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[Biographie] [Zitierhinweis]

Aron Emmerich Gumpertz

Aron Emmerich Gumpertz' Briefe an Johann Christoph Gottsched

Zitiert nach: Theodor Wilhelm Danzel (Hrsg.): Gottsched und seine Zeit, Zweite Wohlfeile Ausgabe, Leipzig, Verlag der Dyk'schen Buchhandlung, 1855.

Aron Emmerich Gumperz an Johann Christoph Gottsched, Berlin, den 8. Merz 1745

(in: Theodor Wilhelm Danzel (Hrsg.): Gottsched und seine Zeit, Zweite Wohlfeile Ausgabe, Leipzig, Verlag der Dyk'schen Buchhandlung, 1855, S. 333-335.)

Zitiert nach: Theodor Wilhelm Danzel (Hrsg.): Gottsched und seine Zeit, Zweite Wohlfeile Ausgabe, Leipzig, Verlag der Dyk'schen Buchhandlung, 1855.

Wenn die Gelehrtenwelt, insonderheit das seit einigen Jahrhunderten so aufgeklärte Deutschland von dem Ruhme und Lob Ew. Wohl Edelgeb. noch nicht so sehr erfüllt wäre; wenn die seltsame Eigenschaften, womit die Natur um von ihrer Kunst eine vollkommene Probe darzulegen, Dero Theuerste Person ausgeziert, nicht so sehr einem Jeden in die Augen leuchteten; Ja, wenn endlich ich von Deroselben unvergleichlicher Sanftmuth nicht so sattsam überzeugt wäre: Möchte ich allerdings meinen verwegensten Vorsatz Ew. Wohl Edelgeb. mit gegenwärtiger Zuschrift zu behelligen, und eben durch diese die kostbare Zeit, so Ew. Wohl Edelgeb. zum Gemeinen und der Gelehrsamkeit Besten anwenden, zu rauben, unterbrücken; und die äußerste Begierde der mich jeder Zeit wenn ich aus der Quelle der Weißheit mir zu schöpfen wünsche, auf Höchstdieselbe leitet, dämpfen müssen.

Allein da Theuerster Retter der deutschen Ehre! Dero Tugenden, darunter vornemlich die Zuneigung zu den Lehrbegierigen, und die überschwengliche Gnadenbezeugungen deren Sie ihnen würdigen, in so vollkommenen Grade anzutreten find: Wo sollte ich wohl Kräfte genug hernehmen, meinem innerlichen Trieb gegen diesen Mittelpunkt der Gelehrsamkeit einhalt zu thun? Wir besitzen keine so unumschränkte Herschaft über die Leidenschaften; daß wir auch in Fällen da die Vernunft fehlt ihr Jawort einigermaßen dazu verlauten läßt, ihrer Vorschrift zuwieder zu handeln vermöchten. Wenigstens vermag ich den Zügel so strenge nicht zu halten.

Zudem ich mir nun aus angeführten Gründen der ungezweifelten Zuversicht schmeichle Ew. Wohl Edelgeb. werden meinen kühnen Zutritt nicht auf der ärgsten Seiten zu betrachten geruhen; zumahl da ich die Edelmuth Deroselben weit größer als meine Vermessenheit schätze. So glaube zur Deutlichkeit meines fernern Vortrags nicht zu wenig beyzutragen, wenn ich eine kleine Erklärung meines Standes voranschicke.

Ich bin seit 20 Jahren ein Mitglied der menschlichen Gesellschaft. Den allergrößten Theil dieser Zeit habe ich auf die Studien gewandt, die bey meinen Glaubensgenoßenen in Gebrauch eingeführt sind. Die Nebenstunden ungerechnet, die zuweilen zu der französischen Sprache, der Rechen Kunst und einer Uebung im Schreiben; wiewohl ohne jemandes Anführung, sondern wie mir es der natürliche Eifer eingab, herhalten mußten. Wie weit ich es nun hierinn getrieben überlaße andern jedoch unparteiischen Richtern zu beurtheilen. Genug es kann mir nicht vorgerückt werden, es hätten meine Lehrmeister ihre Mühe unnütz verschwendet. Die Neubegierde welche aber in solcher Absicht vor eine Tugend erkenne; zündte von meiner zartesten Jugend, in meinem Herzen eine Flamme an, die nur allein durch Erfahrung neuer Kenntnisse genährt wird. Dieser angebohrne Zug zu den Wißenschaften und Freyenkünsten, bekam allererst vor drey Jahren ein Licht; und fand den Steg der zu seinem Endzweck leitet.

