworte findet Hirschel für die Repräsentanten der frommen Judenschaft, die als Inkarnation "jüdischer Despotie" und "hierarchischer Macht", als Inbegriff von Fanatismus und inquisitorischem Verfolgungsgeist erscheinen.[xviii] Mit unerbittlichem Verdikt belegt er die talmudisch rabbinische Tradition und ihre Gelehrten, die "das göttliche Geschenk die Vernunft" durch Aberglauben und Barbarei verdunkeln.[xix] Nachgerade brisant in einer Zeit rigoroser obrigkeitlicher Eingriffe in die Gemeindeautonomie ist Hirschels Anknüpfen an antijudaische Stereotype wie das vom "Staat im Staate"[xx] sogar in offiziösen amtlichen Gesuchen, in denen es auch, wie in der Schrift Jüdische Intoleranz und Fanatismusin Breslau (1789), um die Durchsetzung eigener materieller Interessen gegen die Gemeinde geht.[xxi] Der spektakulär pamphletistische Ton ist in späteren Schriften gemildert. Philosophische und sachliche Argumentation bestimmt zunehmend auch die Polemik. Die seinem publizistischen Anliegen – Kampf um Toleranz, Denk- und Glaubensfreiheit, um geistige und politisch-rechtliche Mündigkeit – inhärenten Widersprüche bleiben jedoch virulent, solange Hirschel bei anhaltendem staatlichem Assimilationsdruck Emanzipation vornehmlich als Befreiung "von den Feßeln des Aberglaubens und herrschender Vorurtheile", vom "Zeremonienkram" versteht.[xxii]

Die Vernunft als höchstes Gut[xxiii] des Menschen erscheint bei ihm als hypostasiertes Prinzip, dessen so abstrakten wie apodiktischen Maßgaben er alle natürlichen und gesellschaftlichen Phänomene unterwirft.[xxiv] Das mündet in frühen Schriften wie Kampf der jüdischen Hierarchie mit der Vernunft (1788) in naive Vernunftgläubigkeit, in eine von der Illusion über die unaufhaltsame und unmittelbar praktische Macht der Vernunft erzeugte Fortschrittseuphorie. Den postulierten Weg der Völker durch "stufenweise Revolutionen zu ihrer Veredelung, Vervollkommnung und Veränderung"[xxv] stilisiert Hirschel zum unumstößlichen Naturgesetz, dem allein die jüdische Nation noch widerstehe.[xxvi] Die Skepsis Mendelssohns und anderer Aufklärer gegen solch plane Fortschrittskonzeption und gegen ein ausschließlich vernunftzentriertes Weltbild kennt Hirschel zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Und ebenfalls im Gegensatz zu Mendelssohn proklamiert er einen unversöhnlichen Widerspruch zwischen Vernunft und jüdischer Religion,[xxvii] vor allem talmudischer Überlieferung.[xxviii] Sein Vernunfts- und Perfektibilitätsenthusiasmus verstellt ihm den historischen Blick auf die eigene Tradition und deren geschichtliche Leistung und Legitimität. Das führt zu rigiden Assimilationsforderungen an die Juden wie dem Verzicht auf die Frühehe in Ueber die allzufrühen Ehen der jüdischen Nation (1790),[xxix] auf die Frühbeerdigung[xxx], der Preisgabe der talmudisch rabbinischen Tradition und des Zeremonialgesetzes – Forderungen, die unbedacht antijudaischen Klischees[xxxi] und einem identitätszerstörenden Reformkonzept der christlichen Obrigkeit in Preußen[xxxii] zuarbeiten. Denn obwohl Hirschel sehr wohl die elende Lage der Mehrheit der Juden wahrnimmt[xxxiii] und obwohl er ein begeisterter Leser Mendelsohns und Dohms ist, läßt ihn sein unangefochtener Vernunft- und Perfektibilitätsglaube deren Determinismus in der Judenfrage negieren und das Verhältnis von Ursache und Wirkung im geschichtlichen Prozeß verkehren: Schuld an der Misere seiner Glaubensbrüder, an der "Beraubung aller bürgerlilichen Rechte und Freiheiten", an erlittener Unbill[xxxiv] sei nicht die unzulängliche politische Verfassung der christlichen Staaten, sondern das Beharren der Juden auf ihren Gebräuchen und traditionellen Anschauungen.[xxxv] Hirschel vertraut auf einen historischen Automatismus, der mit der Herrschaft der "Vernunft" in ihren Köpfen auch die bürgerlichen Rechte der Juden durchsetzt.[xxxvi]

