Curating the Colonial Past: The 'Migrated Archives' and the Struggle for Kenya's History
In den frühen 1960er Jahren organisierten die britischen Kolonialverwaltungen in Ostafrika die systematische Vernichtung und Entfernung geheimer Dokumente aus den Kolonien, die kurz vor der Unabhängigkeit standen. Das Colonial Office in London veranlasste die Einlagerung dieser Dokumente in Hochsicherheitsanlagen, wo sie bis 2011 unzugänglich blieben – bis zu einer Entschädigungsklage kenianischer Überlebender der britischen Kolonialherrschaft gegen das Foreign and Commonwealth Office. Curating the Colonial Past präsentiert die erste umfassende Untersuchung dieser „Migrated Archives“ und zeichnet den Kampf zwischen den britischen Versuchen der Verschleierung und den kenianischen Bemühungen um die Aufdeckung von Beweisen für die koloniale Vergangenheit nach. Da diese Unterlagen weder ausgestellt noch vernichtet wurden, untersucht Riley Linebaugh, wie sie einen archivarischen Schwebezustand bildeten, in dem die britische Regierung das moralische und rechtliche Urteil über das Empire hinauszögerte. Doch blieben diese Praktiken nicht unangefochten. Linebaugh zeigt, wie Streitigkeiten um die „Migrated Archives“ die Fortsetzung antikolonialer Souveränitätskämpfe über die Unabhängigkeit hinaus ermöglichten – Kämpfe, die bis in die Gegenwart andauern.