Man kann leicht ermessen, daß ich weder Fleiß noch Mühe gesparet, weder Tag noch Nacht geschont, so wenig die anmuthige Sommer als die tiefsinnige Winterzeit verfließen laßen, ohne im Nachsinnen in der Mathematic und Naturlehre, insofern es meine Umständen und die den hebräischen Studien gewidmete Zeit erlaubte, meinen Durst zu löschen, und mich zu ergezen.

Ich habe zu dem Ende und auf Anrathen der löblich Profeßoren hiesiger Königlicher Academie der Wißenschaften einige Zeit der lateinischen oder Gelehrten Mutter Sprache zutheilen müssen. Darin auch nechst göttlicher Hülfe! Binnen ein halbes Jahr so weit gerückt, daß ich der mir nöthigen Schriftsteller Sinn begreifen kann.

Ich bin keineswegs so ruhmredig dieses alles mich groß zu machen, erwähnt zu haben. Es sey ferne! Ich würde so thöricht nicht seyn, in Gegenwart eines scharfsichtigen Auges meine Fehler zu vermänteln. Die Selbstliebe hat sich auch meiner noch nicht so bemeistert, daß mir bereden sollte den Geringsten Rang unter den Rufen einzunehmen. Ich bin vielmehr vergnügt, durch meine unermüdeten Bemühungen erkandt zu haben, wie viel mir noch zu einem Gelehrten mangle.

Daß aber kein Baum des Verstandes zeitige Früchte zeuge; aber mit dem Gemeinen Manne zu reden: kein Meister gebohren werde; ist eben so ausgemacht als gewiß ist, daß mit den Jahren auch die Weißheit zunehme, und der Geist aufgekläret werde. Ich glaube mich also seines Vergehens theilhaft zu machen, wenn ich hoffe vollkommener zu werden als ich bin; und mir indeßen den Character Philosoph nach seinem eigentlichen griechischen Verstande oder Freund der Weißheit anmaße.

Und dieses letztre in Ansehung meines unersättlichen Verlangens von allen Wahrheiten deutliche und vollständige Begrife zu erlangen, daß schwehrlich in größerm Grade bemerkt werden mag.

Wie könnte ich aber diese meyn Haupt= und heilsamste Absicht erreichen, wenn ich noch keinen Lehrer als richtigen Wegweiser gehört? Die sinnreichsten Schriften sind dennoch an vielen Orten dunkel und ohne die Erläuterung eines geschickten Unterweisers unverständlich. Jene sind erblaßte Worte: Dieser hingegen eine lebendige Schrift. Und wenn der letztre auch zu Zeiten den erstern nachzusetzen: So ist nichts desto weniger das Licht des Monds bey heiterm Himmel stärker, als der in Wolken, Duft und Nebel verwickelten Sonnen.

Ew. Wohl Edelgeb. durchdringende Einsicht wird bey erwegung alles bißher erzählten, leichtlich urtheilen können, wie sehnlich ich gewünscht, bey einem academischen Lehrer die süße Milch der Wißenschaften zu fangen. Wo kann ich aber wohl mein Anliegen näher suchen; als wenn eben zu Ew. Wohl Edelgeb. mich in Unterthänigkeit wende? Sie sind es der den deutschen Rufen zum theuersten Beschützer geschaffen, Sie sind es, deßen unschätzbarer Verdienst um die Wißenschaften so allgemein gepriesen wird.

Sie sind es dem wir Deutsche so verschiedene geistreichste Schriften zu danken haben. Ja Sie sind endlich derjenige Wunderstern den die gesamte Gelehrte Welt mit so großer Aufmerksamkeit bewundert. Bey einem so unvergleichlichen Weltweisen; bey einem so fürtreflichen Rednern; und mit einem Worte bey einem Oberhaupte der Gelehrsamkeit muß ich billig Weißheits Schätze holen.