Hirschels frühe geistige Positionen spiegeln das Assimilationsverlangen eines Teils der jüdischen Elite, der die Begegnung mit der zeitgenössischen Philosophie der Aufklärung legitimerweise als enorme geistige Bereicherung erfuhr und dem sich mit deren Rezeption neue glanzvolle, aber auch trügerische Perspektiven und Denkhorizonte erschlossen. Erst spätere bittere Erfahrungen mit der Divergenz zwischen philosophischem Ideal und dessen mangelnder Breitenwirkung im gesellschaftlichen Alltag erschüttern und relativieren Hirschels Überzeugung, daß der Anschluß an die Bildung und geistige Kultur der zeitgenössischen christlichen Umwelt die ersehnte gesellschaftliche Anerkennung und Gleichstellung bringen werde. Als der preußische Justizangestellte Carl Wilhelm Grattenauer 1791 mit seiner Schmähschrift Ueber die physische und moralische Verfassung der heutigen Juden den aufklärerisch rationalen Konsens der Debatte um die "bürgerliche Verbesserung der Juden" aufkündigt[xxxvii], ist der Wandel in Hirschels Auffassungen unübersehbar. Seine wahren Gegner erkennt er nun in den fanatischen Antijudaisten. Dieser Wandel kündigt sich aber bereits in seiner Biographie des jüdischen Gelehrten und Dichters, Ephraim Moses Kuh (verfaßt 1790/91, erschienen 1792) an. Polemischen Auslassungen über die religiöse Tradition der Juden als überladen mit "scholastischer Dogmatik, sophistischen Hypothesen, erkünstelten Subtilitäten und andern sinnreichen Riens",[xxxviii] über die Intoleranz orthodoxer Juden in Breslau gegen einen "Selbstdenker" wie Ephraim Kuh[xxxix] und über die Zwänge des Zeremoniells[xl] steht eine gleich scharfe Kritik an der Bekehrungsobsession christlicher Eiferer und ihren üblen Praktiken im Falle Kuh gegenüber.[xli] Allerdings bleibt Hirschel dabei, den Weg des zwischen jüdischer Tradition und zeitgenössischem philosophischen Denken hin- und hergerissenen Lyrikers Kuh als aufklärerisch pädagogisches Muster eines erfolgreichen Bildungsaufstiegs zu schildern – ungeachtet der nicht zuletzt durch das Wandern zwischen den Welten ausgelösten Identitätskrise und der schweren psychischen Störungen, denen Kuh schließlich erlag.[xlii]

Indes revidiert Hirschel in einem wesentlichen Punkt seine Haltung gegenüber der Mehrheit seiner Glaubensbrüder: Er gibt jene idealistische Verkehrung preis, nach welcher die bedrückende Situation der Juden "Schuld" und Folge ihrer Anhänglichkeit an überkommene religiöse Gepflogenheiten sei. Er fordert nun, zunächst den politisch rechtlichen Status der Juden zu verbessern und dann erst Ansprüche an ihren mentalen Wandel zu stellen.[xliii] Dieses Postulat stützt er mit dem religionsgeschichtlichen Argument, daß sich nirgendwo in der ursprünglichen Lehre Christi und seiner Apostel ein Beleg für die These von der Servitas Iudaeorum um ihres Glaubens willen finde.[xliv] In der Apologie der Menschenrechte (1793) setzt sich diese Tendenz fort. Angesichts aktueller christlicher Intoleranz bekundet Hirschel ernsthafte Zweifel, ob er mit der jüdischen Orthodoxie nicht zu hart ins Gericht gegangen sei.[xlv] Unter dem Eindruck der wütenden Invektiven Grattenauers bekennt er sich trotz eigener religiöser Skepsis und intellektueller Distanz solidarisch zur jüdischen Religion und den herabgewürdigten Juden.[xlvi] Unabhängig von ihrer Konfession und Verfaßtheit fordert er – die deterministische Begründung dieses Postulats erneuernd[xlvii] – für sie die Menschenrechte ein, auf die sie ein naturgegebenes Anrecht haben.[xlviii] Damit überwindet Hirschel den anthropologisch geschichtsphilosophischen Ansatz dominanter zeitgenössischer Reformkonzepte in Deutschland, die bei der Besserung gesellschaftlicher Zustände mit der Hebung individueller sittlicher Kultur beginnen wollten.[xlix] Zugleich konkretisiert Hirschel das naturrechtlich philosophische Gleichheitsprinzip, das er mit Berufung auf Rousseau schon in der Kontroverse mit den schlesischen Landständen um die beruflichen Interessen jüdischer Heereslieferanten Anfang 1790 verfochten hatte[l], in einer politischen Grundsatzforderung zugunsten der Juden.

