03/2022 - Juan Vivanco

Fotograf: Ignacio Fierro

Juan Vivcanco studierte an der Uni Potsdam den internationalen Masterstudiengang National and International Policy and Administration. Nach Studienabschluss hat er direkt den Einstieg bei Citizens for Europe geschafft. Seit nunmehr zwei Jahren arbeitet er hier als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich Data Science. Er sorgt dafür, Antidiskriminierung von marginalisierten Communities sichtbar zu machen und ihr Empowerment zu fördern. 


Lieber Herr Vivanco, welche Kriterien waren ausschlaggebend für die Wahl Ihres Studiums an der Uni Potsdam?

Ich habe mich zum einen für diesen Master entschieden, weil die angebotenen Kurse und Seminare praxisorientiert waren, zum anderen aber auch, weil viele Module eine intensivere Auseinandersetzung mit theoretischen Konzepten boten.

Und wurden Ihre Erwartungen erfüllt?

Insbesondere erinnere ich mich an ein Seminar zu Reformen in der Staatsverwaltung, in dem es unter anderem darum ging, zu verstehen, welche philosophischen Theorien, welche politischen Denkfiguren und welches Verständnis der Welt und welche Konzeptionen von (individueller) Macht den politischen Systemen von z.B. Deutschland, den USA und Großbritannien zugrunde liegen und welche praktische Konsequenzen diese für Policy-Entscheidungen nach sich ziehen. Mit diesem und anderen ähnlichen Seminaren wurden meine Erwartungen mehr als erfüllt!

Wie sahen dann die konkreten praktischen Inhalte aus?

Vor allem die Seminare, durch die ich mich mit Professor*innen vernetzen konnte, die z. B. mit der WHO oder der Weltbank zusammenarbeiteten, erlaubten es mir, meine theoretischen Überlegungen in die Praxis zu übersetzen und mich insbesondere durch kritische Fragen und konstruktive Kritik zu meinen Referaten oder Hausarbeiten auf meine spätere Arbeit vorzubereiten. Hinzu kamen die vielen Gelegenheiten, die ich hatte, meine methodischen Kenntnisse zu verbessern: So z.B. meine R- und STATA-Programmierkenntnisse oder meine Kenntnisse in qualitativen Methoden und Evaluationstools.

Das klingt nach einem ziemlich optimalen Zusammenspiel von Theorie und Praxis während Ihres Studiums.

Während meiner Studienzeit an der Universität Potsdam habe ich es auch sehr geschätzt, dass Gelegenheit bestand, an sehr kleinen, aber auch vielfältigen Seminaren teilzunehmen. An anderen großen Universitäten, die ich besucht hatte, war dies nahezu unmöglich. An der Universität Potsdam kannten die meisten Professor*innen meinen Namen und waren stets bereit, sich Zeit für meine Fragen zu nehmen oder im Allgemeinen über das Fachthema zu diskutieren. Ich empfehle, sich immer aktiv einzubringen, sorgfältig die Lektüre für die kommende Sitzung vorzubereiten und sich an den Seminardiskussionen zu beteiligen. Dadurch verbessert man zum einen die sprachliche Ausdrucksfähigkeit, die später essentiell ist, und zum anderen erlaubt es diese Diskussionskultur, sich durch die viele Perspektiven und Thematiken zu spezialisieren und die für die Zeit nach dem Studium möglichen Arbeitsfelder auszuloten. Zudem bietet dieser Studiengang aufgrund seines internationalen Charakters eine einzigartige Möglichkeit, von Student*innen zu lernen, die den Perspektiven von fast jedem Kontinent Gehör verschaffen und viele unterschiedliche Kulturen repräsentieren.

Gibt es noch Weiteres, was Sie den Studierenden Ihres Studienganges empfehlen können?

