uni-potsdam.de

Sie verwenden einen veralteten Browser mit Sicherheitsschwachstellen und können die Funktionen dieser Webseite nicht nutzen.

Hier erfahren Sie, wie einfach Sie Ihren Browser aktualisieren können.

[Anmerkungen] [Zitierhinweis] [Bibliographie] [Itzig-Palais] [Naturalisationspatent

Isaac Daniel Itzig – יצחק דניאל איצק

auch: Itzek bar Daniel Jafe

(20. Dezember 1750 Berlin - 7. Juli 1806 Berlin), Mitbegründer der Jüdischen Freischule und der Orientaltischen Buchdruckerei, Hofbankier und Hofbaurat des preußischen Königs Friedrich Wilhelm II.

Quelle: © Jüdisches Museum Berlin
Johann Christoph Frisch: Portrait Daniel Itzig, 1777

Biographie

von Ina Gohlke

Isaac Daniel Itzig wurde am 20. Dezember 1750 als drittes von fünfzehn Kindern des Oberhofbankiers Daniel Itzig und dessen Frau Mirjam geboren. Sein Großvater väterlicherseits, Itzig ben Daniel Jafe, besaß seit 1714 das Niederlassungsrecht für Berlin. Er stammte aus Grätz im damaligen Königreich Polen und gelangte als Heereslieferant im Nordischen Krieg (1700-1721) zu Wohlstand.[1] Isaac Daniel Itzigs Mutter war eine geborene Wulff. Ihre Mitgift und die hohe Reputation ihrer Familie, Mirjam war in direkter Linie mit Glückel von Hamel und dem Krakauer Rabbiner Moses Isserles verwandt, trugen bei zum sozialen und wirtschaftlichen Aufstieg der Familie Itzig.[2]

Isaac Daniel Itzigs Vater verdiente mit Münzgeschäften für den preußischen König Friedrich II. zur Finanzierung des Siebenjährigen Krieges (1756-1763) ein Vermögen und erhielt für seine Verdienste 1761 ein Generalprivileg, das ihm die Rechte eines christlichen Kaufmannes und seinen Nachkommen das Niederlassungsrecht gewährte. Neben seiner Arbeit für den König war Daniel Itzig seit 1775 Oberlandesältester der Juden Preußens. Die Familie wohnte zunächst im Jeckhol, in der Nähe zur Heidereutergasse. Unter der jüdischen Bevölkerung war diese Wohngegend wegen der direkten Nähe zur Synagoge, die sich seit 1714 in der Heidereutergasse befand, sehr beliebt.[3]

1765 zog die Familie Itzig in die Burgstraße 25. In einer zeitgenössischen Beschreibung Friedrich Nicolais wurden drei Gebäude in dieser Straße hervorgehoben: die Königliche Ritterakademie, das Hintergebäude des „Joachimsthalischen Gymnasiums“ und „des jüdischen Bankiers Hrn. Daniel Itzigs Haus“. Dazu schrieb Nicolai: „Der General v. Montargues bauete es 1724 nach dem Modell des Hotels de Soubise in Paris; der Baron v. Vernezobre kaufte es 1728 von dem selben, und ließ es ausbauen. Der jetzige Besitzer kaufte einige nebenstehende Häuser dazu, und ließ es 1765 nach Naumanns des Sohns Rissen, so wie es jetzt ist, erbauen und erweitern, wodurch der linke Flügel symmetrischer wurde.“[4]

Nicolai erwähnte in seinem Buch nicht nur die Außenanlagen des Hauses, er hob auch die Gemäldesammlung der Itzigs hervor: „Hr. Daniel Itzig, (in der Burgstraße) besitzt eine auserlesene Sammlung von Gemälden; unter denselben ist eine Landschaft von Huchtenburg; an dreyßig schöne Stücke von Dietrich; acht Conversationen im Watteauschen Geschmack […]; Ganymed, von Rubens; Herkules und Omphale aus Rubens Schule […].“[5] Die Familie Itzig besaß einen großen Garten in der Köpenicker Vorstadt und die „Bartholdysche Meierei“, die vormals Eigentum des Cöllner Bürgermeisters Christian Heinrich Bartholdi war.