Mit der Apologie der Menschenrechte bringt Hirschel konstitutive emanzipatorische Ansätze und jene egalitären Ideen, die in der ersten Phase der Debatte um die "bürgerliche Verbesserung der Juden" 1781/83 von Mendelssohn und Dohm erarbeitet worden und in die legislative Praxis des revolutionären Frankreich eingeflossen waren, in die theoretische Auseinandersetzung zurück. Unter dem Einfluß der durch die französischen Proklamationen auch diesseits des Rheins stimulierten allgemeinen Menschenrechtsdiskussion wird diese Schrift Hirschels zu einem Höhepunkt und publizistischen Resumé im Kampf für die Rechte der Juden. 

Hirschels Schriften zeigen ihn nicht nur auf religions- und sozialkritischem Gebiet als exponierten Vertreter der Haskala. Sie dokumentieren auch anderweitig ein umfangreiches Spektrum geistiger Interessen, das von theoretischen Standardwerken zum Schachspiel[li] (als einem allein von rationalen Regeln bestimmten und den eigenen Fähigkeiten abhängigen Spiel, das im 18. Jahrhundert unter Gebildeten als Symbol für Vernunft und Toleranz galt) über philosophische und ökonomische Themen bis zu geographischen und kartographischen Publikationen reicht.[lii]


