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Laufende Promotionen

Teresa Löckmann

(Promotion im Rahmen des Projekts Organisation und Recht)

 

Lene Baumgart

Promotion im Rahmen des Projekts Organisationale Implikationen der Digitalisierung (voraussichtlicher Abschluss: März 2024)

Ausgehend von der Beobachtung, dass die aktuelle Digitalisierungsforschung die Ambivalenz der Digitalisierung zwar erkennt, aber nicht zum Gegenstand ihrer Analysen macht, fokussiert die Dissertation von Lene Baumgart auf die ambivalente Dichotomie aus Potenzialen und Problemen, die mit digitalen Transformationen von Organisationen einhergeht. Entlang von sechs Publikationen wird mit einem systemtheoretischen Blick auf Organisationen die spannungsvolle Dichotomie hinsichtlich dreier ambivalenter Verhältnisse aufgezeigt: Erstens wird in Bezug auf das Verhältnis von Digitalisierung und Postbürokratie deutlich, dass digitale Transformationen das Potenzial aufweisen, postbürokratische Arbeitsweisen zu erleichtern. Parallel ergibt sich das Problem, dass auf Konsens basierende postbürokratische Strukturen Digitalisierungsinitiativen erschweren, da diese auf eine Vielzahl von Entscheidungen angewiesen sind. Zweitens zeigt sich mit Blick auf das ambivalente Verhältnis von Digitalisierung und Vernetzung, dass einerseits organisationsweite Kooperation ermöglicht wird, während sich andererseits die Gefahr digitaler Widerspruchskommunikation auftut. Beim dritten Verhältnis zwischen Digitalisierung und Gender deutet sich das mit neuen digitalen Technologien einhergehende Potenzial für Gender Inklusion an, während zugleich das Problem einprogrammierter Gender Biases auftritt, die Diskriminierungen oftmals verschärfen.

Durch die Gegenüberstellung der Potenziale und Probleme wird nicht nur die Ambivalenz organisationaler Digitalisierung analysierbar und verständlich, es stellt sich auch heraus, dass mit digitalen Transformationen einen doppelte Formalisierung einhergeht: Organisationen werden nicht nur mit den für Reformen üblichen Anpassungen der formalen Strukturen konfrontiert, sondern müssen zusätzlich formale Entscheidungen zu Technikeinführung und -beibehaltung treffen sowie formale Lösungen etablieren, um auf unvorhergesehene Potenziale und Probleme reagieren. Das Ziel der Dissertation von Lene Baumgart ist es, eine analytisch generalisierte Heuristik an die Hand zu geben, mit deren Hilfe die Errungenschaften und Chancen digitaler Transformationen identifiziert werden können, während sich parallel ihr Verhältnis zu den gleichzeitig entstehenden Herausforderungen und Folgeproblemen erklären lässt.

 

Pauline Boos

(Promotion im Rahmen des Projekts Organisationale Implikationen der Digitalisierung)

 

Annika Koch

Religiöse Normen und Feste in Schulen – Eine dokumentarische Erforschung informaler Organisationsregeln (Arbeitstitel)

In Deutschland bestehen entsprechend dem Grundgesetz Religionsfreiheit und Diskriminierungsverbot. Gleichzeitig orientieren sich schulische Organisationsstrukturen oft am säkularisierten Christentum, z.B. an christlichen Feiertagen. Unter diesem Hintergrund können beim Umgang mit religiösen Normen und Festen in multireligiösen Schulen Herausforderungen und Widersprüche entstehen. Beispielsweise können sich Konflikte ergeben, wenn Elternsprechtage auf hohe Feiertage religiöser Minderheiten gelegt werden, Lehrer:innen sich beklagen, dass Schüler:innen im Ramadan weniger leistungsfähig seien oder nicht wissen, wie sie gut mit den Schüler:innen über religiöse Normen sprechen können. Mein Dissertationsprojekt handelt von solchen alltäglichen Widersprüchen und Herausforderungen.

Häufig gibt es vonseiten der Schulaufsichten kaum formale Vorgaben zum Umgang mit religiösen Normen und Festen. Grade wo es keine formalen Regelungen gibt, etablieren sich in Organisationen aber informale Regeln und Schulkulturen, die nicht bewusst reflektiert werden.

In ihrer Dissertation möchte Koch diese informalen Regeln anhand von Interviews mit Lehrer:innen, Schulsozialarbeiter:innen und Schüler:innen rekonstruieren. Dabei nutzt sie die dokumentarische Methode, um das implizite Wissen der Befragten explizit und damit zugänglich für die Reflexion zu machen.

 

Marcel Ehrenreich

Kommunikationsbarrieren im polizeilichen Ermittlungsverfahren – Eine organisationssoziologische Betrachtung

In der Promotion werden Kommunikationsbarrieren innerhalb der Polizeiorganisation thematisiert. Im Speziellen interessiert Marcel Ehrenreich organisational bedingte Informationsverluste im polizeilichen Ermittlungsverfahren. Diese vermutet er aufgrund der unterschiedlichen Zuständigkeitsbereiche für einerseits die Spurensuche am Tatort und andererseits für die sich darauf aufbauenden Ermittlungen. Ihn interessiert, ob und warum relevante Informationen vom Tatort (Spuren) keinen Eingang in die späteren Ermittlungen finden. Theoretisch nutzt Ehrenreich dazu Ansätze aus dem Bereich des organizational sensemaking und die Perspektive des alltäglichen Umgangs mit Formalität und Informalitätin bürokratischen Organisationen.

Seine Daten erhebt er mit teilnarrativen Interviews, die er im Anschluss sowohl inhaltlich als auch sequenzanalytisch auswerten wird. Für letzteres nutzt Ehrenreich die Methodik der objektiven Hermeneutik. Die Interviews führt er mit PolizistInnen aus den unterschiedlichen Organisationsbereichen der Schutz- und Kriminalpolizei.