Schliessen

Forschungsstelle Europäische Strafrechtsgeschichte


Für die Erforschung der Strafrechtsgeschichte kann die Beschränkung auf den nationalen Rahmen nicht sinnvoll sein. Zwar hat das Strafrecht an der sich seit Mitte des 20. Jahr­hunderts vollziehenden rechtlichen Einigung Europas bisher in geringerem Maß teilgehabt als die anderen juristischen Teilgebiete. Aber auch hier sind die Verflechtungen mittlerweile sehr beträchtlich, und abgesehen davon ist die Geschichte des deutschen Strafrechts im Ganzen - wie diejenige der anderen Teilgebiete - Ausschnitt der europäischen Rechtsgeschichte, determiniert durch die Verbindung von Antike und Christentum, durch die Herausbildung des kirchlichen und die Rezeption des römischen Rechts, durch Scholastik, Renaissance und Reformation, durch die Aufklärung, den deutschen Idealismus und den Nationalstaatsgedanken, durch die Kriege, den Nationalsozialismus, den realexistierenden Sozialismus und die europäische Einigung.

Die Forschungsstelle Europäische Strafrechtsgeschichte gibt mittels international besetzter Tagungen Impulse zur Erforschung der deutschen als Ausschnitt der europäischen Strafrechtsgeschichte und trägt zum Ausbau eines Netzwerks hierzu arbeitender europäischer Forscherinnen und Forscher bei.


Bibliothek

 Die im Aufbau befindliche Basisbibliothek zur europäischen Strafrechtsgeschichte ist über den allgemeinen Bibliothekskatalog (OPAC) der Universität Potsdam zugänglich.


Team

Prof. Dr. Georg Steinberg - gsteinbe@uni-potsdam.de

Cora Wegemund - cwegemund@uni-potsdam.de


Aktuelles Projekt

Strafrecht in der alten Bundesrepublik 1949-1990

Der Besondere Teil des Strafrechts im zeitgeschichtlichen Spiegel von Gesellschaft und Politik

in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Arnd Koch, Universität Augsburg, und Prof. Dr. Andreas Popp, Universität Konstanz
Die Tagung (Ort: Konstanz) musste coronabedingt auf den 12.-14. Mai 2022 verschoben werden. Sie schließt konzeptionell an diejenige zum Allgemeinen Teil des Strafrechts (sowie Grundlagen und Rechtsfolgen) in der alten Bundesrepublik (siehe unten) an.


Abgeschlossene Projekte

Strafrecht in der alten Bundesrepublik 1949–1990

Grundlagen, Allgemeiner Teil und Rechtsfolgenseite im zeitgeschichtlichen Spiegel von Gesellschaft und Politik

Herausgegeben von Prof. Dr. Georg Steinberg, Prof. Dr. Arnd Koch, Prof. Dr. Andreas Popp

Nomos,  2020, 612 Seiten, gebunden

ISBN 978-3-8487-7027-4 

www.nomos-shop.de/nomos/titel/strafrecht-in-der-alten-bundesrepublik-1949-1990-id-97722/

Während bisher zur Geschichte des Strafrechts in der alten Bundesrepublik lediglich kürzere, überblicksartige Gesamtdarstellungen existierten, nimmt dieser Band das gesamte Spektrum des Allgemeinen Teils, flankiert durch die „Grundlagen“ und die Rechtsfolgenseite, detailreich in den Blick. Dabei werden die einzelnen Dogmengeschichten nicht isoliert dargestellt, sondern in ihrer Interaktion mit der Strafrechtswissenschaft, -praxis, -politik und gesellschaftlichen Veränderungen. Durchaus experimentell, werten die Beiträge teils Schrifttum, teils Judikatur als Quellen aus, teils schreiten sie Themenkreise aus, teils greifen sie aussagekräftige Einzelaspekte heraus, teils diskutieren sie zurückhaltend, teils intensiv sozialhistorische Korrelate.

Sozialistische Straftheorie und -praxis in Europa

Herausgegeben von Prof. Dr. Georg Steinberg

2018, 271 S., Broschiert,
ISBN 978-3-8487-4870-9
(In Gemeinschaft mit Dike Verlag Zürich/St. Gallen und facultas)

http://www.nomos-shop.de/37391

 

Das Buch gibt Einblicke in das Strafrecht des real existierenden Sozialismus in Europa, insbesondere der DDR. Gespannt wird der Bogen von den philosophischen Ausgangspunkten im 19. Jahrhundert (Marx) über die rechtstheoretischen Debatten in der Sowjetunion in den 1920er Jahren und später in der DDR, und von dort weiter zur Strafpraxis, nämlich dem Wirtschaftsstrafrecht der DDR und der Todesstrafe als exemplarischen Feldern. Einblicke zu anderen Ländern des damaligen Warschauer Pakts geben Aufsätze über die Strafzumessung in Polen, den strafrechtlichen Lebensschutz in Ungarn und den tschechoslowakischen Straftatbestand der Ausschreitung. Anliegen ist es, durch die Profilierung des Theorie-Praxis-Bezugs ein vertieftes Verständnis dieses Strafrechtsdenkens zu unterstützen.