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08/19 Marie Grohmann

Foto: Felix Völkel, sofatutor.com
Marie Grohmann studierte von 2005 bis 2011 an der Universität Potsdam Volkswirtschaftslehre sozialwissenschaftlicher Richtung und schloss mit einem Diplom ab.

Vom Studium in die Start-up Welt: Marie Grohmann ist Alumna der Universität Potsdam im Studiengang der Volkswirtschaftslehre sozialwissenschaftlicher Richtung. Seit 2015 verantwortet sie das E-Mail Marketing für die Online-Lernplattform sofatutor.com.


Wie kam es dazu, dass Sie sich für das VWL-Studium an der Universität Potsdam entschieden haben?

Wie so viele Schülerinnen und Schüler wusste ich nach der Schule nicht genau, wohin meine Reise gehen würde. Daher habe ich mich für verschiedene Studiengänge an Berliner und Potsdamer Universitäten beworben, unter anderem auch für VWL. Dann kamen Stück für Stück die Zusagen für alle Studiengänge – es hieß, sich zu entscheiden. Am Ende überzeugte mich der sozialwissenschaftliche Zusatz und ich entschied mich für VWLsoz an der Uni Potsdam. Ich wusste, dass sich mir mit dieser Studienwahl nach dem Abschluss vielfältige berufliche Perspektiven bieten würden.

Welche Erinnerungen haben Sie an Ihre Studienzeit?

Die Studienzeit war nicht immer leicht, das lag vor allem daran, dass ich mich mitten in Zeiten der Bologna-Reform befand, Diplom im Umbruch zum Bachelor-/Master-System. Es herrschte große Verwirrung, sowohl auf Seiten der Studierenden, als auch unter den Lehrkräften, was die Anrechnung von Studienleistungen anging. Außerdem habe ich noch den alten Uni-Komplex in Babelsberg kennengelernt, das war abenteuerlich. Fast alle unsere Veranstaltungen des ersten Semesters fanden dort statt, das muss man sich einmal vorstellen: 400 Studenten möchten zur gleichen Zeit den Bus von Potsdam nach Babelsberg nehmen – die anderen Busreisenden konnten ihren Augen kaum trauen.

Welche beruflichen Ziele hatten Sie während des Studiums?

Zu Beginn meines Studiums hatte ich kein klares Ziel vor Augen, denn der Studiengang war relativ generalistisch konzipiert. Uns wurde ständig gesagt: „Mit dem Studium könnt ihr alles machen!“ Das macht es manchmal eher schwerer als leichter. Erst in den letzten Studienjahren konnte ich mich dann vertiefen und meinen zukünftigen Weg finden. Ich wollte die Zukunft der sozialen Sicherungssysteme mitgestalten, aber wie das Leben manchmal so spielt, kam alles anders.

Wie landeten Sie in der Start-up-Welt?

Nach meinem Studium habe ich die Vielfältigkeit des Studienganges ausgenutzt und in verschiedene Branchen „reingeschnuppert“. Von einer Anwaltskanzlei, über ein Unternehmen im Bereich der erneuerbaren Energien, bin ich dann letzten Endes in der Berliner Start-up-Szene gelandet, dort hat es mich bis heute gehalten. Während meiner Zeit in einem sehr kleinen Start-up habe ich mich ins Marketing, speziell E-Mail Marketing, verliebt. Bei sofatutor bekam ich die Chance, mich genau in diesem Gebiet zu verwirklichen. Vor allem wollte ich viel lernen und mich weiterentwickeln, deswegen wollte ich unbedingt in der Start-up-Branche bleiben. Ich dachte mir, wenn ich jetzt im E-Mail Marketing eines Konzerns einsteige, dann mache ich jeden Tag das Gleiche, dort wird es eben schon seit Jahren so gemacht. In einem Start-up hingegen erhielt ich die Möglichkeit, Neues auszuprobieren, neue Wege zu gehen und über mich selbst hinauszuwachsen.

Arbeiten in einem Start-up ist das nicht furchtbar chaotisch?

In Start-ups geht es oft chaotisch zu, viele Prozesse sind noch nicht perfekt organisiert. Da wird schnell mal die komplette Strategie über den Haufen geworfen. Das sollte man aber auch als Chance sehen: Man lernt, sich flexibel an neue Gegebenheiten anzupassen und daran zu wachsen. Man erhält definitiv die Gelegenheit, sich sehr schnell sehr weit zu entwickeln – wenn man dazu bereit ist.

Was schätzen Sie an Ihrem Beruf?

Ich liebe es, dass sich in meinem Beruf verschiedene Komponenten vereinen: Auf der einen Seite kann ich mich beim Schreiben und Texten kreativ verwirklichen. Mit jeder E-Mail lerne ich, ein klein wenig präziser zu formulieren und am Ergebnis kann ich direkt messen, ob ich einen guten Job gemacht habe. Auf der anderen Seite sind da auch die technischen und analytischen Komponenten: Das Befüllen einer Datenbank, der Umgang mit Daten und diese dann zielgerichtet auszuwerten und Rückschlüsse zu ziehen – das ist wirklich faszinierend.

Inwiefern hat Sie das Studium auf Ihre heutige Tätigkeit vorbereitet?

Natürlich gab es im Rahmen von Vorlesungen erste Berührungspunkte mit dem Thema Marketing. In erster Linie hat mir die Studienzeit jedoch in Sachen Problemlösung weitergeholfen: Wie gehe ich an ein Problem heran, wie stelle ich mich auf Anforderungen ein? Die Fähigkeit, mich selbst zu organisieren und ein Selbstbewusstsein für das eigene Können zu entwickeln, das habe ich an der Uni gelernt.

Welchen Rat würden Sie Studierenden mit auf den Weg geben?

Ich glaube, es macht sehr viel Sinn, sich nach dem Studium Zeit für Orientierung zu nehmen. Alumni sollten sich Zeit nehmen, um die eigenen Stärken und Schwächen in der Praxis kennenzulernen. Das gelingt meiner Meinung nach am besten in einem kleinen Unternehmen oder einem Start-up: Hier lernt man schnell, wie man effektiv arbeitet. Da die Arbeit meistens auf wenige Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen verteilt ist, bekommt man die Gelegenheit, sich selbst in vielen Bereichen auszuprobieren. Das ist der Schlüssel zum Erfolg – so viel wie möglich ausprobieren und selbst machen, nur so findet man heraus, was einen beruflich glücklich macht. Gleichzeitig macht es den Blick dafür offen, was überhaupt möglich ist, und wo die eigenen Stärken liegen.