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07/19 - Stephan Haarmann

Der 26-jährige Stephan Haarmann wurde für seine hervorragende Masterarbeit mit dem Absolventenpreis der Universität Potsdam 2019 geehrt.


Unternehmensabläufe transparent zu machen, das ist Stephan Haarmanns großes Ziel. Im Mai 2018 hat er seinen Master in IT-Systems Engineering an der gemeinsamen Digital Engineering Fakultät (DEF) der Universität Potsdam und des Hasso-Plattner-Instituts abgeschlossen. Schon früh im Studium zeigte sich sein starker Forschergeist. Bereits als Masterstudent veröffentlichte er erste wissenschaftliche Aufsätze. Inzwischen ist er Doktorand an der DEF und forscht zu innovativen Strategien, wie zum Beispiel Blockchains, für ein transparenteres Management von Geschäftsprozessen. Für seine herausragenden Leistungen erhält der junge Forscher bei der Absolventenverabschiedung am 27. Juni 2019 den Absolventenpreis der Universität Potsdam. Der Preis würdigt Studierende, die früh Potenzial für eine wissenschaftliche Karriere erkennen lassen.


Etwas Praktisches machen, das wollte Stephan Haarmann nach der Schule. Er interessierte sich für Informatik und entschied sich zum Studium von Remblinghausen im Sauerland nach Potsdam zu gehen. An der Digital-Engineering-Fakultät (DEF) schrieb er sich für den Studiengang „IT-Systems Engineering“ ein. „Informatik wird für mich spannend, wenn man damit reale Probleme löst“, sagt Haarmann. Das Studium an der DEF bot ihm diese Möglichkeit. So konnte er zum Beispiel in einem Gruppenprojekt am Ende des Bachelors für die Firma Bosch Werkzeuge zur Modellierung flexibler Geschäftsprozesse entwickeln. Knifflige Probleme zu lösen, liegt Haarmann. Und so folgte auf den erfolgreichen Bachelor nicht nur der Master. Im April 2018 begann er seine Promotion an der DEF.

Im System denken

Als IT-Systems-Engineer widmet sich Haarmann der Optimierung von Geschäftsprozessen oder Abläufen in Unternehmen. An seinem Fachbereich gefällt ihm vor allem der Systemgedanke: „Bei IT-Systems Engineering schauen wir uns nicht nur einzelne Komponenten eines Programms an, sondern wie diese mit dem Unternehmen als ganzes System zusammenwirken.“ So würde er sich beispielsweise bei einem Logistikunternehmen nicht nur auf einen einzelnen Aspekt wie den Algorithmus für die Streckenberechnung konzentrieren, sondern wie dieser mit anderen Faktoren den Kundenbedürfnissen und den technischen Gegebenheiten zusammenspielt.

Stephan Haarmann interessiert sich besonders für Entscheidungen und Handlungsabläufe in Unternehmen. Dafür werden in der Betriebswirtschaftslehre meist grafische Modelle entworfen, die diese sichtbarer machen sollen. Oft gibt es aber eine so große Zahl an Abläufen, dass Unternehmen die Unterstützung von Informatikern benötigen, um mit Hilfe von Computern zu überprüfen, ob sie alles Wichtige berücksichtigt haben und die Abläufe gut ineinandergreifen. Haarmanns Arbeit besteht darin, diese Modelle in einen für den Computer verständliche Sprache zu übersetzen und dann Algorithmen anzuwenden, die überprüfen, ob es irgendwo im Modell hakt und wie man es verbessern kann. Anschließend versucht er die Ergebnisse wieder grafisch darzustellen, damit sie der Nutzer verstehen kann.

Ihm gefällt die Vielfältigkeit dieser Arbeit: „Das Schöne ist für mich, dass ich mich immer wieder mit einem neuen Feld auseinandersetzen darf. Eine Bank hat ganz andere Anforderungen als beispielweise eine Wohltätigkeitsorganisation. Um deren spezifische Probleme zu verstehen und lösen zu können, muss man sich mit der jeweiligen Materie beschäftigen.“

Transparenz durch Blockchains

In seiner Forschung betrachtet Stephan Haarmann momentan verschiedene Mechanismen, wie beispielsweise sogenannte Blockchains, die die Transparenz von Unternehmensabläufen verbessern sollen. „Die grundlegende Idee von Blockchains ist: Je mehr Menschen die Wahrheit wissen, umso schwerer ist es, eine Lüge zu verbreiten“, erklärt Haarmann. In der Praxis würde das heißen, ein Unternehmen teilt die Informationen über eine bestimmte Transaktion, wie eine Geldüberweisung oder die Erfüllung eines Vertragspunktes, in einem offenen Netzwerk von Tausenden von Computern. Alle speichern diese Daten und die vorherigen Transaktionen ab und können so überprüfen, ob sie korrekt sind. Kommt die Mehrheit der Computer zur Überzeugung, dass die Transaktionsdaten gefälscht oder fehlerhaft sind, werden diese abgelehnt.

Blockchain-Mechanismen machen Mittler wie Banken unnötig. Geld kann ohne Zwischenstation überwiesen werden. Diese totale Transparenz birgt aber auch Gefahren: „Bei öffentlichen Blockchains dürfen natürlich keine personenbezogenen Daten enthalten sein. Selbst bei Verschlüsselung solcher Daten könnten sie ungewollt öffentlich werden, wenn der Verschlüsselungsmechanismus geknackt wird.“ Neben öffentlichen Blockchains gibt es auch auf einen bestimmten Kreis begrenzte Versionen. Diese Form hat nach Haarmanns Sicht vor allem eine Zukunft. „Solche Blockchains entwickeln sich gerade sehr schnell. Jede Bank, jedes große Unternehmen versucht etwas auf den Weg zu bringen“, so Haarmann. Dabei betont er aber, dass es sich um eine sehr junge Technologie handelt, die noch nicht völlig ausgereift ist. Für seine Dissertation will er noch weitere Technologien untersuchen, die Unternehmen bei ihren Abläufen und Entscheidungen unterstützen könnten.

Stephan Haarmann ist der Absolventenpreisträger 2019. Er erhält für seine exzellente Masterarbeit und seine herausragenden Leistungen im Studium den Absolventenpreis der Universität Potsdam 2019. Die Jury zum Preis lobte die von Stephan Haarmann verfasste Masterarbeit mit dem Titel „Decision-Aware Compliance Checking“. Sie weise eine hohe wissenschaftliche Qualität und Originalität auf und sei in theoretischer, empirischer und methodischer Sicht wegweisend.

Kontakt zu Stephan Haarmann:
Stephan.Haarmann@hpi.de

Redaktion
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit I Carolin Krafzik

Video
ZIM/AVZ I Friederike Schommler

Foto
ZIM/AVZ I Thomas Roese

Veröffentlicht
Juni/Juli 2019