Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes
Bereits vor Beginn meines Studiums der Rechtswissenschaften stand für mich fest, im Laufe des Studiums für ein Jahr in Australien zu studieren. Entsprechend informierte ich mich schon in den ersten Wochen des ersten Semesters über mögliche Programme und Bewerbungsverfahren. Da eine Bewerbung erst im zweiten Semester möglich war, nutzte ich die zur Verfügung stehende Zeit, um meine Bewerbungsunterlagen frühzeitig und sorgfältig vorzubereiten.
Im zweiten Semester reichte ich meine Bewerbung ein und wurde zu einem Auswahlgespräch eingeladen, das in englischer Sprache geführt wurde. Nach einiger Zeit erhielt ich die Zusage für das Study-Abroad-Programm, worüber ich mich sehr freute. In der Folge begann die organisatorische Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes, insbesondere die Beantragung des Visums, der Abschluss einer Krankenversicherung sowie die Organisation geeigneter Zahlungsmittel.
Bereits vor Beginn des Aufenthalts stand ich in engem Austausch mit dem International Office der University of Technology Sydney (UTS), da einige rechtswissenschaftliche Kurse zunächst nicht regulär wählbar waren und daher separat bei der juristischen Fakultät angefragt werden mussten. Nach Erhalt des Studentenvisums buchte ich schließlich mein One-Way-Flugticket nach Sydney - ein Moment, in dem mein Ziel, auf welches ich intensiv hingearbeitet habe, greifbar wurde.
Studium an der UTS
Das Studium an der University of Technology Sydney stellte für mich in jeder Hinsicht eine sehr bereichernde Erfahrung dar. Die Auswahl rechtswissenschaftlicher Kurse erfolgt an der UTS größtenteils über ein separates Genehmigungsverfahren der Fakultät. Entsprechend traf ich zunächst eine Vorauswahl der Kurse, die meinem fachlichen Interesse entsprachen, und stellte anschließend eine digitale Anfrage (e-request) an die juristische Fakultät. Diese wurde innerhalb weniger Tage bearbeitet, und die gewünschten Kurse wurden genehmigt. Die vollständig digitalisierte Infrastruktur der UTS ermöglicht dabei effiziente und transparente Verwaltungsprozesse.
Das Semester begann mit einer Orientierungswoche, in deren Rahmen zahlreiche Veranstaltungen angeboten wurden. Diese boten nicht nur organisatorische Unterstützung, sondern auch vielfältige Gelegenheiten zum sozialen Austausch, sodass ich früh Kontakte knüpfen und mich in das universitäre Umfeld integrieren konnte.
Die von mir belegten rechtswissenschaftlichen Kurse erwiesen sich als fachlich und inhaltlich besonders interessant, da das Common-Law-System für mich neu war. Die Auseinandersetzung mit diesem Rechtssystem eröffnete mir eine rechtsvergleichende Perspektive. Die Lehrveranstaltungen gliederten sich in Vorlesungen und Seminare. Die Vorlesungen wurden überwiegend in Form voraufgezeichneter
Podcasts angeboten, in denen die Inhalte anhand von PowerPoint-Präsentationen vermittelt wurden. Ergänzend standen in einigen Kursen Online-Quizze zur Verfügung, die eine selbstständige Überprüfung des Lernfortschritts ermöglichten.
Die Seminare fanden teilweise in Präsenz, teilweise online statt und stellten für mich den zentralen Ort des fachlichen Austauschs dar. Hier wurden konkrete Fälle analysiert sowie rechtliche Fragestellungen gemeinsam diskutiert. In ihrer Funktion und Arbeitsweise sind diese Seminare mit den Arbeitsgemeinschaften (etwa im Bereich BGB AT) an der Universität Potsdam vergleichbar.
Hervorzuheben ist zudem die sogenannte Law Lounge, ein exklusiver Arbeits- und Aufenthaltsbereich für Studierende der Rechtswissenschaften im modernsten Gebäude der UTS. Die Law Lounge ist ein essentieller Ort für alle UTS-Studierenden der Rechtswissenschaften, in welchem sich üblicherweise nach und vor Seminaren getroffen wird - viele Studierenden arbeiten hier (oder in der Bibliothek) an Aufgaben oder bereiten Diskussionen vor.
Auch außerhalb des Studiums bot die UTS vielfältige Möglichkeiten zur aktiven Freizeitgestaltung. Da ich regelmäßig jogge, trat ich dem UTS Run Club bei, der mir nicht nur einen sportlichen Ausgleich, sondern auch weitere Gelegenheiten bot, Studierende aus unterschiedlichen Ländern kennenzulernen.
Insgesamt habe ich das Studium an der UTS als fachlich spannend, gut strukturiert und zugleich offen und unterstützend erlebt. Besonders für Jurastudierende stellt die UTS aus meiner Sicht eine sehr empfehlenswerte Gasthochschule dar.