Ich habe daher unterthänigst anflehen sollen, es möchten Ew. Wohl Edelgebohren gnädigst Sich gefallen lassen, mir zu erlauben zu höchst Denselben nacher Leipzig mich zu verfügen: Um unter Dero Schutz=Flügel weiden zu können. Ich will weder Mühe noch Fleis Ansehen, Ihnen nach Vermögen gehorsamst aufzuwarthen. Ich werde mich glückseligst schätzen, wenn ich Ew. Wohl Edelgeb. so mit meiner Wenigkeit im Schreiben, Calculiren, aber sonst dergleichen meiner Dienstfertigkeit überzeugende Proben geben könne. Ich verlange nichts als Schutz und Schirm in Dero glückseligem Hauße. Ich will also unter nachgesetzter Ausschrift, durch einen Deroselben geringsten Lehrlingen oder Bedienten verhaltungsBefehl hierinn erwarthen; und des Vertrauens leben, in meinem demüthigsten Ansuchen Gehör und Gelegenheit zu finden, mich bis zu meinem Grab in tieffter erniedrigung und Ehrfurcht zu nennen.

[Danzel: Auf die Antwort Gottscheds und ihre Wirkung können wir aus den folgenden Briefe schließen, der einige Jahre später geschrieben ist, als Gumperz Secretär bei dem Marquis d'Argens geworden war, wie sich denn Freidenkerei und Deismus des vorigen Jahrhunderts dem Judaismus immer verwandt gefühlt haben, und wenigstens in dem Vorherrschen des letzteren der Grund von Mendelssohns Erfolgen zu suchen ist; der Marquis d'Argens hatte unter andern auch lettres juives geschrieben – und hier kommt auch zugleich das zur Sprache, um deswillen diese Abschweifung zu machen war.]

Aron Emmerich Gumperz an Johann Christoph Gottsched, Berlin, den 15. December 1747

(in: Theodor Wilhelm Danzel (Hrsg.): Gottsched und seine Zeit, Zweite Wohlfeile Ausgabe, Leipzig, Verlag der Dyk'schen Buchhandlung, 1855, S. 335-336.)

Ew. hochwohlgebohren haben mich vor einigen Jahren des Glückes gewürdiget, auf mein geringes damals abgelassenes Schreiben, höchst eigenhändig zu antworthen. Welcher gantz ausnehmenden Gütigkeit ich mich zeitlebens zu rühmen wissen, und durch gehorsamsten Dank zu erkennen bedacht seyn werde. Die bald hernach erfolgten Uneinigkeiten zwischen den Höfen zu Berlin und Dresden, welche endlich in Thätlichkeiten ausgebrochen, zeigen hinlänglichen Grund an, warum ich meines so sehnlichen Wünschens ohnerachtet, zu selbiger Zeit nicht nach Leipzig gereiset. Inzwischen änderte die Zeit meine Umstände so merklich, daß mir fast gar keine Hoffnung übrig bleibt, in meinem Leben das Glück zu geniessen, Ew. hochwohlgeb. auf solche Weise kennen zu lernen. Nichts desto weniger erkaltete meine Lehrbegierde nicht, ich setzte meinen Fleis ohnunterbrochen fort, wie ich denn seit dem die Ehre gehabt mit verschiedenen berühmten Mitgliedern der hiesigen Academie in Bekandschaft zu gerathen. Insonderheit ist die Gnade des Herrn Marquis d'Argens gegen mich, welcher fast täglich theils in seinem Hause, theils in meinem eigenen, mir das Vergnügen seiner Gelehrten Unterredungen gegönnet, den allerwenigsten Gelehrten alhier in Berlin unbekant. Vor ohnlängst gerieth mir eine Schrift in Händen, welche das Vorspiel betitelt ist , die mir um so verdrießlicher zu lesen war, da sie mit nichts als groben niederträchtigen Schimpfworten gegen Deroselben, und Dero unvergleichliche Gemahlin weltberühmten Namen, angefüllet ist, und des Verfassers üblen Character so deutlich abschildert, daß es einem redlichen Gemüthe ohnmöglich fällt, selbige ohne äußerstem Verdruss und Abscheu einmahl anzuschauen.