Anmerkungen

[i] In seiner Schrift Jüdische Intoleranz und Fanatismus in Breslau gibt Hirschel in einer dort zitierten Eingabe an die Königl. Kriegs- und Domainen-Cammer vom 16. August 1787 wegen ungerechter Besteuerung durch die Juden-Ältesten als seinen "Haupt-Nahrungserwerb" "Informationgeben im Schachspiel" und "Arbeit meiner Feder" an und schildert seine Lebensumstände als ärmlich (in: Wahrheit und Freimüthigkeit in schwesterlicher Umarmung, Erstes Bändchen, hrsg. von Johann Joseph Kausch, Nürnberg 1789, S. 73, auch S. 63). – Zu Hirschels Lebensumständen bis 1801 vgl. Johann Gottlieb Schummels Breslauer Almanach für den Anfang des neunzehnten Jahrhunderts, Erster Theil (mehr nicht erschienen), Breslau 1801, S. 246–251. – Vgl. ferner die Angaben bei: Anne-Margarete Brenker, Aufklärung als Sachzwang. Realpolitik in Breslau im ausgehenden 18. Jahrhundert (Hamburger Veröffentlichungen zur Geschichte Mittel- und Osteuropas. Eine Reihe des Historischen Seminars der Universität Hamburg, hrsg. von Arno Herzig und Frank Golczewski, Bd. 8), Hamburg u. München 2000, S. 253f. Anm. 109, S. 304. [ii] Zit. nach: Max Freudenthal, Die ersten Emancipationsbestrebungen der Juden in Breslau. Nach archivalischen und anderen Quellen dargestellt, in: Monatsschrift für die Geschichte und Wissenschaft des Judentums, 37. Jg., Dritte Folge, 1. Jg., Breslau 1893, S. 335f. Anm. 2. [iii] Ebd., S. 336. [iv] Vgl. Schummel (wie Anm. 1), S. 248; ferner: Anne-M. Brenker (wie Anm. 1), S. 304. [v] Vgl. David Friedländer, Sendschreiben an Seine Hochwürden, Hrn. Oberkonsistorialrath und Probst Teller von einigen Hausvätern jüdischer Religion, Berlin 1799. – Die Kontroverse mit 19 Schriften ist dokumentiert in: Neue allgemeine deutsche Bibliothek, Sieben und fünfzigsten Bandes Zweytes Stück, Fünftes Heft, Berlin u. Stettin 1801, S. 270–299. [vi] Vgl. seine Begründung bei Freudenthal (wie Anm. 2), S. 569f. und bei Schummel (wie Anm. 1), S. 249f. [vii] Vgl. Moses Hirschel, Jüdische Intoleranz und Fanatismus in Breslau (wie Anm. 1), S. 71–76. [viii] Vgl. Freudenthal (wie Anm. 2), S. 569. [ix] Vgl. ebd., S. 570 und Schummel (wie Anm. 1), S. 249. [x] Vgl. ebd., S. 250. [xi] Vgl.: Des Hirschel Uebertritt zur christlichen Religion, in: Schlesische Provinzialblätter, 38 Jg. (1803), S. 492. Ferner: Bibliographien zur deutsch-jüdischen Geschichte, Bd. 6 (Bibliographie zur Geschichte der Juden in Schlesien), v. Margret Heitmann u. Andreas Reinke, München/New Providence/London/Paris 1995, S. 129. [xii] Vgl. Salomon Wininger, Große Jüdische National-Biographie mit mehr als 8000 Lebensbeschreibungen namhafter jüdischer Männer und Frauen aller Zeiten und Länder, Dritter Bd., Reprint Nendeln/Liechtenstein 1979, S. 128. – Vgl. ferner: Encyclopaedia Judaica. Das Judentum in Geschichte und Gegenwart, Achter Bd. (Hesse-Jerusalem), Berlin 1931, S. 99. [xiii] Vgl. Moses Hirschel, Vier Briefe über Schlesien, in: Kausch's erste Fortsetzung seiner Nachrichten über Schlesien, Böhmen und das vormalige Polen, Breslau 1796, S. 199–236. – Vor allem der Dritte Brief enthält sehr kritische Stellen über den Zustand des katholischen Klerus in Schlesien (ebd., S. 222, 225, 249). – Vgl. dazu die lobende Rezension des Theologen und klassischen Philologen Johannes Aloysius Martyni-Laguna (eigentlich Carl Friedrich Martini) in: Neue allgemeine deutsche Bibliothek, Des fünf und vierzigsten Bandes Erstes Stück, Kiel 1799, S. 173–176. [xiv] Vgl. dazu Freudenthal (wie Anm. 2), S. 239–246, 331–341, 409–421, 428f., 467–483, 522–536, 570–579; ferner: Andreas Reinke, Zwischen Tradition, Aufklärung und Assimilation. Die Königliche Wilhelmsschule in Breslau 1791–1848, in: Zeitschrift für Religions- und Geistesgeschichte 43 (1991), H. 3, S. 193–214. Ferner: Anne-M. Brenker (wie Anm. 1), S. 257–259. [xv] Voltaire wird häufig als philosophischer Gewährsmann bemüht; vgl. Jüdische Intoleranz und Fanatismus in Breslau (wie Anm. 1), S. 58, 61f., 85; ferner: Moses Hirschel, Kampf der jüdischen Hierarchie mit der Vernunft, Breslau 1788, S. 17, 99. Das Titelblatt ziert ein Voltaire-Zitat als Motto. [xvi] Vgl. Jüdische Intoleranz (wie Anm. 1), S. 51. [xvii] Freudenthal (wie Anm. 2) charakterisiert Hirschel wegen seiner "masslosen Schimpfereien, besonders gegen die Talmudisten" als "von allen Freunden des Hergebrachten ... bestgehassten" Mann (vgl S. 96f. Anm. 3 u. S. 96). [xviii] Vgl. Jüdische Intoleranz (wie Anm. 1); S. 54f. u. 59f., wo der Unterrabbiner Jehuda Loebusch ben Mordechai (der am Neujahrstag 1787 das Anathema über Mendelssohn wegen dessen Pentateuchübersetzung ins Deutsche aussprach und damit einen Anlaß für diese Schrift bot) als Prototyp des "dummen, unwissenden" und habgierigen "Bonzen" geschildert wird (ebd., S. 56). [xix] Jüdische Intoleranz, S. 75 passim. Vgl. auch: Kampf der jüdischen Hierarchie mit der Vernunft, Breslau 