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Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes

Für mich war eigentlich schon früh klar, dass ich ein Auslandssemester in Israel machen möchte, weil ich ein paar Jahre zuvor bereits einmal dort gewesen war. Die einzige Frage war für mich: Wohin genau? Neben Tel Aviv kommen ja auch Haifa oder Jerusalem infrage, und ich bin sicher, dass jede dieser Städte eine gute Wahl ist. Tel Aviv ist aber einfach ein Ort, an dem man als Student unglaublich viel machen kann. Die Stadt ist jung, lebendig und schläft, außer an Shabbat, eigentlich nie.

Ich habe mich dann für die Tel Aviv University entschieden und mich früh mit den Abläufen vor Ort vertraut gemacht. Die Unterlagen, die ich für die Bewerbung einreichen musste, konnte ich gut vorbereiten, und die Universität Potsdam leitet einen wirklich verständlich durch den gesamten Prozess. Im Grunde läuft es so ab: Man bewirbt sich zuerst bei der Universität Potsdam mit Motivationsschreiben und den entsprechenden Nachweisen. Die Uni Potsdam leitet die Unterlagen dann an die Partneruniversität weiter. Viel komplizierter war es ehrlich gesagt nicht.

Auch der Visumsprozess war unkompliziert. Ich habe einfach auf der Website der israelischen Botschaft in Berlin nachgeschaut, einen Termin vereinbart und dort genau gesehen, welche Unterlagen ich mitbringen muss. Wichtig ist vor allem, dass der Reisepass gültig ist. Mein Visum wurde dann direkt vor Ort ausgestellt. Insgesamt war das alles deutlich unkomplizierter, als ich vorher erwartet hatte.

Eine Auslandskrankenversicherung habe ich beim ADAC abgeschlossen. Dort konnte ich das genaue An- und Abreisedatum angeben, was ich praktisch fand. Ein kleiner, aber für mich sehr hilfreicher Tipp an alle, die eine Brille tragen: Nehmt auf jeden Fall eine Ersatzbrille aus Deutschland mit. Ich hatte etwas Sorge, dass meine Brille vor Ort kaputtgehen könnte und ich mit meiner Sehstärke nicht so schnell passenden Ersatz finde.


Studienfach: Politik, Verwaltung und Organisation 

Aufenthaltsdauer: 10/2025 - 02/2026

Gastuniversität: Tel Aviv University

Gastland: Israel

Studium an der Gastuniversität

Bevor ich nach Israel gereist bin, habe ich bereits in Deutschland meine Kurse gewählt. Auch dazu bekommt man von der Gastuniversität rechtzeitig E-Mails mit den Zugangsdaten und einem Link zur Kurswahl. Darüber kann man sich dann die Kurse aussuchen, die einen interessieren. Ich habe unter anderem Kurse wie „Islam and Politics“ und „Trauma in Israeli Documentary Film“ belegt. Die Auswahl ist – ähnlich wie in Deutschland – teilweise ziemlich groß und anfangs auch etwas überwältigend. Wenn man sich aber ein bisschen Zeit nimmt und sich gründlich damit beschäftigt, findet man sich gut zurecht.

Das Studium an der Tel Aviv University hat mir wirklich sehr gefallen. Die Dozierenden waren engagiert, offen und haben immer wieder betont, dass man dort ist, um mitzudenken und mitzudiskutieren. Die Lehre war insgesamt sehr lebendig. Es ist definitiv kein Ort der Anonymität, und genau das hat mir gut gefallen. Man hatte das Gefühl, dass echtes Interesse an Austausch besteht. Es kam oft vor, dass ich nach dem Seminar noch mit Professorinnen, Professoren oder anderen Studierenden über einzelne Themen weitergesprochen habe. Besonders empfehlen kann ich den Kurs „Israel Past and Present“. Dort bekommt man einen sehr guten Überblick über die Geschichte Israels, und die Dozentin war wirklich großartig.

Die Studienkoordinatorin meldet sich bei einem, und wenn Fragen auftauchen, kann man sich jederzeit an sie wenden oder ins „Green House“ auf dem Campus gehen. Ich persönlich hatte gar nicht so oft Anliegen, aber ich hatte trotzdem den Eindruck, dass dort alle sehr bemüht sind und einem weiterhelfen wollen.

Auch die Universität selbst und ihre Ausstattung haben mir sehr gefallen. Es gibt viele Cafés, Sitzmöglichkeiten und schöne Lernorte auf dem Campus. In Kombination mit dem guten Wetter war der Uni-Alltag dadurch oft wirklich angenehm, und der Campus war für mich nicht nur ein Lernort, sondern auch ein Ort, an dem man sich einfach gern aufgehalten hat.

