Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes
Schon bevor es überhaupt ins Ausland geht, ist es sehr empfehlenswert, an allen angebotenen Infoterminen teilzunehmen beziehungsweise bei den Zoom-Meetings dabei zu sein. Gerade zu Beginn der Bewerbungs- und Anmeldephase hatte ich, wie wahrscheinlich viele andere auch, noch sehr viele Fragezeichen im Kopf. Mit der Zeit legten sich diese Unsicherheiten jedoch zunehmend, vor allem dadurch, dass viele Abläufe nach und nach klarer wurden.
Besonders hilfreich war es für mich, mich mit Kommiliton:innen zu vernetzen, die bereits zuvor am gleichen Zielort waren. Durch den Austausch konnten viele offene Fragen schnell geklärt werden, vor allem zu organisatorischen und praktischen Themen, die in offiziellen Informationsveranstaltungen oft nur am Rande erwähnt werden.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Kommunikation über die Uni-Mail. Da nahezu alle relevanten Informationen, Fristen und Anmeldungen darüber laufen, ist es wichtig, eine Weiterleitung einzurichten. So stellt man sicher, dass keine wichtigen Mails oder Deadlines verpasst werden, denn gerade in der Vorbereitungsphase gibt es sehr viele Anmeldungen und Formulare zu erledigen.
Auch wenn der organisatorische Aufwand anfangs groß erscheint, lohnt sich dieser letztendlich vollkommen. Die Zeit, die man im Ausland verbringt, wird so besonders und einzigartig, dass all die Vorbereitung schnell in den Hintergrund rückt.
Wohnen in Norwegen und Unterkunftssuche
Ein großer Vorteil eines Erasmus-Aufenthalts in Bergen ist die sogenannte „Housing-Garantie“. Das bedeutet, dass man sich rechtzeitig bei „Sammen“ bewerben kann und dann eine Unterkunft zugewiesen bekommt, ohne lange und stressig nach einem Apartment suchen zu müssen.
Aus meiner Erfahrung heraus ist es kaum sinnvoll, sich nach Alternativen außerhalb von Fantoft umzusehen. Auch wenn andere Wohnoptionen auf den ersten Blick attraktiver wirken mögen, landen in etwa 90 % der Fälle ohnehin die meisten internationalen Studierenden in Fantoft. Genau das macht den Wohnort jedoch besonders: Man lebt dort automatisch in engem Kontakt mit anderen internationalen Studierenden, was das Knüpfen von Freundschaften und den Austausch enorm erleichtert. Dadurch werden die Beziehungen innerhalb des Erasmus-Aufenthalts intensiver und persönlicher.
Ich selbst habe im Gebäude Fantoft TRE (Haus R) gewohnt, was ich sehr empfehlen kann. Zwar hat man dort mehr Mitbewohner:innen, dafür aber auch deutlich mehr Platz. Gleichzeitig entstehen dadurch automatisch erste soziale Kontakte, mit denen man einen großen Teil seines Erasmus-Alltags teilt, sei es beim Kochen, Lernen oder gemeinsamen Unternehmungen.
Kurse und Studium an der Universität Bergen
An der Universität Bergen werden einige Kurse auf Englisch angeboten, allerdings gibt es auch sehr viele Lehrveranstaltungen, die ausschließlich auf Norwegisch stattfinden. In meinem Fall war es deshalb so, dass in den englischsprachigen Kursen überwiegend internationale Studierende sitzen. Insgesamt hatte ich während meines Erasmus-Aufenthalts nur sehr wenig Kontakt zu norwegischen Studierenden. Rückblickend empfand ich das jedoch nicht als problematisch, da mir die internationalen Freundschaften und Kontakte vollkommen ausgereicht haben und mein soziales Umfeld dadurch sehr bereichernd war.
