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06/17 - Lisa Luna

Foto: Corinna Micha
Die Geologin Lisa Luna kann aus der Form eines Steines Rückschlüsse auf das Klima ziehen.

Für ihre Masterarbeit hat sich Lisa Luna hoch hinaus gewagt: Auf einem 4.000 Meter hohen Felsplateau in den Anden hat die 26-jährige Geowissenschaftlerin Gesteinsproben genommen. Für ihre umfangreiche Analyse der Mineralien wird sie im Rahmen der diesjährigen zentralen Absolventenverabschiedung am 22. Juni 2017 mit dem Absolventenpreis der Universität Potsdam ausgezeichnet. 


Bei Steinen gerät Lisa Luna ins Schwärmen. „Dieser Quarz hier war vor tausenden von Jahren einmal eckig“, erzählt die 26-Jährige und streicht sorgsam über einen glatt geschliffenen Stein. Starke Winderosion habe ihm seine neue Form gegeben. „Einen solchen Kiesel würde man nie in einem Fluss finden“, verdeutlicht die Geowissenschaftlerin. An seiner Form könne man erkennen, dass der Stein lange an einer sehr windigen und trockenen Stelle gelegen habe. Welche Stelle das genau war, weiß Luna: Sie hat den Stein von ihrer Forschungsreise mitgebracht.

Im März 2015 hat die US-Staatsbürgerin fünf Wochen in Argentinien verbracht. Auf einem Felsplateau in den Anden hat sie auf 4.000 Metern Höhe Gesteinsproben entnommen und sie für ihre Masterarbeit untersucht. Für ihre Abschlussarbeit zur „Gletscherchronologie mithilfe einer kosmogenen Nuklid-Kreuzkalibrierung“, wie der Titel verkürzt lautet, hat Luna die Bestnote 1,0 erhalten. Die Gutachter waren vor allem von der umfangreichen und neuartigen Analyse des Gipfel-Materials begeistert. Für ihre chemischen Untersuchungen nutzte die Masterstudentin die Labore der Universität Potsdam, die des DeutschenGeoforschungsZentrums GFZ in Potsdam und die des Helmholtz-Zentrums Dresden-Rossendorf.

Steine als Stoppuhr


So kompliziert der Titel auch klingt – die Autorin kann ihr Forschungsziel gut vermitteln. „Mich hat einfach interessiert, wie lange bestimmte Steine an der Oberfläche des Felsplateaus gelegen haben“, erklärt Luna. Wenn ein Stein an der Oberfläche liege, dann bekäme er Strahlung aus der Atmosphäre und diese Strahlung erzeuge im Inneren der Mineralien bestimmte Nukleide. „Es ist eigentlich wie eine Stoppuhr. Der Stein kommt an die Oberfläche und die Atome sammeln sich“, veranschaulicht sie. Eine veränderte Lage der Steine lässt vor allem Rückschlüsse auf den Zustand der Gletscher zu: wenn sie schmelzen, gelangen Steine, die früher im Eis eingeschlossen waren, an die Oberfläche.

Besonders interessant ist die Spur der Steine für die Absolventin, weil sie Rückschlüsse auf das Klima zulassen: „Meine Untersuchungen zeigen, dass es auf dem Puna-Plateau vor 40.000 Jahren sehr viel mehr Niederschlag gab“, gibt die Geowissenschaftlerin ein Beispiel. Dieser Blick in die Vergangenheit ist für die Zukunft wichtig. Die Preisträgerin verdeutlicht: „Man muss die klimatischen Verhältnisse der Erdgeschichte kennen, um das gesamte Klimasystem zu verstehen.“ Ihre Untersuchungsergebnisse können dazu beitragen, dass fundierte Modelle über die künftige Klimaentwicklung der Erde entstehen.

Von Amerika nach Potsdam

Am 22. Juni 2017 wird Lisa Luna für ihre herausragende Abschlussarbeit mit dem Absolventenpreis der Universität Potsdam geehrt. Dass die US-Amerikanerin ihr Masterstudium in Brandenburg absolvieren würde, hatte sie eigentlich gar nicht geplant. Nach dem Bachelor in Geologie am renommierten Middleburry College in Vermont wollte sie auch ihren Master in den USA machen. Sie suchte einen Fachbetreuer für ihre Masterarbeit und fand Professor Bodo Bookhagen, der damals an der University of California, St. Barbara, lehrte. Als er nach Potsdam wechselte, fragte er sie kurzerhand, ob sie mitkommen möchte. Luna sagte zu: „Das wird zumindest eine interessante Erfahrung, habe ich mir gedacht.“

Im September 2014 kommt sie mit ein paar Brocken Deutsch zum Masterstudium nach Potsdam; zwei Jahre später kann sie sich problemlos unterhalten. „Ich habe viel vom Zuhören und Reden gelernt“, resümiert die die US-Amerikanerin. Nach einem vierwöchigen Abendkurs setzt sie statt Sprachschule auf Podcasts, Filme und Zeitungen. Das Ergebnis: „Sprechen klappt schon ganz gut. Nur Schreiben ist schwierig. Und der, die, das … diese Artikel kann man einfach nicht verstehen“, lacht sie. Mehr Routine hat Luna mit ihrer zweiten Fremdsprache Spanisch, die sie – auch wegen eines Auslandssemesters in Chile - fließend spricht. Die Landessprache hat ihr bei ihrem Forschungsaufenthalt in den Anden auch eine bleibende Erinnerung beschert.

Ein Mini-Gletscher im Klassenzimmer

Eine argentinische Lehrerin hatte Lunas Forschungsgruppe, die aus drei Studierenden bestand, gefragt, ob sie ihr Wissen mit den Schulkindern teilen wollen. Eine große Herausforderung, denn die kleinsten Zuhörer waren sechs Jahre alt. Die Geowissenschaftlerin hatte eine Idee: „Wir haben Sand, Steine und Wasser in eine Trinkflasche gefüllt und ins Eisfach gelegt.“ Vor den Augen der Schüler übergossen sie den Eisblock mit heißem Wasser: „Das war unser Klimawandel“, grinst Luna. Der Eisblock löste sich auf und es entstanden Stein- und Schuttstraßen, wie sie auch Gletscher zurücklassen.

„Sehr nah an diesem Dorf hat es vor tausenden von Jahren einen großen Gletscher gegeben, von dem die Schüler gar nichts mehr wussten“, berichtet Luna. Plötzlich erinnerten sich die Kinder an die Moränen und berichteten, wo sie den Spuren des Gletschers schon einmal begegnet waren. Die amerikanische Aushilfslehrerin denkt gerne gern an diesen Moment: „Das war ziemlich cool.“

Ihre Fähigkeit, ihr Wissen an verschiedene Zielgruppen zu vermitteln, kann die 26-jährige auch aktuell gebrauchen. Seit Februar 2017 arbeitet sie am New-Climate Institute in Berlin und untersucht dort den Zusammenhang zwischen politischen Entscheidungen und Treibhausgas-Emissionen. Dass Donald Trump Anfang Juni das Pariser Klimaschutzabkommen gekündigt hat, empört sie. Aber immerhin hat ihr der US-Präsident eine Idee für ihre Abschlussrede geliefert: Auf der zentralen Graduiertenfeier am 22. Juni wird Luna über Fake News und die Rolle der Wissenschaftler sprechen.

Kontakt zu Lisa Luna: 

l.luna@newclimate.nomorespam.org

Text: Redaktion 

Alumni-Team I Corinna Micha 

Veröffentlicht: 

Juni 2017