Kontakte zu einheimischen und ausländischen Studierenden:

Ich habe vor Ort schnell Anschluss gefunden. Es gibt viele US-amerikanische Studierende, unter anderem durch das Columbia-TAU-Programm, darauf kann man sich schon einmal einstellen. Insgesamt war es aber sehr leicht, Leute kennenzulernen. Oft hat es schon gereicht, nach einem Kurs noch zusammen einen Kaffee trinken zu gehen oder sich auf dem Campus wiederzutreffen. Dadurch haben sich schnell Kontakte ergeben, sowohl zu internationalen als auch zu israelischen Studierenden.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Da ich meine anderen Kurse so spannend fand, habe ich mich irgendwann entschieden, den Hebräischkurs wieder abzuwählen. Einerseits war er recht anspruchsvoll, andererseits waren mir die anderen Kurse, die ich unbedingt belegen wollte, wichtiger. Vom Pensum her wäre es mir sonst einfach zu viel geworden. Trotzdem nimmt man natürlich einiges mit, wenn man mehrere Monate vor Ort lebt. Ich habe viele Begriffe im Alltag aufgeschnappt und gemerkt, dass man durch das tägliche Leben automatisch etwas mitnimmt. Grundsätzlich kommt man aber sehr gut mit Englisch zurecht, weil die meisten Menschen in Israel sehr gut Englisch sprechen.

Wohn- und Lebenssituation:

Ich habe mir meine Unterkunft über Airbnb organisiert und in Givatayim gelebt. Der Hintergrund war vor allem, dass ich mir wegen der sicherheitspolitischen Lage die Möglichkeit offenhalten wollte, im Notfall auch kurzfristig zu stornieren. Das wäre bei einem Uni-Dorm vermutlich komplizierter gewesen. Je nachdem, für welches Wohnheim man sich entscheidet, war meine Airbnb-Unterkunft am Ende auch nicht teurer.

Die Unterkunft hatte mehrere Zimmer, daher wohnten dort, wie man es von Airbnb kennt, unterschiedliche Menschen: manche blieben einige Wochen, andere waren nur für ein paar Tage da. Ich hatte viel Platz, eine bereits eingerichtete Küche, ein Wohnzimmer und vor allem eine richtig schöne Dachterrasse mit Skylineblick. Außerdem musste ich mich nicht erst um Dinge wie Pfannen oder sonstige Küchenausstattung kümmern, wie es bei Dorms der Fall ist. 

Besonders angenehm war auch der Kontakt zur Hostin Varda. Sie wohnte nicht selbst dort, war aber mehrmals pro Woche da, um sich zum Beispiel um den Garten auf der Terrasse zu kümmern oder kleinere Dinge in der Wohnung zu regeln. Zusätzlich kam alle zwei Wochen jemand zum Putzen.

Die Lage war für mich ideal. Ich bin ungefähr 20 Minuten mit dem Bus zur Uni gefahren, und die Bushaltestelle war fast direkt vor der Haustür. Generell kommt man mit den öffentlichen Verkehrsmitteln sehr gut durch die Stadt, teilweise sogar deutlich unkomplizierter, als man es aus Deutschland kennt. Auf dem Rückweg im Feierabendverkehr konnte die Fahrt allerdings auch mal 40 Minuten dauern. Ihr holt euch zu Beginn eures Aufenthalts einfach eine sogenannte „Rav-Kav“, die man einfach per Handy mit Geld aufladen kann und dann bei jeder Fahrt entwertet.

Was ich an einer Unterkunft außerhalb des Campus besonders mochte: Ich hatte das Gefühl, wirklich im Alltag vor Ort anzukommen. Es war keine studentische „Bubble“, sondern echtes Leben. Ich hatte israelische Nachbarn, und genau das hat meine Zeit dort besonders gemacht. Meine Nachbarin aus dem dritten Stock war in meinem Alter, wohnte noch bei ihren Eltern, und wir haben uns richtig gut verstanden. Solche Begegnungen haben mein Auslandssemester für mich besonders wertvoll gemacht.

Wichtig war mir außerdem, dass die Unterkunft, wie für viele andere vermutlich auch, einen Schutzraum hatte, falls es zu einem Raketenangriff kommen sollte. Das war der Fall. Ich würde deshalb jedem empfehlen, bei der Unterkunft vorher konkret nachzufragen. Ich weiß, dass viele auch über Facebook-Gruppen oder andere Plattformen eine Unterkunft suchen. Ich selbst habe es mir ehrlich gesagt einfach gemacht und direkt über Airbnb etwas Passendes gefunden, deshalb kann ich zu anderen Wegen nicht so viel sagen.

Abgesehen davon kann man in Tel Aviv wirklich unglaublich viel machen. Es gibt unzählige Cafés, Restaurants und generell sehr viel Leben in der Stadt. Es lohnt sich auf jeden Fall, das auch auszunutzen. Bezahlt habe ich fast alles digital, meistens einfach mit meiner Visa-Karte über das Handy. Bargeld würde ich nur für die Anreise oder den Notfall empfehlen, zum Beispiel falls man nach der Landung ein Taxi braucht. Ansonsten habe ich kaum Bargeld genutzt. Vieles läuft dort noch digitaler ab, als man es aus Deutschland kennt.