Quelle: © Jüdisches Museum Berlin
Johann Christoph Frisch: Portrait Daniel Itzig, 1777

Haskala in Bildern

Isaac Daniel Itzig in der bildenden Kunst: Erfahren Sie mehr über das Portrait des Aufklärers.

Daniel Itzig gehörte zur ersten Generation von Juden, die sich in ihrem Lebensstil der christlichen Oberschicht anpassten und offen waren für das Bildungsideal der Aufklärung. In diesem Umfeld wuchs Isaac Daniel Itzig mit seinen 14 Geschwistern heran. Er erhielt im Hause seines Vaters eine exzellente, umfassende Schulbildung. Er wurde nicht nur in den traditionellen jüdischen Fächern wie Talmud und Hebräisch unterrichtet, sondern auch in Deutsch, Mathematik und den Naturwissenschaften. Unter seinen Geschwistern waren wohl seine drei Schwestern Vögelchen, Zippora und Zierle die bekanntesten. Sie spielten als Fanny von Arnstein, Cäcilie von Eskeles und Sara Levy bedeutende Rollen in der Salonkultur des ausgehenden 18. Jahrhunderts.

Beruflich folgte Isaac Daniel Itzig seinem Vater. Er arbeitete zunächst als Kommissionär für die Münze in Breslau bevor er sich 1773 mit seinem Bruder Benjamin Daniel Itzig selbstständig machte. Mit der gegründeten Firma Itzig & Co. wurden vor allem Transport- und Kreditgeschäfte getätigt. Im Jahr der Firmengründung heiratete er Henne Veitel Ephraim. Sie stammte aus einer der reichsten jüdischen Familien Berlins. Nur drei Jahre nach der Hochzeit starb Henne Itzig in Padua. Die Ehe blieb kinderlos. 1783 heiratete Isaac Daniel Itzig erneut. Aus der Ehe mit Edel Wulff gingen neun Kinder hervor. Beruflich gelang Isaac Daniel Itzig 1776 der Aufstieg zum Oberhofjuwelier und Bankier des preußischen Kronprinzen Friedrich Wilhelm. Nach dessen Regierungsantritt als Friedrich Wilhelm II. im Jahr 1786 wurde Itzig Hofbankier des Königs, 1791 wegen seiner Verdienste um den Chausseebau zwischen Berlin und Potsdam Hofbaurat.

Zunächst war Isaac Daniel Itzig beruflich äußerst erfolgreich. Seine Einnahmen erlaubten ihm den Kauf des Freigutes Schöneberg. Er ließ den Schlosspark bis an den Tempelhofschen Weg erweitern, legte eine Baumschule an und gab den Bau eines Jagdschlosses in Auftrag.[6] Unter dem Hofadel erfreute sich der Bankier wegen seiner Verschwiegenheit und der großzügigen Darlehen einiger Beliebtheit. Zu seinen Kunden gehörten u. a. Prinz Louis Ferdinand und die Mätresse Friedrich Wilhelms II., die Gräfin Lichtenau.[7] Die Zahlungsmoral des Adels war allerdings schlecht und die Geschäfte am Hof waren für Itzig mit Einbußen verbunden. In der Hoffnung, seine Firma finanziell zu sanieren, übernahm er Heereslieferungen während des polnischen Feldzuges 1794, handelte mit Getreide und lieferte Waren für die französische Regierung. Nicht geleistete Zahlungen der Franzosen führten 1796 zum Konkurs der Firma.[8] Als Isaac Daniel Itzigs Vater 1799 starb, kauften seine Schwestern Fanny von Arnstein und Cäcilie von Eskeles das elterliche Anwesen in der Burgstraße, um es in Familienbesitz zu halten.

Trotz des finanziellen Bankrotts blieb Isaac Daniel Itzig in der Öffentlichkeit ein angesehener Mann. Neben seiner beruflichen Tätigkeit engagierte er sich für gesellschaftliche Belange. Itzig war Mitglied in der „Gesellschaft der Verehrer großer Männer“, die sich darum bemühte, Denkmäler u. a. zu Ehren Gottfried Wilhelm Leibnitz und Moses Mendelssohns zu errichten. Unter dem Namen Matthias ben Elohim gehörte er der Asiatischen Bruderschaft an, einem konfessionell nicht gebundenen Orden, der sich für die praktische Umsetzung der Aufklärungsideen einsetzte.[9]

