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Studienreise nach Estland mit der KAS-Stipendiatengruppe

Die Reisegruppe im Baltic Defence College.
Foto: Jonas Klawitter
Die Reisegruppe im Baltic Defence College.
Sönke Neitzel und Mitglieder der Reisegruppe.
Foto: Jonas Klarwitter

Vom 7. bis zum 12. April 2026 führte Prof. Dr. Sönke Neitzel in seiner Funktion als Vertrauensdozent der Stipendiaten der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) an der Universität Potsdam eine Studienreise für die Hochschulgruppen der KAS nach Estland durch. Begleitet wurde die Gruppe von zwei Studenten aus dem MA War and Conflict Studies und Dr. Christian E. Rieck, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl und selbst Altstipendiat der KAS. Der Förderverein Militärgeschichte unterstützte die Teilnahme der beiden Studenten finanziell, während die Studienreise vom KAS-Büro in Tallinn organisiert wurde. In Narva stieß Dr. Igor Kopõtin zur Gruppe, leitender Wissenschaftler an der Estnischen Militärakademie und in der Vergangenheit in Potsdam Gastwissenschaftler am Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr (ZMSBw) sowie am Lehrstuhl Neitzel.

Die Reise begann am Mittwoch in Tallinn, mit einem Empfang in der Residenz des deutschen Botschafters auf dem Burgberg, der die Gruppe in die politische Lage einführte und dabei auch auf die Situation der russischsprachigen Minderheit einging, die heterogener sei als weithin angenommen. Anschließend stand ein Besuch des estnischen Parlaments Riigikogu auf dem Programm, verbunden mit einem Gespräch mit dem Abgeordneten und ehemaligen Außen- und Verteidigungsminister Urmas Reinsalu von der konservativen Isamaa-Partei – vermutlich der nächste Premierminister. Es folgte ein fachlicher Austausch im NATO Cooperative Cyber Defence Centre of Excellence (CCDCOE), bei dem cybersicherheitspolitische Themen im Mittelpunkt standen, vor allem mögliche Elemente einer Offensivstrategie der NATO-Staaten im Cyberraum als Antwort auf den andauernden hybriden Krieg. Danach bestand die Möglichkeit, das Museum Vabamu zur Geschichte von Besatzung und Freiheit zu besuchen.

Der deutsche Soldatenfriedhof an der Narva.
Foto: Christian Rieck
Der deutsche Soldatenfriedhof an der Narva.

In Tartu, der wichtigsten Universitätsstadt im Land, erfolgte am Donnerstag am Baltic Defence College ein fachlicher Austausch mit Dozenten der Militärakademie sowie ein Fachvortrag zur Zeitenwende von Professor Neitzel. Dr. Rieck, der 2019 Erasmus-Gastdozent am politikwissenschaftlichen Institut der Universität Tartu gewesen war, führte die Gruppe sodann durch die Altstadt und den Universitätscampus von Tartu. 

Zurück in Tallinn fanden am Freitag Vorträge im estnischen Verteidigungsministerium zum Thema Milizsystem und Verteidigungsplanung statt. Im Außenministerium sprach die Gruppe mit dem Cyberexperten Dr. Mart Laanemäe sowie dem stellvertretenden Staatssekretär für politische Fragen, Martin Roger.

Am Samstag unternahm die Gruppe einen letzten Tagesausflug, diesmal nach Narva an die Grenze zu Russland. Dort standen militärhistorische Stationen auf dem Programm, darunter die Hermannsburg in Narva, die deutschen Kriegsgräber an der Narva, Hungerburg, der Ort einer gescheiterten sowjetischen Landeoperation an der Ostseeküste sowie Denkmal und Museum der sog. „Tannenbergstellung“. Den Abschluss bildete das umstrittene estnische Unabhängigkeitsdenkmal auf der Grenadierhöhe, das zu einem Sehnsuchtsort mittelosteuropäischer rechtsradikaler Gruppen geworden ist, die vielfältiger Geschichtsklitterung Vorschub leisten, was die Rolle der estnischen SS-Verbände bei der Befreiung Estlands betrifft. Die Reise beschloss ein Opernbesuch in Tallinn, willkommene leichte Unterhaltung nach den bedrückenden Eindrücken in Narva.

Bericht zur Bildungsreise nach Estland von Marlene Heine und Leonard Kleiber

Vom 07. bis 12. April durften zwei Studierende des Lehrstuhls für Militärgeschichte an der Bildungsreise nach Estland teilnehmen, die von der Potsdamer Hochschulgruppe der Konrad-Adenauer-Stiftung organisiert wurde.  

Das Programm begann mit einem Besuch in der Residenz des deutschen Botschafters, bei dem die deutsch-estnischen Beziehungen im Mittelpunkt standen. Im estnischen Parlament (Riigikogu) diskutierten wir mit dem ehemaligen Außenminister Urmas Reinsalu über innen- und außenpolitische Herausforderungen. Weitere Gespräche im NATO Cooperative Cyber Defence Centre of Excellence sowie im estnischen Verteidigungs- und Außenministerium verdeutlichten die enge Vernetzung von militärischen, politischen und technologischen Dimensionen estnischer Sicherheitspolitik. 

Ein Besuch am Baltic Defence College in Tartu bot Einblicke in militärische Debatten und gemeinsame Ausbildungsansätze, die darauf abzielen, sowohl die baltischen Staaten als auch ihre Bündnispartner auf lokale Einsatzbedingungen im Verteidigungsfall vorzubereiten. Die Exkursion nach Narva an die estnisch-russische Grenze machte deutlich, wie stark das Land von der Erinnerungskultur des zweiten Weltkrieges geprägt ist. 

Insgesamt zeigte die Reise eindrücklich, wie Estland durch klare interministerielle Abstimmung, gesellschaftliche Resilienz und enge internationale Kooperation trotz der stetigen russischen Bedrohung handlungsfähig bleibt. Besonders beeindruckend war die hohe Bereitschaft der estnischen Zivilgesellschaft, initiativ Verantwortung für die eigene Sicherheit und die Bündnisverteidigung zu übernehmen.  Gleichzeitig machte der Apell an die deutsche Politik in vielen Gesprächen unmissverständlich klar, dass Estlands Sicherheit untrennbar mit der Unterstützung seiner Bündnispartner verbunden ist. Die Reise verdeutlichte, dass die russische Bedrohung als eine gesamteuropäische Herausforderung verstanden werden muss. 

Unser besonderer Dank gilt dem Förderverein Militärgeschichte, der durch seine Unterstützung die Teilnahme an dieser Bildungsreise ermöglicht hat.