Die Dozierenden sind sich in den englischsprachigen Kursen in der Regel bewusst, dass Englisch für die meisten Studierenden nicht die Muttersprache ist. Entsprechend wird das sprachliche Niveau angepasst, was den Einstieg und das Mitkommen in den Veranstaltungen deutlich erleichtert hat.
Die Kurse in Norwegen sind generell höher bewertet. Die Punktzahl beginnt meist bei sieben Leistungspunkten und kann bis zu 15 Punkte pro Kurs reichen. Ich selbst hatte beispielsweise zwei Kurse mit jeweils 15 Leistungspunkten. Der Vorteil daran ist, dass man weniger Kurse belegen muss, um auf die geforderte Gesamtpunktzahl zu kommen. Gleichzeitig bedeutet das jedoch auch einen höheren Arbeitsaufwand pro Kurs.
Dieser zeigt sich vor allem in den umfangreichen Leselisten, die begleitend zu den Kursen bearbeitet werden sollten. In meinen Kursen waren die meisten Artikel und Bücher glücklicherweise online verfügbar, sodass ich mir nur ein einziges Buch kaufen musste, was für mich gut vertretbar war. Von anderen Studierenden habe ich jedoch gehört, dass dies je nach Kurs unterschiedlich sein kann. In solchen Fällen lohnt es sich, Bücher gemeinsam mit Kommiliton:innen zu teilen. Außerdem musste ich in meinen zwei Kursen eine Art „Zwischenprüfung“ bestehen. Es war aber im Großem und Ganzen gut machbar.
Besonders positiv aufgefallen ist mir die sehr gute Organisation zu Beginn des Semesters, vor allem für internationale Studierende. Es gab zahlreiche Einführungs- und Informationsveranstaltungen, die ich wirklich jedem empfehlen würde zu besuchen. Einerseits lernt man dort viele andere internationale Studierende kennen. Gerade in der Anfangsphase, in der noch niemand wirklich Kontakte hat, entstehen oft die Freundschaften für das gesamte Erasmus. Andererseits werden bei diesen Veranstaltungen auch viele Angebote außerhalb des universitären Kontexts vorgestellt, etwa Freizeitaktivitäten, Organisationen oder Möglichkeiten für gemeinsame Trips. Insgesamt sind diese Einführungsveranstaltungen eine große Hilfe, um gut in das Semester und das Leben in Bergen zu starten.
Freizeit, Natur und Nachtleben in Bergen
Freizeitmäßig gibt es in Bergen wirklich sehr viel zu erleben. In erster Linie steht dabei natürlich das Wandern im Vordergrund. Die Stadt ist von sieben Bergen umgeben, die alle unterschiedliche Höhen und Routen haben. Auch wenn keiner der Berge extrem hoch ist, sind die Wanderungen landschaftlich sehr schön und abwechslungsreich. Besonders ambitionierte Wanderer nehmen sich vor, alle sieben Berge an einem Tag zu besteigen, es reicht jedoch vollkommen aus, sich während des Erasmus-Aufenthalts nach und nach einzelne Gipfel als Ziel zu setzen ;)
Neben den bekannten sieben Bergen gibt es auch außerhalb davon viele weitere schöne Wanderrouten rund um Bergen, die sich hervorragend für Tagesausflüge eignen. Wichtig ist dabei, auf das richtige Equipment zu achten: Gute Wanderschuhe und eine Regenjacke sind ein absolutes Muss.
Darüber hinaus bieten sich auch Cabin-Trips an, bei denen man über mehrere Tage wandert und in Hütten übernachtet. Erste Informationen dazu werden bereits bei den Einführungsveranstaltungen zu Beginn des Semesters geteilt. Zusätzlich organisiert auch die Studierendenorganisation ESN regelmäßig Trips für internationale Studierende. In meinem Fall ging es unter anderem auf die Lofoten sowie ins finnische Lappland. Der große Vorteil dieser organisierten Trips ist, dass man sich um kaum etwas selbst kümmern muss, sondern den Ausflug einfach buchen kann. Auch hierzu gab es zu Beginn des Semesters eine eigene Informationsveranstaltung.
