Erfahrungsberichte
Praxisjahr
Karl Licht, WCS 21/22, Bundesministerium der Verteidigung, Berlin
Für WCS-Studierende, die Erfahrungen in der praktischen Umsetzung der ‚Zeitenwende‘ sammeln wollen, bietet das Professional Year im Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) die perfekte Gelegenheit. Vom September 2023 bis August 2024 konnte ich in diesem Rahmen Teil des Referats MEO II 1 der Abteilung für Militärstrategie, Einsatz und Operationen (MEO) sein. Das Referat ist zuständig für militärpolitische Grundlagen und für die Interessensvertretung des Generalinspekteurs (GI). Als ranghöchster Soldat der Bundeswehr vertritt der GI Deutschland in den Chief of Defence Sessions im NATO-Militärausschuss (MC) wie auch im Militärausschuss der Europäischen Union. Hieraus ergibt sich eine Besonderheit des Referats: die Aufteilung in ein ‚Team NATO‘ und ein ‚Team EU‘.
In letzterem startete ich das Praxisjahr und war dort am Abschluss eines von Deutschland geführten PESCO-Projekts EUFOR CROC, das der Verbesserung der Krisenreaktionsfähigkeit der EU und Ihren Mitgliedstaaten dienen soll, beteiligt. Besonders hier profitierte ich von den Inhalten des WCS-Studiums, wie dem Kurs „The Future of European Defence“ von Christian Rieck. Anschließend wechselte ich ins Team NATO. Dort lag die Vorbereitung des GI auf die dreimal im Jahr stattfindenden MC Sessions auf Ebene der Chiefs of Defence im Fokus der Tätigkeit. Gerade der ‚Doppelhut‘ des Referats, EU und NATO, macht MEO II 1 für Studierende der WCS aus meiner Sicht so interessant, da es den direkten Vergleich über verschiedene Arbeitsstränge, -kulturen und -weisen der beiden Organisationen erlaubt, die ich auch bei Dienstreisen nach Brüssel vor Ort direkt beobachten konnte.
Neben dem inhaltlichen Interesse lag meiner Motivation für das Praxisjahr auch das Sammeln von Erfahrungen in der Arbeitsweise eines Ministeriums zugrunde. Als ‚Ungedienten‘ in einer Abteilung, die bis auf wenige Ausnahmen ausschließlich aus Bundeswehrangehörigen bestand, zählten zu den wertvollsten Eindrücken meiner Zeit im BMVg die besondere Führungskultur, die Professionalität und die Teamorientiertheit. Letztere lässt sich soldatisch wohl als Kameradschaft übersetzen. Auch aus diesem Grund kann ich das Praxisjahr im BMVg insbesondere bei MEO II 1, jedem WCS-Studierenden ausdrückliche empfehlen.
Neven Berringer, WCS 21/22, Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Vom 1. Juni 2023 bis zum 31. Mai 2024 hatte ich das Privileg, mein Professional Year im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) im neu geschaffenen Referat G24 - Fragilität und Nexus zu absolvieren. In diesem Zeitraum war ich auch am Aufbau des Referats beteiligt, welches zeitgleich mit meinem Beginn seine Tätigkeit aufnahm.
Das Referat G24 trägt die Verantwortung für Grundsatzfragen, die konzeptionelle Weiterentwicklung, Beratung und ressortübergreifende Abstimmung zum entwicklungspolitischen Engagement in fragilen Kontexten. Darüber hinaus obliegt ihm die grundsätzliche Zuständigkeit für den Humanitarian-Development-Peace (HDP) Nexus, einem international anerkannten integrierten Ansatz zur Verbindung von Entwicklungszusammenarbeit, humanitärer Hilfe und Friedensförderung.
In meiner Rolle übernahm ich die Länderzuständigkeit innerhalb des Referats für Syrien, den Libanon und den Jemen. Zudem war ich für die Einbindung der Prioritäten des BMZ innerhalb internationaler Finanzorganisationen im Bereich Fragilität und Nexus verantwortlich, wobei ich besonders eng mit der Weltbank zusammengearbeitet habe. Besonders hervorzuheben in dieser Zusammenarbeit war die Organisation der zweitägigen Geberkonferenz des State and Peacebuilding Funds der Weltbank in Berlin.
Ein Höhepunkt meiner Arbeit im BMZ war meine Teilnahme am Fragility Forum der Weltbank in Washington D.C., bei der ich meine Referatsleitung begleiten konnte und gemeinsam mit ihr die Bundesregierung repräsentieren durfte. In diesem Rahmen organisierte ich am Partners Day des Forums gemeinsam mit einem Kollegen der Schweizer Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit eine Paneldiskussion zum HDP Nexus, bei der auch hochrangige Vertreter:innen von USAID, UNDP und der Weltbank als Sprecher:innen teilnahmen.
Darüber hinaus unterstützte ich die inhaltliche Begleitung und strategische Positionierung des BMZ zur Enquete-Kommission „Lehren aus Afghanistan für das künftige vernetzte Engagement Deutschlands“. Im allgemeinen Arbeitsalltag war ich daneben auch eigenständig verantwortlich für die Vorbereitung sowie die inhaltliche Koordinierung von Leitungsterminen auf unterschiedlichen Hierarchieebenen, einschließlich der Staatssekretärsebene.
Meine Zeit im BMZ war durch eine äußerst angenehme und familiäre Arbeitsatmosphäre geprägt, in der ich mich vom ersten Tag an willkommen fühlte. Die Zusammenarbeit innerhalb des Referats sowie mit anderen Kolleginnen und Kollegen im Haus war stets konstruktiv und inspirierend. Das Professional Year bot mir die einzigartige Gelegenheit, tiefgehende Einblicke in die Arbeit einer obersten Bundesbehörde zu gewinnen und eigenständig Verantwortung zu übernehmen.
Diese wertvolle Erfahrung hat meinen beruflichen Werdegang sehr positiv geprägt und mich in bestärkt, in Zukunft wohlmöglich wieder im BMZ tätig zu sein. Die Möglichkeit, aktiv zur Entwicklungspolitik beizutragen und dabei an internationalen Prozessen wie der IDA21 Widerauffüllung beteiligt zu sein, war für mich eine bereichernde und motivierende Erfahrung.