Kontakte zu einheimischen und ausländischen Studierenden
Da ich ausschließlich rechtswissenschaftliche Kurse belegt habe, war ich stark in den Studienalltag australischer Jurastudierender eingebunden. Viele meiner Kommilitoninnen und Kommilitonen waren Einheimische, wodurch ich einen authentischen Einblick in die australische Studienkultur im juristischen Bereich gewinnen konnte. Der fachliche Austausch beschränkte sich dabei nicht auf die Lehrveranstaltungen, sondern setzte sich in selbstorganisierten Lerngruppen sowie insbesondere in der gemeinsamen Vorbereitung auf Prüfungen fort.
Gleichzeitig ergaben sich zahlreiche Kontakte zu internationalen Studierenden aus unterschiedlichen Ländern, die - ähnlich wie ich - für ein oder zwei Semester an der UTS studierten. Die Verbindung aus lokalen und internationalen Perspektiven empfand ich als besonders bereichernd, sowohl in fachlicher als auch in persönlicher Hinsicht.
Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt
Vor Beginn meines Auslandsaufenthaltes verfügte ich über gute allgemeine Englischkenntnisse, jedoch nur über begrenzte Erfahrung im juristischen Fachenglisch. Insbesondere in den ersten Wochen stellte es eine Herausforderung dar, allen komplexen rechtlichen Ausführungen in Vorlesungen zu folgen und sich aktiv an Diskussionen mit einheimischen Jurastudierenden zu beteiligen.
Im Verlauf des Semesters verbesserte sich meine Sprachkompetenz jedoch deutlich. Durch die kontinuierliche Verwendung der englischen Sprache in Lehrveranstaltungen, beim Verfassen schriftlicher Assignments sowie im alltäglichen akademischen Austausch gewann ich zunehmend Sicherheit im mündlichen wie im schriftlichen Ausdruck. Insbesondere im juristischen Bereich konnte ich meine Fachsprache erheblich erweitern und bin nun in der Lage, differenzierte rechtliche Diskussionen zu führen.
An der Universität Potsdam ist ein Sprachkurs zur Vermittlung juristischer Ausdrucksweisen in englischer Sprache verpflichtend. Aufgrund meines Studiums an der UTS und der dort belegten juristischen Kurse wurde mir dieser Sprachkurs als gleichwertig anerkannt, sodass ich ihn nach meiner Rückkehr nicht mehr absolvieren muss.
Wohn- und Lebenssituation
Bereits vor meiner Ankunft in Sydney bemühte ich mich um eine geeignete Unterkunft. Hierzu nahm ich Kontakt zu Austauschstudierenden der Universität Potsdam auf, die sich bereits vor Ort befanden, um von deren Erfahrungen hinsichtlich des Studienalltags und der Wohnungssuche zu profitieren - oder um von diesen sogar als Nachmieter/in vorgeschlagen zu werden (dies erspart die eigenständige Wohnungssuche). Dieses Vorgehen erwies sich als sehr hilfreich und ist aus meiner Sicht allen zukünftigen Austauschstudierenden sehr und dringend zu empfehlen!
Schließlich erhielt ich allerdings einen Platz im Studierendenwohnheim Yura Mudang, wo ich in einer Wohngemeinschaft mit fünf weiteren Studierenden lebte.
Die durchschnittliche Miete für ein WG-Zimmer in Sydney liegt bei etwa 700 bis 800 Euro.
Der Abschluss einer Krankenversicherung ist in Australien Voraussetzung für die Beantragung eines Studierendenvisums. Der entsprechende Prozess ist gut strukturiert und wird durch umfangreiche Informationsangebote der Universitäten und Versicherungsanbieter begleitet. Besonders verbreitet ist hierbei Medicare, das von vielen internationalen Studierenden gewählt wird.
Darüber hinaus informierte ich mich vorab über geeignete Zahlungsmittel für den Auslandsaufenthalt, da meine Hausbank hohe Gebühren für Auslandstransaktionen erhebt. Ich entschied mich letztlich für eine Bankkarte von Wise, mit der ich sehr zufrieden war, da Überweisungen von meiner deutschen Kreditkarte schnell und unkompliziert möglich waren.
Studienfach: Rechtswissenschaften
Aufenthaltsdauer: 07/2025 - 11/2025
Gastuniversität: University of Technology Sydney
Gastland: Australien
Rückblick
Rückblickend kann ich einen akademischen Auslandsaufenthalt an der University of Technology Sydney uneingeschränkt empfehlen, insbesondere für Studierende der Rechtswissenschaften. Auch wenn ein Auslandssemester auf den ersten Blick mit organisatorischem Aufwand verbunden ist oder die Sorge besteht, Studienzeit als Studierende/r der Rechtswissenschaften zu “verlieren“, überwiegen die fachlichen, sprachlichen und persönlichen Zugewinne deutlich.
Ein Studium im Ausland bietet die Möglichkeit, juristische Fragestellungen aus einer rechtsvergleichenden Perspektive zu betrachten und zugleich interkulturelle Kompetenzen zu entwickeln sowie ein internationales Netzwerk aufzubauen. Vor dem Hintergrund der zunehmenden Internationalisierung der Rechtswissenschaften stellt eine solche Erfahrung aus meiner Sicht eine wertvolle Ergänzung des Studiums dar. Ich kann daher allen Studierenden nur empfehlen, sich frühzeitig über entsprechende Programme zu informieren und die notwendigen Schritte rechtzeitig in die Wege zu leiten.