1788, S. 90f. passim. – Beide Schriften strotzen von Beschimpfungen der Rabbiner. [xx] Vgl. Jüdische Intoleranz, S. 50, 73. – Vgl. Kampf der jüdischen Hierarchie mit der Vernunft, S. 32 f. [xxi] Vgl. Jüdische Intoleranz, S. 61-85. [xxii] Ebd., S. 62. [xxiii] Vgl. Hirschels Apologie der Vernunft als Motiv und Maßstab aller unserer Handlungen mit Berufung auf Kant, in: Patriotische Bemerkungen über die kleine Schrift: Patriotischer Zuruf an die Herren Stände Breslauischen Creises. De dato den 27ten Januar 1789, Breslau 1790, S. 13–15. – Vgl. ferner: Kampf der jüdischen Hierarchie mit der Vernunft, S. 3. [xxiv] Vgl. ebd., S. 6. [xxv] Ebd., S. 21; vgl. ebd., S. 19-21. [xxvi] Ebd., S. 21; vgl. auch S. 29. [xxvii] Ebd., S. 25. [xxviii] Ebd., S. 90-92. [xxix] Vgl. Moses Hirschel, Ueber die allzufrühen Ehen der jüdischen Nation; physisch, politisch und pädagogisch betrachtet, in: Freymüthige Unterhaltungen über die neuesten Vorfälle unsers Zeitalters, die Sitten und Handlungsarten der Menschen; zusammengetragen von einigen teutschen und polnischen Patrioten, und hrsg. von Kausch, 1. Bd., Leipzig 1790, S. 63–65, 69–73. [xxx] Jüdische Intoleranz (wie Anm. 1), S. 53. [xxxi] Grattenauer wandte sich 1791 sowohl gegen die Frühehe als auch gegen das Zeremonialgesetz (vgl. Carl Wilhelm Grattenauer, Ueber die physische und moralische Verfassung der heutigen Juden. Stimme eines Kosmopoliten, Germanien 1791, S. 122, S. 125–127 gegen die Frühehe; S. 22, 31, 40–46, 77, 92f., 98, 112f., 116f. gegen das Zeremonialgesetz); desgleichen schon der ähnlich enragierte Friedrich Traugott Hartmann, Untersuchung ob die bürgerliche Freiheit den Juden zu gestatten sei, Berlin 1783, vgl. S. 29, 55, 116, 131, 133, 148, 171, 196f. [xxxii] Sowohl der Reformansatz 1787/92 als auch die Erwägungen im Vorfeld des Gleichstellungsedikts vom 11. März 1812 sind seitens der Administration von einem pädagogisch-paternalistischen "Qualifizierungs"-Konzept bestimmt, das staatsbürgerliche Rechte von völliger Assimilation abhängig macht (vgl. dazu: Ismar Freund, Die Emanzipation der Juden in Preußen unter besonderer Berücksichtigung des Gesetzes vom 11. März 1812, 2. Bd. (Urkunden), Berlin 1912, S. 77f., 89, 123–127, 247, 253, 349). [xxxiii] Vgl. Moses Hirschel, Kampf der jüdischen Hierarchie mit der Vernunft, Breslau 1788, S. 9–11, 13. [xxxiv] Ebd., S. 13. [xxxv] Vgl. ebd., S. 8, 10f., 13, 15, 32f. [xxxvi] Vgl. ebd., S. 8. [xxxvii] Hirschel charakterisiert Grattenauers Machwerk treffend als Schmähschrift, "mit zu vieler Gallsucht geschrieben", zielend auf "Menschentäuschung" und verfaßt mit dem finstersten Fanatismus jenes Pöbels, den es auch unter Christen gäbe (Apologie der Menschenrechte. Oder philosophisch kritische Beleuchtung der Schrift: Ueber die physische und moralische Verfassung der heutigen Juden, Zürich 1793, Vorrede, S. XVIIf.). [xxxviii] Moses Hirschel, Biographie des jüdischen Gelehrten und Dichters, Ephraim Moses Kuh, in: Ephraim Moses Kuh, Hinterlassene Gedichte, hrsg. von Carl Wilhelm Ramler, Erstes Bändchen, Zürich 1792, S. 43; vgl. auch S. 46f. [xxxix] Vgl. ebd., S. 94–99. [xl] Vgl. ebd., S. 146–151. [xli] Vgl. ebd., S. 100–110. [xlii] Vgl. dazu: Gunnar Och, Jüdische Leser und jüdisches Lesepublikum im 18. Jahrhundert. Ein Beitrag zur Akkulturationsgeschichte des deutschen Judentums, in: Menora. Jahrbuch für deutsch-jüdische Geschichte, hrsg. von Julius H. Schoeps u.a., 2. Jg., München/Zürich 1991, S. 306–309. [xliii] Vgl. Biographie (wie Anm. 38), S. 31f. Anm. [xliv] Vgl. ebd., S. 30f. Anm. [xlv] Vgl. Apologie (wie Anm. 37), Vorrede, S. XXVI. [xlvi] Ebd., S. XXXf. [xlvii] Vgl. ebd., S. XXXIIf., S. 5. [xlviii] Ebd., S. XI. [xlix] Vgl. Wilhelm von Humboldts für die klassische und frühromantische Ästhetik und Geschichtsphilosophie konzeptive Schrift von 1791/92 Ideen zu einem Versuch, die Grenzen der Wirksamkeit des Staats zu bestimmen, Berlin o. J., S. 70. [l] Vgl. Hirschel, Patriotische Bemerkungen (wie Anm. 23), S. 36. [li] Moses Hirschel, Das Schach des Herrn Giochimo Greco Calabrois und die Schachspiel Geheimniße des Arabers Philipp Stamma übersezt, verbeßert und nach einer ganz neuen Methode zur Erleichterung der Spielenden umgearbeitet, 3 Theile, Breslau 1784 (Nachdruck Zürich: Olms 1979 und 1987); die 2. Auflage, Leipzig 1785 ist angezeigt unter: Weihnachts- und Neujahrsgeschenke, vorzüglich für die Jugend, in: Neue allgemeine deutsche Bibliothek, Des zwey und vierzigsten Bandes Erstes Stück, Kiel 1799 (Intelligenzblatt der Neuen adB Nr. 3/1799, S. 30); ders., Ueber das Schachspiel, dessen Nutzen, Gebrauch und Mißbrauch, psychologisch, moralisch und scientisisch erörtert, Breslau 1791. [lii] Sein in den 1780er oder 1790er Jahren erstelltes Verzeichnis der schlesischen Ortschaften Schlesien in seinem ganzen Umfange... erfuhr noch 1818 und 1823 in Breslau eine Neuauflage.

