Laufende Promotionen

Annika Koch

Religiöse Normen und Feste in Schulen – Eine dokumentarische Erforschung informaler Organisationsregeln (Arbeitstitel)

In Deutschland bestehen entsprechend dem Grundgesetz Religionsfreiheit und Diskriminierungsverbot. Gleichzeitig orientieren sich schulische Organisationsstrukturen oft am säkularisierten Christentum, z.B. an christlichen Feiertagen. Unter diesem Hintergrund können beim Umgang mit religiösen Normen und Festen in multireligiösen Schulen Herausforderungen und Widersprüche entstehen. Beispielsweise können sich Konflikte ergeben, wenn Elternsprechtage auf hohe Feiertage religiöser Minderheiten gelegt werden, Lehrer:innen sich beklagen, dass Schüler:innen im Ramadan weniger leistungsfähig seien oder nicht wissen, wie sie gut mit den Schüler:innen über religiöse Normen sprechen können. Mein Dissertationsprojekt handelt von solchen alltäglichen Widersprüchen und Herausforderungen.

Häufig gibt es vonseiten der Schulaufsichten kaum formale Vorgaben zum Umgang mit religiösen Normen und Festen. Grade wo es keine formalen Regelungen gibt, etablieren sich in Organisationen aber informale Regeln und Schulkulturen, die nicht bewusst reflektiert werden.

In ihrer Dissertation möchte Koch diese informalen Regeln anhand von Interviews mit Lehrer:innen, Schulsozialarbeiter:innen und Schüler:innen rekonstruieren. Dabei nutzt sie die dokumentarische Methode, um das implizite Wissen der Befragten explizit und damit zugänglich für die Reflexion zu machen.

 

Ray Trautwein

Transgeschlechtlichkeit und Organisation – Outing- und Transitionprozesse in Organisationen am Beispiel der Bundeswehr

Das Dissertationsprojekt untersucht Outing- und Transitionprozesse in Organisationen wie Bundeswehr und Polizei. Militär und Polizei sind in ihrer Konstitution und Tradition geprägt durch heteronormative formal-rechtliche Ausschlüsse sowie (formale und informale) Einschränkungen. Aufgrund rechtlicher Neuerungen und politischer Kämpfe wurden und werden diskriminierende Rahmenbedingungen in den Organisationen reduziert. Allerdings führen formale und/oder (antidiskriminierungs-)rechtliche Neuerungen nicht automatisch zu einer Reduktion informaler Diskriminierungen. Davon ausgehend fragt das Dissertationsprojekt, wie Outing- und Transitionprozesse in Bundeswehr und Polizei ablaufen können. Hierfür nimmt das Projekt auch in den Blick, welche Rolle dabei formale und (antidiskriminierungs-)rechtliche Regularien und Neuerungen, ebenso wie politische Kämpfe spielen. Datengrundlage sind einerseits teil-narrative Interviews mit Outing- und/oder Transition erfahrenen Organisationsmitgliedern, andererseits ein Korpus an Dokumenten, bspw. bestehend aus Rechtstexten, organisationalen Verordnungen oder medialen Beiträgen relevanter Akteur:innen. Ziel ist es, Prozesse von (Anti-)Diskriminierung in diesen Organisationen besser zu verstehen und überdies exemplarisch zu diskutieren, wie der (rechtliche) Schutz vor Diskriminierung, insbesondere im Kontext von Outing und Transition, verbessert werden kann. Entstanden ist das Vorhaben im Teilprojekt „Organisation und Recht – politische Interessengruppen und rechtliche Interventionen“ der DFG-Forschungsgruppe Recht – Geschlecht – Kollektivität. Daran anschließend vereint das Dissertationsprojekt Ansätze aus den Gender Studies, der feministischen Rechtsforschung und Organisationssoziologie.

 

Lene Baumgart

(Promotion im Rahmen des Projekts Organisationale Implikationen der Digitalisierung)

 

Pauline Boos

(Promotion im Rahmen des Projekts Organisationale Implikationen der Digitalisierung)

 

Marcel Ehrenreich

Kommunikationsbarrieren im polizeilichen Ermittlungsverfahren – Eine organisationssoziologische Betrachtung

In der Promotion werden Kommunikationsbarrieren innerhalb der Polizeiorganisation thematisiert. Im Speziellen interessiert Marcel Ehrenreich organisational bedingte Informationsverluste im polizeilichen Ermittlungsverfahren. Diese vermutet er aufgrund der unterschiedlichen Zuständigkeitsbereiche für einerseits die Spurensuche am Tatort und andererseits für die sich darauf aufbauenden Ermittlungen. Ihn interessiert, ob und warum relevante Informationen vom Tatort (Spuren) keinen Eingang in die späteren Ermittlungen finden. Theoretisch nutzt Ehrenreich dazu Ansätze aus dem Bereich des organizational sensemaking und die Perspektive des alltäglichen Umgangs mit Formalität und Informalitätin bürokratischen Organisationen.

Seine Daten erhebt er mit teilnarrativen Interviews, die er im Anschluss sowohl inhaltlich als auch sequenzanalytisch auswerten wird. Für letzteres nutzt Ehrenreich die Methodik der objektiven Hermeneutik. Die Interviews führt er mit PolizistInnen aus den unterschiedlichen Organisationsbereichen der Schutz- und Kriminalpolizei.

 

Marcel Häßler

Die Polizei aus Sicht afghanischer Polizisten – Ein Perspektivwechsel

Wie definieren afghanische Polizisten gute Polizei? Dieser Frage widmet sich die Arbeit von Marcel Haessler der mittels narrativer biografischer Interviews mit afghanischen Polizisten eine afghanische Perspektive auf die Organisation Polizei untersucht.

Die afghanische Polizei gilt weithin als eine dysfunktionale Organisation die nach nahezu zwei Dekaden massiver Investitionen in Material, Personal, Strukturen und Prozesse von der Bevölkerung und internationalen Beobachtern als Last wahrgenommen wird. Bei näherer Betrachtung wird klar, dass dies kein strukturelles, sondern vielmehr ein kulturelles Problem ist, das weit über den Organisationsrahmen der Polizei hinausgeht. Das kulturell bedingte Verständnis ‚guter‘ Polizei aus der Sicht afghanischer Polizisten zeigt Schnittmengen, aber auch Kontraste und Ambiguitäten zu einer ‚westlichen‘ Polizeiperspektive. Diese oftmals verborgenen kulturellen Wahrnehmungsdifferenzen, aber auch konträre Sinnzuschreibungen führen zu Missverständnissen auf Seiten der afghanischen Bevölkerung, der internationalen Geber und innerhalb der afghanischen Polizei. Die vorliegende Arbeit will durch den bewussten Fokus auf die kleinste geografische Organisationseinheit der afghanischen Polizei, den Polizeidistrikt und narrative Interviews mit Polizisten polizeikulturelle Deutungsmuster afghanischer Polizisten herausarbeiten.