Er nahm aktiv am Leben der jüdischen Gemeinde teil und bekleidete verschiedene Ämter, u. a. im Gemeindeausschuss. Sein größtes Verdienst ist die Mitgründung der Jüdischen Freischule in Berlin 1778 und der ihr angeschlossenen Orientalischen Buchdruckerei im Jahr 1784. Gemeinsam mit seinem Schwager David Friedländer, der mit Itzigs Schwester Blümchen verheiratet war und wie Itzig in der Burgstraße 25 wohnte, erarbeitete er ein Schulkonzept, das jüdischen Kindern den Zugang zu allgemeiner Bildung ermöglichen sollte. Isaac Daniel Itzig wurde Direktor der Schule. Der Pädagoge und Aufklärer Friedrich Gedike schrieb im Dezember 1784 in der Berlinischen Monatsschrift einen würdigenden Artikel über die Freischule: „Erstlich, gründlicher und mit philosophischem Geist erleuchtete, Kenntniß der ältesten Schriften der Nation, um sie den späteren Rabbinen vorzuziehen; und dann: besseres und freiere Bildung der Nation in den Schulen. Wie gesagt, die Begüterten sind auch die Aufgeklärten; aber izt sorgen sie, auf die edelste Art, mit Geld, mit Fleiß, mit Aufsicht u. f. m. dafür, daß ihre zu dem Ende gestiftete Freischulen auch dem ärmeren Theil der Nation bilden und unterrichten.“[10] Die Freischule war eine Lehranstalt außerhalb der rabbinischen Autorität und sie hatte nicht nur den Selbstzweck der Bildung, sondern wurde als Voraussetzung für die gesellschaftliche Besserstellung der Juden gesehen. Über die Gründer der Freischule wurde ebenfalls berichtet: „Die beyden Direktoren […] verrichten die Pflichten ihrer Aemter ohne Interesse, unentgeltlich, bloß aus Menschen- und Vaterlandsliebe, um dem Staate brauchbare Glieder zu bilden […].“[11]

Eine weitere Einrichtung zur Unterstützung der Haskala war die Orientalische Buchdruckerei. Das zentrale Anliegen war die Verbreitung der hebräischen Schriften der Maskilim. Isaac Satanow übernahm die Leitung der Orientalischen Buchdruckerei. Auf seine Initiative gründete sich 1786 die Chewrat Madike haRabim, die Gesellschaft der Rechtschaffenheit der Vielen. Auch David Friedländer und Isaac Daniel Itzig waren Mitglieder dieser Gesellschaft, deren vornehmliches Ziel es war, die Verlagstätigkeit zu finanzieren. Gemeinsam mit der Gesellschaft zur Förderung der hebräischen Sprache, Chewrat Doreschei Leschon Ewer, in der u. a. die Zeitschrift haMe’assef herausgegeben wurde, ging sie 1787 in der Gesellschaft der Beförderer des Guten und Edlen, Chewrat Schocharei haTow wehaTuschia, auf.[12] Isaac Daniel Itzig trug mit der Finanzierung und seinem Engagement in den verschiedenen mit der Haskala verbundenen Organisationen wesentlich zur Verbreitung der Aufklärung bei.

Neben seiner Tätigkeit in der Jüdischen Freischule engagierte sich Isaac Daniel Itzig für die rechtliche Besserstellung der Juden. Nach dem Regierungsantritt Friedrich Wilhelms II. im Jahre 1786 wurde eine Kommission zur Reform des Judenwesens eingesetzt. Generaldeputierte der jüdischen Gemeinden, darunter auch Isaac Daniel Itzig und David Friedländer, waren dazu angehalten, konkrete Vorschläge zu erstellen. Die fertige Eingabe vom 17. Mai 1887 enthielt die Bitte um vollständige Emanzipation. Die Beratungen zogen sich über mehrere Jahre hin und scheiterten letztendlich. Als sich abzeichnete, dass es vorerst zu keiner rechtlichen Besserstellung der Juden kommen sollte, reichte Isaac Daniel Itzig im Namen seines Vaters die Bitte um ein Naturalisierungspatent ein. Der König entsprach dem Gesuch 1791. Damit waren die Itzigs als einzige jüdische Familie in Preußen den christlichen Staatsbürgern weitestgehend gleichgestellt. Das Patent garantierte, dass „mehrgedachter Daniel Itzig und seine ehelichen Descendenten beiderley Geschlechts überall als eine würkliche christliche Bürger Familie angesehen und behandelt werde, folglich mit allen christlichen Bürgern gleiche Rechte haben sollen, ohne auch nur demjenigen unterworfen zu sein, was bis jetzt die General-Privilegirten Juden haben leisten müssen“.[13] Die Befreiung von den Abgaben führte innerhalb der jüdischen Gemeinde zu Spannungen, da die Familie Itzig eine der finanzstärksten Beitragszahler war. Um die Position der Familie innerhalb der Gemeinde nicht zu schwächen, einigte man sich auf eine partielle Abgabenbefreiung.[14]

