Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes
Nachdem Frau Subasic meine Bewerbung an die ITESO weitergeleitet hat, habe ich relativ schnell eine E-Mail mit weiteren Infos und den nächsten Schritten bekommen.
Die ITESO benötigt für die Bewerbung ein kurzes Motivationsschreiben, einen Sprachnachweis (entweder Spanisch B2 oder Englisch C1), ein von Arzt oder Ärztin ausgefülltes und unterschriebenes Gesundheitsformular und einen Nachweis über eine Auslandskrankenversicherung. Bei Fragen zu einer der Komponenten ist der Austausch mit der zuständigen Person an der ITESO sehr verständnisvoll und hilfreich.
In Mexiko ist für einen Aufenthalt von bis zu sechs Monaten kein Visum notwendig. Bei der Einreise ist es wichtig, die Bestätigung des Auslandssemesters und für den Rückflug zu haben, da die BeamtInnen am Flughafen auch willkürlich weniger lange Visa ausstellen können. Darauf ist also zu achten. Sollte es dabei zu Schwierigkeiten kommen sind die Personen im International Office eine gute Unterstützung und kann bei eventuellen bürokratischen Prozessen helfen.
Zu Impfungen habe ich mich im Institut für Reisemedizin beraten lassen.
Studium an der Gastuniversität
Es gibt eine Universitätsplattform, ähnlich wie PULS, aber als internationale Studierende kann man darüber keine Kurse belegen. Die gewählten Kurse sendet man an das International Office und bekommt diese dann bestätigt und im System angezeigt. Innerhalb der ersten Uni Woche können diese noch gemeinsam mit dem Personal des International Office geändert werden. Die LVs sind ähnlich organisiert, wie in Potsdam, dies ist aber je nach Lehrperson und Kurs auch unterschiedlich. Anforderungen sind gemäß der Leistungspunkte angemessen und mit Potsdam vergleichbar. Wichtig ist aber, dass es eine Anwesenheitspflicht gibt, die für das Bestehen der Kurse sehr wichtig ist und mündliche Mitarbeit bewertet wird. Die Bewertung findet in Punkten von 1 bis 10 statt, wobei 6 Punkte notwendig sind, um zu bestehen und zehn die höchstmögliche Punktzahl ist.
Das Klima in den Kursen ist sehr angenehm und kollegial und die Beziehung zwischen Studierenden und Lehrpersonal ist angenehm und höflich aber kaum hierarchisch geprägt. Der Campus ist sehr schön und grün und bietet viele Angebote, wie unter anderem Volleyball- und Tennisplätze, einem Fitnessstudio, diversen Restaurants und Kiosks etc. Außerdem finden viele Veranstaltungen und Events am Campus statt. Aus diesem Grund halten sich die meisten Studierenden viel am Campus auf, wodurch immer reges Leben auf dem Gelände herrscht.
Das Buddyprogramm ist gut organisiert und die Buddies sind aufmerksam und sehr engagiert. Es gibt ein gutes Angebot an Veranstaltungen speziell für internationale Studierende. Das International Office ist mitten auf dem Campus und es ist fast immer sehr hilfsbereites Personal anwesend. Auch über E-Mail habe ich jederzeit Unterstützung erhalten. Auch das Lehrpersonal steht bei Fragen zur Verfügung und versteht, dass es besondere Herausforderungen geben kann, die internationale Studierende betreffen.
Die Uni ist sehr gut ausgestattet. Es gibt einen großen Computer Pool sowohl in der Bibliothek als auch separat und einen technischen Hilfsdienst, der jederzeit erreichbar ist. Die Bibliothek ist während der Öffnungszeiten des Campus geöffnet und es stehen Drucker bereit, für die ein ausreichendes Druckerbudget vorhanden ist.