Bereits während meines Masters habe ich in Teilzeit in einem Unternehmen gearbeitet, das Evaluationen für verschiedene politischen Akteure, darunter beispielsweise die EU oder das Bildungsministerium, durchgeführt hat. Obwohl dies ein genaues Zeitmanagement erfordert hat, konnte ich sehr von der praktischen Erfahrung profitieren. Während der Schreibphase der Masterarbeit – in den letzten Monaten des Studiums - habe ich gleichzeitig nach einer Vollzeitstelle gesucht. In Potsdam profitieren Studierende der Politik sehr davon, dass sie nah an der Hauptstadt wohnen. Ich kann nur jeder*m raten, diese Möglichkeit zu nutzen und bereits im Studium erste Erfahrungen zu sammeln. Auch die Fachschaft bietet regelmäßige Veranstaltungen an, bei denen man Alumni*ae kennenlernen kann, die in Organisationen und Unternehmen arbeiten, die entweder in der Politik zu verorten sind oder zumindest eng mit ihr verknüpft sind. So kann man sich einen ersten Eindruck von der zukünftigen Arbeit verschaffen und eventuell auch erste Netzwerke etablieren.

Sich während des Studiums bereits beruflich zu orientieren und zu informieren, ist sicher ein lohnenswerter Weg. Wie genau hat sich dann die Jobsuche für Sie gestaltet?

Als ich mich der Suche widmete, wurde mir bewusst, wie viele Möglichkeiten sich in Berlin boten. Ich schaute mir jede Stellenbeschreibung sorgfältig an und überlegte, inwiefern die Arbeit zu mir passt und welchen Mehrwert ich dem Team anbieten kann. Nach einigen Bewerbungen hatte ich am Ende einige Angebote.

Und welchem dieser Jobangebote sind Sie gefolgt?

Seit Februar 2020 arbeite ich bei Citizens for Europe als wissenschaftlicher Mitarbeiter. Wir sind hauptsächlich im Bereich der Antidiskriminierung und des Empowerments von marginalisierten Communities tätig. Zu unseren Aufgaben zählen hauptsächlich quantitative Erhebungen von sogenannten Antidiskriminierungs- und Gleichstellungsdaten. Ich bin unter anderem für die qualitative und quantitative Forschung („Data Science“) zuständig. Das heißt, dass ich die Erhebungen von der Fragebogenentwicklung über die Datenbereinigung bis zu ihrer Analyse und Vorstellung betreue. Danach werden die Ergebnisse verschriftlicht und auf ihrer Basis Policyempfehlungen entwickelt. Ein gutes Verständnis von Stakeholdermanagement gehört auch zu jeder dieser Aufgaben. Meine methodischen Kenntnisse und Policy-Evaluationstools, die ich mir während des Masters angeeignet habe, sind immer wieder hilfreiche Werkzeuge, um meine Arbeit verrichten zu können. Da ich darüber hinaus schon während meines Studiums an der Universität Potsdam mehrere Kurse belegen konnte, die die neuesten Forschungserkenntnisse der Digitalisierung der Politik und der Verwaltung in das Zentrum rückten, war ich bereits zu Beginn meiner Karriere mit der in Deutschland wenig verbreiteten Verbindung von quantitativer Forschung und Policy vertraut.

Dann waren Sie durch Ihr Studium up-to-date bezüglich Digitalisierung – das ist natürlich optimal und auch ein schönes Zeugnis für die Universität Potsdam! 

Ja! Ich bin der Universität Potsdam sehr dankbar, da ich mit diesem in Deutschland fast einmaligen Masterstudiengang die Gelegenheit hatte, mein Potential voll zu entfalten und in die arbeitspraktischen Felder einzusteigen, die mich schon immer interessiert und fasziniert hatten: Die Arbeit an innovativer Policy, die den marginalisierten Communities unserer Gesellschaft Gehör verschafft und Sichtbarkeit verleiht.

Haben Sie aktuell noch Möglichkeiten, mit der Universität Potsdam verbunden zu sein?

Obwohl ich bereits Mitglied der Universitätsgesellschaft Potsdam e.V. bin, konnte ich aufgrund der Pandemie nach meinem Abschluss nur digital mit der Universität Potsdam in Verbindung bleiben und so von zu Hause aus an einigen interessanten Veranstaltungen teilnehmen. Meine Abschlussfeier habe ich leider pandemiebedingt auch nur digital feiern können. Ich hoffe, dass sich dies mit dem Ende der für uns alle schwierigen Zeit der Pandemie ändert und ich meiner Alma Mater nicht nur digital, sondern auch wieder in Präsenz verbunden bleiben kann!

Das hoffen wir auch! Im besten Sinne auf ein baldiges Wiedersehen vor Ort danken wir Ihnen sehr herzlich für Ihre offenen Worte!

Redaktion
Alumni-Team I Juliane Seip, Stefanie Peter

Veröffentlicht:
März 2022