05/2020 Robert Wolf

Alumnus Robert Wolf
Foto: Alice Bacher (instagram @alice_baldwin)
Robert Wolf studierte an der Uni Potsdam Lehramt Musik und LER. Danach ging der Musiker nach Los Angeles um Komponist für Film und Videospielmusik zu werden.
Robert Wolf
Foto: privat
Robert Wolf leitet bei den Musikproduktionen auch das Orchester.

Nach seinem Abschluss für das Lehramt Musik und LER an der Uni Potsdam erreichte Robert Wolf die Zusage für einen Studienplatz an der University of Southern California in Los Angeles für den weltweit renommierten Master-Studiengang "Screen Scoring" (Komposition für Film und Videospiele). Damit ging für ihn ein Traum in Erfüllung, auf den er lange hingearbeitet hat. An der University of Southern California hat Robert Wolf Unterricht von erfolgreichen Hollywood Komponisten erhalten. Nach seinem Abschluss wurde er als Komponist bei Hexany Audio angestellt, wo er Musik für weltweit erfolgreiche Videospiele schreibt.

Robert, Du lebst und arbeitest als Komponist in Los Angeles. Eine musikalische Karriere, auf die Du sicher hingearbeitet hast. Erzähl uns davon.

Ich war schon immer sehr musikalisch. Der Wunsch Komponist zu werden, kam jedoch erst kurz vor meiner Abiturzeit. Mit 17 begann ich, gezielt auf eine Karriere als Komponist hinzuarbeiten. So habe ich während meiner Abiturzeit bereits Privatunterricht bei anderen Komponisten genommen und Workshops mit Komponisten aus Los Angeles besucht. Ein Musik-Lehramtsstudium in Potsdam schien mir dann ein guter Startpunkt, der es mir erlaubte in Berlin zu leben und mir eine Bandbreite an musikalischem Wissen und Können zu erwerben. Das hat sich in vielerlei Hinsichten bewährt.

Wie konntest Du während Deines Studiums weiter an der Umsetzung Deiner Pläne arbeiten und wer hat Dich dabei unterstützt?

Mein Studium in Potsdam hat mich sehr geprägt und mir viele Anstöße für meine Arbeit als Komponist gegeben. Während des Studiums habe ich als freischaffender Komponist gearbeitet. Oft waren meine Dozenten flexibel, was mir erlaubte, meine Faszination für Film und Videospielkomposition in mein Studium zu integrieren. Ich habe beispielsweise meine Bachelorarbeit unter Prof. Dr. Thorau über die Filmmusik von "How to train Your Dragon" geschrieben. Dadurch konnte ich mich sehr intensiv in diesen Film einarbeiten. Aber auch in anderer Hinsicht hat mich diese Zeit geprägt. Ich wurde mit viel Musik, Komponisten und Musiktheorie vertraut gemacht, welche ich allein vielleicht nicht in der gleichen Intensität erkundet hätte.

Wie sieht ein typischer Arbeitsalltag bei dir aus?

Das hat sich aufgrund des Lockdowns natürlich geändert. Momentan arbeiten alle meine Kollegen und ich von zu Hause. Vorher haben wir gemeinsam in einem Gebäude gearbeitet, wo jeder sein eigenes Studio hat. Das war sehr angenehm, da man täglich Kollegen trifft und mehr Trennung zwischen Arbeit und Freizeit hat.

Mein Arbeitstag beginnt in der Regel mit dem morning meeting, bei dem die gesamte Firma zusammenkommt. Dort wird besprochen woran jeder arbeiten soll und hier werden mir häufig neue Kompositionsaufträge mitgeteilt. Danach arbeite ich an meinen derzeitigen Aufträgen, was bedeutet, ich schreibe neue Musik oder ändere bestehende Musik nach Wünschen der Kunden. Das ist im Prinzip der Großteil meiner Arbeit. Unsere Kunden sind häufig aus dem asiatischen Raum, daher verbringe ich auch viel Zeit mit dem Erlernen und Aufnehmen verschiedener asiatischer Instrumente. Ich spiele selbst Saxophon, Klarinette, Akkordeon, Klavier und Gitarre, daher kann ich viele Dinge selbst einspielen. Hier kommt mir übrigens häufig mein Instrumentalunterricht in Potsdam zu Gute: Besonders wenn es schnell gehen muss, zahlt sich das viele Üben während meines Studiums wirklich aus.

Neben meiner Arbeit als Komponist arbeite ich auch häufig in den Musikteams großer Hollywood Filme, zum Beispiel "Sonic the Hedgehog" und "Terminator: Dark Fate", was mir interessante Einblicke in die Filmindustrie in Los Angeles gegeben hat.

Für welche bekannten Videospiele hast du bisher Musik geschrieben?

Ich hatte durch Hexany Audio bisher das Glück, für große Spiele zu arbeiten. Ich durfte Musik für "Call of Duty: Mobile" schreiben, welches ein sehr erfolgreiches Mobile Game ist. Ich arbeite auch häufig für "Honor of Kings", ein extrem erfolgreiches chinesisches MOBA, und dessen Ableger für Europa und die USA "Arena of Valor". Weiterhin habe ich auch Musik für Amazon’s Alexa geschrieben.

... und für welche würdest du in Zukunft gerne arbeiten?

Ein Traum wäre es für mich, für ein Star Wars Spiel Musik zu schreiben. Ich bin selbst ein großer Star Wars Fan, daher wäre es fantastisch mit den original Melodien von John Williams arbeiten zu dürfen.

Ich wünsche Dir dabei viel Erfolg und danke für das Gespräch!

Einige Informationen zum Schluss:

Robert Wolfs Master-Studiengang an der University of Southern California heißt "Screen Scoring", was im Prinzip "Komposition für Film und Videospiele" bedeutet.

Seit September 2019 arbeite Robert Wolf als "associate Composer" für Hexany Audio in Los Angeles.

"AAA - Videospiele" bedeutet Videospiele mit sehr großem Budget und Einnahmen, quasi das Videospiel Equivalent zu "Hollywood Blockbuster". Honor of Kings hat beispielsweise allein 2019 1,6 Milliarden US-Dollar Umsatz gemacht; etwa 60 bis 100 Millionen Spieler sind täglich registriert.

Selbst in Zeiten von Covid-19 ist der Job derzeit ziemlich sicher. Da durch den Lockdown Videospiele reißenden Absatz finden und viele Kunden aus China kommen, hat das Unternehmen eine sehr stabile Auftragslage

Redaktion
Alumni-Team I Janny Armbruster
 

Veröffentlicht:
Mai 2020