Kontakte zu einheimischen und internationalen Studierenden
Das Buddyprogramm hat Kontakte zu einheimischen und anderen internationalen Studierenden sehr erleichtert. Dabei ist der Kontakt mit internationalen Studierenden etwas leichter, da diese sich in einer sehr ähnlichen Situation befinden, während die mexikanischen Studierenden häufig schon eingebetteter in ein soziales Netz sind. Trotzdem sind viele offen für Kontakte und haben Interesse an Austausch. Im Rahmen der Sprachkurse wird zusätzlicher Austausch durch ein Engagement im Language Hub gefördert.
Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt
Vor meinem Aufenthalt in Mexiko hatte ich ein Sprachlevel von B2, was sich allerdings nicht besonders sicher angefühlt hat, da ich vor der Abreise wenig Zeit zum Üben hatte. Meine Kurse habe ich auf Spanisch belegt und obwohl das in einigen Kursen eine Herausforderung war, hat es dazu beigetragen, dass sich mein Sprachniveau und mein Selbstbewusstsein in der Sprache sehr stark verbessert hat. Dies war sicher nur so möglich, weil ich parallel einen Spanischkurs an der Uni gemacht habe, in dem ich auch Fragen, die in anderen Kursen aufgekommen sind klären konnte.
Mexiko ist ein sehr gutes Land um Spanisch zu lernen, da das Spanisch sehr klar ist und man auch auf die Sprache angewiesen ist.
Wohn- und Lebenssituation
Viele der Wohnungen in Guadalajara werden über Facebook vermietet, außerdem gibt es Unternehmen, wie zum Beispiel Connexion, die in großen Häusern Zimmer für Studierende vermieten. Ich wollte allerdings ein Leben in diesem Kontext vermeiden und lieber in einer normalen WG wohnen und habe auch kein Facebook. Aus diesem Grund habe ich mein Zimmer am Ende über Freunde von Freunden gefunden. Ich habe schon vor meiner Reise einige Kontakte gehabt, habe aber die erste Woche in einem Hostel verbracht, damit ich mir die Zimmer angucken kann, bevor ich etwas zusage. Das würde ich sehr empfehlen, weil viele Sachen doch anders sind, als sie auf Fotos scheinen.
Ich habe mich entschieden im Stadtzentrum zu wohnen, was ca. eine Stunde mit den öffentlichen Verkehrsmitteln von der ITESO entfernt ist. Fußläufig von der Uni gibt es auch viele Angebote, die dann aber in reinen Wohngegenden sind. Das ist eine Entscheidung, über die man sich vor der Suche Gedanken machen sollte.
Es ist hier wichtig zu bedenken, dass abends alleine in der Stadt unterwegs zu sein, gerade als Frau in Guadalajara nicht sicher ist. Dies sollte bei dieser Entscheidung und der Kurswahl berücksichtigt werden. Tagsüber sind die öffentlichen Verkehrsmittel sicher und nicht teuer. Von der Bahnstation gibt es einen Universitätsshuttle, der umsonst ist und regelmäßig fährt, außerdem hat die Universität ein eigenes „Carsharing“ System, was je nachdem wo man wohnt auch sehr gut funktioniert. Wenn man abends unterwegs sein möchte, dann sind Uber und Didi (günstigere Option) sehr zuverlässig und nicht sehr teuer. Die meisten Locals fahren viel Auto, das ist aber nicht notwendig.
Mit einer Visakarte kann man in den meisten Restaurants und Geschäften ohne Probleme bezahlen. Geld abheben kann man bei den meisten Banken (z.B. Santander, Banamex und BBVA). Auch am Campus gibt es einen Geldautomaten, der sehr sicher ist. Allerdings berechnen alle Automaten bei nichtmexikanischen Karten einen Betrag der unterschiedlich ist. Meiner Erfahrung nach, ist das Geldabheben bei Banamex am günstigsten.
Ich habe vor meiner Abreise eine Auslandsversicherung abgeschlossen. Alle Rechnungen musste ich vor Ort selber zahlen und konnte diese nachträglich einreichen.