Bibliographie

zusammengestellt von Gerda Heinrich

Bücher

  • Das Schach des Herrn Gioachino Greco Calabrois und die Schachspiel-Geheimnisse des Arabers Philipp Stamma, verbessert, und nach einer ganz neuen Methode zur Erleichterung der Spielenden umgearbeitet, 3 Theile, Breslau 1784. [SBBKP: Os 15808]
  • Kampf der jüdischen Hierarchie mit der Vernunft, Breslau (Wilhelm Gottlieb Korn) 1788, 103 S. [SBBKP: Ez 710]
  • Jüdische Intoleranz und Fanatismus in Breslau, in: Wahrheit und Freymüthigkeit in schwesterlicher Umarmung, hrsg. von Johann Joseph Kausch, 1. Bd., Nürnberg 1789, S. 48–85.
  • Ueber die allzufrühen Ehen der jüdischen Nation; physisch, politisch und pädagogisch betrachtet, in: Freymüthige Unterhaltungen Über die neuesten Vorfälle unsers Zeitalters, die Sittenund Handlungsarten der Menschen; zusammengetragen von einigen teutschen und polnischen Patrioten, und herausgegeben von Johann Joseph Kausch, Bd. I., Leipzig 1790, S. 60-94. [SBBKP: Nq 13172]
  • Patriotische Bemerkungen Über die kleine Schrift: Patriotischer Zuruf an die Herren Stände Breslauischen Greises. De dato den 27ten Januar 1790, Breslau 1790, S. 3-36.
  • Ueber das Schachspiel, in: Freymüthige Unterhaltungen über die neuesten Vorfälle unsers Zeitalters, die Sitten und Handlungsarten der Menschen; zusammengetragen von einigen teutschen und polnischen Patrioten, und herausgegeben von Johann Joseph Kausch, 2. Bd., Leipzig 1791 (eigentlich 1790)
  • Ueber das Schachspiel, dessen Nutzen, Gebrauch und Mißbrauch, psychologisch, moralisch und scientisisch erörtert, Breslau 1791.
  • Vorwort zur Werkausgabe vom Ephraim Kuh. [1792] ?
  • Biographie des jüdischen Gelehrten und Dichters Ephraim Moses Kuh, in: Ephraim Moses Kuh. Hinterlassene Gedichte, hrsg. von Carl Wilhelm Ramler, 2 Bde., Zürich 1792. 1 Bd., S. 40-152. [SBBKP: Ym 5721-1]
  • Apologie der Menschenrechte Oder philosophisch kritische Beleuchtung der Schrift: Ueber die physische und moralische Verfassung der heutigen Juden, Zürich (Orell, Geßner, Füßli und Comp.) 1793, XXXVI, 215 S. [SBBKP: Ez 740]
  • Moses Hirschels Unterricht für Schachspieler nebst Entdeckung der Schachspielgeheimnisse derer Herren Gisachino Greco Calabrois und des Arabers Philipp Stamma, verbessert und nach einer ganz neuen Methode zur Erleichterung der Spielenden umgearbeitet, Leipzig 1795 [1. Aufl. 1784] [SBBKP: Os 15810]
  • Vier Briefe Über Schlesien, in: Kausch’s erste Fortsetzung seiner Nachrichten Über Schlesien, Böhmen und das vormalige Polen, Breslau 1796, S. 199-236.
  • Schlesien in seinem ganzen Umfange... Breslau 17... Neue Aufl., Breslau 1818 und Breslau 1823. [Kartographisches Verzeichnis der schlesischen Ortschaften]

