Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes
In Vorbereitung auf den Aufenthalt habe ich alle nötigen Informationen von der UP-Website bekommen und konnte auch meine Erfahrungen aus meinem letzten Erasmus-Aufenthalt nutzen. Ich konnte also alle Unterlagen rechtzeitig sammeln und abgeben. Die Kontaktaufnahme mit der Gastuniversität war unkompliziert, man hat alle Informationen pünktlich und mit ausführlicher Anleitung erhalten. Die Universität Tartu (TÜ) forderte keine weiteren Bewerbungsunterlagen, deshalb war der Bewerbungsprozess schnell abgeschlossen und ich war angenommen. Alle Informationen zum weiteren Verlauf kamen immer pünktlich und jegliche Fragen wurden von schnell beantwortet.
Studienfach: War and Conflict Studies über Geschichte
Aufenthaltsdauer: 08/2025 - 12/2025
Gastuniversität: Universität Tartu
Gastland: Estland
Die Kurse wurden kurz vor Ankunft an der TÜ gewählt, das System war übersichtlich und wurde gut erklärt. An der TÜ kann man als Erasmus-Student Kurse aus allen Fachbereichen belegen und Kurse sind oft Bachelor-Master-übergreifend für Erasmus-Studenten. Für mich als Masterstudentin waren so manche Kurse meinem Studienlevel angemessen und dementsprechend anspruchsvoll, während andere eher Basis-Kurse waren und ich wenig neues gelernt habe. Zudem bin ich über Geschichte an die TÜ gegangen, jedoch bietet die Uni keinen Master Geschichte an und so konnte ich keine Kurse in meinem Fachbereich belegen. Ich war gezwungen auf International Relations-Kurse auszuweichen und so passten die Inhalte teilweise nicht zu meinem Wissensschatz. Dennoch waren die meisten Kurse sehr interessant und ich habe sie gerne belegt. Besonders der Fokus auf Russland und Sicherheitspolitik im allgemeinen, die die TÜ hat, waren für mich sehr ansprechend und auch der Grund für die Wahl dieser Universität. Die Anforderungen waren zudem auch sehr durchwachsen, in manchen Kursen war nur eine Klausur zu schreiben, in anderen waren bis zu vier Prüfungsleistungen fällig. Das war jedoch Dozenten- und nicht levelabhängig. Das Studienklima war sehr angenehm, die Dozenten waren auch alle sehr umgänglich, kommunikativ und offen. Als Student in den International Relations in englischsprachigen Kurse hatte ich auch fast ausschließlich mit anderen internationalen Studierenden Kurse und Kontakt. Es gab hauptsächlich Vorlesungen und keine Seminare. Die Universität ist sehr zentral gelegen und gut von den meisten Unterkünften erreichbar. Es gibt eine Hauptbibliothek mit moderaten Öffnungszeiten (am Wochenende nur von 12-18 Uhr), jedoch ist sie sehr gut ausgestattet und hat viele Aufenthaltsmöglichkeiten und sogar einen Sportraum sowie einen Essensraum. Ansonsten gibt es in den unterschiedlichen Fachhäusern noch kleinere Bibliotheken.
Da ich hauptsächlich mit internationalen Studierenden Kurse hatte, war der Kontakt zu einheimischen Studierenden eher gering. Man hat einander hauptsächlich während der Einfühurngsveranstaltungen der ersten Tage kennengelernt (diese waren ausschließlich für Internationals) und so knüpfte man dort seine Kontakte und Freundschaften.
Da die Kurse auf alle auf english waren, ist ein sehr gutes englisches Lese- und Sprechverständnis nötig, hat man dieses, ist alles sehr einfach. Mein Sprachlevel hat sich durch den Aufenthalt nicht verbessert, das liegt aber auch daran, dass meine Kurse in Potsdam fast ausschließlich auf englisch sind und ich schon vorher ein sehr hohes Sprachniveau hatte.
Die meisten Studenten wohnen im Wohnheim, dort teilt man sich oft ein Zimmer und lebt in 5/6er WGS. Ein paar Einzelzimmer sind auch verfügbar. Ich habe außerhalb des Wohnheims gewohnt, in den Rare Apartements, um ein wenig mehr Privatsphäre zu haben. Es gibt auch viele Möglichkeiten sich außerhalb des Wohnheims ein Apartement zu suchen, die Wohungssuche ist auf jeden Fall recht einfach. Preislich ist ein Doppelzimmer im Studentenwohnheim am billigsten (ca. 250€/Monat), Einzelzimmer im Wohnheim sind um de 450€, eigene Micro-Apartements gehen bei 500€/Monat los. Ich empfehle eigene Mikro-Apartements für Menschen, die gerne mehr Ruhe und Privatsphäre hätten, ansonsten ist es im Wohnheim natürlich einfacher neue Menschen kennenzulernen und mehr in die Gruppe integriert zu sein. Man braucht eigentlich keine Öffentlichen Verkehrsmittel in Tartu um sich zu bewegen, die TÜ Gebäude sind von den Unterkünften alle fußläufig in 10-15 Minuten zu erreichen. Ansonsten fahren Busse in andere Teile der Stadt oder in andere Orte. Nach Tallinn oder Riga fahren mehrmals täglich Reisebusse. Die Lebenserhaltungskosten sind ähnlich zu Deutschland, viele Lebensmittel kosten ähnlich viel. Auch Essen- und Ausgehen ist ähnlich teuer wie in Deutschland. Es gibt viele und auch große Supermärkte in Tartu und man findet alles, was man braucht.
Die Freizeitangebote sind abgesehen von den Erasmus-Angeboten eher klein, die Stadt ist generell eher klein und für eine Studentenstadt auch sehr ruhig. Wer den Großstadttrubel mag, kann sich recht schnell langweilen. Es gibt viel Wald und Natur, ansonsten aber beschränkt sich das Angebot in Tartu auf ein Kino, eine Schwimmhalle, ein paar kleinere Museen und viele Bars.
Die Erasmus-Reisen sind sehr lohnenswert, ich war auf Saaremaa und in Lappland und kann beide Reise nur Wärmsteins empfehlen. Lappland war eine einmalige Reise.
Rückblick
Was ich vorher gerne gewusst hätte? Ich habe die Universität nach Forschungsfokus ausgewählt und nicht nach Stadt und Land. Ich persönlich fand es zu ruhig im Tartu und auch Estland allgemein ist eher etwas für ruhige Wander- und Waldfans. Man braucht auch immer besser ein Auto, um sich im Land fortzubewegen oder um aus Tartu hinauszukommen. Ich kann mir auch vorstellen, dass Estland im Sommer aufregender ist als im Wintersemester.
Generell war die TÜ eine gute Universität mit vielen Angeboten, die besonders mich als Russland- und Politikinteressierte sehr angesprochen haben. Ansonsten bleibt es jedem selbst überlassen, ob man ruhige Städte bevorzugt, in denen nicht viel los ist und die auch keine aufregende Umgebung haben oder ob man doch lieber andere Orte besucht.