Wenn ich nun ausser dem eingie Neigung zur Sathre bey mir empfinde, so vermochte ich mir die Gewalt nicht anzuthun, es so gleichgültig auf zu nehmen. Das in Anschluß überkommende Schreiben an Doris, ist die Wirkung dieses Triebes. Ich entwarf es sogleich mit dem Vorsatze es Ew. hochwohlgeb. zuzuschicken, damit Sie nach Ihrer erleuchteten Beurtheilung darüber anordnen mögen, obs der Mühe werth sey, der Presse untergelegt zu werden, oder aber noch einige Veränderung damit vorzunehmen, ehe es den Drucke übergeben werde. Im Gegentheil aber, und im Fall Dieselben es gar zu schlecht ausgearbeitet erachten, so hofe ich wenigstens dadurch nicht Dero Wiederwillen verdienet zu haben, da Sie meine Unschuldige Absicht deutlich daher abnehmen können, daß ich gehorsamst bitte, in beyden Fällen meinem geringen Namen geheim zu halten, indem ich nie durch Gelehrsamkeit zu gläntzen wünschte, viel weniger aber durch Schriften von dieser Art. Um endlich mich hierdurch bey Ew. hochwohlgeb. Anzuschmeicheln, würde ich gewiß keine Feder eingetunket haben, sowohl weil es Denenselben viel zu pöbelhaft geschmeichelt wäre, und zweifelsfrey keines Dankes verdienen würde; als insonderheit mir dieses nur allzu niederträchtig und kriechend scheinen dürfte, durch Verkleinerung Dero Feinde, ja so unmächtiger Feinde, Ihre Bewogenheit zu erschleichen.

Die kleine Anspielung auf den Meyer wird niemand, wie ich vermuthe misbilligen, welcher bedenket, wie weit und wie unverantworthlich sich dieser ehrgeizige Philosoph vergangen hat.

Im übrigen zwiefle ich keineswegs, daß wenn der Hr. Marquis d'Argens zur Zeit in Berlin wäre, er mir aufgegeben haben würde, in seinem Namen Ew. hochwohlgebohren das allerhöflichste Kompliment zu machen, indem er von den üblen Begrifen, die man ihm von den Deutschen Musen beygebracht, dermassen befreiet ist, daß er nicht nur seine Satyrische Ausbrüche gegen dieselben zum Theil als eine reaction, zum Theil auch auf andre Art öfters entschuldiget, sondern sogar gewünscht, die Gelegenheit zu erlangen, mit Ew. hochwohlgeb. und Dero gelehrten Frau Gemahlin in Briefwechsel zu gerathen, und in Zukunft in bester Harmonie zu leben. Also daß er jemanden seiner Freunde, welcher nach Leipzig zu reisen Willens war, diese Aussöhnung und fernere freundschaftliche Verbindung ins Werk zu richten auftrug. Er befindet sich seit einigen Monathen in Paris, woher er ersten Tages erwartet wird. Kann ich also die Ehre haben, den Mitler hierinn abzugeben, so werde ich mich überaus glücklich halten, um so mehr da ich eben dadurch eine Probe meiner Dienstfertigkeit gegen Dieselben reichen mag. Wenn Ew. hochwohlgeb. durch mich an denselben etwa ein Schreiben übersenden, so verpflichte ich mich dargegen von demselben wieder ein Denkschreiben zu begleiten, woraus Ew. hochwohlgeb. überzeugt seyn werden, daß ich mir nur der blossen Wahrheit bedienet, wenn ich seine dermahlige Gesinnungen beschrieben. So bin ich auch vollkommen versichert, daß Ihre beyderseitige Freundschaft, der Welt, vornehmlich der gelehrten Welt gar bald bekannter werden, Ihre Freundschaft selbst auch desto dauerhafter seyn, und mehr und mehr desto grössere Kräfte erreichen wird, je später sie ihren Anfang genommen.

Ich bin im übrigen, zu Dero jedesmahligen Befehl, in tieffter Ehrerbietung.