An der Universität gibt es viele Angebote von Aktivitäten, die außerhalb der Kurse umsonst genutzt werden können. Sonst bietet die Stadt auch viele Möglichkeiten von Kunst und Kultur zu Sport gibt es viel zu tun und zu entdecken. Mit Bussen oder günstigen Airlines wie Viva oder Volaris können (lange) Wochenenden für Trips genutzt und das Land erkundet werden. Aber auch in Guadalajara gibt es eigentlich immer viel zu erleben.
Lebenshaltungskosten
Das Leben in Guadalajara kann sehr unterschiedlich viel kosten, je nachdem, wie man sich entscheidet zu leben. Für die Miete sollten tendenziell 400-600 Euro eingeplant werden. Das Einkaufen in Supermärktenist ähnlich teuer wie in Berlin oder Potsdam. Eine gute Alternative sind Märkte, da Obst, Gemüse und auch Bohnen, Eier, Reis, etc. dort deutlich günstiger sind. Je nachdem wo man wohnt, finden diese unterschiedlich regelmäßig statt, aber es lohnt sich sehr sich danach zu erkunden. Das Essengehen in Restaurants ist häufig auch nicht viel günstiger als hier, aber es gibt Essensmärkte und Stände, die sehr viel günstigere Angebote haben. Am besten lässt man sich diese von Locals zeigen, aber generell ist es eigentlich immer sehr lohnenswert auszuprobieren.
Die öffentlichen Verkehrsmittel kosten umgerechnet ca. fünfzig Cent pro Fahrt und je nachdem, wie lang Uberfahrten sind, bewegen sich diese meist zwischen 3 und 10 Euro. Vielen Museen sind umsonst oder kosten nicht mehr als 5 Euro Eintritt.
Studienfach: Soziologie
Aufenthaltsdauer: 08/2025 - 12/2025
Gastuniversität: ITESO, Universidad Jesuita de Guadalajara
Gastland: Mexiko
Rückblick
Das Semester in Mexiko war eine sehr wertvolle Erfahrung, die sofort wieder machen würde. Einer meiner wichtigsten Tipps ist es, sich nicht abschrecken zu lassen, wie anders alles ist, als gewohnt. Sobald ich meine erste Unsicherheit, die durch dieses Anders ausgelöst worden ist überwunden haben, hatte ich eine wirklich besondere Zeit.
Ich finde es wichtig nicht zu vergessen, dass die ITESO eine private Universität ist. Aus diesem Grund bewegt man sich in einer sehr speziellen Schicht von Mexiko, die nicht den Großteil der Bevölkerung widerspiegelt. Ich habe auch die Kontakte außerhalb dieses Netzes als sehr wertvoll und interessant wahrgenommen.
Das Thema Sicherheit ist ein sehr großes Thema in Mexiko. Es ist sehr wichtig das nicht zu vergessen und auch zu versuchen, die Situation zu verstehen. Gleichzeitig ist ein normales Leben ohne Angst gut möglich. Es ist wichtig eine Balance zu finden, sich von dem Bild, was viele im Westen von Mexiko haben, nicht zu sehr einschüchtern zu lassen, aber gleichzeitig auch nicht unvorsichtig zu werden.
Mexiko ist ein unglaublich großes und kulturell reiches Land. Der Versuch all das innerhalb kurzer Zeit zu erleben endet tendenziell darin, kaum etwas richtig kennenzulernen. Für mich war es daher sehr gut mir Zeit zu nehmen Orte in Ruhe kennenzulernen, statt so viel wie möglich zu sehen. Jede Person reist natürlich anders und für manche ist es anders besser, aber mein Tipp wäre es eher denn Stress rauszunehmen und nur einige Orte auszusuchen die besonders interessant scheinen. Ich werde sicher wiederkommen um noch mehr zu kennenzulernen.