Neben Natur und Outdoor-Aktivitäten bietet Bergen auch ein kleines, aber lebendiges Nachtleben. Es gibt zahlreiche Bars sowie einige Clubs beziehungsweise clubähnliche Locations, die vor allem bei Studierenden sehr beliebt sind. Da Bergen keine besonders große Stadt ist, sind die Wege kurz, und man kommt auch nachts problemlos wieder nach Hause. Ich persönlich habe mich dort immer sicher gefühlt, war aber dennoch meist in einer Gruppe unterwegs. Das Nachtleben endet vergleichsweise früh: Bars und Clubs schließen in der Regel gegen drei Uhr nachts, sodass man am nächsten Tag nicht den ganzen Tag verschläft.
Wichtig zu wissen ist außerdem, dass die meisten Bars und Clubs, in denen sich auch viele internationale Studierende aufhalten, erst ab 20 Jahren zugänglich sind. Daher kann es sinnvoll sein, den Auslandsaufenthalt nicht unbedingt direkt im ersten Studienjahr zu planen, wenn man diese Angebote vollständig nutzen möchte.
Studienfach: Europäische Medienwissenschaft
Aufenthaltsdauer: 08/2025 - 12/2025
Gastuniversität: Universitetet i Bergen
Gastland: Norwegen
Rückblick
Persönliche Tipps und praktische Hinweise zum Abschluss
Ein Thema, das im Zusammenhang mit Norwegen fast immer zur Sprache kommt, sind die Lebenshaltungskosten. Zum einen bezahlt man alles in norwegischen Kronen und muss Preise anfangs ständig im Kopf umrechnen, zum anderen ist Norwegen insgesamt ein eher teures Land. Zwar gewöhnt man sich mit der Zeit an das Preisniveau, dennoch sollte man sich im Vorfeld darauf einstellen und seine Ausgaben bewusst im Blick behalten.
In diesem Zusammenhang fand ich die Housing-Garantie besonders hilfreich, da die Miete vergleichsweise moderat war. Zusätzlich gibt es einige Möglichkeiten, im Alltag Geld zu sparen. Es gibt Apps, die aktuelle Sonderangebote in Supermärkten anzeigen, und außerdem gibt es bestimmte Supermarktketten, die günstiger sind als andere z.B REMA oder KIWI. Diese kleinen Tipps machen im Laufe des Aufenthalts definitiv einen Unterschied.
Zu Beginn des Semesters gab es bei uns außerdem ein sogenanntes Reuse-Festival in Fantoft. Dort konnten Studierende Möbel und Haushaltsgegenstände abgeben, die sie nicht mehr benötigten, und andere konnten diese kostenlos mitnehmen. Ob dieses Festival jedes Semester stattfindet, weiß ich nicht, dennoch lohnt es sich, danach Ausschau zu halten. Mein klarer Tipp hierzu: sehr früh anstellen. Auch wenn der Vorteil beim Wohnen in Fantoft die kurze Wegstrecke ist, lohnt es sich wirklich, etwa 45 Minuten bis eine Stunde vorher da zu sein. Außerdem empfiehlt es sich, vorab zu überlegen, welche Dinge man tatsächlich benötigt.
Eine Kreditkarte zu haben, ist auch auf jeden Fall ein GameChanger. Außerdem lohnt es, sich eine norwegische Nummer zu besorgen, weil man dadurch ein paar Vorteile hat. Zum Beispiel konnte man sich kostenlos Ski Equipment ausleihen.
Ich hatte eine einmalig schöne Erfahrung in Bergen und hab mich einerseits in die Stadt und in das Land verliebt, aber hab auch Menschen getroffen, die mich auf meinem weiteren Weg auf jeden Fall begleiten werden.