Rezensionen zu Hirschels Schriften

  • [Rezension zu] Kampf der jüdischen Hierarchie mit der Vernunft. Andreas Gottfried Laas, in: Allgemeine deutsche Bibliothek, 91 Bd., 2. St., Berlin/ Stettin 1790, S. 579f.
  • [Rezension zu] Jüdische Intoleranz und Fanatismus in Breslau. Johannes Kern: in: Allgemeine deutsche Bibliothek, 90 Bd., 1. St., Berlin/ Stettin 1789, S. 288.
  • [Rezension zu] Ueber die allzufrühen Ehen der jüdischen Nation. Johannes Kern: in: Allgemeine deutsche Bibliothek, 89 Bd., 2. St., Berlin/ Stettin 1791, S. 598.
  • [Rezension zu] Biographie des jüdischen Gelehrten und Dichters Ephraim Moses Kuh. Georg Schatz, in: Neue allgemeine deutsche Bibliothek, 1. Bd., 2. St., Kiel 1793, S. 425-430. - annotiert in: Göttingische Anzeigen von Gelehrten Sachen, 1. Bd., 6. St., 12. Januar 1793, Göttingen 1793, S. 55f.
  • [Rezension zu] Apologie der Menschenrechte. Ernst Christian Trapp in: Neue allgemeine deutsche Bibliothek, 21. Bd., 2. St., Kiel 1796, S. 338f.
  • [Rezension zu] Ueber das Schachspiel, in: Freymüthige Unterhaltungen - annotiert in: Allgemeine deutsche Bibliothek, 104. Bd., 2. St., Berlin/Stettin 1791, S. 624f.
  • [Rezension zu] Vier Briefe über Schlesien. Johannes Aloysius Martyni=Laguna (eigentlich: Carl Friedrich Martini) in: Neue allgemeine deutsche Bibliothek, 45. Bd., 1. St., Kiel 1799, S. 173-176.
  • [Rezension zu] Moses Hirschels Unterricht für Schachspieler nebst Entdeckung - angezeigt unter: Weihnachts= und Neujahrsgeschenke, vorzüglich für die Jugend, in: Neue allgemeine deutsche Bibliothek, 42. Bd., 1. St., Kiel 1799. Intelligenzblatt der Neuen ADB Nr. 3 1799, S. 30.

Zitierhinweis:

Gerda Heinrich: Moses Hirschel. Biographie und Bibliographie (Version II, 2017), in: haskala.net. Das online-Lexikon zur jüdischen Aufklärung / hg. von Christoph Schulte, URL<>, letzter Zugriff [Datum, Uhrzeit].