Die allgemeine rechtliche Besserstellung der preußischen Juden mit dem Märzedikt von 1812 erlebte Isaac Daniel Itzig nicht mehr. Er starb am 7. Juli 1806 in Berlin. Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Friedhof Große Hamburger Straße, Berlin.


Anmerkungen

[1] Keuck, Thekla: Hofjuden und Kulturbürger. Die Geschichte der Familie Itzig in Berlin. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2011, S. 30. [2] Ebd., S. 39. [3] Ebd., S. 84. [4] Nicolai, Friedrich: Beschreibung der Königlichen Residenzstädte Berlin und Potsdam, In: Mitchell, P. M.; Roloff, Hans-Gert; Weidl, Erhard: Friedrich Nicolai. Sämtliche Werke, Briefe, Dokumente. Band 8, Teil 1. Bern u. a.: Peter Lang 1995, S. 74. [5] Ebd., S. 553. [6] Spiel, Hilde: Fanny von Arnstein oder Die Emanzipation. Ein Frauenleben an der Zeitwende 1758-1818. Frankfurt am Main: S. Fischer 1962, S. 168. [7] Keuck, Thekla: Hofjuden und Kulturbürger, S. 144f. [8] Stieglitz, Olga: Die Ephraim. Ein Beitrag zu Geschichte und Genealogie der preußischen Münzpächter, Großunternehmer und Bankiers und ihre Verbindung zu den Itzig und anderen Familien. Neustadt a. d. Aisch: Degener & Co 2001, S. 247. [9] Keuck, Thekla: Hofjuden und Kulturbürger, S. 329. [10] Gedike, Friedrich: Über Berlin - Von einem Fremden. In: Berlinische Monatsschrift, Heft 12, 1784, S. 564f. [11] Cranz, Friedrich August: Nachricht von dem Erziehungs-Institut der jüdischen Nation. In: Berlinische Correspondenz historischen und literarischen Inhalts. Eine periodische Schrift von dem Verfasser der Lieblingsstunden. Ersten Bandes viertes Stück. Dritter Brief vom 7. Dec. 1782. Berlin 1782 (bey Christian Ludewig Stahlbaum) pp. 58-62. Abgedruckt in: Ingrid Lohmann (Hrsg.), mit herausgegeben von Uta Lohmann: Chevrat Chinuch Nearim. Die jüdische Freischule in Berlin (1778-1825) im Umfeld preußischer Bildungspolitik und jüdischer Kultusreform. Eine Quellensammlung, 2 Teile. Münster: Waxmann, u.a. 2001 (Jüdische Bildungsgeschichte in Deutschland, Bd. 1), S. 197. [12] Panwitz, Sebastian: Die Gesellschaft der Freunde 1792-1935. Berliner Juden zwischen Aufklärung und Hochfinanz. Hildesheim u. a.: Georg Olms 2007, S. 28ff. [13] Naturalisierungspatent für die Itzigsche Familie. Berlin, 2. Mai 1791. Abgedruckt in: Geiger, Ludwig: Geschichte der Juden in Berlin. Reprint der Ausgabe von 1871-1890. Berlin: arani 1988, S. 147-150. [14] Keuck, Thekla: Hofjuden und Kulturbürger, S. 197.

Zitierhinweis:

Ina Gohlke: Isaac Daniel Itzig. Biographie (Version II, 2017), in: haskala.net. Das online-Lexikon zur jüdischen Aufklärung / hg. von Christoph Schulte, URL<>, letzter Zugriff [Datum, Uhrzeit].