Was man allerdings ehrlich sagen muss: Israel ist teuer. Das merkt man vor allem auch beim Einkaufen. Ich habe deshalb versucht, viel selbst zu kochen, was sich finanziell auf jeden Fall gelohnt hat. Irgendwann gewöhnt man sich zwar an die Preise, aber günstig ist der Alltag dort definitiv nicht.

Studienfach: Politik, Verwaltung und Organisation 

Aufenthaltsdauer: 10/2025 - 02/2026

Gastuniversität: Tel Aviv University

Gastland: Israel

Rückblick

Ich würde dieses Auslandssemester jederzeit wieder machen. Auch wenn ich mich zwischendurch manchmal darüber geärgert habe, warum alles so teuer sein muss oder wenn ein Airbnb-Gast mal wieder seinen Kram nicht weggeräumt hat: Die positiven Erfahrungen überwiegen ganz klar. Ich habe unglaublich tolle Menschen kennengelernt, fachlich viel dazugelernt, das Lernumfeld als sehr inspirierend erlebt und meine Freizeit in Tel Aviv wirklich genossen.

Ich bin oft einfach von meiner Unterkunft in Givatayim zu Fuß zum Strand gelaufen, einige Male sogar nachts wieder nach Hause. Dabei habe ich mich immer sicher gefühlt. Auch mit Blick auf die politische und militärische Lage habe ich mich vor Ort nie panisch oder dauerhaft verunsichert gefühlt. Mir war vor der Reise bewusst, dass es in Israel immer wieder zu angespannten Situationen kommen kann. Genau das war auch Teil meines Interesses: Ich wollte erleben, wie sich das Leben in einem Land anfühlt, das mit einer solchen Bedrohungslage umgehen muss.

Ich war von Oktober 2025 bis Februar 2026 dort und bin drei Tage vor der späteren Eskalation mit dem Iran zurückgeflogen – im Nachhinein also mit viel Glück. Bereits im Januar gab es einen Abend, an dem der Luftraum gesperrt war und viele mit einer größeren Eskalation rechneten. Plötzlich erreichten mich Nachrichten mit Tipps, was man am besten für den Schutzraum packen sollte. Was aus der Außenperspektive sehr beängstigend klingt, hat sich für mich vor Ort aber nicht so angefühlt. Viele Menschen dort haben sehr ruhig und routiniert auf solche Situationen reagiert. Mir wurde immer wieder gesagt: Mach dir keine Sorgen. Wenn etwas passiert, ist die Infrastruktur darauf ausgelegt, dass man schnell Schutz finden kann. Diese Haltung hat mich beeindruckt. Natürlich muss das jeder für sich selbst individuell abwägen. Für mich persönlich war es aber genau richtig, trotz Warnungen zu gehen. Ich war mit meinem Auslandssemester rundum zufrieden und würde diese Erfahrung nicht missen wollen.

Mein wichtigster Tipp:

Mein wichtigster Tipp ist, sich von den formalen Schritten nicht abschrecken zu lassen. Sowohl die Bewerbung über die Universität Potsdam als auch der Visumsprozess waren bei mir deutlich unkomplizierter, als ich es erwartet hatte. Es hilft, früh mit der Planung anzufangen, alle Dokumente sauber zusammenzustellen und sich rechtzeitig um Reisepass, Versicherung und Unterkunft zu kümmern. Für die Unterkunft würde ich empfehlen, sich vorher gut zu überlegen, wie wichtig einem Flexibilität ist. Für mich war genau das ausschlaggebend. Außerdem würde ich jedem raten, eine Ersatzbrille, etwas Bargeld für den Notfall und, je nach Unterkunft, die Information zum Schutzraum direkt mit einzuplanen.

Besonders gute oder weniger gute Erfahrungen:

Besonders gut waren für mich ganz klar die Offenheit an der Universität, die spannenden Kurse, die Nähe zu den Dozierenden, der Alltag in Tel Aviv und die vielen Begegnungen mit Menschen vor Ort. Auch meine Wohnsituation in Givatayim war für mich ein großer Pluspunkt, weil ich dadurch nicht nur als Austauschstudentin in einer Blase unterwegs war, sondern das Gefühl hatte, wirklich ein Stück Alltag in Israel mitzuerleben. Weniger gut waren vor allem die hohen Lebenshaltungskosten – daran lässt sich leider wenig schönreden. Auch das Zusammenleben in einer geteilten Unterkunft war manchmal etwas anstrengend. Trotzdem sind das für mich im Rückblick eher kleine Nebensachen, verglichen mit allem, was ich in dieser Zeit mitnehmen durfte.


Israel

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