[Danzel: Kaum daß ich dieses Schreiben vor einigen Tagen geschlossen hatte, so langte gedachter Hr. Marquis d'Argens allhier an; daß ich also mit Absendung dessen so lange anhalten mußte, bis ich mündlich die Bestätigung alles desjenigen was ich in seinem Namen zu melden unternommen erhalten möchte. Weil er nun wegen der mühseligen Reise von einer kleinen Unpäßlichkeit befallen war, nachhero aber in des Hofes Angelegenheiten sehr beschäftiget gewesen, verweilte sich auch dieses bis anjetzo, da ich die Ehre habe auf dessen ausdrücklichen Befehl, Ew hochwohlgebohren, und Dero gelehrten Frau Gemahlin seinen freundschaftlichen Gruß zu vermelden, und seine zukünftige Freundschaft und Gewogenheit, auf die Weise wie ich es vorhero wahrscheinlich gemuthmasset, zu versichern.

Der folgende Brief beweist, daß Gottsched sehr wohl gewußt, was er seiner Nation schuldig war.]

Aron Emmerich Gumperz an Johann Christoph Gottsched, Berlin, den 9. October 1748

(in: Theodor Wilhelm Danzel (Hrsg.): Gottsched und seine Zeit, Zweite Wohlfeile Ausgabe, Leipzig, Verlag der Dyk'schen Buchhandlung, 1855, S. 337.)

Euer hochwohlgebohren Antwortschreiben an mich vom 11ten Jänner, gereicht zwar mir zu besonderer Ehre, noch weit mehr aber Dero Ruhm (wofern solcher noch höher steigen kann) ungemein zu vermehren, indem Sie, über so unzählige Verdienste um die Gelehrte Welt, auch noch junge Gemüther, in welchen Sie einen Trieb zur Gelehrsamkeit wahrnehmen, durch so schmeichelhafte Ausbrüche, als sich Dieselben in gedachtem Schreiben bedienet, auf das kräftigste anzuflammen bemühet sind. Was meine Erkenntlichkeit dagegen betrift, so habe ich die Ehre aufrichtig zu versichern, daß ich nichts zu antworten vermochte, so sehr beschämt mich Dero unvergleichliche Höflichkeit und Gütigkeit, denen ich blos ein ehrerbietiges Stillschweigen entgegen zu setzen für rathsam hielt. Daß ich aber wegen des Hrn. Marquis d'Argens Entschliessung über die ihm vorgeschlagene öfentliche EhrenErklärung der Deutschen nichts gemeldet, daran ist die Ungewißheit schuld, worinn ich war, ehe selbiger, seinem Versprechen gemäß, bey der ersten Gelegenheit, das ist in der Fortsetzung seiner Memoires Secrets de la republique des lettres, diese Erklärung wirklich zu stande gebracht; indem er immer hoffte, es würde solche in Druck kommen, da ich mich denn desto beßer darauf hätte beziehen können. Da aber gegenwärtiger Freund, welcher nicht weniger um die Ehre seiner Nation besorget ist, eben dieserhalben vor seiner Abreise nach Leipzig an den Herrn Marquis d'Argens geschrieben, und in einer schriftlichen Antworth die Bekräftigung dessen, was er mir mündlich verhieß, erhalten, so habe ich nicht länger Anstand nehmen dürfen, alles dieses Ew. hochwohlgebohren zu hinterbringen, nebst der Versicherung daß es diesem mehr besagten Herrn ein rechter Ernst ist, mit den deutschen Gelehrten, für all andern aber mit Ew. hochwohlgeb. und Dero gelehrten Gattin in bester Freundschaft in Zukunft zu leben.

Zu gleicher Zeit vermelde meinen Gehorsam, und bitte gantz inständig, mir die Gelegenheit an die Hand zu geben, darzuthun, daß ich mit unendlicher Hochachtung bin.

[Danzel: Was übrigens den Doctor Gumpertz anbetrifft so schickt er noch 1751 Gottscheden seine Inauguraldissertation; wenn wir nun annehmen dürfen, daß Mendelssohn damals schon mit ihm Verbindung stand, so wird es sich erklären, daß dieser, so sehr er nachher auch seine tiefere Bildung aus dem Umgange mit Lessing geschöpft haben mag, sich mit heftiger Polemik gegen Gottsched nie befaßt.]

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Zitierhinweis:

Aron Emmerich Gumpertz: Briefe an Johann Christoph Gottsched, 1745-1748, in: haskala.net. Das online-Lexikon zur jüdischen Aufklärung / hg. von Christoph Schulte, URL<>, letzter Zugriff [Datum, Uhrzeit].