Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes
Ongi Etorri Euskal Herrira! – Herzlich Willkommen im Baskenland!
Was vielleicht nur die wenigstens wissen, ist, dass sich versteckt im Herzen der grünen Landschaft und Berge Nordspaniens die Stadt Vitoria-Gasteiz befindet. Neben Bilbao und San Sebastián gehört sie zu den größten Städten im País Vasco. Ebenso sind alle drei dieser Standorte Teil des Universitätsnetzwerk. Denn die Universidad del País Vasco ist nicht nur in einer Stadt zu finden, sondern gleich in allen drei. Damit fing auch direkt meine erste Erfahrung an, als ich mich auf mein Erasmus-Semester in Spanien bewarb. Alle drei Orte tragen nämlich auch denselben Erasmus-Code. Man bewirbt sich also nicht nur auf Bilbao. Abhängig vom Studienfach wird man letztendlich dem entsprechenden Standort zugeteilt.
Bei meiner Bewerbung war klar, dass ich in eine Ecke Spaniens wollte, die nicht allzu sehr touristisch ist und außerdem weniger internationale Studierende beherbergt als zum Beispiel Madrid, Barcelona oder Valencia. Und das war in Vitoria definitiv der Fall. Vielleicht ist Nordspanien sogar ein kleiner Geheimtipp. Das Wetter ist zwar nicht das ganze Jahr so mild und warm wie in Andalusien, dafür findet man aber die gleiche spanische Gelassenheit.
Studienfach: Angewandte Kulturwissenschaft und Kultursemiotik
Aufenthaltsdauer: 09/2025 - 02/2026
Gastuniversität: Universidad del País Vasco (Euskal Herriko Unibertsitatea)
Gastland: Spanien
Ohne zu wissen, was mich im Baskenland erwarten würde, nahm ich mir also vor allem vor, im Semester vor meiner Abreise, einen Spanischkurs zu belegen. Da ich meine Zusage bereits Mitte Februar erhielt, konnte ich mich mit der Vorfreude sowie Motivation für einen Sprachkurs an der Uni Potsdam anmelden. Wenn du also weißt, dass du nach Spanien gehen wirst (egal welche Stadt), ist das nur zu empfehlen, um erste Berührungspunkte mit der Sprache zu haben.
Vor Ort hat sich das als sehr hilfreich rausgestellt, da vor allem in Vitoria außerhalb der Universität wenig Englisch gesprochen wird. Es gibt zwar in einigen Studiengänge das Angebot, Kurse in Englisch zu belegen, diese korrespondieren aber nicht immer mit dem, was man vielleicht in Deutschland belegen würde. Vor allem die Menge an Kursen in Baskisch hat mich überrascht. Man muss aber eben im Hinterkopf behalten, dass hier Baskisch neben Spanisch einen extrem hohen Stellenwert hat. An der Uni kann man allerdings ebenso einen Spanisch- als auch Baskischkurs besuchen, um die Sprache und letztendlich die Kultur weiter kennenzulernen (https://www.ehu.eus/es/web/nazioarteko-harremanak/-ikasle-bisitarientzako-gaztelania/euskara-ikastaroak, sehr empfehlenswert). Wenn es einen dann vielleicht mal in ein kleines Fischerdorf an der Küste verschlagen sollte, kann man damit rechnen, dass dort mehr Baskisch als Spanisch gesprochen wird. Aber mit einem netten kaixo (Hallo) oder eskerrik asko (vielen Dank), kommt man immer gut an.
Wenn die Basken nämlich feststellen, dass man an ihrer Kultur und Geschichte interessiert ist und mehr erfahren möchte, wärmen sie oft direkt auf. Nicht nur die Gastronomie mit Pintxos (wie Tapas, für Vegetarier manchmal allerdings herausfordernd) ist vielfältig, sondern auch die Natur. Von der Küste bis in die Berge, von den Naturschutzgebieten bis in die Museen, das Baskenland hat viel zu bieten. Während meines Aufenthalts in Vitoria-Gasteiz habe ich sowohl viele der Kulturangebote der Stadt selbst genutzt (z.B. kostenlose Museen), bin aber auch durch Spaniens Norden gereist und habe verschiedenste Städte erleben dürfen.
Was den öffentlichen Nahverkehr und längere Reisen angeht, habe ich nicht mit so einem guten Netz an zuverlässigen und günstigen Busverbindungen gerechnet. Nicht nur ist Vitoria-Gasteiz, als European Green Capital von 2012, ein vorzeige Modell, wenn es zu öffentlichen Verkehrsmitteln kommt, das gleiche gilt auch für weitere Reisen. Oft sind die Busverbindungen in andere Comunidades Autónomas günstiger und schneller als mit dem Zug, mindestens aber genauso komfortabel. Busunternehmen wie ALSA (https://www.alsa.com/de/) bringen dich in fast jede Stadt, die du dir vorstellen kannst. Innerhalb des Baskenlandes kann man außerdem unterschiedliche Öffi-Karten (z.B tarjeta BAT in Vitoria, https://shorturl.at/aeQSw) nutzen und spart dabei bis zu 1€ pro Fahrt mit Tram oder Bus. Die gleiche Karte kann man dann genauso im Nahverkehr von Bilbao und San Sebastián nutzen. Da der Studierendenausweis wirklich nur ein Ausweis mit Foto ist, ist es sehr ratsam sich eine solche Karte zu zulegen. Allerdings ist vor allem Vitoria-Gasteiz eine sehr Fußgänger-freundliche Stadt. Die meisten Wege liegen zu Fuß (je nachdem, wo man wohnt) bei 10-20min.
Zur Wohnsituation kann man sagen, dass es in Vitoria grundsätzlich nicht besonders schwierig ist, ein Zimmer in einer WG zu finden. Oft werden zwar Zimmer nur für ein ganzes Jahr ausgeschrieben, aber mein persönlicher Tipp ist, so vielen Leuten wie möglich zu schreiben. Und sollte es dann immer noch nicht klappen, gibt es die Möglichkeit direkt beim International Office der Uni hier vor Ort um Hilfe zu bitten. Grundsätzlich haben die Ansprechpartner*innen hier immer ein offenes Ohr und können in den meisten Situationen schnell helfen. Für die Preise gilt, dass es sich oft um die Kaltmiete handelt und die Nebenkosten wie Gas oder Wlan separat abgerechnet werden. Eine weitere Empfehlung, die auch nochmal auf den meisten Internetseiten wie Idealista (https://www.idealista.com/de/, spanisches Immoscout) genannt wird, ist, immer um einen schriftlichen Vertrag zu bitten und im besten Fall im Vorhinein einen Videocall zu organisieren. Damit geht man auf Nummer sicher, dass das Zimmer wirklich so aussieht wie im Internet und man bekommt gleichzeitig ein Gefühl für die Person, die es vermietet. Preislich kann man letztendlich mit ca. ±450€ rechnen, je nach dem, in welcher Zone man in der Stadt wohnt.
Rückblick
Rückblickend würde ich jeder Person empfehlen, die eine andere Seite von Spanien kennenlernen möchte, das Baskenland als Ort für einen Erasmus-Aufenthalt in Erwägung zu ziehen. Die verschiedenen Standorte der Universidad del País Vasco bieten alle eine unterschiedliche Perspektive, auf die Region und sind sich doch in einem Punkt einig, wir sind hier im Baskenland und nicht in Spanien.
Laster arte! – ¡Hasta pronto!